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Man weiß es schon vorher und ist trotzdem machtlos: Wenn ein Abschied naht, rinnen einem zum Schluss die Tage wie Sand durch die Finger! Und darum ist es jetzt auch „schon“ soweit und ich verlasse Toronto und fliege weiter nach Vancouver. In den letzten Wochen habe ich einen Eindruck von Kanadas unglaublicher Natur bekommen. Es ist so, wie ich es schon von vielen Leuten zuvor gehört habe. Aber ohne es selbst gesehen zu haben, fehlt die Vorstellungskraft. Und auch Fotos zeigen nicht das, was ich tatsächlich gesehen habe. Am treffendsten hat es für mich ein Bed & Breakfast Gastgeber formuliert: „Es scheint, als sei man hier (in der Natur) dem Himmel ein Stückchen näher!“

Meine letzten Tage in Toronto waren vor allem vom Abschied nehmen geprägt. Ich habe noch einmal die Menschen getroffen, die für mich wichtig waren und ich habe es genossen, noch einmal Zeit mit ihnen zu verbringen: brunchen, durch East Chinatown zu spazieren und chinesische Bäckereien auszuprobieren… und sich dabei so selbstverständlich durch die Stadt zu bewegen, zu quatschen und gemeinsam zu lachen. Das ist das, was ich wollte: In die Stadt eintauchen und teilhaben. Und ich habe es endlich geschafft Egg Benedict (pochierte Eier mit angebratenem Schinken und Sauce Hollandaise) und Bubble Tea zu probieren. Insbesondere die Bubbles sind allerdings gewöhnungsbedürftig – schmecken nach nichts, aber haben die Konsistenz von aufgeweichtem Weingummi.

Ich verlasse Toronto also mit einem zufriedenen Gefühl. Die Stadt ist großartig und ich bin froh, dass ich ihr diesen Raum gegeben habe – sie hat ihn verdient! Was ich mitnehme aus Toronto, neben einem Rezept für selbstgemachtes Müsli und einer deutschen 5 Reichspfennig Münze, ist die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Höflichkeit der Menschen! Und die Erinnerung an einen tollen, letzten Abend! Sara’s Schwiegertochter hatte mich zum Essen eingeladen und so saß ich an meinem letzten Abend gemeinsam mit drei Kanadiern am Tisch. Ganz unkompliziert! Ganz einfach! Wir haben lecker gegessen, Niagara Wein getrunken, Musik gehört, geredet und gelacht. Und manchmal liegt eben genau in dem Einfachen das Besondere und das war’s, was ich erreichen wollte!

 

Zum Frühstück einen Bagel, dann Wäsche waschen im Waschsalon, eine Runde joggen, einen Schwatz mit der Nachbarin, das Fahrrad ausgeliehen und ein paar Kilometer am Lake Ontario entlang geradelt. Nachmittags mit Aline, einer brasilianischen Studentin aus der Sprachschule, getroffen und mit einem Plastikbecher in der Hand am Hafen entlang spaziert und später das Hubkonzert der feiernden spanischen Fans gehört. Abends mit Sara und ihrer Familie Strawberry-Chocolate-Cheesecake (Schoko-Käsekuchen mit Erdbeerdeko) gegessen, da ihr Sohn aus Vancouver zu Besuch ist und Geburtstag hatte – das war mein Bergfest! Hört sich nach einem langweiligen Tag an? Mitnichten! Für mich ist es noch immer besonders und gleichzeitig ist es schön, diese Routine zu haben.

Ganz selbstverständlich benutze ich Waschmaschine und Trockner im Waschsalon ohne über die Temperatur nachdenken zu müssen (hier gibt es nämlich keine 30° C oder 40° C, sondern es wird unterschieden nach „hellen Farben“ und „dunklen Farben“ etc.). Ich brauche inzwischen keine Karte mehr, um zum Lake Ontario zu fahren – selbst wenn eine Straße mal gesperrt ist. Ich durchblicke das Angebot der vielen Coffee Shops und bestelle souverän auf Englisch meine Eisschokolade, einen Frucht Smoothie oder was auch immer nicht-nach-Kaffee-schmeckt. Ich freue mich darüber, anschließend mit diesem Plastikbecher in der Hand (auch wenn es weiß Gott nicht umweltfreundlich ist!) „ganz normal“ durch die Straßen zu laufen, so wie Millionen andere Torontonians. Und „besonders“ ist es, wenn ich meine Zeit mit den Menschen hier verbringen kann. So wie heute Abend mit Sara’s Familie (ihren zwei Söhnen mit Frauen und ihrem Vater) oder am vergangenen Montag mit Kelsey: Wir haben Roti (gefülltes indisches Fladenbrot) im „besten Roti-Laden“ bestellt und anschließend im Park gegessen. Ich bin es noch immer nicht leid, die vielen Speisen hier auszuprobieren. Das Angebot in Toronto ist unerschöpflich! Das Besondere für mich: Es sind tatsächlich Einheimische, die die Speisen geschmacklich so zubereiten, wie sie in Indien, Mexiko, Korea, Japan oder Brasilien wirklich gegessen werden! Und ich probiere sie gemeinsam mit Leuten aus, die aus Mexiko, Japan oder Korea kommen!

Und ich werde es nicht leid, die Unterschiede zu sehen: Unterschiedliche Verhaltensweisen, unterschiedliche Einstellungen und unterschiedliche Wege Dinge zu regeln, Probleme anzugehen und zu lösen. Und von meiner Heimat zu erzählen und zu erfahren, wie Deutschland im Ausland gesehen wird und gleichzeitig zu erzählen, was ich über Länder wie Mexiko oder Korea gehört habe. Mein Wunsch war es über den Tellerrand zu blicken und es ist so wunderbar, dass ich diesen Satz Tag für Tag mit Leben füllen kann! Mit vielen kleinen Momenten und manchmal mit echter Verwunderung!

Doch meine routinierten Tage hier in Toronto sind gezählt. Momentan erkunde ich die Provinz Ontario und habe auch der Provinz Quebec einen Kurzbesuch abgestattet, indem ich die Stadt Montréal besucht habe. Gleichzeitig habe ich einen ersten Eindruck von der Natur und der Weite des Landes bekommen und bin glücklich, Kanada in der zweiten Hälfte meines Aufenthalts noch weiter erkunden zu können! Nicht, dass wir in Deutschland nicht auch Natur hätten und es gibt viele schöne Ecken! Aber ich habe den Eindruck, es gibt hier von allem „mehr“: mehr Seen, größere Seen, dichteren Wald, höhere Bäume, intensivere Farben und mehr Sterne!!! Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Sterne gesehen, wie letztes Wochenende am Drag Lake in der Nähe des Algonquin Nationalparks! Dieses Bild werde ich nie vergessen. Ich freue mich auf viele weitere „Bilder“ in der zweiten Hälfte meines Kanada-Aufenthalts!

Meine weiteren Einsätze als Volunteer haben zum Glück gut funktioniert. Wir waren mindestens zu fünft und dann bekommt man den Einlass auch gut organisiert – egal wie wuselig es war. Bei einem echten Filmhighlight war ich als Zuschauer dabei: Zur Filmpremiere von „My father and the man in black“ – ein Film über Johnny Cash und seinem Manager Saul Holiff erzählt aus der Sicht des Sohnes Johnathan Holiff. Mit meinem Priority-Pass durfte ich direkt nach vorne durchgehen und mich in die Warteschlange gleich hinter den Premierengästen von der Gästeliste einreihen. War schon interessant, auch wenn ich leider keinen Promi kannte. Dafür stand eine Frau neben mir und erklärte mir ganz aufgeregt, wer welche Fernsehshow moderiert oder in welchem Film mitspielt. Ich glaube sie hat darauf gewartet, dass ich wenigstens einmal sage: „Ah, ja, kenn’ ich!“ Musste sie aber leider enttäuschen.

Meine Zeit beim Film- und Musikfestival habe ich insgesamt sehr genossen. Ich habe viel gesehen, viel mitbekommen, viel Englisch gesprochen und nette Leute kennengelernt. Mit zwei Mädels habe ich mich richtig gut verstanden und wir haben uns schon während des Festivals getroffen und sind losgezogen. Es waren richtig schöne Abende! Kelsey ist vor ein paar Monaten aus Alberta nach Toronto gezogen und wird im September nach New York zur Schauspielschule gehen. Ixchel kam vor knapp einem Jahr aus Mexiko nach Toronto. Das Musikfestival ist ähnlich organisiert wie unsere „Kneipennächte“. Hier haben allerdings an fünf Abenden (!) zu jeder vollen Stunde die Bands begonnen für etwa 40 Minuten zu spielen. Dann folgte eine kurze Umbaupause, in der man das Lokal wechseln konnte, um eine andere Musikrichtung zu hören, und schon folgte die nächste Band. Angenehm war, dass es nirgendwo überfüllt war und die Kneipen dicht beieinander lagen, sodass man zu Fuß weiterziehen konnte. Einfach mal reinschauen, kurz zuhören und dann entweder bleiben oder weiterziehen. So hab ich noch mal viele bekannte Kneipen und Clubs kennengelernt, von denen ich vorher nur gehört hatte!

In den letzten Wochen habe ich wahnsinning viel unternommen, um Toronto kennenzulernen. So langsam spüre ich aber auch eine Art Sättigung. Gestern Nachmittag bin ich einfach mal zu Hause geblieben, auch wenn ich wieder tausend interessante Dinge hätte machen können. Es lief ein interessanter Film beim NXNE Festival, in „Little Italy“ ist das ganze Wochenende „Straßenfest“ und die Radfahrer hatten zwei interessanten Radtouren im Programm. Zusätzlich gibt es jeden Tag Spaziergänge, Führungen, kostenlose Konzerte, Besichtigungen und natürlich viele, viele Restaurants und Cafés, die ich doch noch sehen und ausprobieren will. Alles ist möglich, aber nicht zu schaffen!!

Deswegen freue ich mich auch, wenn es morgen mit dem Zug in aller Ruhe nach Montréal geht. YunMi Lee, eine Studentin aus meiner Sprachschule, werde ich in Montréal treffen und wir werden uns die Stadt gemeinsam anschauen. Dann fährt sie aber weiter nach Quebéc City, während es für mich weiter nach Ottawa geht.

Für heute Nachmittag habe ich mir fest vorgenommen, das Fußballspiel zu sehen. Bis jetzt habe ich die Spiele verpasst – 14.45 Uhr (Zeitverschiebung sei „Dank“) ist irgendwie eine blöde Zeit. Aber heute klappt’s! Ich hätte nicht gedacht, dass die EM hier so präsent sein würde! Aber wirklich viele Kneipen übertragen die Spiele und sind auch richtig schön geschmückt. Es gab sogar eine Art Kneipenführer in der Tageszeitung, wo welche Nation Fußball schaut. Wenn Deutschland ausscheiden sollte (was ich natürlich nicht hoffe!!), habe ich mir überlegt „Fan-Hopping“ zu machen und mir jeden Spieltag ein anderes Fußballtrikot überzustreifen und dann das Spiel irgendwo in Heimspielatmosphäre zu schauen. Denn die Italiener sind in „Little Italy“ genauso fußballverrückt wie in Italien und auch im griechischen Viertel wird ordentlich gefeiert. Und wie die Portugiesen mitfiebern, bekomme ich bereits jetzt jeden Spieltag mit, da ich im portugiesischen Viertel wohne. Zum Glück hat Deutschland das erste Spiel gewonnen!!!

Mein Gott, war das ein schrecklicher Volunteer Einsatz! Auch wenn es dann doch irgendwie gut ging – es herrschte Chaos!

Aber von vorn: Die Registrierung als Volunteer im Hyatt Hotel (ja, das war schon nobel) klappte gestern gut und ich erhielt mein T-Shirt und meinen „Priority Pass“ für alle Veranstaltungen. Der kostet übrigens 250 CAD ( knapp 200 Euro) im Verkauf!

Heute war dann meine erste Schicht und wir sollten zu sechst sein. Von den anderen Volunteers erschien jedoch nur Valerie. Sie kannte ich bereits vom Infotreffen. Andere Volunteers tauchten bis zum Ende der Schicht nicht mehr auf! Vielleicht hätte sich Nikki, unsere Volunteer Managerin, nach der geringen Beteiligung beim Infotreffen, doch mal ein paar Gedanken darüber machen sollen. Sie war übrigens auch nicht vor Ort, als ich ankam. Von Valerie erfuhr ich, dass sie von Nikki für heute als „Venue-Managerin“ eingeteilt worden sei (quasi die Teamleitung vor Ort) und mein ungutes Gefühl wuchs. Ich mag Valerie, aber sie ist noch recht jung und ebenfalls zum ersten Mal bei diesem Festival im Einsatz – und ich glaube, auch überhaupt zum ersten Mal als Volunteer im Einsatz und es war ebenfalls ihre erste Schicht! Aber irgendwie hofft man ja, dass schon alles gut werden wird. Was bleibt einem auch anderes übrig. Manche Dinge hat man eben nicht in der Hand.

Die erste Filmreihe um 15 Uhr haben wir auch gut über die Bühne bekommen. Da das Kino in der ersten Etage war, habe ich dort den Einlass organisiert und mich bemüht Ansprechpartner zu sein – ohne irgendwelche Infos zu haben! Ich bin noch nie so schlecht vorbereitet worden. Zumindest am Veranstaltungstag gab es immer ein aktuelles Briefing und Infos, mit denen ich arbeiten konnte. Und einen Ansprechpartner mit dem man offene Fragen klären konnte! Heute war es anders! Aber dank einer guten Portion Glück hat es ohne größere Probleme geklappt. Es waren auch nur knapp 40 Zuschauer da. Nikki habe ich die gesamte Zeit nicht gesehen!

Dann rückte der Start der zweiten Filmreihe näher und ich ging wieder nach oben auf meine Position. Valerie blieb im Erdgeschoss. Dann reihten sich die unglücklichen Umstände aneinander: die neuen Besucher kamen bereits zu mir hoch, obwohl die erste Filmreihe bzw. das abschließende Gespräch mit dem Regisseur noch lief. Der Besucherstrom riss nicht ab und so wurde auf der ersten Etage richtig voll! Zu diesem Zeitpunkt fragte ich mich, ob denn wohl die Infoweitergabe an den Ticketverkauf funktionieren würde, aber eine Kommunikation mit Valerie war nicht mehr möglich. Ich versuchte auf dem schmalen Flur vergeblich die Leute in die verschiedenen Gruppen ( Passinhaber, Eintrittsbänder und Ticketinhaber) zu unterteilen, aber es war einfach nicht genug Raum. Als die erste Filmreihe zu Ende war, entstand ein Wahnsinnsgedränge! Ein Glück, dass die Kanadier so geordnet und ruhig sind!

Dann häuften sich die Probleme: einige Zuschauer mit Pass oder Eintrittsband wollten im Kinosaal sitzenbleiben, um auch die nächste Filmreihe zu sehen. Wenn es zu diesem Zeitpunkt irgendeine Zuschauerkalkulation gab, waren diese Personen definitiv nicht darin enthalten. Dann kamen während des Einlasses immer noch weitere Passinhaber oder „Eintrittsbänder“ die Treppe hoch und wollten kurzfristig den Film sehen. Da sie ja Priorität haben, durften sie an der wartenden Schlange von Ticketbesitzern vorbei. Und während ich mit fünf Jungs diskutierte, ob sie auf irgendeiner Gästeliste stehen, brach plötzlich der Tumult los, weil es hieß, dass nicht genug Plätze im Kino wären. Dass war dann der Punkt, wo ich dem Englischen nicht mehr folgen konnte und die darauffolgenden Minuten waren einfach chaotisch! In diesem Moment erklärte mir übrigens der Regisseur, dass diese Jungs die Band aus dem Film wären und damit die Hauptdarsteller und wohl kaum draußen bleiben könnten. Peinlich, aber ich frage mich bis jetzt, warum sie dann keinen Künstlerpass hatten?!

Und dann kam wie durch ein Wunder Nikki die Treppe hoch und übernahm das Ruder! Sie hatte nämlich unten mit dem Kinomitarbeiter diskutiert, dass der zweite Raum geöffnet werden müsste, was aber aus irgendwelchen Gründen so kurzfristig nicht ging. So kam es wohl auch zu der Meldung, dass zu wenige Plätze da sein würden. Nikki agierte ab dem Moment professionell, verschaffte sich einen Überblick und organisierte Stühle, die wir dann noch zusätzlich zu den Stuhlreihen aufstellten. Da ich das englische Wort für „Fluchtweg“ nicht kenne, verkniff ich mir diese Frage und war ebenso wie allen anderen einfach nur froh, als tatsächlich der letzte wartende Besucher in diesem Kinosaal war! Nikki übernahm die volle Verantwortung für das Chaos und entschuldigte sich bei uns. Dann gab es ein kurzes und knackiges Feedback und ich glaube tatsächlich, dass es morgen besser laufen wird. Nach diesem Einsatz hab ich mich auf jeden Fall so gefühlt, wie „dieses Etwas“ vorne auf meinem Festival Shirt aussieht!

Bei so viel Chaos gab es dann aber auch noch eine gute Nachricht heute Abend: Ich habe heute Mittag eher zufällig in der Sprachschule eine andere Studentin getroffen und sie hat mir erzählt, dass sie nächste Woche „French Canada“ besuchen möchte – so wie ich. Ich hab ihr kurz geschildert, wie ich gebucht habe und nun hat sie mir eine Nachricht geschrieben, dass sie nun auch ohne Reiseagentur fahren möchte und ob wir nicht zusammen fahren wollen. Alles Nähere besprechen wir morgen Mittag!

Ich hatte gehofft, dass die Bewerbung als Volunteer beim NXNE Festival die richtige Entscheidung gewesen ist und eigentlich hätte ich es wissen müssen – sie war es! Schon das Kennenlerntreffen am Wochenende hat mir gefallen und ich habe einen wirklich netten Nachmittag verbracht. Nachdem ich erst einmal da war! Es hat mich schon auch Überwindung gekostet, dort hinzugehen, obwohl ich bereits viele Male in Deutschland als Volunteer gearbeitet habe. Aber dieses Mal hatte ich wirklich keinerlei Infos und ich habe gemerkt, dass das dann schon anders ist und auch verunsichert: Ich wusste nicht, wer sich in Kanada so als Volunteer bewirbt, ich wusste nichts über die Organisatoren des Festivals, nichts von der Wohngegend, wo das Treffen stattfand, nichts über den Ablauf von solchen Treffen und dann noch alles in einer fremden Sprache… Aber nach wenigen Minuten habe ich mich schon wohlgefühlt und es war ein wenig so wie immer bei diesen Treffen! Auch wenn es dieses Mal wirklich sehr informell war.

Unsere Volunteer Managerin Nikki hatte von 15-18 Uhr auf die Terrasse vor ihrem Haus eingeladen, was dann so aussah, dass die Leute irgendwann in dieser Zeit eintrudelten, während sich die ersten schon wieder verabschiedeten. Viele erschienen auch gar nicht, obwohl sie zum ersten Mal beim Festival helfen werden. Das schien Nikki aber nicht weiter zu beunruhigen. Zwischendurch waren wir immerhin etwa zehn Leute, die kreuz und quer auf dieser kleinen Holzterrasse saßen – mit dem in die Jahre gekommenen, senfgelben XXL-Sofa und einem Bürostuhl als weitere Sitzmöglichkeit zum Terrassengeländer. Es gab keine vorbereitete Power Point Präsentation, keine „Volunteer Regeln“ und keine anderen schriftlichen Informationen, wie ich es beispielsweise aus Deutschland kenne. Ich habe die Treffen in Deutschland zwar auch nie als „formal“ empfunden, aber das hier war schon wirklich „sehr informell“, wie Nikki auch immer wieder betonte. Ich würde wohl eher das Wort „unorganisiert“ wählen. Denn da immer wieder neue Leute eintrafen, musste Nikki mehrmals die Informationen zum Event, den Spielstätten, unseren Aufgaben und unseren Schichten wiederholen. Dabei wurden ihre Ausführungen im Laufe des Nachmittages immer kürzer, sodass selbst die Volunteers die dort waren, alle einen unterschiedlichen Informationsstand haben. Ich bin daher echt gespannt, wie die Einsätze funktionieren werden. Aus der Vergangenheit weiß ich, dass es immer ein wenig chaotisch ist, aber es bleibt doch irgendwie ein geordnetes Chaos. Bei diesem Einsatz bin ich mir nicht sicher. Da meine Aufgaben allerdings überschaubar sind, mache ich mir um meinen Einsatz keine Sorgen.

Ich bin als Film-Volunteer eingeteilt und begrüße die Besucher vor dem Kino und sorge dafür, dass sie sich richtig einordnen. Denn die Besucher mit einem Veranstaltungspass dürfen als erstes in den Saal, dann kommen die Besucher mit dem Eintrittsband und dann die Leute, die sich ein Ticket für die einzelne Filmvorstellung gekauft haben. Zwischendurch müssen wir die Besucherschlangen zählen und diese Info an den Ticketverkauf weitergeben. Soweit die Theorie – wie es dann in der Praxis laufen wird, werde ich in den nächsten Tagen sehen. Ich freue mich auf meine Einsätze! Es ist eine tolle Möglichkeit in Kontakt mit anderen Leuten zu kommen, weiter mein Englisch zu verbessern und natürlich hinter die Kulissen eines großen nordamerikanischen Festivals zu schauen. Am Sonntag bin ich auch gleich noch mal einem Aufruf von Nikki gefolgt und habe ihr ein wenig bei der Orga geholfen.

Die Volunteers hier sind auch bunt gemischt: Vom Schüler über Studenten bis zur Schauspielerin, die berufliche Kontakte knüpfen möchte. International ist es ja sowieso immer, daher braucht es eigentlich keine besondere Erwähnung, dass auch unter den Volunteers nicht nur Kanadier, sondern auch Asiaten und Mexikaner sind. Und ich bin nicht die einzige Europäerin! Eine Frau kommt aus den Niederlanden. Mit zwei Mädels habe ich direkt meine Email-Adresse und Telefonnummer ausgetauscht. Wir wollen uns gemeinsam einige Konzerte und Filme ansehen. Denn jeder Volunteer erhält einen kostenlosen Pass – das heißt wir genießen Priorität beim Einlass! Das wiederum kenne ich so nicht von meinen Einsätzen in Deutschland. Selbstverständlich haben wir als Volunteer häufig die Möglichkeit, Veranstaltungen anzusehen, aber immer nur, wenn noch Plätze frei sind.

Soviel steht mal fest: Die Teilnahme am 5 Kilometer Lauf durch Toronto Downtown verdanke ich einer Neubürgerin Torontos. Ohne sie hätte ich bereits vor dem Start aufgegeben! Denn die „Anfahrt“ war die Hölle! Alles fing damit an, dass ich um 8 Uhr an der Subway Station vor verschlossenen Türen stand. Kaum zu glauben, aber die Subway fährt in Toronto sonntags erst ab 9 Uhr! Hab in dem Moment noch überlegt, ob ich mein Rad holen soll, aber hab mich dann leider für den Bus entschieden! Ich dachte, das wäre schneller und ich wollte mich ja nicht schon vorher verausgaben – was für ein Hohn! Denn an der Bushaltestelle habe ich erstmal gewartet! Dann kam endlich ein überfüllter Bus und ich habe mich einfach mal ganz unkanadisch noch mit reingedrängelt, da ich einfach keine Zeitf den nächsten zu warten. Während ich also so gepresst zwischen den fremden Menschen stand, bemerkte ich die bereits erwähnte Neubürgerin in Laufkleidung. Sie sprach mich an, da sie nicht genau wusste, wo der Treffpunkt für den Lauf war. Aber sie hatte sich beim Busfahrer erkundigt, wann sie umsteigen sollte. Ich wusste wo der Treffpunkt war, hatte aber keinen Schimmer, wie und wo die Busse in Toronto fuhren. Keine schlechte Konstellation für ein Team und wir blieben zusammen. Warum der Busfahrer ihr empfohlen hatte, an der Bay Street auszusteigen – ich weiß es nicht. Wir sind wirklich laaange an der Bay Street entlang gelaufen, haben aber nicht einen Bus gesehen!  Also liefen wir immer weiter und weiter zu Fuß Richtung Süden. Ich war so genervt: von der TTC (dem öffentlichen Nahverkehr), von der Wärme und die Zeit rannte uns davon. Und dann war da neben mir diese englischsprachige Frau mit ihrem unerschütterlichen Optimismus: dass wir das schon schaffen würden und es so schlecht gar nicht ausschaue… Na klar, sie hatte ja auch keinen Schimmer, wie weit es noch war! Doch irgendwann hatten wir tatsächlich den Treffpunkt erreicht! Für alle Toronto-Kenner: wir sind von der Bay Subway Station bis zur Metro Hall – John Street südlich King Street – gelaufen!!! Ohne übertreiben zu wollen, aber das waren bestimmt 3 Kilometer und damit mehr als eine kleine Aufwärmübung vor dem Lauf! Das Letzte wonach mir in diesem Moment war, war der 5 K Run! Außerdem waren wir zu spät für die Startunterlagen. Mein Plan war, mich kurz auf der Damentoilette frisch zu machen, mir den Start anzuschauen und dann die Subway nach Hause zu nehmen – denn inzwischen war es ja nach neun! Da hatte ich die Rechnung allerdings ohne die Frau gemacht. Sie schleppte mich zur Anmeldung, trieb noch irgendwelche Organisatoren auf, erklärte unsere Geschichte, alle schimpften auf die TTC und organisierten dann gemeinsam die Startnummer für das „German Girl“. Und erst als dann tatsächlich die Startnummer an meinem Laufshirt geheftet war, war sie zufrieden und verschwand, um ihre Laufgruppe zu suchen. Und ich fügte mich meinem Schicksal und ließ mich von der fröhlichen Stimmung vor dem Lauf einfangen. Der Lauf selbst war dann schon anspruchsvoll – auf der ersten Hälfte kämpfte ich mit der bereits erwähnten Süd-Nord-Steigung – und die Wärme machte mir ganz schön zu schaffen. Zuschauer gab es leider kaum am Straßenrand, nur einige Volunteers, die uns anfeuerten. Es war ein schöner Familienlauf, aber ich war auch froh, als ich im Ziel war. Übrigens mit grandiosen 32:56 Minuten!

Die Organisation und Versorgung war – wie ich sie auch aus Deutschland kenne – bestens. Zwei Wasserstationen während des Laufes und im Ziel zusätzlich isotonische Getränke, Obst, Müsliriegel, Fruchtsäfte und… das war echt der Knaller: PIZZA! Ja, da standen die Läufer verschwitzt in ihren Joggingsachen und gönnten sich erstmal ein Stück Pizza! Und ich hatte mich noch vorher über den Sponsor „Pizza, Pizza“ gewundert! Musste natürlich auch ein Stück Pizza probieren, aber mein Körper war davon wenig begeistert. Beim nächsten Mal bleibe ich wieder bei isotonischen Getränken und Banane!

Alle die behaupten, Toronto sei flach, waren mit Sicherheit noch nicht hier joggen! Mich macht das Nord-Süd-Gefälle bzw. mehr die Süd-Nord-Steigung regelmäßig fertig und ich bin noch immer auf der Suche nach einer angenehmen Joggingstrecke. Dafür ist mir aber heute unterwegs eingefallen, dass ich vergessen habe, von diesem Plan zu berichten: meiner Teilnahme an der „Toronto Challenge“. Habe mich diese Woche für einen „5 K Run“ angemeldet, nachdem ich mich erkundigt habe, dass das „K“ auch sicher für Kilometer steht. Bei allen größeren Distanzen würde ich nämlich gnadenlos untergehen! Als ich von dem Lauf, der mitten durch Downtown führt, gelesen habe, wusste ich sofort: Da will ich teilnehmen! Darum schüre ich nun seit letzter Woche wieder regelmäßig die Laufschuhe und versuche so gut wie möglich zu trainieren. Dennoch wird die Distanz am Sonntag definitiv eine Herausforderung! Aber es wäre ja schön, wenn ich mich nicht zu sehr quälen müsste! Aber drei Monate ohne Sport lassen sich leider nicht innerhalb von 10 Tagen wegtrainieren. Ich hatte noch gegoogelt, ob es nicht noch einen weiteren 5 Kilometer Lauf geben wird, aber nichts in den nächsten Wochen gefunden. Damit ich nicht länger über Ausreden nachdenke, habe ich mich bereits fest angemeldet und die Teilnahmegebühr bezahlt. Das Argument hilft gegen fast alle Ausreden.  🙂

Leider habe ich keinen Park in meiner Nähe, den ich zum Joggen nutzen könnte. Wenn man auf die Karte schaut, sind da zwar schon drei Parks in meiner Nachbarschaft, aber das Problem ist, dass hier ja auch jedes Stückchen Rasen einen Namen bekommt und „Park“ genannt wird. Also muss ich mir meine Strecke auf den Bürgersteigen der Stadt suchen, wie viele andere Läufer auch. Hier joggen viele Leute, aber was anscheinend nicht üblich ist, ist sich unter Läufern zu grüßen. Ich kenne es aus Hamm, dass man sich untereinander grüßt oder wenigstens kurz zunickt. Inzwischen kann ich mir ein „Hey“ verkneifen, nachdem schon mal jemand stehengeblieben ist, weil er wohl dachte, ich wollte ihm noch mehr sagen! Das kurze Zunicken, wenn mir ein Läufer entgegenkommt, ist bei mir aber einfach ein Reflex und erst an dem irritierten Gesichtsausdruck merke ich dann, dass es hier augenscheinlich nicht üblich ist!

Gestern wurde hier in Toronto die Ausstellung „Berlin on the Go“ eröffnet. Das Goethe Institut gehört zu den Kooperationspartnern der Ausstellung und die Einladung habe ich über die Zeitung erhalten, wo ich ja grundsätzlich ein Praktikum mache. Die Ausstellung fand ich jetzt nicht so spannend. An großformatigen Tafeln wurde anhand von Fotos und kurzen Erläuterungen gezeigt, wie in Berlin Fußwege gestaltet und genutzt werden – zum Beispiel für die Außengastronomie oder um Bäume auf Bürgersteige zu pflanzen. Ich fand viele Punkte banal und glaube, dass sie auch für die Stadt Toronto nicht innovativ sein dürften – denn auch hier habe ich gute Beispiele für Fußwege gesehen. Ich war allerdings von dem Ort der Ausstellung angetan: 401 Richmond Street. Ein älteres Gebäude mit dicken Gemäuern und knarzenden Holzdielen, in dem verschiedene Künstler ihre Werkstätten oder Verkaufsräume haben.

Die Ausstellung war übrigens mein erster Termin, den ich über die Zeitung wahrgenommen habe. Ein Praktikum, so wie ich es mir vorgestellt habe – mit regelmäßigen Anwesenheitszeiten und Aufgaben – wird es hier nicht geben. Das ist mir in der letzten Woche klar geworden. Allerdings habe ich so kurzfristig und für die kurze Zeit von drei Wochen auch kein anderes Praktikum mehr gefunden. Ich habe jetzt noch eine Idee für meine Zeit in Vancouver, aber ich vermag momentan nicht abzuschätzen, ob das klappen wird. Die Anfrage läuft und ich muss abwarten.

Für meine restliche Zeit in Toronto habe ich nun meine Pläne angepasst:

Neben meiner Rundreise durch Ontario Ende Juni, werde ich mir in der übernächsten Woche vier Tage den französischen Teil Kanadas anschauen: Zunächst Montréal und dann noch Ottawa, die Hauptstadt Kanadas. Ich fahre mit dem Zug, denn auch hier habe ich „Sparpreise“ entdeckt. Ich zahle 160 CAD (rund 120 Euro) für die drei Fahrten. Auf Québec City verzichte ich. Die Strecke ist mir zu weit. Die Stadt liegt zwar „nur“ 250 Kilometer nördlich von Montréal, aber bis Montréal sind es eben auch schon 550 Kilometer – für Kanadier sind das übrigens keine Entfernungen. Ist eben alles eine Frage der Relation!

Und ich habe noch etwas anderes für mich organisiert: Ich helfe in der nächsten Woche bei NXNE (North by Northeast) als Volunteer. Ein riesiges Film- und Musikfestival hier in Toronto, das auch in anderen Städten Nordamerikas stattfindet und dann South by Southeast oder Southwest heißt. 780 Bands, 7 Tage, 40 Filme – klein gibt es hier eben nicht. In einem Veranstaltungsmagazin habe ich den Volunteer-Aufruf gelesen und mich einfach mal beworben. Vor zwei Tagen habe ich dann die Zusage per Email bekommen – ohne Interview oder vorherigem Telefonat. So schnell bin ich noch nie an einen Volunteerjob gekommen. Bin schon gespannt, wie die Volunteer Arbeit hier in Kanada organisiert ist und funktioniert. Bislang habe ich ja nur Erfahrungen in Deutschland gesammelt. Als Dankeschön erhalten wir auf jeden Fall freien Eintritt zu allen Konzerten und Filmen – das ist schon mal genauso wie in Deutschland. Ein bisschen nervös bin ich wegen der Sprache. Ich habe einige der asiatischen Volunteers bei der letzten Tischtennis WM in Dortmund vor Augen. Wenn manchen etwas erklärt wurde, haben sie zwar brav genickt, aber im selben Moment war klar: Sie haben nichts verstanden! Die Einladung zum Kennenlerntreffen war auf jeden Fall sehr informell und eine sprachliche Herausforderung für mich. Da hilft dann leider auch kein leo.org oder  Langenscheidt Wörterbuch weiter. „ASAP“ habe ich noch relativ schnell über Google entschlüsseln können (heißt „as soon as possible“ – jaaa, da hätte ich vielleicht drauf kommen können), aber an „potluck“ bin ich gescheitert. Stand dort in Verbindung mit BBQ (was ja Barbecue bedeutet und keiner Übersetzung bedarf). Inzwischen weiß ich, das „potluck“ das englische Wort für „Mitbringparty“ ist. Jeder bringt etwas zu essen mit und alles wird geteilt. Einziger Wermutstropfen bei dieser ganzen Volunteer Aktion: das Infotreffen findet, dank Zeitverschiebung, genau während des ersten Fußballspiels von Deutschland am Samstag Nachmittag statt!! Das wäre mir in Deutschland schon mal nicht passiert! 😉

Da es anscheinend auch in den deutschen Nachrichten war und ich von mehreren Leuten bereits angesprochen worden bin: ein kurzer Eintrag zu den tödlichen Schüssen im Eaton Center – dem großen Einkaufszentrum hier in Toronto Downtown.

Es geht mir gut und ich habe auch erst aus den Nachrichten erfahren, dass jemand am Samstag einen 25-Jährigen im Eaton Center erschossen und außerdem mehrere unbeteiligte Personen verletzt hat.

Und auch wenn diese schreckliche Tat nun passiert ist, habe ich deswegen kein schlechteres oder unsichereres Gefühl hier in Toronto zu sein. Ich habe vor meiner Reise gelesen, dass Toronto zu den sichersten Metropolen der Welt gehört und das erlebe ich Tag für Tag. Ich war bis jetzt noch in keiner Gegend dieser Stadt, wo ich mich plötzlich unwohl gefühlt hätte. Ich nutze nachts die Subway und die werden anscheinend gut überwacht. Man sieht es nicht unbedingt an patroullierenden Sicherheitskräften, aber es gibt viele Kameras und in den unterirdischen Gängen sind tatsächlich auch nur die Leute, die wie ich die Subway nutzen. Ich laufe von der Subway Station die zwei Blocks zu Fuß nach Hause – zu jeder Tages- und Nachtzeit. Es sind auch nachts immer noch viele Menschen unterwegs. Von daher: Bitte weiterhin keine Sorgen machen! Es ist alles gut!

Ich habe das Gefühl, seit letzter Woche hat jemand einen Zeitbeschleuniger aktiviert! Die Stunden und Tage vergehen nun richtig schnell! Und noch immer erlebe ich soviel Neues… Ich habe ja auch – zugegebenermaßen eher unfreiwillig – in der letzten Woche viel Zeit für die Stadt gehabt, da ich keine Termine für die Zeitung wahrgenommen habe (es gab nur einen einzigen Termin am Freitagabend und der kam so kurzfristig, da war ich schon anderweitig verplant).

Kurz erwähnen will ich noch den Abschiedsabend am Donnerstag: Ein letzter Abend mit den Brasilianern im Madison Pub! Und auch hier haben mir (mal wieder) die Worte gefehlt! Doch da wir nach diesen gemeinsamen vier Wochen alle ähnlich gefühlt haben, brauchte es nicht viele Worte. Es war nur eine kurze, dafür aber sehr intensive Zeit. Ich vermute, jeder hat diese Art von Abschied schon mal erlebt. Ich fühlte mich zum Beispiel an meine Events als Volunteer erinnert. Auch da erlebt man gemeinsam eine kurze, intensive Zeit und plötzlich ist dann das Event, die Weltmeisterschaft oder das Kulturhauptstadtjahr, zu Ende. Der Abschied geht einem dann wirklich nah. Aber so wie ich zu einigen Volunteers noch immer Kontakt halte, habe ich die – vielleicht naive – Hoffnung, dass ich einige Brasilianer irgendwann noch einmal wiedersehen werde.

 

Ansonsten war meine letzte Woche vor allem von meinem Lieblingsfortbewegungsmittel geprägt: dem Fahrrad!

Einen Tag bin ich entlang des „Lake Ontario“ zu den „Beaches“ geradelt. Der Martin-Goodman-Trail ist ein „echter Radweg“ abseits der Straße und es war angenehm, einfach mal entspannt und sicher Radfahren zu können. Wenn man sich etwas auskennt und die spezielle Radfahrkarte für Toronto nutzt (kostenlos in den Bike Läden erhältlich), kann man tatsächlich einige schöne Radfahrstrecken entdecken. Mein Highlight an diesem Tag war übrigens, vorher gekauftes Sushi am Strand zu essen. Hier gibt es Sushi an jeder Ecke und so günstig, dass ich am Anfang tatsächlich an diesen Läden vorbeigegangen bin, weil ich dachte, dass die Qualität nicht gut sein könnte. Ich habe mich schnell eines besseren belehren lassen und genieße nun Sushi einfach mal zwischendurch zum Lunch. Ein gutes „mit Stäbchen essen – Training“. Anders als ich es bisher kannte, ist es hier selbstverständlich, asiatische Speisen mit Stäbchen zu essen und man bekommt erst auf Nachfrage Messer und Gabel gebracht. Das auch freundlich und ohne schief angeschaut zu werden, aber wenn alle anderen selbstverständlich zu den „chopsticks“ greifen, ist meine Motivation schon groß, das auch endlich mal zu lernen.

Am Montagmorgen habe ich dann noch an dem „Bike to Work“ Day teilgenommen. Eine jährliche Veranstaltung im Frühjahr, die unter anderem auf Radfahrer und ihre Interessen, wie fehlende Radwege, aufmerksam machen will. Und ich hoffe, dass sich so Autofahrer endlich daran gewöhnen, dass Radfahrer zum gewohnten Straßenverkehr gehören!! Irgendwann hänge ich tatsächlich in einer Autotür, die sich plötzlich vor einem öffnet, weil die Autofahrer einfach nicht in den Spiegel schauen!! Diese Unfälle sind die häufigsten Radfahrunfälle und soo unnötig!! Auch wenn ich nur eine kurze Zeit hier bin, war es mir  tatsächlich ein Anliegen, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Wir fuhren aus drei verschiedenen Himmelsrichtungen nach Downtown und auf der „Yonge Street“ ging es dann gemeinsam zur „City Hall“. Ich hätte nicht gedacht, dass für diese Veranstaltung extra eine der wichtigsten Straßen in Downtown montags morgens um 8 Uhr gesperrt werden würde! Aber das empfand anscheinend auch nur ich als ungewöhnlich. Hier gibt es ständig Veranstaltungen und Aktionen und so fahren heute „eben mal“ mehrere hundert Radfahrer während des Berufsverkehrs die Yonge Street runter. „Dauert doch nicht lange“ – war eine Antwort, die ich zu hören bekam. Die vielen Querstraßen wurden fließend von Fahrradpolizisten kurz vor unserem Eintreffen gesperrt und direkt nach uns wieder freigegeben – eine sportliche Leistung von den Polizisten, uns immer wieder zu überholen und nach vorne zu strampeln, um die nächsten Straßen zu sperren. Hat scheinbar gut funktioniert und ich habe es genossen, einmal ganz entspannt durch Downtown zu fahren und nicht auf den Verkehr achten zu müssen. Während der Tour und auch anschließend am Rathaus, beim gemeinsamen Pancake-Frühstück, bin ich immer wieder mit Leuten ins Gespräch gekommen. Das funktioniert hier wirklich gut! Elaine habe ich zum Beispiel angesprochen, weil sie ein Hollandrad fährt. Sie hat mir erzählt, dass sie mehrere Wochen auf ihr Rad warten musste, da es extra bestellt und per Containerschiff geliefert wurde. Übrigens das erste Hollandrad, dass ich mit einem „Cupholder“ gesehen habe – ein Halter am Lenker für ihren morgendlichen Starbucks-Kaffee! Grandios!