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Mit diesem Wort wurde ich in letzter Zeit des öfteren begrüßt, denn auf Twi ( der geläufigsten Sprache in Ghana) heißt es soviel wie „Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr !“ . Die korrekte Antwort darauf ( „afienkometoyeng“) hat uns Freiwillige  zunächst des öfteren  Probleme bereitet, doch nun können wir damit bei den Akwatianern ordentlich Eindruck schinden.

Während Deutschland in den letzten Wochen total von der Advents- und Weihnachtszeit bestimmt wurde, ging in Ghana jeder seinem normalen Alltag nach, sodass auch bei mir keine weihnachtliche Stimmung aufkommen wollte. Nur vereinzelt konnte man den ein oder anderen Kunsttannenbaum erspähen oder Lametta in bunten Farben. Dann ist es auch ziemlich verstörend, bei knapp 30 Grad Weihnachtsklassiker wie “ Let it snow“ im Radio zu hören….. Als dann völlig unerwartet der Heilige Abend vor der Tür stand, machte sich bei uns Freiwilligen eine recht eigenartige Stimmung breit : Während in Deutschland  nun alle Familien zusammenfinden und gemütlich vor dem Tannenbaum sitzen, gehen wir wie gewohnt unserer Arbeit nach und in ganz Akwatia waren keine Anzeichen jeglicher Festivitäten auszumachen. So beschlossen wir, zumindest am Abend gemütlich zusammenzusitzen und kauften zur Feier des Tages extra ein paar Kekse im lokalen Supermarkt ein. Jedoch wollte immer noch keine angemessen Stimmung aufkommen, sodass wir trotzdem ziemlich früh zu Bett gehen sollten…..

Die folgenden Tage sollten dann doch deutlich interessanter werden : Am 25. habe ich mit meiner Gastschwester Ama und den Mit-freiwilligen/bewohnern Clemens und Verena zunächst den Gottesdienst der Methodistenkirche besucht ( der Innenraum war mit Girlanden und Lichterketten geschmückt) und später wurde zur Feier des Tages extra ein dickes Huhn geschlachtet, welches am Abend zusammen mit dem Nationalgericht Fufu ( Yam-/Kochbananenbrei) serviert werden sollte. Ein voller Genuss für die Sinne !!

Am 26. Dezember waren wir auf einer traditionellen Hochzeit eingeladen ( die Braut ist die Gastschwester eines Mitfreiwilligen). Interessant war dabei die strikte Ordnung und der ungeheure Aufwand, der für das Fest betrieben wurde. So waren weit über 100 Dorfbewohner im (am) Haus des Brautvaters zugegen. Die Familie des Bräutigams musste sich für die Zeremonie gegenüber der Familie der Braut setzen. Danach musste die Familie des Bräutigams ihre Gift präsentieren, welche nach einigen Diskussionen von der anderen Familie akzeptiert wurde. Nachdem der Pfarrer dann das übliche Prozedere vollzogen hatte, ging es zur eigentlichen Party dann in den Garten der katholischen Kirche. Mit wie üblich extrem lauter Musik und einem reichhaltigen Buffet wurde die Feier dann abgerundet..

Der Silvesterabend sollte ähnlich spektakulär werden wie der 24. Dezember : Die meisten Menschen sind ab 8 Uhr abends in ihren Kirchen verschwunden, um dort das neue Jahr zu besingen und zu feiern. Daher beschlossen wir , in den Nachbarort Borgia zu fahren, um den Abend in einer Kneipe zu verbringen. Hier war tatsächlich viel mehr los als in Akwatia und die Menschen tanzten ausgelassen auf der Straße. Auch Chinaböller, römische Feuer etc. wurden zu Hauf gezündet ( gerne auch mal auf die Obrunis geworfen ). Manche Männer rollten auch riesige Kabeltrommeln über die Hauptstraße, was uns sehr eigenartig vorkam. Angeblich sei dies aber der Grund, warum viele Ghanaer an Silvester nach Borgia pilgern. Zurück in Akwatia sind kaum Feuerwerke zu sehen und die Straßen scheinen wie ausgestorben….

Am Neujahrstag sollte dann aber die traditionelle Party unseres Waisenhauses stattfinden, zu der auch viele Großspender eingeladen waren. Da diese teilweise sogar aus der Hauptstadt angereist kamen, verzögerte sich das Programm kurzzeitig um fast 5 Stunden ! .Die Kinder haben zu diesem Anlass extra einige Tänze einstudiert und Bibelverse auswendig gelernt. Nach jeder Aufführung wurden die Spender/ Zuschauer dann von einem extra engagierten Moderator dazu aufgefordert, eine gewisse Summe zu spenden. Am Ende des Programms wurde unserer Chefin Ma Philo dann auch noch eine Ehrenurkunde verliehen, die sie für viele Jahre guter Arbeit auszeichnen sollte. Besonders die Kinder haben diesen Tag sehr genossen und freuten sich erst recht auf die große Portion Jollofreis mit Chicken, die es am Ende des Tages gab..P1020542 P1020581

 

Bild links : Feier zu Ehren des Waisenhauses

Bild rechts : Unsere Kinder in traditioneller Kleidung bei einer iher Vorführungen.

 

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Bild : Clemens ( rechts) und ich mit unserer Gastmutter Doris auf dem Weg zu der Hochzeit

Guten Abend !

Nach sehr langer Zeit ( nun bin ich schon seit ca. 6 Wochen in Ghana !!! ) kann ich nun endlich meinen dritten Blog-Eintrag hochladen, nachdem es so einige Probleme mit unserem Internet-Stick gab, den ich mir mit meinem Mitbewohner Clemens teile. Wegen der doch relativ großen zeitlichen Distanz zu meinem letzten Eintrag weiß ich nun auch gar nicht, womit ich am besten anfangen sollte….

Also beginne ich einfach mal mit der „schönsten Nebensache der Welt“ : dem FUSSBALL !!  Denn auch die Ghanaer stehen den Europäern in puncto Fußballverrücktheit in nichts nach. So zu sehen vor allem etwa vor 2 Wochen, als die ghanaische Nationalmannschaft das extrem wichtige Playoff-Hinspiel zur WM-Qualifikation gegen Ägypten bestritten hat. Gefühlt jeder Ghanaer hat sich dazu vor einem Fernseher eingefunden und schon weit vor dem Spiel konnte man hier in Akwatia viele Menschen in Ghana-Trikots und bunt geschmückten Helmen in Farben der Nationalflagge antreffen. Auch ich wollte mir dieses Spiel nicht entgehen lassen und so gesellte ich mich zu meinen Kindern ins Waisenhaus, die das Spiel gar nicht abwarten konnten. Schnell machte Ghana dann alles klar und gewann das Spiel überaus verdient mit 6 : 1 !!! Jedes Tor wurde dabei frenetisch gefeiert und die Kinder sind wild durcheinander gesprungen, um nach dem letzten Tor einen Freudentanz hinzulegen. Auch das Stadion ( das Spiel fand in der ghanaischen Stadt Kumasi statt) schien völlig durchzudrehen und die Zuschauer tanzten extatisch durcheinander. Nach Abpfiff des Spiels konnte man überall feiernde Kinder auf den Straßen antreffen, die spontan ( begleitet von ohrenbetäubendem Getrommel auf eine Koch-Schüssel) zu einem Umzug durch die Stadt ansetzten. Ein beeindruckendes Bild !! –  Auch sportlich gesehen darf man sich von dieser ghanaischen Auswahl bei der WM viel erhoffen !

Auch 2 Ausflüge in beliebte Touristenzentren stehen nun auch zu Buche : Der erste Ausflug führte mich und die anderen 6 Freiwillige nach Cape Coast, einer Stadt am Atlantik. Dieser Ort ist besonders für seine Sklavenburg ( Cape Coast Castle) bekannt, von der aus über 2 Jahrhunderte lang Hunderttausende Sklaven in die Karibik und nach Amerika verschifft wurden. Ein Besuch dieser Burg war also eindeutig Pflichtprogramm und eine etwa einstündige Führung  brachte uns die üblen Lebensumstände der Gefangenen sehr nahe. So wurden etwa 200 Menschen in einen sehr kleinen Raum ohne Beleuchtung oder Fenster eingefärcht, in dem sie oft mehr als 2 Monate ausharren mussten. Bis heute zeugt eine Zentimetertiefe Schicht aus Fäkalien und Unrat von den miserablen hygienischen Umständen, Und nicht zu vergessen ist das “ Gate of no return „, durch das jeder Sklave gehen musste, bevor er auf die Schiffe geschäucht wurde.

Aber auch der Strand von Cape Coast ist sehr empfehlenswert : Hier kann man sich nämlich in meterhohe Wellen stürzen, die einen bis zum Ufer mittragen…..

 

Gerade erst letztes Wochenende ging es nach Ada-Foah, einer Kleinstadt im Südosten des Landes, nahe an der Grenze zu Togo gelegen. Hier ist nämlich das Delta des Voltas zu finden, des größten Stausees Afrikas. Von unserem Hotel aus, was direkt am Strand gelegen war, ging es dann auf zu einer Bootstour durch das Delta-Gebiet. Zu sehen gab es hier unter anderem eine Schnaps-Brennerei, die auf einer wunderschönen Insel zu finden ist. Eine Verköstigung des Akpepeshie- Rums ( verarbeitet aus Zuckerrohr ) war dabei inklusive. Auch zahlreiche Villen von schwerreichen Unternehmern aus der nahe gelegenen Hauptstadt Accra konnte man auf dieser Tour bewundern, wobei diese eher surreal wirken, wenn man schon auf der anderen Ufer-Seite arme Fischerdörfer erblicken kann.. Am Abend schlossen wir uns dann noch einer Schildkrötenwanderung an, da derzeit viele Schildkröten zum Laichen ans Ufer kommen. Tatsächlich hatten wir Glück und konnten ein Tier aus nächster Nähe beobachten…..

So, dies wäre es erstmal für den Moment ! Ich hoffe aber natürlich, dass ich in den nächsten Tagen noch einen weiteren Bericht folgen lassen kann !

 

Viele Grüße

 

Marcel Wolf

 

 

 

Guten Abend allerseits !!

Nun bin ich schon über 2 Wochen zu Gast in Ghana, davon ca. 1 1/2 Wochen in meinem Einsatzort Akwatia, von dem ich vor der Abreise so wenig in Erfahrung bringen konnte. Tatsächlich hat diese Stadt ( als „Dorf “ kann man es wirklich nicht mehr bezeichnen ) wohl mehr als 20.000 Einwohner , und nicht, wie von diversen Internetseiten vermutet, nur 8.000 Einwohner. Hier gibt es einen richtigen Stadtkern, der vor allem von kleineren Buden,  die über Nahrungsmittel und Sim-Karten einfach alles anbieten und von dem großen Marktplatz ( Markt findet etwa dreimal die Woche statt ) gebildet wird. Um dieses Zentrum herum sind Behausungen jeglicher Art auszumachen : Von einfachen Holzhütten bis zu imposanten Villen, die meist von Profiteuren der lokalen Diamantenmiene bewohnt werden, ist hier alles zu finden und dies nichtmal in irgendwelche Viertel aufgeteilt. Arm und Reich wohnt hier also mehr oder weniger Tür an Tür…

Derzeit bin ich noch bei meiner Mentorin Doris, einer sehr herzlichen, lustigen Frau, untergebracht. Hier teile ich mir mit Clemens, einem anderen Freiwilligen, der auch im Waisenhaus arbeitet, ein Zimmer. Von hier aus gehen wir dann jeden Tag etwa 10 Minuten zu Fuß zu unserem Arbeitsplatz, nachdem wir gefühlte 100-mal mit „Obruni“ (weißer Mann“) angesprochen wurden und diverse Hände geschüttelt haben.

Im Waisenhaus selbst warten dann 25 Kinder auf uns, die aber zum Zeitpunkt unserer Ankunft ( ca. 8.00 Uhr) schon auf dem Sprung zur Schule sind. Dann heisst es, die beiden Kleinen, Kobi und Sammy, für den Kindergarten anzuziehen und diese dorthin zu bringen. Auch dort werden wir dann regelrecht hysterisch von den anderen Kindern in Empfang genommen und es bedarf schon einiger Anstrengung, einige Kinder von dem eigenen Beinen loszueisen. Danach beginnt die etwas ruhigere Phase des Tages, in der wir entweder in der Küche helfen ( Yam schneiden, ein Wurzelartiges Gewächs, was ähnlich wie eine Kartoffel schmeckt..etc.) oder einige Besorgungen in der Stadt erledigen. Dabei steht uns dann der Älteste, Atsu ( 18 Jahre alt), der gerade die Junior-Highschool abgeschlossen hat, gerne zur Verfügung ( Bald sollte er aber hoffentlich nicht mehr Zeit dazu haben, da wir ihm gerne den Besuch der Senior-Highschool ermöglichen wollen ). Zur Mittagszeit um 12 Uhr trudeln dann die Kinder zum Essen ein, um dann wieder bis 14.30 Uhr in die Schule zu entschwinden. Nach ihrer Rückkehr helfen wir ihnen dann bei den Hausaufgaben, was oft gar nicht so leicht ist, da die Heftführung meist sehr schlampig ist. Nach Beendigung wird dann gespielt bis der Arzt kommt !! Am beliebtesten ist dabei natürlich Fußball, wozu wir auf den nahegelegenen Fußballplatz gehen können. Irgendwann um 16.00 Uhr oder später steht dann aber das alltägliche Wasserholen an, wozu die ganze Mannschaft mit Kanistern zu den großen Wasserbehältern auf dem Feld ausrückt. Natürlich wird das ganze auf dem Kopf getragen, was mir noch nicht ganz so gut gelingt 😀 ….  Danach, um etwa 17.00 Uhr, ist unser Arbeitstag vorbei und wir kehren total verdreckt und müde nach Hause zurück. Trotzdem freut man sich dann schon auf den nächsten Tag und auf die mit einem breiten Grinsen versehenen Gesichter der Kinder…

Viele Grüße

Marcel Wolf

 

Hallo zusammen !

Leider komme ich erst jetzt dazu, einen Eintrag zu schreiben, da die letzten Tage doch sehr stressig und ereignisreich waren.

Aber alles von Anfang an : Am Donnserstag, den 19.09.2013, bin ich mit ungefähr 30 weiteren Freiwilligen in Accra gelandet, um für ein jahr in verschiedenen Projekten auszuhelfen.  Abends gegen 18:50 ( es war schon stockfinster ) wurden wir also allesamt von dem Projektpartner des DRK-Mecklenburg-Vorpommern ( über den Bewerbung und seminar abliefen ), ARA, abgeholt. Mit 2 Kleintransportern sollte es dann zum beach-hotel gehen. Man bemerke dabei jedoch, dass wir über 30 Freiwillige sind !!! Natürlich war hier also viel Improvisation gefragt, sodass prompt Gepäckstücke auf den Autodächern festgesurrt wurden und die Hecktüren notdürftig mit Seilen geschlossen wurden.Dicht gedrängt und leicht verschwitzt von der heissen,schwülen Luft ging es dann auch endlich los. Zur Unterhaltung wurden dabei verschiedene Actionfilme gezeigt (ja im auto gab es einen fernseher und dvd-player !! ), die Titel wie „Women in Black“ trugen ( eine  ghanaisch, nigerianische Produktion mit viel Magie und Blut). Nebenbei warben bei jeder Ampel dutzende Frauen verschiedenste Waren wie kochbananen, getrocknete Banenchips, Papayas etc. an. Ein Spektakel, dass man erlebt haben muss !!

In den Tagen darauf wurden wir dann von unseren Mentoren ( ausgebildete Kräft , die uns mit Rat und Tat zur Seite stehen ) eingehend in die ghanaische Kultur eingewiesen ( Essen, Verhalten etc. ), was durch den fantastischen Blick vom Hausdach, wo das seminar stattfand, abgerundet wurde. Von hier aus kann man nämlich einen grossteil der ghanaischen Atlantikküste überblicken… Jeden Morgen konnten wir dann also gemeinsam mit den Mentoren am Strand Frühsport betreiben und danach eine Runde schwimmen gehen, was bei den riesigen Wellen hier besonders Spaß  macht !

Montag ging es dann weiter nach Akwatia, einem recht kleinen Ort im Osten des Landes, wo meine endgültige Arbeitsstelle zu finden ist. Die etwa dreistündige Fahrt war dabei auch schon ein Highlight für sich : Weitesgehend ging es dabei über Landstrassen, die von tückischen schlaglöchern ausgestattet waren, sodass unser Faherer immer wieder im Slalom fahren musste ..

Zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Ghana wird hier in Akwatia, einem Ort, in den es nur wenige Touristen verschlägt, extrem auf meine Hautfarbe reagiert : Von überall her strömen Kinder herbei und schreien lautstark „obruni , obruni “ ( weisser Mann ) und fragen danach „obruni, how are you ?“. Jeder wusste hier auch sofort meinen Namen, bevor ich auch nur wenige schritte durch die stadt gegangen bin…

Gerade in diesem Moment kann ich lautstarkes Trommeln und Gesang vernehmen, und es ist spät geworden !!

Und ich weiss schon jetzt, dass ich morgen schon zu sehr früher stunde von dem Aufruf des örtlichen Imam geweckt werde und von dem hecktischen Treiben miner Nachbarn.

But This is Ghana and i like it !!!

PS: Fotos kommen leider erst demnächst und natürlich widme ich meinem arbeitsplatz, dem “ My shepherd orphanage „, einen eigenen Eintrag !!

Viele Grüße aus Ghana

Marcel Wolf