Alle Beiträge dieses Autors

Schön, wieder in der Heimat zu sein. Dieses Gefühl kam auf, als ich vergangenen Donnerstag nach Ameke zurückkehrte. Ich freute mich auf das Wiedersehen mit der Familie und Freunden nach einer eintägigen Rückreise aus Guadalajara, Mexiko.

Auf der einen Seite freue ich mich auf die Heimat, auf der anderen Seite packten mich auf der Rückreise Wehmut und große Dankbarkeit für die Erlebnisse seit dem 15. August 2011 in Mexiko, dem Land der 1000 Gesichter. Zuerst lebte ich mich schnell im Studienalltag an der Universität von Guadalajara ein, bevor ich mich in der Millionenstadt einlebte und die mexikanische Kultur näher kennen lernte. Neben den zahlreichen kulturellen und organisatorischen Unterschieden zwischen Mexiko und Deutschland, kann ich nur staunen über den Reichtum des Landes und über die freundliche Art der Mexikaner.

An der Uni wurden die Austauschstudenten mit offenen Armen empfangen und die einheimischen Studenten waren gern bereit zu helfen. Das Studium forderte mich ziemlich, aber gleichzeitig blieb immer mal wieder Zeit zur Erkundung der Kultur, die von Mariachi-Sängern bis zum chili-scharfen Essen reichte. Ein Höhepunkt meines Aufenthalts war die Reise durch Südmexiko, die ich nach Semesterende antrat. Vom 23. Dezember bis zum 9. Januar 2012 war ich mit Freunden unterwegs und sah sagenumwobene Mayaruinen im Urwald und gewaltige Schluchten, die von einem Fluss durchkreuzt wurden. Im Gegensatz dazu stand der Massentourismus in Cancun und Playa del Carmen.

Besonders prägend für meinen Aufenthalt waren die persönlichen Begegnungen mit einheimischen Studenten und Professoren. Ich ging mit ihnen essen, feiern und erlebte Lokalkultur pur bei gemeinsamen Abenden. Ich sah Professoren, die unnachahmlich auf der Tanzfläche wirbelten. Daraus sind Freundschaften entstanden, die hoffentlich andauern.

Zum Abschluss meines sechsmonatigen Aufenthalts nutzte ich die Chance, um in die USA zu reisen. Zusammen mit einer Freundin bereiste ich Teile Kaliforniens, Las Vegas und den Grand Canyon. Wir begannen in San Francisco, einer Stadt, die ihren Charme durch ihre Lage am Wasser bekommt. Wir besuchten das berühmte Gefängnis Alcatraz und setzten unsere Reise an der Küste fort. Die Steilküsten sind wunderschön und stehen im starken Kontrast zu den weiten Sandstränden in und um Los Angeles. Dort schauten wir uns Hollywood kurz vor der Oscar-Verleihung an.

In Las Vegas sahen wir dann die Macht des Glücksspiels. In einer Wüstenstadt sahen wir uns den Eiffelturm, die Sphinx und die Freiheitsstatue auf einer einzigen Straße an. Mit einer Tour zum Grand Canyon sahen wir zudem noch eines der Naturwunder an. Die Weite dieser Felslandschaft lässt einem den Atem stocken.

Zurück in Guadalajara hieß es Abschied von allen Freunden nehmen. Zusammen trafen wir uns in der ältesten Cantina, einer unauffälligen Bar mit Livemusik, der Stadt. Bei traditioneller mexikanischer Musik ließen wir das gemeinsame Halbjahr Revue passieren. Ich empfinde tiefe Dankbarkeit für die gemeinsamen Erlebnisse und bin mir sicher, ich werde nach Mexiko zurückkehren.

Wir befinden uns im Jahr 2012, dem 54. Jahr der kubanischen Revolution, oder besser gesagt, seit 54 Jahren scheint auf Kuba die Zeit still zu stehen. Diesen Eindruck bekam ich während meiner einwöchigen Rundreise über die Insel Kuba, ganz klar mein Höhepunkt im Januar. Zusammen mit meinen Mitbewohnern nutzten wir die Semesterferien, um die Insel zu erkunden.

Der Januar stand alles in allem im Zeichen der Landeskunde. Bereits am 23. Dezember begann ich mit Freunden durch den Süden Mexikos zu reisen. Dieses Land hat soviel Abwechselung zu bieten, dass ich teilweise von meinen neuen Eindrücken erschlagen wurde. Am 9. Januar kehrte ich motiviert nach Guadalajara zurück, um zwei Hausarbeiten für die Uni abzuschließen.

Aber erst komme ich zurück zu meiner Kuba-Erlebnisreise. Los ging es mit der russischen Tupolev der staatlichen Fluggesellschaft Cubana in die Hauptstadt Havanna, auf spanisch La Habana. Mit der Einreise begann unsere Reise in die Vergangenheit, dem Hier und Jetzt der Kubaner. Wir fuhren im klimatisierten Van in die Innenstadt und sahen auf den holprigen Straßen fast nur jahrzehnte alte Ami-Schlitten. Uns fielen auch die Plattenbauten links und rechts der Straße auf, dessen Instandhaltung wohl vernachlässigt wird. Diesem Verfall scheint die ganze Insel ausgesetzt zu sein, da sind riesige Schlaglöcher auf den Straßen nur der Anfang.

Die erste Station war der Südosten der Insel. In der Region rund um die Stadt Pinar del Rio wird der berühmte kubanische Tabak angebaut. Dort besuchten wir eine kleine Plantage und ließen uns den Weg des Tabaks vom Feld bis zur Zigarre erklären. Eine Geschmacksprobe einer frisch gedrehten Zigarre gehörte zum guten Ton. Zigarren seien sehr gesund ohne Nikotin und andere Zusatzstoffe, sagte unser Führer.

Im Anschluss erkundeten wir die reichhaltige Flora und Fauna der Insel. Ich besuchte eine Krokodilfarm, die der Arterhaltung dient. Die Tiere können bis zu fünf Meter lang werden und flößten uns großen Respekt ein. Östlich von Havanna genossen wir das warme Wetter und ritten in der Kleinstadt Trinidad mit Pferden zu einem Wasserfall in den Bergen. Die Ursprünglichkeit der Landschaft ist wirklich einmalig.

Zum Abschluss der Rundreise tauchten wir nochmal in die Geschichte der Insel ein. Wir besuchten das Denkmal von Ernesto „Che“ Guevara in Santa Clara. In Havanna erkundeten wir zu Fuß die historische Altstadt.

Wir haben in Häusern von Kubanern übernachtet, die ihre Räume Gästen zur Verfügung stellen. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Kubaner ist beeindruckend und lässt die Mängel des Systems vergessen.

Die Januartage meiner Mexikoreise waren von weißen Sandstränden und imposanten Ruinenstädten geprägt. Wir besuchten die Karibikstrände von Cancun, Cozumel und Tulum, die blau-grün schimmerndes Wasser zu bieten hatten. Daneben besuchten wir die Ruinen von Uxmal und Chichen Itza, die beide von Urwald umgeben sind.

Zu guter Letzt standen noch die Hausarbeiten für die Uni an. Zusammen mit meinen Kommilitonen schloss ich zwei Kurse mit großem Erfolg ab und habe mich mit ihnen auch außerhalb der Uni getroffen. Diese neuen Freundschaften sind das i-Tüpfelchen auf mein Auslandssemester in Guadalajara.

Im Februar möchte ich das schöne Wetter genießen und weitere Erkundungstouren in der Umgebung machen, bevor ich am 29. Februar wieder den Flieger zurück nach Deutschland besteige.

Saludos aus Mexiko!

Es ist Heiligabend, zur Christmette fuellt sich die Kathedrale bis zum letzten Stehplatz, und die Innenstadt ist hell beleuchtet. Hoert sich nach einem normalen Weihnachtsfest an, der Unterschied ist nur, dass ich es viele tausend Kilometer entfernt in Mexiko bin. Wir, Freunde aus Guadalajara und ich, sind am 24. Dezember in der Stadt Puebla in der Landesmitte angekommen, um Weihnachten gemeinsam zu verbringen, bevor es in den Sueden weitergeht.

Zwar ist es nachts auch hier recht frisch, aber ueber Tag erleben wir 25 Grad und Sonnenschein, da ist Sonnencreme Pflicht. So ein bisschen fehlt mir der Duft von Gluehwein und Lebkuchen in den Innenstaedten, auch wenn so manches Mal deutsche Weihnachtslieder in den Lautsprechern der Kaufhaeuser zu erkennen sind. Wir reisen mit acht Leuten durchs Land und haben uns neben dem Kirchenbesuch am heiligen Abend ein festliches Essen vorgenommen. Neben einem leckeren Rotwein steht das traditionelle Gericht „Pollo con Mole Poblano“ auf der Speisekarte. Das Huehnchen mit Schoko-Chili-Sauce ist ein Muss fuer Mexikoreisende. Ich habe das Gericht schon so manches mal gegessen, aber der Geschmack an diesem Abend uebertrifft alles. Als dann eine Freundin noch kleine Geschenke fuer die Gruppe, die neben einem schoen geschmueckten Christbaum sitzt, aus der Tasche holt, kommt dann doch gemuetliche Weihnachtsstimmung auf.

Die letzten Monate vergingen wie im Flug. Am 16. Dezember endete mein Auslandssemester an der Universitaet von Guadalajara. Die letzten Wochen waren stressig mit dem Erarbeiten von Abschlussarbeiten und auch im Januar liegen noch zwei Arbeiten an, der Unterricht jedoch ist vorbei. Die Stadt und die Freunde in der Uni sind mir ans Herz gewachsen. Besonders schoen waren die „Posadas“, die Weihnachtsfeiern, von zwei Kursen. Wir trafen uns in den Hauesern der Professoren, kochten, assen und tranken zusammen, und liessen die letzten Monate Revue passieren. Bei einer Feier tauchten sogar Mariachis, die traditionellen Saenger Mexikos, auf und sangen mir inzwischen bekannte Folklorelieder.

Zum Jahreswechsel bin ich erstmal unterwegs, um das riesige Land mit den unterschiedlichen Kulturlandschaften zu erkunden. Mehrere Tage hielten wir uns in Chiapas auf. Im Bundesstaat im Sueden leben zahlreiche indigene Voelker, die in den Staedten ihre Waren anbieten. Ausserdem hat es zahlreiche Ruinen und Naturschauspiele, wie die Schlucht von Sumidero, zu bieten. Einfach beeindruckend.

Den Jahreswechsel werden wir in grosser Gruppe am Strand von Tolum feiern. Wir wollen die Karibik geniessen und hoffentlich bei sternenklarem Himmel das Jahr 2012 begruessen.

Noch bis Ende Februar werde ich in Mexiko bleiben, um das Land weiter zu entdecken und um fuer die Uni zu arbeiten. Bis zum naechsten Mal und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2012!

Der November war bis jetzt mein abwechslungsreichster Monat in einem Mexiko der vielen Gesichter. Da wäre zuerst die Uni zu nennen. Das Semesterende rückt mit großen Schritten näher und ich habe im Endspurt noch viel vor. Zwischendurch lud uns ein Professor zu seiner Geburtstagsparty mit Mariachis ein. Gleichzeitig habe ich die Wochenenden und Feiertage genutzt, um die mexikanische Kultur weiter zu erkunden und um mir einzigartige Naturschauplätze anzusehen. Ungewollt musste ich aber auch zum Zahnarzt, um mir zwei Weisheitszähne ziehen zu lassen. Der Zahnarzt sagte während der Behandlung, dass ich ruhig bleiben solle und schon waren die Zähne draußen.

Komme ich jetzt zu den schöneren Dingen des Lebens. Am 2. November feierten die Mexikaner ihren Tag der Toten. Ich nutzte die Gelegenheit um mit Montserrat, einer mex. Freundin, den See von Patzcuaro im Bundesstaat Michoacán zu besuchen. Die Insel Janitzio ist bei Touristen besonders beliebt für das gemeinsame Feiern in der Nacht. Auf den Friedhöfen in der Umgebung werden die Gräber besonders aufwändig geschmückt und die Verwandten stellen zum Beispiel das Lieblingsessen des Verstorbenen auf das Grab. Die meisten Besucher nutzen die Gelegenheit um mit den Einheimischen kräftig zu feiern. Außerdem besuchten wir die Ruinenstadt Tzintzuntzan, der ehemaligen Hauptstadt der Kultur der Purépecha.

Ein Wochenende lang machte ich einen Ausflug mit Freunden zu einer waschechten mexikanischen Ranch fernab der Zivilisation. Das nächste Dorf war mehr als eine halbe Stunde mit dem Geländewagen entfernt. Dort halfen wir beim Kühe einfangen und melken. Frische Milch aus dem Euter ist vom Geschmack her nicht zu übertreffen. Außerdem besuchten wir eine 99jährige Frau namens Ramona, die für sich in der Einsamkeit der Berge und des Waldes lebt. Einfach nur beeindruckend ihre Lebensfreude.

Neben dem Alltag an der Uni fanden in Guadalajara die Parapanamericanos statt, die Kontinentalspiele der Behinderten. Auch hier nutzte ich die Chance und besuchte die Schwimm- und Tenniswettbewerbe. Die Schwimmarena ist ganz neu gebaut worden und machte Lust auf ein eigenes Planscherlebnis. Der Wunsch sollte am letzten Wochenende in Erfüllung gehen. Ich fuhr mit befreundeten Austauschstudenten in die Naturlandschaft mit dem Namen „Huastecas potosina“ im Bundesstaat San Luis Potosi. Noch immer bin ich total fasziniert von den Naturschauspielen dort.

Rollstuhltennis auf höchstem Niveau am Center Court

Am ersten Tag paddelten wir mit Booten zu mächtigen Wasserfällen und schwammen in großen Felshöhlen. Zudem wurden wir Zeugen wie sich tausende Schwalben in einen mehr als 350 Meter tiefen Felstrichter zur Übernachtung stürzten. Am zweiten Tag der Reise besichtigten wir das wahnwitzige Künstlerhaus des Adligen Edward James, der seinen Zweitwohnsitz unter anderem von Salvador Dalí gestalten ließ. Wir sahen noch zwei große Wasserfälle und feierten in einer Höhle mit Fledermäusen unsere Abschiedsparty.

Der Advent steht nun auch in Mexiko an, obwohl bei über 20 Grad noch keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen will. Ansonsten möchte ich mein Semester gut zu Ende bringen, damit ich entspannt in die Weihnachtspause gehen kann.

Saludos aus Mexiko und ich wünsche allen Lesern eine gesegnete Adventszeit!

Jan Dirk in der hochmodernen Schwimmhalle in Guadalajara

Im Bundesstaat San Luis Potosi gab es viele Wasserfälle zu sehen und man konnte super planschen, auch mit Hemd. 😉

Willkommen zu Amerikas Fiesta! Dieses Motto steht für den Sportsgeist der im Oktober durch Guadalajara weht. Die Millionenstadt ist Austragungsort der Panamerikanischen Spiele, eine Art Olympia in klein, und die ganze Stadt macht mit. Auch ich kann und will mich der Party nicht entziehen.

Sportler aus 42 Nationen aus Nord- und Südamerika kämpfen um Ehre und Medaillen in Sportarten wie Leichtathletik oder Fußball. Für beide Disziplinen konnte ich Karten ergattern. Mit Freunden ging ich zum Fußball-Halbfinale der Männer unter anderem mit mexikanischer Beteiligung. Die Stimmung war einfach nur prächtig und ich habe für zwei Spiele gut drei Euro bezahlt. Da sollte sich die FIFA mal Gedanken machen. Auch bei der Leichtathletik konnte ich internationale Wettkampfatmosphäre schnuppern. Als dann noch zwei Mexikaner die Laufstrecken über 5.000 und 10.000 Meter gewannen, stand das Stadion Kopf. Wie emotional die Einheimischen ihre Nationalhymne mitsingen, macht deutlich wie stolz sie auf ihr Land sind.

Nicht nur im Stadion, sondern auch auf die Straße wirken sich die Spiele aus. Die Fanmeile auf der Hauptstraße Chapultepec zieht täglich tausende Fans an. Echt super diese Atmosphäre mitzuerleben.

Es gibt daneben viel mehr über die letzten Wochen hier zu berichten. Ich habe meine ersten Examen in der Uni geschrieben. Es ist schon anstrengend seitenweise auf Spanisch zu schreiben, aber auch daran gewöhne ich mich langsam. Jede Woche muss ich Lesereporte einreichen, die zur Routine geworden sind. Im November wird für mich die heiße Phase des Semesters anbrechen, weil ich einige Hausarbeiten schreiben werde.

Im Oktober blieb mir aber noch Zeit, um Land und Leute zu erkunden. Das machte ich zum Beispiel am See von Chapala in der Nähe von Guadalajara. Dort erlebte ich das Dorffest mit. Eine Liveband und ein krachendes Feuerwerk heizten der Menschenmasse auf der Straße ein. Die Fröhlichkeit und Tanzbegabung sind einfach nur beeindruckend.

Ein weiterer Höhepunkt war der Wochenendtrip nach Mexiko-Stadt bei strahlendem Sonnenschein. Innerhalb von drei Tagen absolvierten wir ein echtes Mammutprogramm. An einem Tag besuchten wir die Pyramiden von Teotihuacán, der Stadt in der Götter gemacht werden. Diese Ruinenstadt wird überragt von der Sonnen- und der Mondpyramide, die die Jahrhunderte eindrucksvoll überdauert haben. Sie wurden vor gut 500 Jahren von den Azteken entdeckt. Außerdem besuchten wir das religiöse Zentrum Mexiko, die Basilika von Guadalupe. Wir sahen eine riesige Kirche mit tausenden von Gläubigen gefüllt, ein Bild mit Seltenheitswert für mich.

Unsere Herberge lag mitten im Machtzentrum des Landes am Platz „Zocalo“. So besuchten wir den Nationalpalast der Republik genauso wie die große Kathedrale direkt nebenan. In der Nacht fuhren wir auf den Lateinamerika-Turm hoch, ein Wolkenkratzer im Zentrum. Die unzähligen Lichter der Stadt machten mir deutlich, wie enorm diese Stadt eigentlich ist. Da war die autofreie Innenstadt am Sonntagmorgen eine richtige Wohltat. Ich konnte die Stille hören. Mit vielen neuen Eindrücken ging es per Flugzeug zurück in eine neue Uni-Woche.

Anfang November findet hier ein weiterer Höhepunkt der mexikanischen Kultur statt. Der Tag der Toten am 2. November wird groß gefeiert mit Straßenfesten und Umzügen. Ich bin schon sehr gespannt.

Saludos aus Mexiko!

Mexiko-Stadt Okt

 

Gute sechs Wochen sind seit meiner Einreise nach Mexiko wie im Zeitraffer verflogen. Ich habe viele Austauschstudenten sowie Einheimische kennen gelernt und bin begeistert von der Lebensart hier. Ich habe die Millionenstadt Guadalajara im Bundesstaat Jalisco, die Heimat des Tequilas, erkundet und habe mir am Strand einen gehörigen Sonnenbrand eingefangen.

Doch komme ich jetzt zum eigentlichen Zweck meines Aufenthaltes, dem Auslandsstudium. Trotz einiger Startschwierigkeiten läuft es nach fünf Wochen Unterricht ganz gut. Zuerst musste ich herausfinden welche Kurse überhaupt angeboten werden. Das gestaltete sich für Masterstudenten etwas schwieriger. Danach habe ich den Raum gesucht, um dann festzustellen, dass der Kurs erst in der zweiten Woche startet. Inzwischen läuft es reibungslos, auch wenn ich mich an deutlich verspätete Professoren noch gewöhnen musste. Die Kurse machen viel Spaß, behandeln interessante Themen wie internationale Politik, und bescheren mir viel Arbeit. Zum Glück helfen mir die einheimischen Studenten, wenn ich Fragen oder Probleme habe.

Das wahre Jalisco haben wir auch schon erleben dürfen. Ende August regierten für eine Woche die Mariachis, die berühmten mexikanischen Musiker, die Stadt bei einem internationalen Festival. Wir besuchten eine kostenlose Vorstellung in einem Einkaufszentrum. Ich bin fasziniert von der Lebensfreude, die diese Musik transportiert. Da will man einfach nicht still sitzen bleiben, sondern tanzt mit, selbst wenn einem der Latino-Rythmus von Natur aus fehlt. Mit der Hausgemeinschaft haben wir einen Ausflug an den See Chapala in der Umgebung der Stadt unternommen. Der größte See Mexikos liegt in der Höhe und versorgt Guadalajara sowie Mexiko-Stadt mit Trinkwasser. Nach dem Anblick weiß ich auch wieso man das Wasser nicht trinken darf. In den See werden teilweise giftige Abwässer eingeleitet.

Zwei Höhepunkte der vergangenen Wochen waren die Besuche am Strand bei strahlend blauem Sonnenschein. Voller Freude über die Sonnenstrahlen habe ich mich nicht ausreichend eingecremt und schon war der Sonnenbrand da. Die Sonne ist ziemlich intensiv hier. Sportlich habe ich mich am letzten Wochenende in der Touristenhochburg Puerto Vallarta versucht. Die ersten Gehversuche auf einem Surfbrett sind eher kläglich gescheitert, obwohl mein Mitbewohner Julian ein echt geduldiger Trainer ist. Mir fehlt das Gleichgewicht auf dem Brett, aber ich werde nicht aufgeben.

Übrigens darf ich mich seit Dienstag offiziell als „Nicht-Immigrant“ in Mexiko bezeichnen. Als Student bekommt man hier diesen Status zugewiesen und hat für ein Jahr eine Aufenthaltserlaubnis. Bei der Abholung der Unterlagen musste ich zwar zwei Stunden warten, aber an die Warterei habe ich mich zwangsläufig gewöhnt, sonst müsste ich mindestens einmal täglich wütend werden.

Ich bin schon sehr gespannt auf den Oktober. Dann finden hier die Panamerikanischen Spiele statt. Ich habe bereits für Tischtennis und Leichtathletik Karten gekauft. Das wird bestimmt eine einzige Fete in der ganzen Stadt, denn wenn die Mexikaner eins können, dann ist es feste feiern bis zum Morgengrauen.

Viele Grüße aus Mexiko!

Blog2 Tlaquepaque

 

Vier Wochen lang bin ich bereits in Mexiko und fühle mich pudelwohl in meiner Umgebung in der Metropole Guadalajara. Das Staunen und die Aufregung der ersten Tage haben sich gelegt, die Uni-Kurse sind ebenfalls gut angelaufen und die ersten Erkundungstouren liegen hinter mir. Besonders wichtig war für mich, dass ich eine nette WG finde und der Uni-Start gelingt. Beide Hoffnungen haben sich erfüllt.

Ich wohne im Stadtzentrum von Guadalajara mit insgesamt acht Mitbewohnern aus vier Nationen zusammen. Da es mit dem Spanischen auch immer besser funktioniert, hocken wir des öfteren gemütlich im Innenhof zusammen und schlürfen das ein oder andere Bier zusammen. Ab und zu kochen wir etwas zusammen und ich bin froh, dass ich bis jetzt noch keine großen Magenprobleme vorzuweisen hatte. Davor haben mich ja Freunde mit Mexiko-Erfahrung gewarnt, aber bis jetzt schmeckt mir das Essen sehr gut, auch wenn es nicht immer ganz gesund, eher fettig ist.

Zum Uni-Start kann ich nur sagen, dass ich rundum zufrieden bin. Natürlich musste ich mich auf dem Campus des Zentrums für Sozialwissenschaften erst mal zurecht finden, jetzt ist das kein Problem mehr. Ich nehme an insgesamt sechs Kursen teil, dessen Teilnehmerzahlen zwischen fünf und 20 Studenten schwanken. Die Austauschstudenten wurden direkt herzlich in die Gemeinschaft aufgenommen und jede Nachfrage wird langsam und deutlich beantwortet. Ich habe in „internationaler Politik“ auch schon meinen ersten Vortrag gehalten, der wirklich gut gelaufen ist. In dieser Woche werde ich meinen Studentenausweis bekommen, so dass ich offizielles Mitglied der Universidad de Guadalajara bin. Nebenbei kann ich dann für gute 18 Cent den Nahverkehr hier benutzen. Das wäre auch mal ein fairer Preis in Deutschland oder?

Neben dem Uni-Leben habe ich auch wieder einiges erlebt. Ich habe an Geburtstagen teilgenommen, die mich der mexikanischen Fiesta wieder näher gebracht haben. Das bedeutet, man trinkt zusammen, feiert friedlich, ausgelassen und ziemlich lange miteinander. Toll ist einfach wie jeder sofort Interesse zeigt und am liebsten in drei Sätzen den gesamten Lebenslauf von jemandem wissen will. Diese Offenheit und Freundlichkeit beeindruckt mich doch immer wieder aufs neue. Das merke ich täglich, wenn mein Vermieter Salvador bei uns vorbeischaut. Unser Haus gleicht teilweise einer Baustelle. Die Dachterrasse wird gerade renoviert und auch sonst wird das Haus auf Vordermann gebracht. Fast täglich werden neue Sachen wie eine Waschmaschine oder ein Kühlschrank angeliefert. Also nichts da mit faulem Mexikaner, der Erledigungen immer weiter aufschiebt. Salvador zeigt wirklich großes Interesse daran, dass wir uns auch wohlfühlen.

Am letzten Wochenende hat die gesamte WG dem See Chapala einen Besuch abgestattet, der unter anderem Guadalajara und Mexiko-Stadt mit Wasser versorgt. Leider ist das Wasser durch teils giftige Abwässer so dreckig, dass wir uns ein Bad geschenkt haben. Das Leitungswasser ist deshalb auch nicht zum Verzehr geeignet. Statt des Bades haben wir einen Spaziergang am Ufer entlang eingelegt und lecker zu Mittag gegessen. Das macht bei dem tollen Wetter einfach nur Spaß. Am Strand waren wir ja auch schon mit zahlreichen Austauschstudenten. Seit langem mal wieder Sonne und sofort hab ich mich verbrannt. Man sollte sich einfach besser eincremen. Der Höhepunkt dieser Reise war die Begegnung mit einem vier Meter langen Krokodil, das samt Familie in einem Tümpel neben unserem Zeltlager lebte. Zum Glück hatte es gerade keinen Hunger.

In der Stadt selbst habe ich auch so langsam einen Überblick bekommen. Dank einer ausführlichen Stadtführung eines mexikanischen Tourismus-Studenten kenne ich mich in der Innenstadt schon ganz gut aus und kann zu den wichtigsten Gebäuden auch ein bisschen erzählen. Außerdem waren wir in einem Ort namens Tlaquepaque, der zur Metropole gehört, und neben einer großartigen Küche auch zahlreiche historische, farbenfrohe Gebäude zu bieten hat.

Ich bin schon gespannt auf die neue Woche. Wahrscheinlich kann ich mein neues Visum vom Institut für Migration abholen. Dann habe ich ein offizielles Dokument in den Händen, das mich zum Aufenthalt in diesem vielseitigen Land berechtigt. Außerdem stehen am Donnerstag und Freitag die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag von Mexiko an. Da soll schwer was los sein in der Innenstadt, ganz Mexiko feiert seine 1821 erlangte Freiheit vom spanischen Kolonialreich. Das wird bestimmt super. Soweit wieder die Neuigkeiten aus Mexiko. Bis bald und saludos!

Blog2 Gründungsdenkmal

 

 

 

„Bienvenidos en México-Herzlich Willkommen in Mexiko“, sagte die freundliche Zollbeamtin, drückte den Visumsstempel in den Pass, und schon begann für mich das Abenteuer Auslandssemester. Nun sind die ersten zwei Wochen geschafft, eine Wohnung ist gefunden, und die Kurse an der Universität von Guadalajara haben bereits angefangen. Von Kulturschock und allgegenwärtiger Drogenmafia keine Spur, dafür sind die Einheimischen viel zu freundlich und hilfsbereit, auch wenn ich mich an einige Sachen doch erst gewöhnen muss.

Die Anreise gestaltete sich lang und beschwerlich mit einer ausgiebigen Kofferdurchsuchung in Washington und zwei Umstiegen, aber der Empfang in Mexiko entschädigte für alles. Die Eltern einer Freundin, die zur Zeit noch in Bielefeld studiert, empfingen mich mit offenen Armen am Flughafen und brachten mich um Mitternacht sicher zur Jugendherberge. Ihre Hilfsbereitschaft scheint hier zum guten Ton zu gehören. In der Herberge fand ich schnell Anschluss an die internationalen Studenten, die sich alle in der Vier-Millionen-Metropole orientieren mussten. Wenn wir uns verirrten, war sofort Hilfe von Einheimischen parat. Von Tag zu Tag komme ich besser in die spanische Sprache hinein, die ich durch Sprachkurse an der Uni und ein Auslandssemester in Spanien erlernt habe. An den Verkehrslärm und die Menschenmassen in den Straßen muss ich mich allerdings noch gewöhnen. Dafür bietet die Metropole eine wunderschöne Innenstadt mit großer Kathedrale und zahllosen Geschäften.

Die erste wichtige Aufgabe war eine Wohnung zu finden. Also durchsuchte ich im Internet die zahllosen Wohnungsanzeigen, antworte auf Anfragen und am Donnerstag ging es mit Deutschen und Mexikanern auf Wohnungssuche. Das erste Haus schockierte mich total, überall lag Müll und das Bad wurde schon eine ganze Weile nicht mehr geputzt. Das kam für mich nicht in Frage. Weiter ging es, das nächste Haus war sehr schön und bereits voll, aber durch Mund-zu-Mund Propaganda kamen wir zu einem Haus, das gerade renoviert wird. Der Innenhof mit Bäumen, die großen Zimmer, und die Schildkröte als Haustier hatten es mir angetan. Zwar gab es noch keinen Strom, das änderte sich jedoch einen Tag später, so dass ich mit zwei Deutschen einzog. Jetzt wohne ich mit drei Spaniern, zwei Deutschen und zwei Lateinamerikanerin in Innenstadtnähe und das für 130 Euro.

Die erste Woche auf dem Campus für Sozialwissenschaften ist auch geschafft. Ich kann mich so langsam orientieren und finde die Räumlichkeiten für die Kurse. Mein Stundenplan nimmt Form an, doch die Professoren scheinen teilweise noch in den Ferien zu sein. Der pünktliche Deutsche ist wenigstens fünf Minuten vor der Zeit am Raum und wartet geduldig. Nach einer dreiviertel Stunde des vergeblichen Wartens mit Mexikanern und weiteren ausländischen Studenten auf den Dozenten geht es dann wieder heim oder Kaffee trinken. Geht wohl erst nächste Woche los. Aber ich habe schon gemerkt, dass sich aufregen nicht lohnt.

An diesem Wochenende geht es an den Strand vom Bundesstaat Jalisco. Dort schlagen die internationalen Studenten ein Strandcamp auf, feiern zusammen und genießen den puren Sonnenschein sowie das Wellenrauschen. In der nächsten Woche starte ich dann in der Uni voll durch.

JDW KathedraleGuadalajara Aug11