Alle Beiträge dieses Autors

Einladung zum Informationsabend für Anwohner und Interessierte:  Bauwagen als „Planungsbüro“ für Jugendliche im Kettlerpark

Im Kettlerpark wird sich ab der kommenden Woche ein ungewohnter Anblick bieten – ein Bauwagen wird dort aufgestellt und den Jugendlichen, unter Begleitung der Streetworker, als Planungsbüro für ihren Unterstand im Kettlerpark zur Verfügung gestellt.

Offene Fragen zu diesem Projekt  sollen im Rahmen des Informationsabends für die Westönner Bürgerinnen und Bürger erklärt und diskutiert werden.

Der Informationsabend finde statt am Dienstag, 27. März um 18.00 Uhr im Kettlerpark direkt am Bauwagen.

Die Werler Streetworker Anke Deimel und Alan Greene werden Ihnen an diesem Abend für Anregungen und Fragen zur Verfügung stehen.

Für weitere Informationen: streetwork-stadtwerl@web.de

Eher durch Zufall wurde ich auf den Film/die Dokumentation „9 Leben“ aufmerksam und war von Anfang bis Ende ganz „gefesselt“ – absolut empfehlenswert!

Der Film porträtiert das Schicksal mehrerer Jugendlicher, die sehr früh – oft schon im Alter von 11, 12 oder 13 Jahren – entschieden haben, von zu Hause wegzugehen und für eine bestimmte Zeit oder dauerhaft auf der Straße zu leben: Sunny, Toni, Krümel, JJ, Stöpsel, Soja und Za.

Menschen also, von denen jeder einzelne mittlerweile auch schon neun Leben gelebt haben könnte. Versehen mit seelischen und körperlichen Beschädigungen. Doch trotz dieser Zerstörungen gibt es bei ihnen eine enorme Kraft, Talente und Fähigkeiten zu entdecken. Dieser Reichtum an persönlichen Möglichkeiten steht im Mittelpunkt des Films. Die Lebensumstände der Jugendlichen auf der Straße werden deshalb auch nicht dokumentiert, sondern sie werden von ihnen in freier Wahl erzählt oder auch nicht. So kommen sehr persönliche, mitreissende und berührende Zeugnisse zustande.“

(Quelle: http://www.madonnenfilm.de/9lebenFilm.html)

Aktuell zu sehen unter:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1573584/9-Leben#/beitrag/video/1573584/9-Leben

 

 

Dies ist der erste Winter in dem ich als Streetworkerin in Werl unterwegs bin. Privat hätte ich mich natürlich über weiße Weihnachten gefreut –  beruflich empfinde ich das gerade eher milde Wetter jedoch als deutlich angenehmer. ;o)

Auch oder vielleicht eher gerade in dieser Zeit trifft man die Werler Jugend abends auf den Straßen an. Und aus eigener Erfahrung kann ich berichten:  Als Streetworkerin, die selbstgebackene Kekse dabei hat, wird man noch freundlicher aufgenommen, als sonst eh schon.  ;o) Natürlich gibt es in dieser Zeit auch einige melancholischere Gespräche/Gesprächsthemen, aber überwiegend herrscht doch eine friedvolle Stimmung auf den Straßen.

Ich wünsche allen Lesern einen guten Rutsch und alles Gute für 2012.

Auf den Werler Straßen sind an den Wochenenden auch gelegentlich Jugendliche aus den umliegenden Städten anzutreffen, die Freunde in Werl besuchen. Diese „auswärtigen“ Jugendlichen sind dann immer ganz überrascht, dass es in Werl eine Streetworkerin gibt, zumeist ist ihnen „Streetwork“ nur aus dem Fernsehen bekannt. Gemeinsam mit den Werler Jugendlichen berichte ich dann, dass „mein“ Streetwork schon noch ein wenig anders, als das aus dem Fernsehen bekannte Streetwork ist. ;o) Die Rückmeldungen der auswärtigen Jugendlichen sind immer sehr positiv und sie sind begeistert, dass in Werl jemand für die Jugendlichen unterwegs ist – als Ansprechpartner für die Jugendlichen und direkt an den Orten, an denen die Jugendlichen anzutreffen sind.

 

Heute möchte ich einen Rückblick auf das erste Konzert werfen, das ich im Jugendzentrum Werl miterlebt habe. Einige wundern sich nun vielleicht Konzerte im JZ? Zur Erklärung: Unterhalb des JZ gibt es einen speziellen Proberaum, der den jugendlichen Nachwuchsbands aus Werl kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Die Band „Incivism“ hat hier nun in den letzten Monaten eifrig geprobt und hatte nun also selbstständig ihr Konzert geplant und so wurde das JZ zum ersten Auftrittsort und ich war live dabei. ;o) Nun sollte ich wohl erwähnen, dass „Incivism“ eine Heavy-Metall Band ist, die Zielgruppe der Band also nicht so sehr die Jugendlichen sind, die mir auf den Straßen von Werl Tag für Tag begegnen. So war das Konzert also für mich ein spannendes Eintauchen in eine „Jugendkultur“ mit der ich bisher wenig Berührungspunkte hatte. Es war für mich also sehr spannend, das Konzert zu verfolgen, dass absolut friedlich verlaufen ist. Und mein Abschluss-Satz des Abends war: „Ich fand es auch wirklich schön, aber es war doch etwas zu laut für mich.“ ;o)

Heute hatte eine Jugendliche aus einer Clique Geburtstag. Über die Art und Weise wie dieser Geburtstag gefeiert wurde war ich doch sehr erstaunt. Die Gruppe „hängt“ überwiegend an einem Bushäuschen ab, so wurde das Bushäuschen mit Luftballons und Girlanden geschmückt und sogar ein paar Geburtstags-Kerzen wurden aufgestellt. Ein Jugendlicher aus der Gruppe hat eine Gitarre mitgebracht und so wurde ihr ein „Ständchen“ gebracht. Es war eine sehr entspannte und fröhliche Stimmung.

Zu der aktuellen Problematik: Natürlich kann ich die Beschwerden der Anwohner absolut nachvollziehen und wenn ich direkt angesprochen werde, bin ich auch jederzeit gerne bereit zwischen Jugendlichen und Anwohnern zu vermitteln. Zu meiner Aufgabe als Streetworkerin gehört es aber auch, die Seite der Jugendlichen zu sehen.  Aktuell gibt es einfach (leider) noch keinen Platz in Werl für die Jugendlichen, an dem sie einfach Jugendliche sein können, feiern können und das eben auch etwas lauter, wie wohl wir alle in unserer Jugendzeit.  Aktuell ziehen die Jugendlichen von Schulhof zu Schulhof – so lange bis sie dort eben wieder „vertrieben“ werden. Natürlich ist die Vermüllung so eines Platzes am Tag nach einer „Party“ ärgerlich, als mögliche Erklärung möchte ich allerdings zu bedenken geben,  dass bisher keinerlei Bindung der Jugendlichen zu diesen temporären Treffpunkten besteht und natürlich bekommen die Jugendlichen ja auch mit, dass sie dort eigentlich nicht gewollt sind, sondern – im besten Fall – toleriert werden. Diese Punkte motivieren die Jugendlichen nicht unbedingt, sich verantwortungsvoll um die Sauberkeit ihrer Interims-Treffpunkte zu „kümmern“. Dieses Problem hat die Stadt Werl ja auch schon längst erkannt, sodass es bald in Werl einen wirklichen Treffpunkt für die Jugend geben wird und ich bin zuversichtlich, dass die Werler Jugendlichen  eine Beziehung zu diesem Platz haben werden (da sie ja bei der Planung und Umsetzung dabei sind) und verantwortungsvoll und ordentlich mit diesem Treffpunkt umgehen wird.

In den Online-Kommentaren zum erschienen Artikel über die Probleme der Anwohner an der Fröbel-Schule wurde folgende Frage aufgeworfen: „Übrigens, wo ist denn eigentlich die neue Werler Streetworkerin?“  Ich war am Freitagabend/-nacht an der Fröbel-Schule, ich habe mit den Jugendlichen dort gesprochen und erhoffe mir,  langfristig, durch den Kontakt zu den Jugendlichen die tieferliegenden Ursachen der aktuellen sichtbaren Probleme zu erfahren.  Meine Aufgabe als Streetworkerin ist es,  gemeinsam mit den Jugendlichen Perspektiven und Alternativen zu entwickeln. Ich arbeite mit den Jugendlichen, bin Ansprechpartner bei Problemen und Sorgen und möchte die Jugendlichen bei der Umsetzung verschiedenster Projekte (wie aktuell der Jugendtreffpunkt oder auch Wünsche nach Antiaggressions-Training) unterstützen.  Mein Job als Streetworkerin ist also klar abzugrenzen von der Tätigkeit des Ordnungsamts oder der Polizei. Ich kontrolliere die Jugendlichen nicht, verhänge keine Strafen und „verjage“ die Jugendlichen nicht von Plätzen.

Seit Anfang September bin ich nun als Streetworkerin auf den Straßen Werls unterwegs. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie groß bei mir die Freude war, als ich die Zusage für die Streetwork-Stelle in Werl erhalten habe und wie aufgeregt ich am ersten Tag im neuen Job war. Nun bin ich bereits seit knapp über einem Monat, hier, in Werl „unterwegs“ .  Es ist also an der Zeit für ein erstes Zwischenfazit:  Nach wie vor bin ich begeistert von meinem neuen Job  und an jedem neuen Arbeitstag bin ich gespannt, welche Begegnungen, Gespräche oder auch Herausforderungen auf mich heute warten werden. Ich glaube, dass ist es, was ich an meinem neuen Job so mag – „raus zu den Jugendlichen“,  kein Schreibtischjob, nicht planbar, sondern wirklich nah dran – man bekommt Einblicke, wie es den Jugendlichen in Werl geht, was sie beschäftigt , welche Sorgen sie haben und auch, welche Wünsche (aktuelles Beispiel: Der Jugendtreffpunkt).

Ich denke, ein stückweit habe ich mich schon auf den Straßen von Werl eingelebt und das wird mir wirklich dadurch erleichtert, dass mir die Jugendlichen freundlich, offen und interessiert begegnen. Genauso aber auch die Werler Bürger, die mir oftmals interessierte Nachfragen zu meiner Tätigkeit stellen.  Eine weitere große Unterstützung bei meinem Einstieg in den neuen Job war und ist natürlich Alan Greene, der ja schon seit über 10 Jahren hier in Werl als Streetworker unterwegs ist und von dessen Erfahrung und Wissen ich nun profitierte und jeder der Alan kennt, wird es bestätigen können, es macht auch einfach Spaß mit ihm unterwegs zu sein. ;o)

Soweit  ein erster Einblick, sollte es Fragen, Anregungen oder Kritik geben, sprecht mich an – ihr wisst ja, sonst tu ich es. ;o)