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8. Teil: Frischgebackene Abiturienten plaudern aus dem Nähkästchen

Drei Jahre sind vorbei und das Abitur ist in der Tasche. Die Aussicht ist eine Zukunft voller Möglichkeiten und man kann mit Stolz zurückblicken auf das, was man geschafft hat. In den letzten Wochen und Monaten arbeitete die H4, unsere Abschlussklasse, eifrig an ihrem Abitur. Es wurde gebüffelt, geredet, geschrieben und bestanden.

Ich hab mich mit ein paar von den fertigen Abiturienten unterhalten, und so vieles erfahren, einen guten Einblick erhalten und nützliches Wissen, wie man es machen sollte und wie nicht.

Von drei Abiturienten möchte ich ein paar Eindrücke wiedergeben. Das wären Cigdem Güler (23 Jahre), Viktor Horst (25 Jahre) und Alexandra Weber (Name auf Wunsch von der Redaktion geändert, 25 Jahre).
Alle drei erzählten mir, dass die Prüfungsphase stressig war, dass manchmal die Zeit kaum gereicht hat. Aber dass sie mehr als gut darauf vorbereitet wurden und die Lehrer immer einen Rat hatten und mehr als fair und hilfreich waren.
Unser Schulleiter, Herr Küster, welcher die Prüfungen für Deutsch betreute, Herr Schwarz, zuständig für Englisch, und Herr Rothländer, unser Biologielehrer: Von diesen dreien konnte ich nur gutes hören, was die Prüfungen und die Vorbereitung anbelangt. Lässt einen ja hoffen, für so jemanden wie mich.

Die Eindrücke über die Schulzeit waren bei Cigdem, Viktor und Alexandra unterschiedlich und doch gleich. Für Cigdem vergingen die drei Jahre wie im Flug. Die Erfahrung, mit Erwachsenen abends in die Schule zu gehen, zu lernen und sinnvoll die Zeit zu verbringen, war etwas Tolles. Sie lernte sehr erfolgreich, wie man seine Zeit einteilt und „dass man abends kein Fernsehen mehr schaut“.

Auch Viktor kam auf die Zeit zu sprechen. Er merkte vor allem in den Ferien, wie viel Zeit man eigentlich hat und es eigentlich gar nicht zu schätzen weiß. Das Wichtigste für ihn war, dass er sich selbst einiges bewiesen hat. Er nahm die Schule, wie ich auch, im ersten Bildungsweg nicht so ernst. Und an der Abendschule hat er sich selbst stolz gemacht und die Erfahrung gemacht, dass er es kann. Und das bei Vollzeitarbeit und einer Familie. Er gab den guten Rat, trotzdem auf sich und seinen Alltag aufzupassen, denn man kann sich schnell selbst überschätzen. Also: Nicht die Nächte vor den Klausuren durchlernen, sondern es mal am Tag versuchen. Den Rat nehme ich mir mal zu Herzen.
Alexandra erzählte mir, dass sie sich sehr auf den Unterricht freute und dass sie die Atmosphäre der Klasse mochte. Die Lehrer waren fair, engagiert und immer für einen Spaß zu haben. Wie auch Cigdem hat sie dort viele neue Leute kennengelernt und vor allem soziale Kontakte geknüpft und gepflegt. Diese wurden und waren auch immer sehr wichtig für sie. Ganz begeistert war sie von dem kulturellen Angebot, das Herr Küster immer gerne ermöglicht. Sie besuchte sehr gerne die Theaterstücke, die von ihm für den Deutschunterricht organisiert wurden.
Dankbar bin ich für die guten Tipps, die mir alle gegeben haben. Vor allem, dass man früh Lerngruppen bilden sollte, falls es irgendwo hapert oder nicht so gut voran geht. Diese wurden in der Abiphase so wichtig wie nie. Also dann lieber vorher damit anfangen und nicht bis kurz vor zwölf warten, wie das normalerweise passiert. Man gab mir und meiner Klasse den Tipp, sich erst mal nicht auf guten Noten auszuruhen, sondern „da sein, aufpassen und mitmachen“.
Es macht mir Mut, dass ich so viele positive Sachen gehört habe und einen Einblick in die Abiphase bekommen habe, und ich bin jetzt noch gespannter auf die zwölfte Klasse. Ich hoffe, ich kann 8mir die Tipps behalten und sie anwenden und werde sie nicht vergessen. Jetzt noch die letzten Klausuren bestehen und dann stehen die wohlverdienten Sommerferien an. Und auf die freue ich mich wie damals, auch wenn das Wetter mal wieder typisch ist.

9. Folge: Anmeldefrist im Varnhagen-Kolleg bis zum 4. Juli / Die neuen
Abiturienten

Von Thomas Köhler

Ich habe ja immer gehofft, dass ich ein paar Leute mit meinen
Geschichten und Artikeln über die Abendschule hier in Lüdenscheid dazu
bewegen kann, auch etwas für ihre Zukunft zu tun, sich weiterzubilden
und ihr Fach- oder
Vollabitur zu machen. Deswegen will ich die Gelegenheit nutzen, um an
die Anmeldefrist für neue Schülerinnen und Schüler zu erinnern. Diese
endet am 4. Juli um 13 Uhr.
Die Kurse mit den Abschlusszielen Fachhochschulreife und Allgemeine
Hochschulreife (Abitur) finden in den Räumen des Zeppelin-Gymnasiums
statt. Sie sind gedacht für berufstätige Erwachsene mit Mittlerer Reife
(FOSR), einem Mindestalter von 18 Jahren und einer abgeschlossenen
Berufsausbildung oder dem Nachweis einer mindestens zweijährigen
Berufstätigkeit.
Was brauche ich denn nun, wenn ich mich im Abendgymnasium anmelden will?
Zu allererst das Anmeldeformular, welches man auf der Internetseite der
Schule findet und dort ausdrucken kann. Dann braucht ihr außerdem ein
paar Kopien, und zwar vom Personalausweis und von den
Abschlusszeugnissen aller besuchten Schulen. Wenn man eine Ausbildung
absolviert hat, dann auch den Nachweis über diese Ausbildung und dass
man diese auch mit Erfolg abgeschlossen hat. Bei mir war das das Zeugnis
über das Staatsexamen für Krankenpflege.
Ich habe damals, auf der Realschule, den Fehler gemacht und meine zweite
Fremdsprache abgewählt. Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich bei der
Anmeldung einfach das Zeugnis der siebten und der zehnten Klasse
mitgebracht, das wäre nämlich dann der Nachweis dafür, dass ich eine
zweite Fremdsprache gelernt habe. Dann müsste ich das jetzt nicht mehr
in der Abendschule nachholen.
Wenn man alle Zeugnisse, Unterlagen und Nachweise kopiert hat, bringt
man diese am besten nach Hagen in die Hauptstelle des
Rahel-Varnhagen-Kollegs (Eugen-Richter-Straße 77-79, Tel. 0 23 31 /3 77
64 11) . Dabei sollte man neben der Kopie auch die Originale mitnehmen,
wenn man die Kopien nicht hat, beglaubigen lassen. In Hagen angekommen,
müssen die Sachen nur noch im Sekretariat abgeben werden. Und 20 Euro
mitnehmen. Die sind dafür, dass man immer die Kopien der Lernmittel
bekommt und nicht jedes Blatt einzeln bezahlen muss.
Klingt kompliziert, aber ist ganz einfach, so lange man alle Unterlagen
dabei hat und sich nicht so anstellt wie ich.
Ich hab mir damals die Internetseite des Rahel-Varnhagen-Kollegs aber
auch noch genau durchgesehen, das hilft: www.rvk-hagen.de.
Elf Abiturientinnen und Abiturienten haben es jetzt übrigens geschafft.
Sie haben endlich ihre Zeugnisse erhalten und feierten im Caveau an der
Talstraße in Lüdenscheid.
Die Abiturientinnen und Abiturienten sind:
Fatma Aktas, Benjamin Basak, Cigdem Güler, Peter Harder, Viktor Horst,
Volker Kahle, Laura Lagrave, Annemarie Manke, Jan Rekind, Lara Alessa
Vetter, Anzhela Vorobyova.

Man sieht den Wetterbericht für die nächsten Tage, und man freut sich. Es soll 21 Grad warm werden, sonnig – und es werden kaum Wolken am Himmel sein. Frühlingstage, wie man sie herbeisehnt.

Das ist gut für alle, doch für mich und viele Klassenkameraden stellt es einen kleinen Kampf dar. Je besser das Wetter desto schwieriger wird es, sich zu konzentrieren. Der Blick aus dem Fenster füllt einen mit Neid und man denkt sehr gerne daran, wie es wäre, sich ein wenig in der Sonne zu räkeln. Doch das ist eher zweitrangig, wichtig ist die Schule. Es ist wieder Klausurzeit, und der Stoff, der behandelt wird, ist nützlicher denn je. Das wissen alle in unserer Klasse.

Das Ende des ersten Schuljahrs steht bevor. Noch knapp zwei Monate, und jeder möchte das Schuljahr bestehen und auch ein gutes Zeugnis mit nach Hause bringen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass nicht einmal eine Handvoll Mitschüler an der sogenannten 70-Prozent-Hürde kratzt. Was ist diese Hürde? Am Ende des Semesters muss jeder Schüler mindestens 70 Prozent Anwesenheit vorweisen können – in jedem Fach. Kann er das nicht, also hat er zu oft in einem oder mehreren Fächern unentschuldigt gefehlt, so kann es sein, dass er diese Fächer nicht besteht.

Trotzdem ist es schwierig. Wenn das Wetter gut ist, heißt es Zähne zusammenbeißen. Dafür freut man sich dann umso mehr auf die Wochenenden, an denen man nicht lernen muss und wo das Wetter dann auch gut ist.

Heute möchte ich den ersten meiner Klassenkameraden vorzustellen. Was macht er beruflich? Was treibt ihn an? Was macht er nach dem Abitur?

Ich werde in nächster Zeit immer wieder ein paar Leute aus meiner Klasse interviewen, um einen Einblick zu ermöglichen.

Fangen wir also mit Steve Dollase an. Steve ist 25 Jahre alt und kommt aus Lüdenscheid. Er ist unser Großer, er bringt immer gute Laune mit und hat gerne einen Witz auf den Lippen.

Nach seinem Realschulabschluss fing er das Abitur des ersten Bildungsweges an, welches er aber im ersten Halbjahr der zwölften Klasse abgebrochen hat, um seine Ausbildung zum Mechatroniker anzufangen. Nach der Ausbildung ging es an das BKT Lüdenscheid, wo er seinen Techniker in Elektrotechnik anstrebte. Dieses Unterfangen musste er leider aus privaten Gründen frühzeitig beenden. Was ihn aber nicht daran hinderte, währenddessen seinen Ausbilderschein zu schaffen. Steve möchte an der Abendschule sein Fachabitur machen, um danach noch im Verbund Mechatronik an der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen zu studieren. Steve arbeitet fünf Tage die Woche in Vollzeit, von 8 Uhr morgens bis 17 Uhr nachmittags. Da er in Dortmund arbeitet und etwa eine dreiviertel Stunde von Dortmund nach Lüdenscheid braucht, ist er jeden Tag direkt von der Arbeit an der Schule. Außerdem gehen, wie bei jedem von uns, ein paar Wochenenden im Monat fürs Lernen drauf.

Klingt stressig und nach wenig Freizeit. Steve aber meint, dass dank seiner Freundin viel Belastung von ihm abfällt, da sie ihm eine Menge abnimmt und sich um sehr viel kümmert.

Außerdem ist durch die Tatsache, dass er schon seit langer Zeit im Berufsleben steht, der Stress nicht so schlimm. Und eine gute Vorbildung erleichtert ihm den Schulalltag immens.

Seine Motivation liegt darin dass er nach seinem Studium, in Verbindung mit seiner Berufserfahrung und den Qualifikationen einen viel besseren Stand auf dem Arbeitsmarkt hat. Berufschancen sehen nach einem Studium einfach besser aus.

Sein Eifer ist bis jetzt ungebrochen, und ich hoffe, er bleibt uns bis zum Abi erhalten.

Durchgehend gutes Wetter, richtig guter Schnee zum Ski fahren, wilde Partys und eine Spitzenstimmung: So war die Klassenfahrt eine Woche lang. So hat man mir erzählt. Denn ich wurde pünktlich, einen Tag vor der Abfahrt, krank und konnte somit leider nicht mitfahren. Ist mir schon oft passiert, aber es hat mich noch nie so sehr geärgert wie dieses Mal.

Natürlich war diese Klassenfahrt ein voller Erfolg, und deswegen wird das Ganze auch wiederholt, aber das doch erst nächstes Jahr.

Momentan haben wir Ferien, Osterferien um genau zu sein, und ich hatte mich vor den Ferien mit einem unserer Lehrer darüber unterhalten, wie wichtig ein Ziel für die Zeit nach der Schule ist, um gut durch die drei Jahre bis zum Abitur zu kommen. Der Schulstoff hat nämlich merklich an Inhalt und Tempo zugenommen. In Biologie vernimmt man erschöpftes Ächzen, wenn die komplexen Strukturen von Enzymen und biosynthetischen Vorgängen behandelt werden. Das Fach Deutsch wartet mit dem Drama der „Antigone“ auf und Mathe bringt mit Polynomdivisionen auch keine leichten Aufgaben hervor. Erschwerend kommt hinzu, dass das Wetter allmählich besser wird. Sobald sich die Sonne zeigt und die Temperatur über 15 Grad steigt, fiebert man immer stärker dem Ende des Unterrichts entgegen. Je besser das Wetter, desto mehr Disziplin ist gefordert. Ein paar Mitschüler erblühen unter diesen Umständen und dem Unterrichtsstoff, und ein paar tun es nicht. Leider ist es in der Klasse wieder einer weniger geworden.

In den ersten Ferientagen ist mir klar geworden: Ich weiß kaum etwas über die Ziele und Pläne meiner Mitschüler. Was wollen sie mit dem Abitur anstellen? Einer möchte studieren, ein anderer eine Ausbildung anfangen. Ich weiß es kaum. Deswegen werde ich in den nächsten Ausgaben immer wieder mal einen Klassenkameraden befragen und dann hier vorstellen.

Was macht er beruflich? Wieviel Zeit hat er für die Schule, und was will er nach der Schule machen?

Nun noch das letzte Ferienwochenende genießen, und dann geht es weiter.

In zwei Wochen ist es soweit, unsere erste Klassenfahrt steht an. Wohin es geht? Skifahren, in das schöne Zillertal nach Tirol.

Ein Ereignis, welches unser Soziologielehrer, Herr Glogowski, jedes Jahr für alle Schüler des gesamten Rahel-Varnhagen-Kollegs organisiert und begleitet. Eine Möglichkeit, auch Studentinnen und Studenten aus Hagen kennenzulernen, die wir ja sonst nie sehen.

Ich muss gestehen, dass das meine erste Klassenfahrt nach mehr als zehn Jahren ist und ich das Ganze also gar nicht als „Klassenfahrt“ sehe, sondern eher als einen Kurzurlaub mit Gleichaltrigen. Gleichaltrig heißt über 20 Jahre alt und als solche auch meistens berufstätig oder mit eigenem Haushalt. Deswegen verwundert es kaum, dass aus unserem Kurs nur fünf Leute mit auf die Reise kommen, da einige keinen Urlaub bekommen haben oder es sich schlichtweg nicht leisten können. Was doch schade ist, denn auf so einem Ausflug lernt man Kommilitonen besser kennen, geht etwas trinken oder feiert einfach zusammen.

Und je besser man seine Mitstudenten kennt, umso mehr macht es Spaß, sich im Klassenverband zu bewegen, zu lernen und gemeinsam die Jahre zu verbringen.

Als wir in Soziologie die Themen Soziometrie und Gruppendynamik behandelten, fiel uns auf, dass es bei uns in der Klasse noch keine Cliquen oder feste Gruppen gibt.

Etwas, was wir alle von der Schule kennen. Damals waren die Cliquen sehr viel wichtiger, haben unseren Freundeskreis bestimmt und die gesamte Klassenstruktur beeinflusst. Doch bei uns gibt es das so nicht. Ist es nach einem Semester noch zu früh für so etwas? Heute haben wir alle Freunde, Familie und Cliquen außerhalb der Schule. Diese sind uns natürlich wichtiger und deswegen scheint sich das bei uns langsamer zu entwickeln.

Das klingt jetzt so, als würde sich keiner mit dem Anderen unterhalten. Natürlich treffen wir uns nach der Schule zum Lernen, Weggehen oder Feiern. Aber es gibt keine Klassenstrukturen wie damals. Keine „Stars“, keine Mitschüler, die sich über andere lustig machen, keine unangenehmen Halbstarken, die etwas beweisen müssen.

Auch gibt es keine Außenseiter oder Leute, die von jedem gemieden werden.

Das schafft eine ganz entspannte Atmosphäre. Es fühlt sich erwachsener an.

Bald fängt auch wieder die Klausurenphase an. Was mir fast zu schnell ging. Und erneut heißt das lernen, lernen und viel übers Lernen reden.

Mal schauen, wie viele Lerngruppen sich bei uns zusammenfinden und wer sich, wie Ich, eingesteht, nicht auf alle Fragen eine Antwort zu haben. Mal schauen, welche Vorsätze vom letzten Semester bei mir noch vorhanden sind. Wenn dieses Semester so anfängt wie das letzte aufgehört hat, bin ich aber guter Dinge und freue mich auf alles, was da noch kommt.

Das erste Semester an der Abendschule nähert sich dem Ende. Viele Klausuren wurden geschrieben, wir haben viel gelernt und eine Menge gebüffelt. Die meisten Noten stehen schon fest, unsere Semesterzeugnisse sind unter Dach und Fach.

Viele von uns dachten: „Ach, das ist doch nur das Zeugnis des ersten Semesters“. Doch auch dieses Zeugnis ist schon wichtig. Zwar sind die Noten semesterunabhängig, das heißt in jedem Semester wird die Note für jedes Fach neu bewertet und vergeben, unabhängig von der Note des vorigen Halbjahrs. Ich kann also jetzt eine Vier haben und beim nächsten Mal dann locker eine Eins (natürlich nur, wenn ich mich anstrenge). Doch auch schon das erste Zeugnis ist wichtig für die Versetzung: Man kann also jetzt schon „sitzenbleiben“.

So mancher musste sich wegen ein paar schlechten Noten durchaus Gedanken machen. Zum Glück wird aber keiner von uns „kleben bleiben“. Wir bleiben also vollzählig und alle beisammen.

Rückblickend war der Unterrichtsstoff, den wir während des ganzen Semesters hatten, dafür gedacht, Dinge zu wiederholen und uns einen guten Einstieg in das kommende Semester zu geben. Für mich waren ein paar Sachen einfach nur Wiederholung, zum Beispiel in Englisch. Da waren einfache Grammatik, einfache Vokabeln und die ersten Zeiten, sogenannte Past- und Present-Tenses, das Hauptthema. Genau wie bei Deutsch bestanden die beiden ersten Themen aus Wiederholungen, nämlich Inhaltsangaben und Erörterungen.

Und natürlich Mathe, wo ich heilfroh bin, dass unser Mathelehrer von vorne begann und mir Mathe so nahebrachte, wie es kein Lehrer vorher schaffte. Dabei ging es um so „einfache“ Themen wie Bruchrechnung, Funktionen und Gleichungssysteme – für so manchen einfache Grundlagen, für mich komplettes Neuland.

Ein großes Diskussionsthema war bei uns das Fach Biologie. Für einige ein Buch mit sieben Siegeln, für die anderen ein Spaziergang – obwohl wir als Hauptthema „nur“ die Zellbiologie behandelt haben, was als eines der einfachsten Themen gilt. Für die Zukunft weiß ich: Es wird schwerer in allen Fächern, und wir alle müssen uns ordentlich reinhängen, um am Ball zu bleiben. Ich bin nur froh, dass unser Klassenlehrer Josef Schwarz sich für jedes Problem Zeit nimmt und auch jedem eine Lösung und gute Vorschläge unterbreitet. Und das gerade in der Phase der Versetzung und der Zeugnisse, in der ein paar Leute ein paar Sorgen haben. Für mich ist klar: mehr anstrengen, damit ich mit meinen Noten weiterhin zufrieden sein kann.

 

Endlich Schulferien. Endlich ein paar Wochen Ruhe und Entspannung, ein wenig den Tag genießen, die Seele baumeln lassen und mal wieder auf Partys gehen. Denkste!

Vollzeit arbeiten und für die Klausuren nach den Ferien lernen, so sah der Plan über Weihnachten für mich aus.

Das Gefühl war anders als damals, zu meiner ersten Schulzeit. Es fühlte sich nicht wie eine Befreiung an. Ich habe mich nicht nach den Ferien gesehnt oder jeden Tag bis dahin gezählt. Es war ganz nett und kam mir gelegen, mal ein paar Tage nicht in die Schule gehen zu müssen. Vor allem war auf Arbeit viel los; es mussten ein paar wichtige Sachen bis zum Jahresende geklärt werden, Termine eingehalten und Abschlüsse geregelt werden.

So blieb mir kaum Zeit, die Ferien richtig zu genießen, da ich mir ja für die Abende vorgenommen hatte, zu lernen und mir zum Beispiel endlich mal Latein anzuschauen. Doch wie es mit vielen guten Vorsätzen so geht, war auch dieser gut gedacht und kaum ausgeführt.

In der ersten Woche überkam mich eine Welle der Faulheit. Jeden Tag kam ich von der Arbeit und legte mich erst einmal auf die Couch, um dort zu lesen, über Dinge, die nichts mit der Schule zu tun hatten. Am Ende der ersten Woche dachte ich: „Thomas, du solltest ruhig mal anfangen. Nach den Ferien kommen Klausuren auf dich zu“. Aber irgendwie hörte ich mir selber nie zu.

In der zweiten Woche wurde ich dann krank. Da dachte ich mir: „Thomas, das ist deine Chance. Du wirst den ganzen Tag Zeit haben!“. Und auch hier nutzte ich die Chance nicht. So waren die Ferien vorbei, und ich hatte effektiv vier Stunden etwas für die Schule getan. Nicht wirklich löblich. Ich hätte jemanden gebraucht, der mir mehr in den Hintern tritt.

Doch kann ich behaupten: Ich kam sehr entspannt in das neue Jahr und war zum Schulbeginn mehr als erholt und bereit.

Vor allem dachte ich, dass uns nach den Ferien eine oder zwei Personen aus der Klasse verlassen hätten, da viele über Neujahr ihr Ziele überdenken. Doch dem war zum Glück nicht so. Unsere Klasse ist noch vollzählig und bleibt hoffentlich auch noch lange so.

Ich habe mich mit ein paar Schülern aus dem dritten Jahrgang unterhalten, die jetzt auf die Abiturprüfungen zusteuern. Bei ihnen sind noch 14 da von ursprünglich 32. Laut ihren Aussagen „ganz normal“.

Während der Ferien habe ich die Leute aus meiner Klasse vermisst – vor allem meine Mathefreundin Soula.

Ich vermisste sogar den Abendunterricht. Ich fühlte mich gegen 20 Uhr immer ein wenig unterfordert.

Mal sehen, wie die nächsten Ferien werden.

Jeder von uns hatte in der Schule ein Fach, welches er liebend gerne abgewählt hätte. Bei manchen war das Englisch, andere mochten Biologie und Chemie nicht. Ich mochte Mathe nie. Auf der Realschule schwänzte ich die Hälfte der Stunden. Die Stunden, in denen ich anwesend war, las ich Zeitschriften und passte im allgemeinen nicht auf. Das wurde mir zum Verhängnis, und so war die Fünf auf dem Zeugnis stets mein Begleiter. „Den Fehler mache ich nicht nochmal“, habe ich mir damals geschworen.

Also ab jetzt von Beginn an immer anwesend sein und schön aufpassen! Das habe ich bis jetzt auch wirklich vorbildlich geschafft. Die ersten Wochen Mathe waren wirklich sehr hilfreich. Unser Mathelehrer ist geduldig mit uns, erklärt gerne und viel. Er ist eifrig bei der Sache und ein echter Mathelehrer. Meine Tischnachbarin Soula stellt sich zum Glück als genau so mathebegabt heraus wie ich. Von nun an erklären wir uns gegenseitig, was wir nicht verstehen.

Zusammen sind wir gut durch die Stunden gekommen, und ich sah erste Erfolge. Es war, wie meine Eltern mir damals in der Realschule immer sagten: Ich muss nur aufpassen und auch mal die Augen im Unterricht offen halten. Ich war wirklich echt motiviert.

Doch dann wurde die erste Matheklausur angekündigt. Soula und ich starrten uns nur entsetzt an. Ja, wir waren besorgt. Dabei ging es nur um einfache Gleichungen. Und dann habe ich etwas getan, was Michael, mein Bruder, mir einmal geraten hat. Es war das erste Mal für mich, und ich wusste auch nicht, ob es wirklich klappen würde: Ich habe mich zu Hause hingesetzt und für die Matheklausur gelernt! Also richtig abends an den Schreibtisch setzen, Mathebuch aufschlagen und Übungsaufgaben rechnen, nachrechnen und dann von vorne.

Der Abend der Klausur war da, und die Aufregung ging einfach nicht weg. Nach der Klausur waren Soula und ich nicht minder aufgeregt. Als wir die Klausur dann zurückbekamen, erst recht. Denn wir hatten beide eine Zwei geschrieben. Und ich war schon ziemlich happy dabei. Somit wurde mein „Hassfach“ nun zu meiner größten Motivationsquelle. So kann es gehen, wenn man auf seinen Bruder hört.

Nicht jeder hat die ersten Klausuren so gut überstanden, was wahrscheinlich auch der Grund dafür ist, dass uns schon ein Mitschüler fehlt. Schade ist es, aber der Druck durch eine Vollzeitarbeit und die Schule kann hart sein. Doch scheint das in jedem Jahrgang gang und gäbe zu sein. Der Jahrgang über uns hat von anfangs knapp 30 Mitschülern nur noch etwa 20.

Ich hoffe, das wird bei uns anders sein, da unsere Klasse doch schon ein bunter und lustiger Haufen ist.

Nun ist es also soweit, mein erster Schultag. So aufgeregt wie bei der ersten Einschulung bin ich leider nicht, trotzdem ein tolles Gefühl. Ich mache mein Abitur nach, binnen drei Jahren an der Abendschule, einer Zweigstelle des Hagener Rahel-Varnhagen-Kollegs, welches seine Räume im Zeppelin-Gymnasium hat. Das volle Programm mit Lernabenden, verpassten Partywochenenden, Ärgernissen über Klausuren. und Noten, die einen zur Weißglut bringen können.

Jeder, dem ich das erzählt habe, klopfte mir auf die Schulter und meinte „Das ist gut, aber hart, und das über drei Jahre“. Danke, aber ich weiß genau, warum ich das mache und warum ich das durchziehe. Aber warum eigentlich? Ich wollte schon immer Studieren gehen, nochmal an die Uni. Aber da ich es auf dem ersten Bildungsweg nicht gepackt habe, versuche ich den zweiten Bildungsweg. Dass ich das wirklich mache, mich angemeldet habe und auch jeden Abend dorthin gehe, habe ich meiner Ex-Freundin zu verdanken. Ihr Ehrgeiz und ihre Strebsamkeit hatten mich über ein Jahr lang beeinflusst, bis ich wirklich davon überzeugt war, dass ich es schaffen werde.

Die paar festen Tritte in den Hintern taten das Übrige.

Die Variante der Abendschule kommt mir dabei ganz gelegen, da ich von morgens bis nachmittags arbeite und somit keine Möglichkeit habe, den Vormittagsunterricht zu besuchen. Außerdem möchte ich nicht jeden Tag nach Hagen, was beim Vormittagsunterricht nötig wäre.

Die ersten Wochen und Tage sind sehr lehrreich. Ich habe gemerkt, wie schlecht ich eigentlich wirklich in Mathe bin, und ich habe mir schon die Horrorklausuren ausgemalt. Latein liegt mir überhaupt nicht und ich wundere mich, wie eine tote Sprache mich so nerven kann. Außerdem beobachte ich an mir, wie ab 21 Uhr eine Talfahrt in Bezug auf meine Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit beginnt.

Die Klasse ist bunt durchmischt, jede Menschen- und Altersgruppe ist vertreten, ein jeder ist nett und freundlich, ein paar Gesichter kennt man.

Man merkt auch, dass die Lehrer anders mit einem umgehen und wir nicht mehr 16 sind.

Wir sind auch keine Schüler, wir sind „Studierende“. Wir befinden uns in der „Erwachsenenbildung“, und so werden wir auch behandelt. Die Lehrer haben Verständnis für berufliche Schwierigkeiten, wenn mal was nicht mit der Zeit und der Arbeit so hinhaut. Viele aus der Klasse arbeiten noch mehr und noch länger als ich, und ich komme schon kaum mit meiner Zeit zurecht.

Und irgendwie unterhält man sich mit den Lehrern anders als früher in der Schule.

Ich versuche immer wieder, gewisse Parallelen zwischen meiner ersten Schulzeit damals und der Schulzeit heute zu ziehen.

Aber das klappt nicht so ganz. Die Atmosphäre ist für mich viel entspannter. Ich weiß jetzt, warum ich da jeden Abend sitze und lerne – für mich. Dafür, dass ich mich weiterbilde und irgendwann sagen kann: „Ich hab‘ mein Abitur, welche Uni will mich?“.

Jetzt bin ich aber erst einmal gespannt, ob ich meine guten Vorsätze so durchziehe oder nur rumschwalle, wie die kommenden Klausuren ausfallen und ob ich mich noch so sehr über Ferien freuen kann wie früher.