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Mwashebukeni (= Guten Morgen in Bemba) Sambia-Freunde,

 plötzlich ist es der 10. August, noch ein paar Stunden bis zum Abflug und noch ganz schön viele Dinge zu erledigen. Die letzten Tage in Deutschland vergingen wie im Flug, was nicht nur daran lag, dass uns viele Dinge durch den Kopf gingen wie zum Beispiel dem Besorgen letzter Kleinigkeiten und dem Organisieren der Fahrt vom Flughafen in Lusaka in den ersten Zielort Kasama. Nun haben wir heute Morgen Nachricht erhalten, dass eine der Schwestern bereits am Flughafen auf uns wartet.

Vier Jahre ist es her, dass wir im 12000 km entfernten Sambia waren. Vier Jahre haben wir unser kleines Projekt nun von Deutschland aus betreut. Vier Jahre sind für uns eine lange Zeit. Wie aber ist es wohl in Sambia, Kasama? Was hat sich wohl verändert? Was hat sich weiter entwickelt? Was finden wir von unserer Arbeit 2007 noch vor? Treffen wir einige der Frauen und Kinder wieder? Werden wir vielleicht von einigen Menschen wieder erkannt? Viele spannende Fragen, die wir erst vor Ort beantworten können.

Eins steht fest, auch wenn es der zweite Besuch in diesem schwarzafrikanischem Land sein wird, aufregend und „anders“ ist es wie auch beim ersten Mal.

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist so weit:  Nach vier Jahren machen wir, Linda aus Büderich und Natalie aus Wickede, uns erneut auf den Weg in das ferne Sambia, um unser Hilfsprojekt vor Ort weiterzuführen.

Ein kurzer Rückblick:

Schon in der Oberstufe auf dem Marien-Gymnasium Werl hatten wir beide den Wunsch, eines Tages nach Afrika zu reisen, um uns dort sozial zu engagieren. "Warum genau Afrika?", fragten uns viele Menschen. Afrika, allein der Name hatte für uns schon immer eine ganze besondere Bedeutung. Afrika klang so fern. Dieses Land faszinierte uns, obwohl wir noch nie dort waren. 2006 machten wir uns intensiv auf die Suche, um Organisationen ausfindig zu machen, mit denen wir nach Afrika fliegen könnten. Die eine zu teuer, die andere sprach uns nicht an… die Suche gestaltete sich schwierig. Nach über einem halben Jahr lasen wir dann in einem Zeitungsartikel von der Jürgen Wahn Stiftung Soest e.V., die es jungen Erwachsenen ermöglicht, im Ausland zu arbeiten. Es folgte ein Vorstellungsgespräch, Kontakte nach Sambia über den dortigen Erzbischof wurden hergestellt, Motivationsschreiben verfasst und am 04. April 2007 hielten wir in endlich in der Hand: den Vertrag zwischen der Stiftung und uns! 

Nun stand unserer Reise nichts mehr im Weg! Na ja, fast nichts…

Nachdem wir die neun Impfen intus hatten, nach denen es uns mal gut, mal weniger gut ging, wurden unzählige Vorbereitungen getroffen.

Und dann war der Zeitpunkt gekommen: Am 20.06.2007 startete unser Flieger nach Lusaka – unser Abenteuer begann!

Im Süden angekommen, machten wir uns am nächsten Tag auf den 900 km langen Weg in den Norden des Landes, nach Kasama. Dort wurden wir von drei Ordensschwestern, den "Sisters of Mercy" (Schwestern der Güte) herzlich empfangen. Wir fühlen uns direkt wie zu Hause.

Gemeinsam mit der verantwortlichen Schwester Regina kümmerten wir uns um 25 unterernährte Kinder. Die Mütter trafen sich zwei Mal wöchentlich mit ihren Kindern vor dem Haus der Schwestern in einer Hütte. Dort bekamen sie Lebensmittel und kochten für ihre Kinder, um diesen zumindest zwei Mal wöchentlich eine warme Mahlzeit geben zu können und den Mangelerscheinungen entgegenzuwirken.

Die Kontaktaufnahme zu den Kindern war sehr schwierig. Weiße hatten sie noch nie zuvor gesehen und dann auch noch mit blonden Haaren! In ihren Augen mussten wir Geister sein! Glücklicherweise legte sich das Weinen der Kinder nach circa drei Wochen, ihre skeptischen Blicke nahmen ab, sie hatten langsam Vertrauen gefasst. Hierzu verhalfen nicht zuletzt die von uns aus Deutschland mitgebrachten Seifenblasen. Nach einigem Zögern standen die Kinder langsam von ihrer Matte auf, schauten den schimmernden Kugeln hinterher und versuchten, sie einzufangen. Die Tatsache, dass die Blasen zerplatzen, löste großes Lachen aus. Das Eis war gebrochen!

Unsere Arbeit bestand außerdem darin, den Kindern und Müttern wichtige Hygienetipps zu geben. Beispielsweise erklärten wir ihnen, wie man sich mit Wasser und Seife die Hände wäscht. Dieses Ritual wiederholten wir vor jedem gemeinsamen Essen. Wir musste lachen, als uns eine Mutter schließlich berichtete, dass ihr Sohn am Vortag nichts Essen wollte, ohne sich vorher die Hände gewaschen zu haben. Ein toller Erfolg!

Gemeinsam mit Schwester Regina betreuten wir außerdem zwei Mal wöchentlich 20 Frauen, denen die Schwester das Nähen erklärte. Sie nähten Kleidung für ihre Kinder und um sie zu verkaufen.

Durch die vor Beginn unserer Reise gesammelten Spendengelder konnten wir wichtige Investitionen vor Ort machen: Seife und Creme, Handtücher, Decken (nachts erreichen die Werte im Winter um die 5°C, die Hütten sind nicht isoliert, Betten gibt es nicht), Moskitonetze, Becher, Kleidung für die Kinder, Nähstoffe… Außerdem mischten wir beim Essensplan mit, erweiterten diesen um wichtige Produkte, wie Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch.

Eine große Investition, die wir tätigen konnten war der Bau eines Hauses für eine fünfköpfige Familie. Die alleinerziehende und schwangere Caro wurde von ihrem Bruder nach dem Tod ihrer Eltern aus dem Haus gescheucht und stand mit ihren drei Kindern "auf der Straße". Da es nachts im Dorf angeblich sehr gefährlich ist und man im Dunkeln nicht mehr draußen herumlaufen sollte, entschlossen wir uns, Caro und ihrer Familie eine Hütte errichten zu lassen. Schwester Regina hatte verschiedene Kontakte zu Maurern und Handwerker, sodass der Bau der Hütte bald starten konnte. Leider musste wir zu diesem Zeitpunkt schon abreisen, bekamen aber im Nachhinein von Schwester Regina ein Bild geschickt, auf dem die glückliche Caro mit ihren Kinder vor der Hütte stand. 

Dies ist nur ein kleiner Teil unseres ereignisreichen dreimonatigen Aufenthaltes in Sambia. Wir könnten noch viele Seiten mit unseren Geschichten füllen… 

Mehr Infos und alle Berichte aus dem Jahr 2007 sind auf unserer Homepage www.KindernHoffnungSchenken.de zu finden.

Am kommenden Mittwoch, 10. August, startet unsere zweite Reise nach Sambia.                     

In unseren nächsten Beiträgen werden wir darüber berichten, wie es um unsere derzeitigen Vorbereitungen steht, was uns zur Zeit beschäftigt und wie der Stand unserer Vorfreude ist, die -wie wir schon jetzt verraten können – von Tag zu Tag steigt!

Bis dahin, 

Linda & Natalie