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Mein dritter Eintrag, und schon fast ist eine Woche ist seit meinem letzten Beitrag vergangen. Leider habe ich nicht immer Zugang zu einem Computer (habe meinen eigenen dummerweise nicht mitgenommen).

 

Neue Bekanntschaften

 

Daher ein Rückblick auf die vergangenen fünf Tage. Am Sonntag haben wir uns mit Kevin (meinem Vorgänger, der seinen Urlaub in Krakau verbracht hat), und seinem Bekannten Florian getroffen. Florian ist Deutscher, studiert aber hier katholische Theologie. Er wir Priester. Hat mich gleich beeindruckt. Ich hatte noch nie zuvor einen Seminaristen getroffen.

Natürlich war es besonders schön, die Gelegenheit zu haben, Kevin ein bisschen kennen zu lernen. Schließlich werde ich demnächst eine Woche lang bei ihm verbringen, um im Rahmen meiner Vorbereitungszeit mit der Arbeit im Freilichtmuseum vertraut zu werden. Danach dann noch eine Woche lang Vorbereitungsseminar in Aachen, eine Woche lang Hospitation im Freilichtmuseum in Kommern und die offizielle Entsendung während der Bistumsversammlung, bevor mein Freiwilligendienst richtig los geht.

Kevin meinte übrigens, Olsztynek sei „die geilste Einsatzstelle überhaupt“. Da will ich ihm mal glauben. Langsam aber sicher wächst die Freude auf mein Auslandsjahr.

 

Polen und Hollywood

 

Florian hat uns am Sonntag nicht nur zwei Kneipen und gestern sogar eine Karaokebar gezeigt, wir waren auch m Kino und haben uns den neuen Batman-Film angesehen. Ein kleiner Exkurs zum polnischen Umgang mit ausländischen Filmen: Synchronisationen sind nicht üblich, stattdessen spricht häufig ein Kommentator eine Übersetzung über die eigentliche Tonsur, sodass man im Hintergrund noch die Originaltexte hört, sich aber nicht auf se konzentrieren kann. Zwei solcher Filme mussten wir bereits im Bus auf der Anreise nach Krakau über uns ergehen lassen, deshalb kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass sie ziemlich nerven. Vor allem, da der Kommentator sich nicht besonders viel Mühe gibt, auch die Emotionen der Charaktere wiederzuspiegeln.

Nun gut, Batman war zum Glück auf Englisch mit polnischem Untertitel. Weshalb die Bösewichte ganz New York in die Luft sprengen wollten, bleibt mir trotzdem schleierhaft. Ich weiß nicht, ob das an meinen Englischkenntnissen, meinem mangelnden Vorwissen oder einfach am Plot des Films lag.

 

Kultur, Kultur! (Mehr oder weniger)

 

Es soll an dieser Stelle allerdings nicht der Eindruck entstehen, wir würden uns in Krakau nur die Nächte um die Ohren schlagen. Ein bisschen Kultur bekommen wir durchaus mit. Fabian, der seinen Friedensdienst in einem Kinderheim in Kisielane leisten wird, wies Laura zwar heute darauf hin, der Satz „Wir waren auf dem großen jüdischen Friedhof. Der ist sooo schön!“ klinge aus dem Mund einer Deutschen irgendwie etwas makaber, aber ich muss ihr Recht geben. Die Friedhöfe, die wir uns gemeinsam angesehen haben, sind schön.

Vielleicht kann ich mich ja nächste Woche ein wenig näher mit der Geschichte des jüdischen Viertels auseinandersetzen.

Geplant haben wir außerdem, Schindlers Fabrik zu besichtigen, eventuell ebenfalls die berühmten Salzmienen hier in der Nähe, wo ganze Kapellen aus Salz gehauen wurden.

Mit unseren Polnischkenntnissen geht es langsam weiter. Inzwischen habe ich das befriedigende Gefühl, dass wir immerhin schon bruchstückhafte Einblicke in die komplexe polnische Grammatik erhalten. So haben wir anhand von Beispielen den Akkusativ, den Genitiv und den Instrumental kennengelernt.

 

Und ansonsten…

 

…ist alles schön. Heute war die Stimmung zwar ausnahmsweise etwas gedrückt, aber wir haben Spaß zusammen, was bei einer siebener-WG keine Selbstverständlichkeit ist. Die Uhr zeigt kurz nach elf an, vom Balkon her wehen die Stimmen on Madita, Lorenz und Florian, die sich dort wie üblich ihr Piwo schmecken lassen, und Laura unternimmt mit Fabian noch einen Spaziergang durch die Innenstadt. Helena liest. Ich sage wie letzte Woche „Dobranoc“.

Bis demnächst!

 

P.S.: Da mir kein ansprechender Titel einfällt, bekommt dieser Beitrag die Überschrift, die ihr ja wohl schon gelesen habt. Wahrscheinlich ist es fair, nun doch noch ein paar Worte über die Karaokebar zu verlieren, damit sie überhaut Sinn ergibt. Florian (der Semnarist, ihr erinnert euch), ist dort öfters und hat uns gleich mitgenommen. Es war lustig, sich ihn Priestergewändern vorzustellen und glechzeitig beim Singen von „Can you feel the love tonight“ und anderen Schnulzen zu beobachten. Das meine ich nicht gehässg. Gnz im Gegentel: Es wirkte sympathisch.

Heute waren wir in Auschwitz, wohin man mit dem Bus von Krakau aus etwa anderthalb Stunden fährt. Laura, eine andere Freiwillige, wird dort im Zentrum für Dialog und Gebet arbeiten, und so konnten wir die Besichtigung des Konzentrationslagers mit dem Besuch ihrer zukünftigen Einsatzstelle verknüpfen.

Gänsehaut. Im negativen Sinne.

Ich denke jeder, der bereits in Auschwitz war, weiß, wie bedrückend es ist, durch die Baracken geführt zu werden, Zellen zu sehen, in denen die Häftlinge zu viert eingepfercht ganze Nächte verbringen mussten, ohne auch nur die Möglichkeit zu haben, sich hinzuhocken, und die Krematorien zu betreten. Die Zahlen der Ermordeten zu lesen ist eine Sache, eine andere ist es, den Opfern Gesichter zuordnen zu können. Im Lager sind Fotos einiger Häftlinge ausgestellt, die bei ihrer Registrierung aufgenommen wurden. Die Aufnahmedaten und die Todesdaten dieser Menschen, sagen viel über die Überlebenschancen in Auschwitz-Birkenau aus: manche überlebten Wochen, manche Monate. Bloß wenige länger. Zu schlecht war die Hygiene und Verpflegung, zu hart die Arbeit. Unsere Führerin (Referentin? Nicht, dass es in diesem Zusammenhang zu gewissen Assoziationen kommt), hat uns darüber informiert, dass das Essen eine Zeit lang aus bloß einem Löffel Marmelade oder Kartoffelpüree bestand.

Demnach ist es nicht erstaunlich, dass manche Insassen bei der Befreiung des Lagers weniger als dreißig Kilogramm wogen. Auch von ihnen sind Fotos vorhanden. Sie werden im Großformat ausgestellt. Genau so wie die Abbildungen von Roma- oder Sinti-Zwillingen, mit denen der Arzt Mengele menschen-verachtende Experimente durchführte.

Neben diesen Bildern hat mich etwas anderes besonders erschüttert: In einigen Räumen kann man hinter Glas Gegenstände betrachten, die die Nazis den Gefangenen bei der Registrierung oder nach deren Gang in die Gaskammern abnahmen: Koffer, Rasierpinsel, Schüsseln, Schuhe. Kinderkleidung. Und Haare. Es  waren diese Unmengen an Haaren, die mir einen Schauer über den Rücken gejagt haben. Das Wissen, dass die Strähnen, die sich vor mir auftürmten, wirklich ermordeten Frauen abrasiert wurden. Dann die Erkenntnis, was mit den Haaren normalerweise geschah: Sie wurden zu Polsterfüllungen oder Stoffen verarbeitet. Allein der Gedanke, eine Decke in Händen zu halten, die menschlichen Ursprungs ist -für die ein Mensch sterben musste- ist widerlich. Dieser gesamte industrialisierte Massenmord ist widerlich. War widerlich.

Der Besuch Ausschwitz war keine lustige Angelegenheit. Ganz im Gegenteil. Manchmal hätte ich heulen können. Doch gleichzeitig freut mich diese Reaktion auf die schrecklichen Eindrücke, mit denen man im KZ konfrontiert wird. Ich glaube, insgeheim hatte ich vor unserem Besuch befürchtet, vielleicht überhaupt nichts zu empfinden. Was hätte es über mich ausgesagt, wenn mich das Verbrechen, das mein eigenes Volk Millionen seiner Mitmenschen angetan hat, kalt gelassen hätte?

Das Zentrum für Dialog und Gebet

Die Frage, wie wir als Deutsche mit dem Holocaust umgehen sollten und können, wurde bei unserem anschließenden Gespräch mit einem Pastor im Zentrum für Dialog und Gebet angeschnitten. Als wir den Empfangsbereich des Zentrums betraten, war ich überrascht über die Hotel-Atmosphäre, die dort herrscht.  Ich hatte es mir wesentlich schlichter vorgestellt.

Die Einrichtung fungiert als Herberge, gleichzeitig finden dort Treffen mit Zeitzeugen, Auswertungsgespräche mit Schulklassen, etc. statt. Außerdem organisieren die Mitarbeiter Führungen durch Auschwitz um zu zeigen, dass es sich dabei durchaus um eine ganz normale Stadt handelt, in der ganz normale Menschen ein ganz normales Leben führen.

Da das Zentrum katholisch ist, verfügt es sogar über eine Kapelle. Daneben jedoch ebenfalls über eine Vielzahl an Gästezimmern, über mehrere Konferenzräume und über ein Restaurant, in dem wir ein Mittagessen bekommen haben. Insgesamt scheint Laura sich einen schönen Arbeitsplatz ausgesucht zu haben.

Nach dem Essen haben wir uns mit einem deutschen Pastor, der dort als Referent arbeitet und in seiner Jugend selbst als Freiwilliger in Israel war, unter einen Pavillon gesetzt. Es gab Cappuccino und wir haben ein sehr interessantes Gespräch geführt. Es würde zu weit gehen, dies in allen Einzelheiten wiederzugeben -vor allem, da mir eine kompltte Rekonstruktion schwer fallen würde- aber vielleicht interessiert es den ein oder anderen, welche Aspekte ich für erwähnenswert halte.

„Nicht weglaufen – zuhören“

Herr Manfred Deselaers hat ein polnisches Sprichwort zitiert: „Auf die Stimme der Erde von Auschwitz hören.“ Natürlich führe es zu nichts, den Finger in die „offene Wunde Auschwitz“ zu legen, da auf taktloses Verhalten bloß Ablehnung und Verschlossenheit folge. Man sei nicht in der Position, Trost spenden zu können, doch man müsse Zeitzeugen zuhören und sie ernst nehmen. Dies sei sowohl wichtig führ die Betroffenes als auch für einen selbst. Denn auch wenn man den Nationalsozialismus nicht erlebt habe, seien wir trotzdem Deutsche. Ich denke, er meinte, dass man das Individuum immer vor dem Hintergrund der Geschichte seiner Nation sehen müsse. Wenn ich das mal so formulieren darf. Wenn er an heutige Israelis denke, würde Herr Deselaers schließlich auch immer die Geschichte der Juden im Hinterkopf behalten. Ich hoffe, ich lege ihm jetzt nicht versehentlich falsche Wort in den Mund, aber das war ungefähr seine Aussage.

In dem Zusammenhang hat er auch von den unterschiedlichen Blickwinkeln der verschiedenen Nationen beziehungsweise Bevölkerungsgruppen auf den Holocaust gesprochen: Die Kzs auf der einen Seite als Ort, um die Opfer (teilweise Verwandte oder Vorfahren) zu betrauern, auf der anderen Seite als Mahnmahl.

Und Herr Deselaers hat uns etwas mit auf den Weg gegeben. Keiner würde von uns erwarten, dass wir die ganze Zeit bedrückt herum laufen würden wegen der Verbrechen, die Deutsche Minderheiten und nicht zuletzt den Polen (worüber man in der Schule kaum etwas lernt, aber dazu vielleicht später mehr) angetan haben. Wir seien aber als Freiwillige eine Art Botschafter zwischen zwei Kulturen. Wir hätten unseren Teil dazu beizutragen, dass Polen und Deutsche wieder so freundschaftlich miteinander umgehen können wie seit langem nicht mehr.

Sollte mein zweiter Blogeintrag nicht weniger trockenen Berichtcharakter haben? Vielleicht bin ich jetzt zu sehr ins Detail gegangen und habe Dinge beschrieben, von denen sich jeder an anderer Stelle ein eigenes Bild machen kann. Wenn ja, tut es mir Leid. Es waren einfach zu viele Eindrücke, die dieser lange Tag bereit gehalten hat.  Rückblickend könnte ich sogar sagen, dass heute der spannendste und prägendste Tag der ganzen letzten Woche war.  Jetzt bin ich ziemlich müde, also entschuldigt bitte auch etwaige Form- Grammatik- und Rechtschreibfehler.

Was noch?

Vielleicht abschließend noch ein paar wenige Worte dazu, was in den letzten beiden tagen sonst so hier in Krakau los war. Beim Sprachkurs haben wir teilweise Adjektive und Farben durchgenommen, zudem die Zahlen bis tausend und Verkaufsgespräche. Theoretisch sollte ich jetzt in der Lage sein, in einen Tante-Emma-Laden zu gehen und die Verkäuferin formvollendet um einen 967,30 Zloty-teuren Schwamm zu bitten. Leider muss ich noch Vokabeln lernen, wozu ich heute wahrscheinlich wieder nicht komme. Mist.

Wir haben eine hippe Straße im jüdischen Viertel gefunden. Ich habe „Zapiekanka“ probiert, ein typisch polnisches überbackenes Baguette mit Champignons und anderem Belag nach Wahl (angeblich sogar am besten Imbiss der Stadt). Außerdem habe ich einen der Gebäckkringel gegessen, die hier überall von Straßenverkäufern angeboten werden. Die sehen ein bisschen aus wir Simit, sind aber dicker und weicher. Es gibt sie mit Sesam, Käse, Mohn, Salz und Kümmel. Nicht schlecht!

Und Bier mit Sirup habe ich auch schon probiert. Ja, so etwas trinkt man hier tatsächlich. Sonst besondere Vorkommnisse? Es ist hier ziemlich heiß, gestern ein großes Gewitter. Vor ein paar Tagen Explosion an den Straßenbahnschienen in unserer Siedlung. Ich war gerade draußen und habe die Druckwelle gespürt. Ziemlich gequalmt hat es auch. Keine Ahnung, was da passiert ist. Zu Schaden gekommen ist anscheinend niemand.

Ich denke, das war erst mal das Interessanteste. Bevor ich gleich anfange, vollkommen in Ellipsen zu schreiben, mache ich lieber Schluss.

In diesem Sinne: Dobranoc!

Fiedensdienst – Was’n das?

„Nach Polen? Du kommst auf Ideen…“, war die Reaktion von manchen Bekannten, als sie hörten, dass ich ab Ende dieses Sommers ein Jahr in Olsztyn verbringen werde, um dort einen Freiwilligendienst in einem Freilichtmuseum zu leisten. Über meine Erfahrungen in unserem Nachbarland, von dem wir so wenig wissen, werde ich diesen Blog führen. Tatsächlich habe ich im Vorfeld einige Punkte zusammen gestellt, die für Polen sprechen: Die Landschaft, der Artenreichtum, eine lebendige Musikszene… Nicht zuletzt ist Polen der wichtigste Außenhandelspartner Deutschlands und kann auf eine Geschichte zurückblicken, die eng mit der deutschen verknüpft ist. Mal sehen, ob ich das Land wirklich als derart interessant erleben werde.

Für meine Idee, einen Freiwilligendienst zu leisten, spielten wohl die üblichen Faktoren eine Rolle: Sie entstand ursprünglich aus dem naiven Wunsch heraus, etwas „Gutes“ zu tun und gleichzeitig die Welt zu entdecken. Dieser Wunsch hat nicht direkt an Bedeutung verloren. Noch immer will ich hautnah eine andere Kultur kennen lernen, eine neue Sprache lernen, selbstständiger werden, das Leben ausskosten und etwas tun das sich „sinnvoll“ anfühlt (wobei die Frage bleibt, was überhaupt sinnvoll ist), etc. Doch andererseits weiß ich, dass ich mich in Olsztynek nicht für die Menschenrechte einsetzen werde. Oder für ein etwas ähnliches. Der Gedanke, der auch von Pax Christi aus dahinter steckt, ist vielmehr, einen kleinen eigenen Teil zur Völkerverständigung und somit zum Frieden innerhalb Europas zu leisten.

 

Rückblick: Eine Woche in Berterath

So weit, so gut. Damit die „Friedis“ (Friedensdienstleistenden) in der Fremde nicht reihenweise depressiv werden oder in ein Fettnäpfchen nach dem anderen treten, verpflichtet Pax Christi sie zu einer achtwöchigen Vorbereitung. Das ist der Grund, weshalb ich ggerade in einer Plattenbauwohnung in Krakau sitze, wo ich drei Wochen mit den anderen sechs Freiwilligen verbringen werde, die ebenfalls nach Polen entsandt werden. Eine von uns geht nach Oswiecim (Auschwitz), um in einem Haus für Dialog und Gebet zu arbeiten, zwei andere leisten ihren Dienst in einem Kinderheim in Kisielany, zwei weitere in einer Jugendbegegnungsstätte in Kreisau und eine Freiwillige in einem Archiv in Olsztyn. Mit ihr werde ich eine WG teilen, voraussichtlich ebenfalls mit anderen Freiwilligen aus Osteuropa.

Hinter uns liegt bereits eine tolle Woche mit allen Friedis dieses Jahrgangs (darunter beispielsweise auch Leute, die in den Kosovo, nach Kiew und nach Lateinamerika geschickt werden) im abgelegenen Berterath. Kennt wahrscheinlich keiner, existiert aber tatsächlich. Nämlich in Belgien knapp hinter der deutschen Grenze. Dort ging es um unsere Erwartungen, die Erwartungen an uns, die Phasen eines Freiwilligendienstes (phantasievoll mit Namen wie „Honey Moon“ und „Sauerkrautphase“ betitelt), Kooperation, Kommunikation und andere nützliche Fähigkeiten. Es war anstrengend, vor allem, da wir in einem Selbstversorgerhaus untergrebracht waren, aber ich fühle mich jetzt wirklich schon viel bereiter als zuvor. Außerdem hatten wir unseren Spaß. Aufwärmspiele, die mir vom Improtheater her bekannt vorkamen,  sorgten für Abwechslung. Sogar Alkohol wurde, so lange es nicht übertrieben wurde, akzeptiert (oder begrüßt? ;D ) und einige von uns blieben regelmäßig bis zum frühen Morgen auf.

Einer der Höhepunkte für mich war eine Art Orientierungslauf, bei dem wir in Grüppchen in unterschiedlichen Orten ausgesetzt wurden und selbstständig zurück nach Berterath finden mussten. Unterwegs sollten wir gewisse Aufgaben erledigen: Ein Ei kochen, einen Apfel über Zwischenstufen gegen etwas möglichst Großes eintauschen, ein Lied dichten… Sooo lustig und eine so schöne Landschaft, die wir dabei zu Gesicht bekommen haben!

 

Man muss sich auch mal etwas gönnen…

Seit Montag versuchen wir jetzt möglichst viel  der polnischen Sprache in unsere Gehirne reinzupressen. Fünf Schulstunden am Tag kommen wir in den Genuss eines Intensivsprachkurses. Darüber hinaus bleibt aber noch genug Zeit, die Stadt zu entdecken. Na gut, ich hätte heute vielleicht getreu meines Vorsatzes Vokabeln lernen können, anstatt durch das jüdische Viertel zu spazieren und an der Weichsel entlang zu gehen. Wie dämlich wäre jedoch, die Gelegenheit, das Leben in Krakau zu genießen, nicht zu nutzen? Schließlich habe ich gehört, dass wir uns in „Polens heimlicher Hauptstadt“ aufhalten.

Die niedrigen Preise hier verführen ebenfalls dazu, sich mal etwas zu gönnen. Wir waren schon in einem ukrainischen Restaurant, wo ich für vegetarische Kohlrouladen mit zwei Gläsern Wasser umgerechnet sechs Euro ausgegeben habe. Im jüdischen Viertel gab es leckeren Kaffee und wunderschöne Klezmer-Darbietungen. Da wir allerdings von Pax Christi täglich fünf Euro pro Person für Verpflegung bekommen, haben wir in den letzten Tagen über unsere Verhältnisse gelebt. Ab heute wird ein bisschen gespart.

Insgesamt ist mein erster Eindruck der Stadt sehr positiv, obwohl die Innenstadt von Tourismus geprägt zu sein scheint. Immerhin fahren dort kaum Autos, man muss höchstens aufpassen, nicht von den Elektrofahrzeugen überrollt zu werden, die Touristen an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbei transportieren und dabei erstaunliche Geschwindigkeiten aufnehmen können. Oder von einer der riesigen weißen Kutschen, die Touren durch die Altstadt anbieten.

Es gibt hier aber noch Unmengen zu entdecken. Mehr zu meinen Impressionen (an dieser Stelle ein hochtrabendes Wort) und dazu, was ich bereits erlebt habe, schreibe ich in meinem nächsten Blogeintrag. Dann vielleicht auch etwas lebendiger sowie kürzer als mein heutiger trockener Bericht. Wir werden sehen. Jetzt ruft erst mal das Bett. Vielleicht komme ich sogar noch dazu, einen Blick in meine Vokabeln zu werfen, damit ich morgen ein „piórnik“ von „chusteczki“ unterscheiden kann. Ach, dass mit dem Polnischen wird schon. Immerhin kann ich mich nun recht detailliert vorstellen. Und wie Madita, eine andere Friedi heute meinte: „Polnisch klingt gar nicht wie Polnisch. Ich dachte immer, das wäre hässlicher. Ist aber eigentlich total schön.“

 

Also dann, falls diesen Eintrag irgend jemand gelesen hat und das Thema jemanden interessiert: Do widzenia und bis demnächst!