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Es sind noch 9 Arbeitstage, die ich überleben muss und ich muss sagen: Die Luft ist einfach raus. Vor allem, weil auch die Laune im Team ziemlich kippt. Untereinander verstehen wir uns alle noch gut. Dummerweise gibt es da aber immer noch eine Chefin, die Aufträge erfüllen muss und das in einem bestimmten Zeitraum. Da kommt es dann nicht ganz so gut, wenn die Maschinen ausfallen. Nicht dem Unternehmen und vor allem nicht uns, denn die kleinen Arbeiter dürfen das Schlarmassel ausbaden indem wir länger arbeiten.

 

Unser Paintball-Sonntag ist dadurch ausgefallen. Am Freitag und Samstag davor mussten wir bis 20Uhr (also insgesamt 12,5 Stunden) arbeiten und da hatte dann keiner mehr Lust aich am Sonntag aus dem bett zu quälen. Der Hammer kommt aber jetzt über Ostern. Damit wir überhaupt einen zusätzlichen Tag frei haben müssen wir die ganzen 6 Tage bis 20Uhr arbeiten. Tag Nummer 2 ist nun vorbei und wir sind alle erledigt. Wir waren nur darauf, dass es Samstag wird und wir Sonntag und Montag frei haben. Aber ich glaube kaum, dass wir es durchhalten werden. Das wird dann auch die Chefin einsehen, wenn die Reihen nach und nach überlaufen, weil wir einfach nicht mehr können.

Am 13. April habe ich die Halbzeit erreicht. Auf ein halbes Jahr Neuseeland kann ich dann zurückblicken und ich kann es kaum glauben. Bis dahin lasse ich mich von meinem Mitarbeitern aufheitern und lache über sehr interessante Formen von Äpfeln…

Seit zwei Wochen bin ich bereits in Roxburgh. Roxburgh, sagt mir nichts, habe ich noch nie etwas von gehört. Stimmt. Hier gibt es auch absolut nichts. Ich glaube der Ort hat vielleicht seine 600 Einwohner – wenn es hoch kommt. Doch viel von dem Ort und der Umgebung habe ich noch nicht gesehen, denn eigentlich bin ich lediglich hier um zu arbeiten. Und Arbeit gibt es hier genug.

Das kleine Örtchen Roxburgh liegt eine halbe/dreiviertel Stunde Autofahrt (je nach Fahrstil) südlich von Alexandra, in der Mitte der Südinsel. Der Ort liegt an einem Fluss und ist eigentlich mit recht gutem Wetter gesegnet. Aus diesem Grund gibt es hier viele Obstplantagen. Ob Nektarinen, Pfirsiche, Pflaumen oder auch Äpfel, hier wächst alles was man an Bäumen ziehen kann. Letztere Frucht gibt mir einen Job. Ich arbeite sechs Tage die Woche jeweils 10 Stunden lang in einem Packhaus. Wir stehen am Fließband und bekommen Massen an Äpfeln angeliefert, die wir auf Papphalter anordnen, nach Druckstellen überprüfen und in Kartons packen. Das alles möglichst schnell und gründlich und zum Billigpreis des Mindestlohns in Neuseeland. Es sind übrigens die Äpfel, die dann in ein paar Wochen unter anderem in den Deutschen Supermärkten herumliegen. Alles handgepflückt und eingeordnet von Backpackern.

Im Grunde wird somit mein Leben von der Arbeit bestimmt. Der Wecker klingelt um 6, dann gibt es Frühstück, die Sachen werden gepackt, Lunch gemacht und auf zum Packhaus. Um halb 8 werden die Bänder angeschmissen und um halb 6 abends wieder abgestellt. Zwischendurch wird man halb verrückt durch den Anblick von tausenden von Äpfeln und das unglaublich nervtötende Klickgeräusches der Lieferbänder, die die Äpfel nach Gewicht an den Packbändern aussortieren. Natürlich dürfen wir keine Musik hören. Den Grund dafür kenne ich nicht und die Arbeit wäre um einiges erträglicher, wenn man sich ablenken könnte. Ich bin entweder an einer Reihe, die mich komplett fordert oder darf mich um mehrere kümmern, weil einfach nicht genug Leute da sind. Eingesehen wird das von den Chefs nicht. Dann wird das Band halt mal für eine Minute angehalten, das Chaos beseitigt und weiter geht die Arbeit.

Abends bin ich meistens zu müde um noch irgendetwas zu machen (deshalb kommt dieser Eintrag auch relativ spät). An einigen Abenden lag ich bereits um halb acht im Bett und habe eine Stunde später tief und fest geschlafen. Aber das war nur die Ausnahme.

Am ersten Tag haben die ersten Beiden gekündigt. Eine Woche Später die Nächste und jetzt am Wochenende sind zwei weitere Personen gegangen. Ja, Arbeit macht Spaß.

Der Sonntag ist dann der einzige freie Tag der Woche. Ausschlafen. Denkste! An meinem ersten Sonntag bin ich pünktlich um 6 aufgewacht. Letzten Sonntag immerhin „erst“ um 7. Dadurch kann ich als erste die Waschmaschine nutzen und die Ruhe im Hostel genießen, denn der Rest der Truppe schläft natürlich aus. So bis Mittag. Netterweise hatten wir an beiden Sonntagen das Glück, dass es geregnet hat. Die Wochentage waren natürlich wunderschön auch wenn die Nächte sich schon in den Minusgraden bewegen. Durch meine Frühaufsteheraktion hatte ich aber die Möglichkeit einen schönen Sonnenaufgang zu sehen und spazieren zu gehen durch das schlafende Roxburgh. Die einzige Person, die mir begegnet ist war mit ihrem Hund unterwegs, also nicht freiwillig.

Ich rede übrigens im Schlaf. Und schreie. Vorher hat mir das noch keiner erzählt weshalb ich annehme, dass ich diese Angewohnheit erst hier für mich entdeckt habe. Meine armen Zimmergenossinnen müssen da nun leider durch, wenn ich von Äpfeln träume und doch eigentlich einfach nur weg will. Ich hoffe, dass sich das dann wieder legt, wenn ich aus Roxburgh weggehe. In vier Wochen. Mit gefülltem Bankkonto.

Doch zu den schönen Dingen des Lebens: Bis auf eine etwas zu neugierige und griesgrämige Hostelmanagerin sind die Leute hier echt nett. Von einer bunten Mischung aus England, Tschechien, Frankreich, Chile, Asien und Deutschland sind nun nur noch die Deutschen, einige Asiaten und zwei Chileninnen übrig. Trotzdem eine gute Truppe um gemeinsam zu leiden. Bei der Arbeit selbst sind aber alle möglichen Nationalitäten zugegen und auch einige Kiwis. Damit wird dann nur englisch gesprochen (wenn man dann mal Zeit hat) mal besser und mal.. schlechter. Nächsten Sonntag wird mit einigen Leuten Paintball gespielt. Das zweite Mal für mich. Ich hoffe inständig, dass es gutes Wetter gibt, ansonsten macht das Ganze wohl auch keinen Spaß.

Eigentlich denke ich immer, dass ich ganz gut mit der englischen Sprache klarkomme. Natürlich hatte ich zunächst einige Schwieirgkeiten mit dem Kiwi-Akzent, aber man gewöhnt sich daran. Mir ist auch bewusst, dass es in England diverse Akzente, doch dass es einen Akzent gibt, den selbst Engländer selbst nicht gut verstehen…
Im Hostel hat für einige Nächte ein Engländer eingecheckt (sowieso war letzte Woche eine britische Woche, was absolut genial war!!!). Er kam aus Birmingham und in den ersten Stunden habe ich kaum etwas verstanden von dem, was der Herr von sich gegeben hat. Ich habe bereits so einige Akzente gehört und kann auch langsam lokalisieren woher die Menschen kommen. EIn solch seltsames Englisch ist mir bislang jedoch nicht zu Ohr gekommen. Der gute Tom wurde selbst von seinen Landleuten nicht verstandn. Somit musste ich mich nicht schlecht fühlen. Schlussendlich war ich sogar ein wenig stolz darauf, denn als er abgereist ist habe ich bestimmt 70% von dem sofort verstanden, was er erzählt hat. Mal mehr und mal auch weniger. Aber es hat sich enorm verbessert.
Das irische Englisch finde ich dagegen erheiternd. Zeitwise denke ich, dass in deutschen Schulen eher dieses Englisch gelehrt werden sollte, denn die Iren scheren sich einfach nicht um das th. Warum sich die Zunge abbrechen, wenn man auch einfach t sagen kann?! Sehr sympathisch!

Dies ist übrigens meine letzte Nacht in Dunedin. Ich werde den Ort vermissen. Zwar mochte ich die Stadt nicht sofort, aber nach vier Wochen habe ich mich doch ein wenig verliebt. Es ist halt die typische Studentenstadt. Damit mein letzter Abend auch richtig gut wird gab es es dann auch noch was ganz tolles:
Dunedin hat gegen Christchurch Rugby gespielt und ich war dabei! Die Tickets waren komplett ausverkauft, aber ich hatte Glück. Auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit nach Roxburgh hat mich jemand kontaktiert und nach einer Weile kam nochmal eine Nachricht, die meinte: Wir haben ein Ticket für das Spiel über. Interesse? – Klar doch! Es war eine super Zeit und Dunedin hat dann auch noch gewonnen!

Man hat eigentlich immer die Wörter von seinen Eltern im Ohr: Wenn du ausgehst, lass deine Sachen nicht einfach rumliegen. Irgendwann sind sie weg. Als Backpacker gewöhnt man sich jedoch schnell daran seine Sachen einfach rumliegen zu lassen. Zumindest im Hostel. Und dort ist es eigentlich auch sicher, denn man ist unter Gleichgesinnten. Allerdings gibt es auch scharze Schafe.

Schaf Nummer 1:
Wenn man bei uns im Hostel eincheckt zahlt man 20$ als Kaution für den Schlüssel. Leider hat eine meiner Kolleginnen an einem Abend vergessen das Geld für die Schüssel wegzusperren und so war das Geld in der Schublade im Schreibtisch. Wenn es ein normaler Abend gewesen wäre, dann wäre wahrscheinlich nichts passiert. Doch leider waren ein paar Gäste dort, die schon den Abend über zu interessiert an der Rezeption waren und die ganze Zeit nur beobachtet haben. Am nächsten Morgen mussten wir dann feststellen, dass das Geld weg war. Die Gäste auch. Sie haben nichtmals die Nacht im Zimmer verbracht und hatten für zwei Nächte bezahlt. Unser Boss war nicht gerade glücklich darüber, aber im Kiwi-Style hat er sich nicht wirklich drüber aufgeregt. Dabei wäre das nur allzu verständlich gewesen, denn erst eine Woche zuvor wurde der Safe in seinem anderen Hostel in Dunedin aufgebrochen und komplett leergeräumt.

Schaf Nummer 2:
Samstagabende sind die besten Abende zum Ausgehen. Vor allem, weil momentan die Orientierungswoche an der Universität ist. Das heißt, dass Massen an jungen Leuten die Stadt überschwemmen um Spaß zu haben. Und genau das wollten wir auch ausnutzen. Eine Freundin hat allerdings den Fehler begangen und hat ihr Portemonnaie und ihre Kamera in ihrer Jackentasche verstaut. Als sie den Club verlassen hat, waren die Taschen leer. Immerhin hatte sie noch das Glück, dass ihr Reisepass und ihr Handy in einer anderen Jackentasche war, sonst hätte sie keine Papiere mehr, denn natürlich war ihr Führerschein im Portemonnaie. Glücklicherweise hat sie noch einen gültigen amerikanischen Führerschein, sodass sie weiter Autofahren darf (die deutsche und neuseeländische Bürokratie stehen sich dabei nämlich wuderbar im Wege) und da es nachts war, konnte sie zumindest ist deutsches Konto zur Tageszeit sperren lassen, die Kiwis mussten leider mit der Nachtzeit zurechtkommen.

Heute wird nur ein wenig Geld und der Ausweis mitgenommen. Sicher ist sicher.

Ja, die Sache mit dem Weiterziehen… Ich bin immer noch in Dunedin und ich werde bis Ende März hierbleiben und im Hostel arbeiten. Das ist ganz praktisch, weil ich dann kostenlos wohnen darf und nochmal 50NZ$ die Woche bekomme, die Lebensmittel locker abdecken. Zudem ist der Hostelbesitzer (der im Grunde genommen nur 5Minuten am Tag im Hostel ist) ganz nett, da er innerhalb der Woche immer einen Aktionstag macht. Mal besorgt er Sachen zum Grillen, DVDs und Snacks, bezahlt die Kinokarten, Pizza…

Ansonsten ist Dunedin noch immer keine bunte Stadt. Der Sommer ist ziemlich grau in grau und die schönen Sachen, die man sehen kann sind außerhalb der Stadt. Mal abgesehen von Schokolade… in Dunedin gibt es die Cadbury Factory, eine der Schokoladenfirmen, die man natürlich besuchen kann und ganz viel Schoki probieren kann. Yummie!
Die Brauereien hier habe ich (noch) nicht besucht. Kommt wahrscheinlich noch und das aus dem gleichen Grund, wie für Cadbury: Das Probieren.

An einem der wirklich schönen Tage habe ich mich zu Fuß auf den Weg gemacht zum Tunnel-Beach. Der heißt so, weil man durch einen Tunnel auf den Strand kommt. Sehr einfallsreich, aber der Strand war wirklich wunderschön und somit braucht er eindeutig keinen einfallsreichen Namen. Ich hatte mich alleine auf den Weg gemacht, aber auf so einer Tour bleibt man eigentlich nie lange alleine. So bin ich auf meinen ersten Italiener in Neuseeland getroffen und wir sind zusammen zur Küste. Nicht auf dem ausgeschilderten Weg – das wäre ja langweilig – sondern einfach an der Steilküste entlang durch die Weiden und über die Zäune. Da die Lammzeit vorbei ist sagen die Besitzer auch nicht wirklich etwas dazu. Wir haben auch niemanden getroffen.. Es war abenteuerlich aber auch wunderschön. Zeitweise kann man sich echt nicht erklären, wie die Natur so etwas schaffen konnte.

Auf der Otago Peninsula kann man Pinguine, Albatrosse und Robben/Seelöwen sehen. Natürlich braucht man dazu ein Auto, aber wozu gibt es Hostelgäste, die einen gerne mit dahin nehmen?! An das Ausnutzen von netten Menschen muss man sich erst gewöhnen, aber so langsam kann ich gut damit leben. Ein Deutscher hat ein paar vom Hostel mitgenommen, um abends die Blue Penguins zu beobachten, wie sie aus dem Meer zu ihren Kleinen und Partnern ans Festland kommen. Pinguine habe ich zwar schon in Oamaru gesehen, aber es ist trotzdem immer wieder süß wie sie schreiend und watschelnd an Land kommen. Zudem habe ich auch einen Albatross gesehen, der am späten Abend noch seine Kreise gezogen hat. Trotzdem würde ich gerne noch zum Albatross Center, da dort die Kolonie angesiedelt ist und die „Küken“ noch immer in den Nestern hocken. Dazu muss ich aber erst noch den richtigen Gast finden und überzeugen 😉

Aus einer Woche werden ein paar Tage mehr. Dunedin hatte bei mir einen echt schweren Start, aber langsam fange ich an die Stadt wirklich zu mögen. Es gibt etliche Secondhand Läden, ob nun für Klamotten oder Bücher, die man durchstöbern kann.
Ich habe heute die steilste Straße der Welt besucht, aber ich muss sagen, dass sie ziemlich langweilig ist. Da finde ich den Botanischen garten um einiges schöner.
Die Otago Peninsula habe ich immer noch nicht gesehen. Dort gibt es Seelöwen, Robben und die einzige Albatrosskolonie, die auf dem Festland brütet. Dummerweise fährt keiner der Busse bis zum Ende der Halbinsel, sodass man entweder auf eine überteuerte Touritour angewiesen ist, oder auf ein eigenes Auto. Aber irgendwer im Hostel will wohl auch nochmal Albatrosse sehen und hat dann auch ein Auto. Man muss nur Geduld haben und immer schön nachfragen.

Am Freitag werde ich dann aber wirklich die Stadt verlassen und wieder in die Natur. Die Catlins stehen auf dem Plan und somit der südlichste Punkt Neuseelands. Für diese Region nehme ich mir dann bis Ende Februar Zeit, glaube ich. Anfang März geht es dann arbeiten in einem Obst-Packhaus. Das wird ein Spaß… aber es bringt Geld, das Städtchen in dem ich arbeiten werde ist so klein, dass ich keine Möglichkeithaben werde das Geld auszugeben und das Hostel ist günstig. Jetzt müssen nur noch die Leute passen mit denen ich dann ein paar Wochen zusammen verbringen und arbeiten werden und einer guten Zeit steht nichts im Wege!

Es wird nun meine zweite Nacht in Dunedin, aber da hier alles grau in grau ist, dachte ich mir, dass ich eine kleine Geschichte von vor… fast zwei Wochen hervorkrame.

Dies sind zwei Toiletten auf dem Hooker Valley Track in Mount Cook. Für mich hat die hintere eine besondere Rolle, denn sie hat meine Trinkflasche verschluckt. Das war nicht nur irgendeine Trinkflasche, sondern eine schön robuste mit einem extrem praktischen Schnapphakenverschluss. Unter einem Schnapphakenverschluss kann man sich etwas ähnliches wie einen Karabinerhaken vorstellen, nur dass der halt als Teil des Deckels ist. Man kann die Flasche also überall befestigen, wo es eine Lasche gibt. (Einfacher wäre es gewesen einfach ein Foto zu zeigen, aber wo ist denn da der Spaß!?) Ich hatte diese wunderbare Flasche an diesem Tag an einer Beuteltasche befestigt, zumindest dachte ich dies. Leider hat der Haken wohl nicht richtig geschlossen, dazu kam noch eine dummeBewegung und *platsch* landete die Flasche im Plumpsklo. Es gab noch „so viel“ mehr Platz in der Toilette, wo ich sie einfach nur hätte aufheben müssen. Nein, sie ist nun verloren und hat nun etwas erlebt, was ich nicht erleben werde: Einen Helikopterflug. Die Reinigung der Toiletten auf den Tracks wird nämlich durch die Luft gemacht. Sollte ich da meine Flasche beneiden?!? Der Ausblick wäre auf jeden Fall sensationell!

Durch dieses graue Wetter bin ich mit Dunedin noch nicht wirklich warm geworden. Zudem hat das neue Semester hier noch nicht angefangen und die Studenten sind dementsprechend noch nicht in der Stadt. Ich bin ungefähr eine Woche zu früh dran. Verdammt!
Aber ich muss mal wieder bemerken, dass man mit Essen schnell Kontakte findet. In meinem Hostel sind – mal wieder – einige Leute hier, die schon länger zusammen leben und im Hostel arbeiten. In eine solche Gruppe zu kommen kann sich als schwierig herausstellen, immerhin ist der Mensch ein Gewohnheitstier und neue Dinge werden ersteinmal mit Argwohn betrachtet. Die Wunderwaffe gegen diesen Argwohn ist – wie bei vielen anderen Lebenwesen – Essen. In meinem Fall frisches, selbstgebackenes Brot. Auf einmal stehen alle Türen offen 😉

Ich bin immer noch in Oamaru und genieße meine Zeit hier sehr.
Im Hostel gehen die Leute ein und aus, nur ich bleibe länger. Bei manchen dieser Leute tut es mir wirklich Leid, wenn man sich gut mit ihnen verstanden hat. Anderesind mir dann wiederrum egal, weil die Chemie nicht gestimmt hat.

Nach Wochen war es dann auch einen Abend mal wieder soweit, dass ich die einzige Deutsche im Hostel war. Das gibt es nicht oft und ich muss sagen, ich habe es genossen. Außer mir war noch ein nettes Paar aus Taiwan, eine Französin und ein Amerikaner dort. Die Hostelbesitzerin hat dann einen Grillabend ausgegeben. Jake, der Amerikaner, und ich wurden einfach nur angewiesen was es alles gibt und wir haben die Grillzange geschwungen und den Ofen angeschmissen.

Das alte Viertel der Stadt ist so ziemlich jeden Tag ein Anlaufspunkt für mich. Wobei ich mich bei einem Kaffee in Annie’s Victorian Teahouse schon ziemlich fehl am Platz gefühlt habe. Dazu kam dann noch, dass Jake es geschafft hat seine Kaffeetasse mit Goldrand umzukippen, sodass in der Stille des Cafes alle Aufmerksamkeit auf uns gerichtet war. Upsss…
Am Sonntag war zusätzlich noch  Bauernmarkt. Leider hatte die Bäckerei zu, die gutes deutsches Brot mit Sauerteig macht. Ich kann kein Toast mehr sehen und auch wenn ich gelernt habe Brot zu backen, mit Hefe schmeckt es doch anders als mit Sauerteig. Gestern war ich dann beim Buchbinder. Leider war der Chef selbst nicht da, aber trotzdem habe ich mich fast eine Stunde in dem kleinen Laden aufgehalten, weil ich mich mit der Frau hinter den Tresen unterhalten habe. Ich hätte auch liebend gerne eines der Bücher gekauft (Notizbücher, Tagebücher), die alle handgebunden sind, aber durch die ganze Handarbeit haben sie einen guten guten Preis. Gestern habe ich versucht den Herr der Ringe-Mann aufzuspüren, aber auch mithilfe des Hundes war er nicht aufzufinden. Der Laden war geschlossen.

Morgen geht es für mich dann weiter nach Dunedin. Das Hostel ist gebucht, eine Mitfahrgelegenheit wird entweder heute Abend im Hostel gefunden oder morgen dann an der Straße. Ich hoffe auf Touristen, denn auf dem Weg nach Dunedin gibt es einige schöne Ecken, wo ich gerne stehen bleiben würde. Ansonsten muss ich mich einfach zwischendurch rausschmeißen lassen und suche mir jemand anderes, der mich weiter mitnimmt.

Wow, ich habe mich hier schon eine ganze Weile nicht mehr gemeldet und das tut mir leid. Das letzte Mal war ich noch in der Nähe von Rangiora, nun bin ich in Oamaru. Dazwischen war ich ein paar Tage in Christchurch und habe das Filmset von Edoras aus Herr der Ringe besucht. Von dort bin ich an den wunderschön türkisblauen Lake Tekapo gefahren und wurde nach ein paar Tagen von einer Deutschen mit nach Mount Cook genommen. Es war nur ein Tagesausflug mit atemberaubender Aussicht, denn es war keine Wolke am Himmel. Meine Mitfahrgelegenheit hat mich dann in einem kleinen und etwas kitschigen, aber unglaublich gemütlichen Hostel in Omarama gelassen. Nach ein paar Nächten dort ging es dann hierher, nach Oamaru.

Hier kann man jeden Abend die Pinguine beobachten, wie sie aus dem Meer an Land kommen und sich einen Schlafplatz in den Mauern der Häuser in Küstennähe suchen. Es ist wirklich witzig zu beobachten. Da ich mein Reisetempo sehr drossele und in diesem kleinen Örtchen fünf Nächte bleibe, kann ich nun nach und nach die Stadt erkunden, die Leute treffen und einfach nur die Backpacker beobachten, die Tag für Tag in mein Hostel ein- und wieder ausziehen. Um den Mittag herum leihe ich mir den Hund der Hostelbesitzerin aus und dann geht es in den Wald, damit der junge Border Collie ordentlich ans Laufen kommt.

In den nächsten Tagen werde ich den Buchbinder besuchen. Hier gibt es ein wunderschönes Viertel, das im viktorianischen Stil aufgebaut ist, mit kleinen Läden, wie einem Hutmacher, einer Weberei, einem Süßigkeitenladen. Zudem habe ich erfahren, dass hier in der Nähe ein Mann wohnt, der für die Herr der Ringe-Filme Requisiten angefertigt hat. So klein (und doch erstaunlicherweise groß) die Stadt auch ist, es gibt einiges zu sehen. Ich werde mich – versprochen – die Tage melden und berichten, was ich so alles in Oamaru erlebe.

Viele Grüße an die Heimat aus der Ferne!

Die Wege trennen sich. Seit Anfang November kenne ich Jana (meine Mitreisende, wie ich sie zuvor genannt habe), wir haben über einen Monat lang zusammen in Blenheim gelebt und sind dann zusammen auf Reisen gegangen. Die Zeit ist nun vorbei und eben wurde sie von unserer Gast- und Arbeitsgeberin mit dem Auto nach Christchurch gefahren, um da ihren Bus zum nächsten Ziel zu bekommen. Ich habe beschlossen, dass ich noch ein paar Tage bleibe, allerhöchstens eine Woche (was ich aber zu lang finde) und dann weiterziehe.

Trotz der Aussicht auf weitere Reisen bin ich grad schon ein wenig sentimental. Nach so langer Zeit wächst man zusammen. Man könnte jetzt behaupten, dass es nicht so lange war, immerhin begann die richtige Reisezeit erst kurz vor Weihnachten, aber wenn man so unterwegs ist, ist selbst eine Woche schon lang für einen gemeinsamen Weg. Man lernt sich ganz anders kennen, wenn man sein Leben in einen Rucksack packt. Man ist darauf angewiesen Menschen näher zu kommen und Kontakte zu knüpfen. Ohne diese Personen wäre die Reise sinnlos. Ich fand es schon traurig als die ganzen Leute in Blenheim weitergezogen sind. Für Wochen waren wir da die Bewohner, haben alles zusammen gemacht, in guten wie in schlechten Zeiten (und es gab von beiden genug!) und dann löst sich das Ganze auf.Ich habe natürlich die Hoffnung, dass ich wenigstens ein paar der Gefährten entweder auf meiner weiteren Reise, oder wenn ich wieder zurück bin irgendwann wieder sehe. Ob nun die Deutschen oder alle anderen.

Aber was wird nun mit mir? Ja, das steht noch ein wenig in den Sternen. Als nächster Anlaufspunkt wird wohl Christchurch sein. Viel von der Stadt habe ich nicht gesehen, ich glaube mehr als den Botanischen Garten und den Park drumherum gibt es auch nicht mehr. Von dort aus geht eine Herr der Ringe-Drehorttour los, die ich mir gönnen möchte. Wenn schon denn schon. Danach geht’s wieder südwärts, genaues Ziel steht noch nicht fest!

Und um einen schwedischen Satz loszuwerden, den ich gelernt und mir endlich auch behalten habe (das meiste, was ich in anderen Sprachen mitbekommen habe, ist dummerweise schon wieder vergessen…): Vi vet inte vart vi ska men vi ska komma dit. (Wir wissen nicht wohin wir gehen, aber wir werden dorthin kommen.) Ich finde, dass das ein passendes Motto ist!