titelbildherku

Jan Heidenreich berichtet für den WA von seinen Erlebnissen während der Rom-Fahrt des AFG.

Sichtlich verschlafen sind die Insassen von Bus 14, der auch mich heute nach Herculaneum und Solfatara bringt. Kein Wunder, denn die meisten mussten schon um halb sieben oder noch eher aufstehen, denn bereits um 8 Uhr ist Abfahrt auf dem Busparkplatz. So geht es auch mir, auch ich habe in der Nacht wenig geschlafen und sitze jetzt nach meinem äußerst ausgiebigen Frühstück – zwei Brötchen mit Käse und Wurst – ziemlich müde an Bord von Nr. 14.

Um 8.20 Uhr geht es dann auch mit etwas Verspätung los. Unser Busfahrer Karl-Heinz kämpft sich langsam, aber sicher immer weiter durch den römischen Pendlerverkehr voran bis wir endlich auf die A1 Richtung Neapel auffahren. Hier geht es dann auch deutlich schneller voran und die Meisten bemühen sich den in der Nacht verlorenen Schlaf nachzuholen. Unsere Reiseleiterin spielt jedenfalls erstmal die Madagaskar-DVD im Bus-Kino ab, und langsam steigt die Stimmung im Bus.

Aber es lohnt sich auch mal aus dem Fenster zu schauen, denn neben dem Bus zeigt sich das Gebirge, das definitiv einen Blick wert ist (siehe Foto rechts). Langsam zeigt sich – wenn auch nur schemenhaft – links von uns der Vesuv, weit kann es also nicht mehr sein und tatsächlich, wenig später fahren wir von der Autobahn ab. Wir kurven noch etwas durch die Vororte von Neapel und stellen fest, dass unser Bus definitiv zu groß für die kleinen Gassen ist. Dabei schafft unser Fahrer es gerade noch einen Unfall zu verhindern, der beinahe entstanden wäre, weil ein italienischer Autofahrer die Vorfahrt unseres Reisebusses einfach nicht akzeptieren wollte. Zwischendurch gibt es noch die eine oder andere schöne Aussicht auf das Mittelmeer, und letztendlich biegen wir dann nach drei Stunden und zehn Minuten Fahrt auf einen Busparkplatz ein.

Uns begrüßt ein italienischer Touristenführer, der uns mit seinem, wie er selber sagt, “etwas verrostetem Deutsch” durch die Ausgrabungsstätte lotst. Gerade einige Minuten gelaufen fängt es erstmal an zu schütten wie aus Eimern, aber das ist bei unserem Glück ja typisch. Petrus aber meint es gut mit uns und der Regenguss ist im Endeffekt doch nur ein kleiner Schauer, also können wir die Freiluftausstellung doch bei strahlendem Sonnenschein besichtigen. Besondere Attraktion: ein antikes römisches Fast-Food-Restaurant inklusive Weinkarte (siehe Bild links). Nur statt Pommes und Burger gab es hier halt Grießbrei und Brot. Etwas später besichtigen wir auch noch eine Bäckerei, bei der ein gemeißelter Penis als Ofenverzierung die ganze Gruppe kurz in die sechste Klasse zurückversetzt.

Zwischendurch treffen wir auch noch auf die tierischen Besucher der Ruinen, hauptsächlich in Form von Geckos. Unser Tourguide gibt mir übrigens nebenbei noch den Rat, dass es nie reicht nur eine Beziehung zu haben, weil man ja einen Notfallplan haben muss, wenn die eine in die Brüche geht. Ob seine Geliebte wohl davon weiß? Dann gab es noch die ein oder andere antike Ruine und Freske und natürlich die obligatorischen Skelette zu betrachten bis es wieder in den Bus geht und wir uns auf den Weg nach Solfatara machen.

Am Vulkan angekommen gibt es erstmal eine kurze Pause und belagert von streunenden Katzen versuchen wir unsere mitgebrachten Brötchen zu essen. Als die Mägen voll und die Blasen leer sind kündigt unser Guide an, das wir bereits am Rand des Kraters stehen und uns nur noch einige Schritte von den Schwefelfeldern trennen. Während er erklärt, dass der Boden so hohe Temperaturen erreicht, dass sogar Schuhsohlen schmelzen können, fangen die ersten an mit Sorge ihre teuren Latschen zu betrachten, aber unser Touristenführer versichert, dass die Treter heile bleiben, solange wir hinter ihm herlaufen. Der Weg führt uns durch ein kleines Waldstück, bewachsen mit Erdbeerbäumen und Kastanien und nur wenige Meter weiter stehen wir in einer Mondlandschaft (siehe Foto rechts), oder wie unser Tourguide es ausdrückt: “Es ist wie eine Reise zur Hölle – wunderschön”.

Dazu riecht es als würde man nach dem Sommerurlaub gekochte Eier von vor zwei Wochen im Kühlschrank wiederfinden. Als wir mit der großen Rundwanderung durch den Krater fertig sind, wandern wir wieder aus dem Vulkan heraus und gehen zurück an Bord von Bus 14.
Auf dem Weg Richtung Autobahn können wir noch einen Blick auf die Bucht von Neapel werfen und gerne hätten wir noch einen Abstecher gemacht, um nochmal die letzten Sonnenstrahlen am Strand zu genießen und die Füße ins Mittelmeer zu halten, aber unser Busfahrer hatte schon genug Stress für den Tag und tritt lieber den direkten Weg zur Autobahn an. Dieses mal gibts “17 Again” im Bordkino, vor allem zur Freude der Mädchen im Bus. Als wir einige Stunden später die Autobahn wieder verlassen, stecken wir sofort wieder – wie sollte es auch anders sein – im römischen Verkehrschaos fest und die Stimmung im Bus wird langsam angespannter, denn der Hunger ruft, auch bei mir.

Es ist schon längst dunkel als wir um 20 Uhr dann endlich auf den Parkplatz der Campinganlage rollen und sofort stürmen wir mit der ganzen Busladung das Essenszelt. Der Hähnchen-Curry-Reis schmeckt – wäre jetzt aber auch egal gewesen, der Hunger hätte wahrscheinlich alles reingetrieben. Nach der abendlichen Versammlung geht es dann wahrscheinlich auch zügig ins Bett, denn morgen ist nunmal um 6.30 Uhr Abfahrt zur Papstaudienz. Mein Zimmernachbar hat den Wecker jedenfalls schon mal auf 5 Uhr gestellt.


Über die Autorin/den Autor:  Michael Schlösser ist Online-Redaktion beim Westfälischen Anzeiger. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: