23.36 Uhr: Tag vier der Rom-Fahrt endet an dieser Stelle für mich. Der Körper zollt dem durchaus anstrengenden Programm Tribut und verlangt nach Schlaf, da kann auch „Nastro Azzurro“-Bier aus dem kleinen Supermarkt der Bungalow-Anlage nichts dran ändern.

Beim Einkauf dort unterläuft mir übrigens ein kleines Missgeschick: Vor dem Regal mit Keksen entscheide ich mich gegen die „M&M’s“, die mit über drei Euro doch weit von einem Schnäppchen entfernt sind. Stattdessen greife ich zu einer Packung mit der Aufschrift „Tiramisu“. Da das Produkt nicht in der Tiefkühle gelagert wird, kann es ja eigentlich kein komplettes Tiramisu sein. Ich tippe auf fluffige Kekse mit dem Geschmack des italienischen Desserts. Doch weit gefehlt: Natürlich erhalte ich zum Schnäppchenpreis von 2,50 Euro eine ordentliche Portion der Nachspeise. Die ist erstmal im Kühlschrank gelandet – für schlechte Zeiten oder einfach für morgen. Bis bald oder landestypisch: A presto.

17.43 Uhr: Die Schüler nutzen die letzten Minuten bevor der Pool um 18 Uhr „schließt“, und belohnen sich mit einem Sprung ins kühle Nass für den durchaus anstrengenden Tag. Um sechs wird auch wieder die Tafel gedeckt, ich bin schon gespannt, in welchen Teil Europas uns das Reiseunternehmen während des Abendessens entführt. Bislang im kulinarischen Pass: Ungarn und Deutschland.

Um 20.30 Uhr steht mit der Versammlung im Amphitheater der Bungalow-Anlage der letzte Programmpunkt an. Die Q2 bekommt von all dem wenig mit, da sie das Abendessen sausen lässt und zur Feier des Tages – an dieser Stelle auch meine Glückwünsche an Geburtstagskind und Stufenleiter Marius Gregg – die letzten Sonnenstrahlen am Strand von Ostia Antica aufsaugt. Die übrige Schulgemeinde wird wohl wieder Schulleiter Heinz-Joachim Auferoth zum Heiligen Vater erheben. Was auch sonst an einem Montagabend?

16.25 Uhr: Die Katakomben zu Ehren von Flavia Domitilla haben bei Sonne pur und rund 25 Grad für eine willkommene Abkühlung gesorgt. Ein Mitglied der Steyler-Missionare stellte im Vorfeld der Besichtigung interessante Fakten auf Deutsch vor. Und das ohne zuvor eine Personenkontrolle der drei Busladungen durchzuführen, obwohl dies nötig gewesen wäre. Wir haben uns schließlich auf vatikanischen Boden begeben. Aber für das AFG werden die Schranken der Bürokratie eben kurzerhand ausgehebelt.

Vor der Begehung der ehemaligen Grabstätte versammelte sich die Werner Delegation in der einzigen unterirdischen Basilika der ewigen Stadt. Der Abstieg führte die Mittelstufe schließlich in einen sonst geschlossenen Gang, der am tiefsten Punkt bis zu 32 Meter unter der Erdoberfläche liegt. Die dunklen Gänge weisen Aussparungen auf, die exakt so groß sind wie die Toten, die dort einst bestattet wurden. „Und der Römer war nicht so groß“, witzelt der Missionar. Da die Katakomben morgen ihren Ruhetag haben, gibt er noch eine Warnung mit auf den Weg: „Wer verloren geht, hat Pech gehabt. Wir suchen nicht nach euch.“ Nach zweimaliger Zählung kann Bus 3 Entwarnung geben, alle Siebtklässler sind wohlbehalten wieder an Bord.

13.07 Uhr: Nicht nur auf den Straßen ist es voll, auch den Petersdom wollen viele Gläubige und ebenso die weniger Frommen sehen. Kurzzeitig verliere ich sogar meine Gruppe aus den Augen, stelle mich also alleine für den Aufstieg zur Kuppel an. Nachdem ich in 10 Minuten nur 20 Meter nach vorne gekommen bin, reicht mir ein Blick auf die Uhr, um die Warterei abzubrechen. Meinem Beispiel folgen weitere.

Immerhin pünktlich treffe ich am verabredeten Treffpunkt ein und erkenne meine neue Gruppe am Schild mit der gelben Drei. Erst hier erfahre ich, dass auch die anderen den geplanten Kuppel-Besuch streichen mussten. Derart lange Schlangen passen nicht ins Zeitabudget.

Zur Entschädigung haben viele Schüler die Souvenir-Shops gestürmt. Ein Renner ist das T-Shirt mit der Aufschrift “ I love Roma“ (love wird hierbei durch ein rotes Herz ausgedrückt). Zum Glück gibt es die Klamotte in weißer und schwarzer Grundfarbe. Noch auf der Via della Conciliazione vor dem Petersdom skandiert der eine Teil: „Team Weiß“.

Einige wenige haben der Versuchung für schlappe acht Euro widerstanden. Ein Junge fragt trocken: „Müssen sich jetzt alle diese doofen T-Shirts kaufen?“ Das sei jedem selbst überlassen, aber wenn man Zuhause gezielt knibbelt, freut sich die Großmutter.

9.53 Uhr: Das junge Gemüse ist mit kleiner Verspätung in Reisebus 3 verstaut. Es kann also losgehen, doch die größte Hürde auf dem Weg ins Zentrum Roms ist bereits das Verlassen des Parkplatzes. Die schmale Straße davor führt direkt auf den Zubringer in die Metropole und ist am Montagmorgen dementsprechend frequentiert. Das haben die Busfahrer aber auf dem Schirm: „Ganz normal.“

Das Ganze geht aber schneller als ich gedacht hätte, nach der vierten Ampelphase dürfen wir die Straße überqueren und der Verkehr fließt. Zumindest vorerst, nach einigen Kilometer mit freier Fahrt wird der Verkehr immer dichter. Bei den vielen kleinen Wagen, die die Verkehrsregeln – nennen wir es gewöhungsbedürftig – auslegen, ist das Lenken des großen Reisebusses kein Vergnügen. An den Ampeln sitzen zu Stoßzeiten Polizeibeamte, die per Knopfdruck und je nach aktueller Lage die Lichtsignale steuern.

8.58 Uhr: Tag vier der Jubiläumsfahrt des Anne-Frank-Gymnasiums beginnt für mich mit einem kleinen Schock. Gefühlt klingelt der Wecker locker eine Stunde zu früh, aber da hilft kein Jammern. Doch selbst für die Dusche ist es noch zu früh, sie holt mich mit eiskaltem Wasser aus meinen Träumen. Im zweiten Anlauf meint es das Biest dann doch noch gut mit mir und ermöglicht, das Shampoo mit warmem Wasser auszuspülen. Am Frühstücksbuffet folgt die zweite Enttäuschung:  Es gibt keine Pfannkuchen. Ja, ich mecker auf hohem Niveau! Für alles andere sorgt das große Küchenteam nämlich in beeindruckender Zuverlässigkeit.

Die Wege der Jahrgangsstufen trennen sich nach dem Frühstück. Die Klassen 5 und 6 besuchen Kolosseum, Forum Romanum, Kapitol und Pantheon. Die Siebt- bis Neuntklässler machen sich auf den Weg zu den heiligen Gemäuern: Petersdom, Kuppel, Katakomben und Aventin stehen auf dem Plan. Die Stufe EF nimmt die ersten beiden Stationen ebenfalls mit, dann geht es im Kolosseum und im Forum Romanum weiter. Die Ältesten begeben sich zunächst zu den Vatikanischen Museen, es folgt das Kolosseum. Seinen Geburtstag begeht Stufenleiter Marius Gregg mit seinen Schützlingen anschließend am Strand von Ostia Antica.

PS: Isabel Schütte hat mir wieder ihre besten Schnappschüsse vom gestrigen Tag zur Verfügung gestellt. Viel Spaß beim Durchklicken!


Über die Autorin/den Autor:  Michael Schlösser ist Online-Redaktion beim Westfälischen Anzeiger. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: