Hallo zusammen,

nach langer Zeit melde ich mich hier wieder zurück. Der Winter ist ja immer die Zeit der Ruhe, da gibt es halt nicht so viel zu berichten, wenn die Tiere in der Starre sind.

Aber nun hat die Saison 2014 begonnen, die Pyxideas sind ins Gewächshaus gezogen, nachdem die Übergangszeit in den Terrarien auch beendet ist. Und beim Rauskramen alter Wiegetabellen ist mir mit einem Mal bewusst geworden, wie doch die Jahre ins Land gezogen sind. Drei dicke Pyxidea-Aktenordner mit allerlei Berichten, Unterlagen etc. riefen mich in die Vergangenheit zurück und ich blätterte etwas bewusster durch meine Aufzeichnungen….. Und nehme euch hier mal auf eine kleine Zeitreise mit ….

1998 habe ich meine erste Pyxidea bekommen, mein Männchen „Curry“. Das heißt, die Schröte ist nun dieses Jahr sage und schreibe schon 17 Jahre in meinem Besitz! Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, als ich sie in einem katastrophalen Zustand aus einem Tiergeschäft „freigekauft“ hatte. Beim Futterkauf für meine anderen Arten in dem besagten Geschäft sah ich ein dunkles Etwas in einem kleinen Glaskasten auf dem kalten Betonboden stehen. Beim näheren Hinschauen entpuppte es sich als Panzerträger, undefinierbar für mich, welche Art. Verletzungen am hinteren Panzerrand deuteten auf dringend benötigte tierärztliche Versorgung hin, die Schröte hatte kein Zugang zu Wasser, Fressen oder Licht. Kurzum, sie vegetierte dort so vor sich hin. Auf Nachfrage bekam ich die Antwort, dass es eine Pyxidea mouhotii wäre, ein Männchen, frisch importiert, aus Vietnam, das Weibchen wäre auf dem Transport leider verendet. Wenn ich Interesse hätte, könnte ich sie zum Sonderpreis erwerben. Mein Herz blutete ob der Haltung und des Zustandes des Tieres. Pyxidea mouhotii? Was war das für eine Art, nie was von gehört!? Welche Haltungsparameter? Welches Futter? Ich wusste nur, dass das Schicksal dieses Tieres auch besiegelt sein würde, wenn sich nicht schnellstens jemand kümmerte. Also tat ich das, was man nicht tun sollte, ein Tier aus Mitleid kaufen.

Wildfänge exotischer Arten einzuführen war zum damaligen Zeitpunkt vielfach kein Problem, heute ist das Gott sei Dank anders. Auf dem Gebiet des Artenschutzes hat sich im Laufe der Zeit mächtig was getan, Pyxideas gehören heute zum Anhang B. Da will ich jetzt nicht weiter drauf eingehen, hab ich hier schon öfter von geschrieben, ich will Euch weiter bei meinem Ordnerrückblick teilhaben lassen…..

„Curry“, die mir bis dahin noch unbekannte vietnamesische Art, zog also 1998 in ein großes Terrarium im Hause Wulfert ein. Als erste Maßnahme mussten die Haltungsparameter meiner Cuora flavomarginata herhalten, ganz so abwegig erschien mir das nicht. Nachschlagen in meiner auch zur damaligen Zeit schon nicht kleinen Schrötenbibliothek brachte aber kaum was zutage, was weiterhalf, die Art existierte dort fast nicht. Da würde guter Rat teuer werden und eigene Erfahrungen sammeln hoffentlich zum Ergebnis führen, etwas über die Art herauszufinden…..

Der Tierartzbesuch entpuppte sich dann anschließend als regelmässige Dauereinrichtung über fast ein Jahr. Verschiedene Salben, Wurmmittel, warme Bäder zur Wundbehandlung etc. waren an der Tagesordnung. Es war ein schwieriges Jahr mit einer Schildkröte, die nur scheu in der Ecke saß, nur fraß, wenn ich es nicht mitbekam und erst nach einem halben Jahr den Kopf nicht wieder einzog, wenn ich mich näherte. (Aber der Aufwand hat sich definitiv gelohnt, wie ich heute mit Stolz sagen kann….. Er ist schließlich seit Jahren Vater einiger propperer Nachzuchten :-), wovon drei sogar eine neue Heimat außerhalb Deutschlands gefunden haben.)

Meine Neugier für Pyxideas war geweckt, diese Art war so faszinierend, dass ich 1999 auf der Terraristika ein Weibchen („Safran“) erwarb, auch ein Wildfang, aber in einem wahrlich besseren Zustand. Und so war meine große Liebe zu diesen stolzen und teils immer noch mit unbekannten Parametern behafteten Tieren geboren. Pepper und Muskati, zwei weitere Weibchen, kamen später noch hinzu.

Das größte Highlight in meiner „Pyxidea-Laufbahn“ waren sicherlich die ersten Schlüpflinge vor mehr als 8 Jahren, nachdem ich fünf Jahre brauchte, um herauszufinden, wie es sich mit der Paarungszeit verhielt. Zwei der ersten Nachzuchten befinden sich noch in meinem Besitz. Von den weiteren regelmäßigen Nachzuchten in den Folgejahren habe ich einige über die Jahre abgegeben, die Bestandsgrösse variiert hier also jedes Jahr.

Am 9. Januar 2009 begann ich hier beim WA mit meinem Blog. Du meine Güte, die Artikel schreibe ich nun auch schon im sechsten Jahr….. Davor gab es für einen kleinen Freundeskreis immer nur den Schildi-Newsletter, einmal im Monat per Mail, wenn ich den heute so nachlese, muss ich bei manchen Sachen doch grinsen ….

Durch die Blogschreiberei habe ich viele Leute aus der ganzen Republik kennengelernt, wenn auch nur auf dem Bildschirm. Einige sind sogar sehr gute Schreibfreunde geworden, einige habe ich sogar mittlerweile persönlich kennengelernt. Aber zu manchen Zeiten, gerade in der „Eierzeit“, fanden auch viele den Weg auf diese Seiten, die es nur interessant fanden, dass ich haarklein berichtete und mit Fotos dokumentierte, wie sich die Eier entwickelten, wie der Gemütszustand meiner selbst vor dem Schlupf war und so weiter. Das belegten die hohen Zugriffszahlen.  Ja, waren schon ulkige Artikel dabei, die ich damals schrieb….

Mit dem sozialen Netzwerk veränderte sich das Verhalten/Schreiben meinerseits und auch der wachsenden Schrötenfangemeinde. Es wurde internationaler, der Erfahrungsaustausch in alle Welt vereinfachte es, sich mit Gleichgesinnten dieser Art kurzzuschließen. Die Blogschreiberei stand bei mir danach an zweiter Stelle, im sozialen Netzwerk war es schneller, einen kurzen Satz mit Bild auf die Reise zu schicken. Aber schon ein Jahr später merkte ich, dass es ungerecht denjenigen gegenüber war, die mir die ganze Zeit die Treue gehalten hatten und den Blog regelmäßig besucht hatten – und keinem sozialen Netzwerk angehörten. Also ging ich wieder über, wichtiges in doppelter Ausführung mitzuteilen, im Netzwerk und im Blog. Und so werde ich es auch zukünftig halten.

Tja, unzählige Dokumente, Aufzeichnungen und Artikel aus rund 17 Jahren in drei dicke Aktenordner gequetscht, eine Pyxidea-Schrötengeschichte – irgendwann auf vergilbtem Papier. Damals noch fein säuberlich Fotoabzüge, heute sind zwei Festplatten mit unzähligen Fotos und Videos gefüllt. Und seit vergangenem Jahr kam dann noch eine Neuerung hinzu: Der Schlupf in Echtzeit per Webcam im Internet. Pyxidea-TV war geboren und viele, die noch nie den Schlupf einer Schildkröte miterlebt hatten, konnten das über mehrere Tage und Nächte vor dem Bildschirm tun 🙂 War eine aufregende Zeit mit Schlafmangel, aber absolut der Knüller. Ist dieses Jahr als Wiederholung geplant, sofern mich meine Damen mit einem Gelege beglücken, das dann hoffentlich, wenn auch nur zum Teil, befruchtet sein möge….. 🙂

So, nun aber genug in alten Zeiten geschwelgt, richten wir unser Augenmerk auf die Saison 2014. Die Paarungszeit war erfolgreich, hoffen wir auf Gelege und damit wieder eine spannende Kalkschalenzeit.

Bis die Tage,

Ines

 


Über die Autorin/den Autor:  Ines Wulfert ist Mediendesignerin. Ihr großes Hobby sind Schildkröten. Über ihre Erfolge in der schwierigen Zucht berichtet sie in ihrem Blog. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: