Ein Überraschungstag wie er im Buche steht. Nach erholsamer Nacht haben wir bei Frühstück die beiden Radler aus dem Stuttgarter-Raum wieder getroffen und natürlich unsere Erfahrungen ausgetauscht. Die Beiden sind für unsere Begriffe doch etwas extremer, denn sie haben auch schon im Zelt übernachtet und das bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Wir wünschen ihnen auf dem Weg nach Venedig noch viel Radfahrspaß.

Nach dem Wetterbericht zu urteilen, war mit Schnee zu rechnen. Beim Gespräch mit den Beiden fiel der Ausspruch: „Dann lass uns schnell fahren, bevor der Schnee geschmolzen ist.“ Selten so gelacht. Wir haben den Reschenpass vor der Brust und wollten unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus dem Wetterbericht doch ein bischen schummeln.

Am ReschenpassAm Reschenpass

Der Postbus bietet die Möglichkeit bis nach Nauders einschließlich der Räder zu fahren. Dies ist zwar noch nicht der Reschenpass, aber ein gutes Stück dahin. Die Räder konnten wir problemlos mitnehmen und nach ca. 15 minütiger Fahrt waren wir in Nauders. Bei kühlen 3 Grad starteten wir dann nach Reschen. An der Grenze musste natürlich unser Trikot zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Es war so kalt, dass ich es über den Anorak gezogen habe.

Aber für das Foto musste es sein. Jupp hat mich davor bewahrt, mit kurzen Ärmeln aufzutreten und damit eine Erkältung zu vermeiden.  Vor hier aus ging es noch etliche Meter bergauf, bis wir an den Reschensee kamen.  Jetzt kam uns die Information von Jürgen Zimmermann, einem altbekannten Werner, der auch gerne und weit mit dem Fahrrad fährt, zu Gute. Seine Empfehlung auf der rechten Seite zu fahren war Gold wert. Der Weg war sehr gut ausgebaut, zwar leicht wellig, aber der Startpunkt für eine 63 Kilometer lange Abfahrt. Für uns neu waren auch die für Radfahrer geltenden Geschwindigkeitsbeschränkungen. Hier sind 30 km/h zu gelassen, die wir aber locker erreicht haben. Danach ging es durch etliche Dörfer und Obstplantagen, das Wetter besserte sich noch mehr, dass wir sogar unsere Jacken ausziehen konnten. Das Thermometer zeigte 19 Grad. Der Himmel wurde blauer und der Rückenwind noch stärker. Ein Radfahrertraum.

Unterwegs noch ein Eis genascht und weiter in Richtung Meran. Nach insgesamt 73 Fahrrad- und 12 Buskilometern war dann Schluss. In Naturns ca. 12 Kilometer vor Meran haben wir uns dann ein Quartier gesucht. Hier scheint es ganz andere Preise zu geben, als wir gewohnt sind. Die Abstriche gegenüber unserer gestrigen Nobelherberge sind doch gewaltig.

 

Die Welt ist ein DorfDie Welt ist ein Dorf

Die Welt ist doch ein Dorf. Wir sind auf der Suche nach einer Gaststätte, um uns für den kommenden Tag zu stärken und sprechen „Fremde“ für eine Empfehlung zu heimischen Essen an. Das Angebot uns mitzunehmen haben wir natürlich angenommen. Ein paar Meter bergauf konnten wir bei Walli die heimische Küche geniessen. In angeregten Gesprächen durften wir feststellen, dass die Beiden unsere Heimatstadt Werne gut kennen. Sogar einige der alteingesessenen „Paolbürger“ kennen wir gemeinsam. Auch über die berufliche Schiene gibt es Gemeinsamkeiten.

Wir haben uns für Morgen auf dem Meraner Markt am Handtaschenstand verabredet. Mal sehen, was daraus wird.

Der heutige Tag war so herausragend, das er für ein Radfahrerleben als besonderes gelten muss. Es passte nach der anfänglichen Kälte eigentlich alles und hat uns für die vorhergehenden schlechteren Tage im vollen Umfang entschädigt. So haben wir uns den Radurlaub vorgestellt.


Über die Autorin/den Autor:  Als sportliche Rentner sind Jupp (67 Jahre) und Herbert (65) schon seit Jahren mit dem Fahrrad auch auf längeren Strecken unterwegs. Wir haben Spaß daran, durch die Lande zu fahren, fremde Leute kennenzulernen und neue Erfahren zu machen. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: