„Wegen defektem Schulbus fällt der Unterricht aus.“ Ein Satz, den viele Kinder in Deutschland gerne mal hören würden. 80 Schüler in der kenianischen Großstadt Mombasa sehen das langsam anders. Seit drei Wochen können sie nicht zur Schule kommen.
Es sind die Schüler der „Tom Mboya School for Children with Cerebral Palsy” – eine Schule für spastisch gelähmte und autistische Kinder, gegründet 1995. Die Schüler im Alter von fünf bis sechszehn Jahren lernen dort grundlegende Dinge, wie Laufen und Sprechen. Sie lernen alleine zu Essen und auf die Toilette zu gehen. Sie lernen Schreiben und Rechnen. Die Zeit an der Schule soll sie auf das Leben nach ihrer Jugend vorbereiten. Dieses Leben können sie dann nach dem Motto der Schule führen. „Behindert sein, heißt nicht unfähig sein.“
Für die Kinder sei der Besuch der Schule sehr wichtig, ist sich die Lehrerin Chizi John sicher. „Sie sehen, dass sie mit ihrer Behinderung nicht alleine sind. Der Kontakt zu anderen Kindern mit den gleichen Problemen ist für ihre Entwicklung entscheidend.“ Wirkliche Lernerfolge könne man aber nur erzielen, wenn die Kinder regelmäßig zum Unterricht erscheinen. „Dafür brauchen wir einen funktionierenden Schulbus“, fordert sie.
In Kenia ist es die Regel, dass jede Schule ihren eigenen Schulbus besitzt. Mit ihm werden die Kinder jeden morgen abgeholt.
Wegen dem defekten Schulbus der Tom Mboya School können die meisten Schüler zurzeit auch nicht zur Physiotherapie gehen. „Diese spielt in der Arbeit mit spastisch gelähmten Kindern aber eine entscheidende Rolle“, erklärt der Therapeut Jacob Odhjambo. Die Schüler lernen sich zu bewegen. Einige von ihnen machen dort die ersten Schritte ihres Lebens. „Ohne die Therapie würde die Chance auf ein unabhängiges Leben rapide sinken“, stellt der 35 Jährige klar.
Eltern von spastisch gelähmten Kindern gründeten 1995 die Tom Mboya School. Sie ist die einzige staatlich geförderte Schule dieser Art in ganz Mombasa, in einer Küstenstadt mit mehr als einer Millionen Einwohnern. Dabei heißt staatlich gefördert, dass nur die Lehrer und weitere Mitarbeiter, wie Köche und Krankenschwestern, vom Staat bezahlt werden. Die Ausstattung der Schule wird durch Spenden und Beiträge der Eltern finanziert. Aber die Eltern müssen den größten Teil der Kosten tragen.
Für viele eine fast unlösbare Aufgabe. Die Familien sind meist sehr arm. Das ist der Grund, warum sie ihre behinderten Kinder nicht auf eine der privaten Schulen Mombasas schicken. Diese sind um einiges besser ausgestattet. Doch die Eltern können die Kosten dafür nicht tragen.
„Für viele Eltern ist unsere Schule deshalb die einzige Hoffnung darauf, dass ihre Kinder später einmal ein annähernd normales Leben führen können“, beschreibt die Direktorin Gertrude Kisaka die Situation. Diese Hoffnung kann nur erfüllt werden, wenn die Kinder überhaupt zur Schule kommen können. Nur wenige werden von ihren Eltern zur Schule gebracht. 80 von insgesamt 100 Schülern müssen gerade zu Hause bleiben. Dort werden sie oft eingesperrt, da ihre Eltern zur Arbeit müssen.
Die Kosten für die Reparatur des Busses werden die Familien nicht alleine tragen können, stellt Kisaka klar. „Wir sind deshalb auf Spenden angewiesen.“ Für sechs neue Räder und die Instandsetzung von mechanischen Problemen benötigt die Schule 2000 Euro.
Jeder, der dazu beitragen will, dass die Schüler bald wieder zur Schule kommen können, kann man sich an den Freiwilligen Luca Schulte-Günne wenden. Der Abiturient aus Möhnesee leistet an der Tom Mboya School für 11 Monate einen Freiwilligendienst. Seine E-Mail-Adresse lautet: l.schulte-guenne@t-online.de.


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