Bevor ich etwas Anderes schreibe, muss erstmal eine Entschuldigung her. Wie viele Wochen sind seit meinem letzten Blogeintrag vergangen? In der Zwischenzeit ist aber auch so einiges passiert – zu meiner Vereidigung…. Zum Bespiel meine erste Malaria. Das Timing war hierbei überaus schlecht. Und zwar war ich soeben in Accra angekommen, um mir die Stadt anzusehen und vor allem, um an den Strand zu gehen. Sogar den Freitag habe ich mir freigenommen, um schon am Donnerstagabend die achtstündige Reise mit dem Nachtbus anzutreten. Da war ich nun an einem Freitag im überaus sonnigen und heißen Accra und war unterwegs zum Strand, da begannen die Kopfschmerzen. „Ach klar, viel geschwitzt und zu wenig getrunken, ich bin etwas dehydriert“, war meine Schlussfolgerung. Also habe ich erstmal literweise Wasser getrunken – der Kopfschmerz blieb. Hinzu kamen schmerzende Nieren, die ich aber als Rückenschmerzen fehlinterpretierte. Schließlich hatte ich die Nacht in einem Bus verbracht. Die Gliederschmerzen, die hinzukamen, nachdem ich viel gelaufen bin und den Strand fast erreicht hatte, schob ich ebenfalls auf die Reisestrapazen und die Lauferei. Skeptisch wurde ich erst, als ich am schönen Strand in der Sonne saß, auf das Meer schaute und mir eine dicke Jacke herbeisehnte. Mir war eiskalt… Ich bekam Fieber!

Da dämmerte es mir. Als ich die Symptome in der Summe sah und mir indes einfiel, dass ich nachts im Bus ziemlich fror und sogar mit den Zähnen klapperte (was ich der Klimaanlage zu verdanken dachte… Es lebe die Fehlinterpretation!), kam ich nun endlich auf die Idee, dass ich Malaria haben könnte. Also habe ich mir in der nächsten Apotheke Medikamente dagegen besorgt, die ich nun alle acht Stunden einzunehmen hatte. Alles in allem waren die kommenden drei Tage, an denen ich Wechselfieber, einen ziemlich matschigen Kopf, leichten Schwindel und quasi gar keinen Appetit hatte, natürlich nicht besonders toll, aber machbar. Ich fühlte mich einfach krank, ohne wirkliche Schmerzen zu haben. In den darauffolgenden Tagen, nachdem sich das Fieber verabschiedet hatte und ich vermutlich wie ein Untoter aussehend zurück nach Nkoranza gereist bin, war ich sehr schlapp und verbrachte die meiste Zeit im Bett.

Bis mich am Donnerstag, dem 24.10., gegen sieben Uhr morgens ein Telefonanruf weckte. Es war die Holländerin

Jeannette, die mit ihrem Mann Albert und zwei Ghanaern PCC leitet, die mich anrief, um mir mitzuteilen, dass der Bewohner Daniel an diesem Morgen plötzlich verstorben sei. Daniel? Unmöglich! Ein wirklich lebendiger, gesunder Teenager, der mir noch einen Tag zuvor einen Krankenbesuch abstattete. Jeannette erzählte mir, dass er vermutlich einen Krampfanfall hatte, der ihn ersticken ließ. So abgegriffen diese Worte mittlerweile auch sein mögen… Ich konnte es wirklich nicht begreifen. Abgesehen von den epileptischen Anfällen, die Daniel ab und zu hatte, war er wirklich ein gesunder und aktiver Junge. Er hat gerne Fußball gespielt, ist mit dem Fahrrad gefahren, konnte besonders gut englisch sprechen und hat mich häufig bei diversen Spielen während der Special Attention abgezockt. Jeden Tag habe ich ihm im Rahmen dessen das Lesen der Uhr beigebracht. Wir hatten wirklich viel Spaß dabei. Rest in peace, Daniel!

Die Beerdigung war noch am selben Morgen. Zwischen fünf und sechs Uhr morgens ist er gestorben, um halb elf lag er bereits unter der Erde. Vorher stand der offene Sarg an einem zentralen Ort auf dem PCC-Gelände, sodass sich die Mitarbeiter/innen und auch Bewohner/innen von Daniel verabschieden konnten. Daneben wurde gefrühstückt, zusammengesessen, gequatscht. Gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie nett. Der Sarg wurde unter großem Getöse mit freudigem Trommeln und Gesang zu einem kleinen Friedhof (eher einem grüner Streifen neben einer Straße) gebracht. Es wurden einige Worte des Abschieds gesprochen und der Sarg beerdigt, dann ging es mit demselben Tamtam zurück. Auch das war gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie glaube ich, dass es Daniel so gefallen hätte.

In den kommenden Tagen war ich weiterhin sehr schlapp. Ich vermute aber, dass ich mir am Tag der Beerdigung, an dem ich aus gesundheitlichen Gesichtspunkten eigentlich im Bett hätte liegen sollen anstatt von einer Horde Kindern umgeben zu sein, eine Entzündung im Hals eingefangen habe. Die hat mich dann wieder für ein paar Tage ausgeschaltet. Nun ja, bevor das hier zu sehr an einen Vormittag im ärztlichen Wartezimmer erinnert, höre ich nun auf, von Krankheiten zu schreiben. Mir geht’s wieder super, aber krank wird man hier als Europäer scheinbar schnell. Drückt mir also die Daumen!

Ein weiteres Ereignis, diesmal nach der Malaria, war eine Hochzeit, zu der ich letztes Wochenende eingeladen war. Geheiratet hat die Schwester einer Arbeitskollegin. Erst fühlte ich mich geehrt, dass ich diesem besonderen Fest als Fremder beiwohnen darf. Als ich dann aber zwischen den schätzungsweise einhundert Hochzeitsgästen saß und das Spektakel sah, verschwand das Ehrgefühl sehr schnell. Diese Hochzeit war in meinen Augen total kommerziell, da mag es gewinnbringend sein, ein paar Obrunis einzuladen. Es wurden verschiedene „Spiele“ veranstaltet, die alle den Zweck zu haben schienen, dass die Gäste für die Teilnahme daran Geld zahlen müssen. Es war schön, so etwas einmal gesehen zu haben, aber jede Woche muss ich das nicht haben. Aber dies war auch eine Ausnahmehochzeit. Wie ich nach dem Verlassen der Veranstaltung erfuhr – und das ist das Lustigste an der ganzen Sache – war der Bräutigam gar nicht der richtige Bräutigam, sondern ein Ersatz. Der echte Bräutigam ist nämlich auf unbestimmte Zeit in Europa, da ist halt sein Bruder eingesprungen. Haha, that’s Ghana. Und ich dachte schon die ganze Zeit, dass der Bräutigam echt nicht glücklich aussieht. Und bei den Liebeserklärungen wurde lauthals gelacht. Nachher ist man immer schlauer…

Bevor ich den Rahmen sprenge, komme ich mal langsam zum Schluss. Nur eines noch. Heute habe ich in nicht weiter Entfernung zu Nkoranza einen kleinen geführten Trip durch die Natur gemacht. Das war wirklich wunderschön! Wir

passierten einen kleinen Wasserfall und beendeten die Tour auf einem riesigen Felsen, den ich vorher hinaufklettern musste. Eine super Aussicht. Wie immer geben die Fotos nur die halbe Schönheit wieder. So, nun konntet ihr lesen, dass ich noch lebendig bin und dass es mir weiterhin bzw. wieder gut geht. Jetzt wird erstmal mit der lieben Oma geskyped. Sie wird heute 91 Jahre alt. Auch auf diesem Wege: Allet Juuute. Und an den Rest der Leserschaft liebe Grüße!!

 

Euer Simon

 

 

 

 

 


Über die Autorin/den Autor:  24 Jahre alt, geboren in Werne 2008 Abitur am Gymnasium St. Christophorus 2008-2010 FSJ/Jahrespraktikum in der Kinderheilstätte Nordkirchen 2010- 2013 Duale Ausbildung zum Heilerziehungspfleger Alle Beiträge der Autorin/des Autors: