Die letzte Vorrunde des Grand Prix führte uns jüngst nach Thailand, genauer gesagt nach Bangkok. Sportlich eine sehr durchwachsene Runde: Nach der knappen Niederlage (2:3) gegen Weltmeister Russland, als wir große Chancen hatten, das Match zu gewinnen, folgte ein klarer Sieg (3:0) gegen Gastgeber Thailand und eine unnötige Niederlage im Duell mit Puerto Rico (2:3). Mit dieser Bilanz reichte es nicht zur Qualifikation fürs Finale Ende August in Japan.

Rückblickend betrachtet, waren die Final-Chancen durchaus vorhanden und die Spiele dort gegen die besten fünf Teams der Weltrangliste sowie Europameister Serbien wären eine tolle Herausforderung geworden. Auf der anderen Seite wären wir gerade einmal drei Tage vor dem ersten EM-Spiel nach Deutschland zurückgekommen, inkl. Jetlag im Gepäck.
Bangkok war dennoch, auch wenn es sportlich besser hätte laufen können, eine besondere Erfahrung. Bislang hatten mich meine Volleyball-Reise mehrfach nach Japan, aber bislang nie nach Thailand gebracht. Dementsprechend falsch waren meine Einschätzungen, zu wissen, was mich erwarten würde, denn Japan und Thailand ähneln sich etwa so sehr wie Deutschland und Spanien. Während zum Beispiel Japaner eher zurückhaltend und immer darauf bedacht sind, viele Regeln einzuhalten, gibt sich der Thailänder viel unbeschwerter. So passierte es uns täglich, dass auf dem Weg zum Training oder Spiel Menschen, die uns erkannt hatten, zum Bus gerannt kamen, auf Autos oder kleine Straßenstände stiegen und anfingen zu grüßen und zu jubeln.

Welche Begeisterung die Thailänder verbreiten können, erlebten wir auch bei unserem Spiel gegen den Gastgeber. Das ‚Indoor Stadium Huamark’ war randvoll, die Fans feierten schon mehrere Stunden vor Spielbeginn auf den Tribünen.
Als sich dann noch zwei Fans entschlossen eine Tanzeinlage auf ihren Sitzen zur gerade abgespielten Musik hinzulegen, jubelten die mehr als 8000 Zuschauer derart, als ob ihr Team gerade den Matchball verwandelt hätte. Dass diese Geräuschkulisse aber durchaus noch steigerungsfähig ist, erlebten wir, als das thailändische Team den Court betrat, nach der heimischen Nationalhymne und bei toll heraus gespielten Punkten des Gastgebers. Der Jubel der Fans wurde dann immer so laut, dass man wirklich Ohrenschmerzen bekam. Ein – positiv – verrücktes Erlebnis.

Von Bangkok selbst, wie von allen anderen Spielorten sonst auch, konnten wir während der knappen Woche vor Ort wenig sehen. Zu voll waren die Tagesabläufe. Nur das Wetter erlebte man natürlich hautnah. Es galt, zwischen nur zwei Extremen zu wählen: Entweder die wirklich kalten Temperaturen der klimatisierten Gebäude oder die Hitze mit hoher Luftfeuchtigkeit außerhalb. Unsere heimischen Team-Guides Andy und Da – und ich bin froh, dass ich sie mit ihren Spitznamen ansprechen durfte, denn ihre richtigen Namen hätte ich wohl nie problemlos herausgebracht – erklärten uns auch schnell, dass dies die berühmt-berüchtigte Regenzeit in Thailand sei.

Wobei sich der benannte Regen in unserer Anwesenheitszeit eigentlich kaum zeigte. Irgendwie komisch: Regenzeit ohne Regen! Als ich hingegen am Montagmittag für einen kurzen Heimaturlaub nach Halver kam und direkt einen kräftigen Schauer erleben durfe, musste ich wieder an die Worte unseres Guides denken: „Bei uns in Thailand ist gerade Regenzeit!“ Beim klimatischen Empfang in der Heimat fiel mir dazu nur ein: Wann bei uns in Halver eigentlich nicht?


Über die Autorin/den Autor:  Der Halveraner Matthias Willnat betreut die Deutsche Volleyball-Frauen-Nationalmannschaft als Teammanager auf dem Weg zur Europameisterschaft, die im September im eigenen Land stattfindet. Für come-on.de führt Willnat ein Tagebuch der Ereignisse. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: