„Anfang des Jahres habe ich bei meinen Freunden und Bekannten, welche studieren oder schon damit fertig sind, herumgefragt und Informationen eingeholt. Es ging darum, wie sie das Studium erleben, wie sie die Universität bewerten, an der sie studieren, und – ganz wichtig: wie sie ihre Zukunft nach dem Studium sehen und welche Chancen man danach hat.

Viel Witziges habe ich erfahren, Tipps und Tricks und auch ein paar Klischees. Doch wurde auch ein kleiner Traum von mir zerstört: die Literaturwissenschaften. Das war immer meine Antwort auf die Frage ,Was möchtest du nach dem Abitur studieren?’, und deswegen schmerzt es mich, erfahren zu haben, wie wenig Aussicht auf einen normalen Beruf man mit so einem Studium hat. Ich wollte nie Reichtümer anhäufen, ein Haus am Comer See oder einen leichten Job haben. Aber ich wollte, wie viele junge Menschen, einfach einen Beruf ausüben welcher mir vertraut ist und der vielleicht sogar ein ,Hobby’ ist und mir Spaß macht.

Es ist nicht so, dass man mit diesem Studium gleich einen Taxischein mitmachen sollte, aber die Berufe, die man als Literaturwissenschaftler ausübt, sind nicht das, was ich mir darunter vorgestellt habe. Ich weiß, dass das kein Weltuntergang ist und ich etwas Schwarzmalerei betreibe, aber dennoch war ich sehr geknickt.

Was mich allerdings aufgebaut hat, war die gewonnene Wette mit Marina aus dem Jahrgang über mir. Es ging um ein paar Noten auf dem Zeugnis, die ich erreichen musste, und ich habe den Kasten Vitamalz gewonnen. Es ist ein sehr leckerer Sieg.

Was aber dieses Schuljahr auffällt, ist die dunkle Jahreszeit, die uns alle schafft und nervt. Man geht im Dunkeln zur Arbeit und kommt abends im Dunkeln nach Hause. Ich habe früher immer gedacht, dass der Sommer schlecht für die Motivation ist, aber der Winter ist dieses Jahr einfach nur katastrophal. Ein jeder ist müde; Dank der immer noch herrschenden Grippewelle sind alle krank, husten und schniefen. Der Drang, einfach nur im Bett zu bleiben, ist für mich schlimmer als der Drang, im Sommer den Nachmittag in der warmen Sonne zu verbringen anstatt in der Schule.

In unserer Klasse merkt man, dass es dieses Jahr ein ,Wintertief’ gibt. Der Soziologieunterricht nutzt gerne Arbeitsgruppen und Gruppenarbeiten, um Themen zu vertiefen, was mit diesem ,Wintertief’ sehr mühsam sein kann.

Die Themen der einzelnen Fächer sind, wie erwartet, schwieriger geworden. Mathematik wartet mit Vektoren und Matrizen auf. Ich kann nur hoffen, dass ich es einigermaßen hinbekomme, das zu verstehen. In Deutsch beschäftigen wir uns mit drei Lektüren am Stück; ,Hiob’, ,Tauben im Gras’ und ,Mario und der Zauberer’. Wer sie kennt, weiß, was diese Bücher ausmacht, welches Einfühlungsvermögen sie beim Lesen und Verstehen verlangen, und dass man sich intensiver mit ihnen beschäftigen muss. Es bleibt also auch hier spannend.

In Biologie fangen wir bald mit Genetik an, ein Thema, worüber kaum jemand etwas weiß. Doch soll auch dieses sehr viel abverlangen. Zum Glück aber ist Herr Rothländer, unser Biologielehrer, sehr geduldig mit uns.

Die vier Monate bis zu den Sommerferien und somit dem Ende der zwölften Klassen nutzen wir also in vollen Zügen. Ich kann nur hoffen, dass das Wetter jetzt so schön bleibt wie in den vergangenen Tagen, sodass meine Mitschüler und ich aus diesem Wintertief herauskommen.“


Über die Autorin/den Autor:  Der Lüdenscheider Thomas Köhler ist 25 Jahre alt und gelernter Krankenpfleger. Er arbeitet im Klinikum Lüdenscheid. Während der nächsten drei Jahre will er das Abendgymnasium Lüdenscheid, eine Außenstelle des Hagener Rahel-Varnhagen-Kollegs, besuchen – außer in den Schulferien an fünf Abenden pro Woche. Den Lesern unserer Zeitung wird Thomas Köhler in regelmäßigen Abständen – etwa einmal monatlich – erzählen, wie es ihm und seiner Klasse dabei ergeht. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: