Drei Wochen Pedelec-Pendeln sind nun vorbei. Drei Wochen, die zumindest meteorologisch nicht gehalten haben, was man sich von ihnen im Juni verspricht. Aber alles Jammern hilft nichts. Auf in die letzten Tage!

Chic, aber teuer: Der „T-Shape“-Akku (Mitte) hält auch im bergigen Sauerland, was er verspricht. Sollte er jedoch durch einen neuen ersetzt werden, kostet das rund 700 Euro. - Foto: Weber

Der Rennradfahrer hatte ein fieses Grinsen im Gesicht. Ich hab’s genau gesehen. Von hinten war nur dieses leichte Rauschen zu hören. Klar, der Pedelec-Motor, dachte ich. Doch er war es nicht. Leider. Dafür überholte mich ein durchtrainierter Radfahrer: Profi-Kleidung, Profi-Helm, Profi-Waden. Und das Schlimmste: ohne elektrische Unterstützung. Es war einer dieser Tiefpunkte in den vergangen drei Wochen, die mir den Spaß am Radfahren aber nicht verdorben haben. Ganz im Gegenteil.

Spätestens an der nächsten Steigung wurde nämlich klar, dass mangelndes Training durch einen – zugegeben: nicht gerade billigen – Elektromotor ausgeglichen werden kann. Wenn ich den Rennradler auch nicht überholen konnte, so blieb der Abstand doch stabil. Dem „Mionic XP“-Nabenmotor sei Dank, der natürlich „gefüttert werden will. Von einem Akku, in meinem Fall, nicht irgendeinem Akku, sondern einem der Sorte „T-Shape“. Das gute Stück versinkt zu einem guten Teil im hohlen Rahmen, passt sich der Formgebung des Fahrrads an und ist natürlich abnehmbar – für den Fall, dass es am heimischen Fahrradstellplatz keine Auflademöglichkeit gibt.
Der Akku und die Kosten
Überhaupt: das Aufladen. Als Pendler lernt man schnell: lieber einmal mehr als einmal zu wenig. „Einen Memory-Effekt gibt es bei den modernen Akkus nicht mehr“, sagt Bernd Wenzel vom Fachgeschäft „Country Bikes“ in Halver. „Wenn’s geht, würde ich ihn also immer anschließen.“ Mindestens 500 komplette Ladezyklen soll die Batterie durchhalten, ehe sie an Kraft verliert. Nach etwa 800 Zyklen – so heißt es – müsse der Radfahrer über einen neuen Akku nachdenken. Doch das wird teuer: Der „T-Shape“-Akku, der in meinem Winora S3 zum Einsatz kommt, kostet schlanke 700 Euro. Kosten, die bei jeder Aufladung berücksichtigt werden müssen, wenn man sie tatsächlich mit denen einer Autofahrt vergleichen will. Geht man also davon aus, dass der Akku nach 800 Ladezyklen ausgetauscht werden muss, fallen pro Komplettladung nicht zehn Cent reiner Stromkosten an (wie vom Hersteller angegeben), sondern inklusive Neubeschaffungswert des Akkus insgesamt 97 Cent. Mit dieser Komplettladung kommt man in unserer hügeligen Landschaft mit höchster Elektro-Unterstützung etwa 50 Kilometer weit, so dass sich die Kosten pro 100 Kilometer auf 1,94 Euro belaufen. Zum Vergleich: Ein Benziner mit einem Durchschnittsverbrauch von sechs Litern schlägt alleine an der Zapfsäule bei einem (optimistischen) Spritpreis von 1,55 Euro pro Litern mit 9,30 Euro zu Buche. Sowohl bei der Berechnung der Rad- als auch der Autofahrpreise bleiben bei dieser Berechnung weitere Betriebskosten außen vor.
Zweimal nach Halver und zurück
Der Akku meines Rads kostet aber nicht nur mehr als andere – es gibt laut Fachhändler auch Modelle ab 350 Euro –, sondern er sieht dafür auch chic aus und hält zumindest für die Pendelstrecke, was er verspricht. In der höchsten Unterstützungsstufe schaffe ich es gerade so, zweimal zwischen Lüdenscheid und Halver zu pendeln – das sind rund 48 Kilometer. Laut Display bleiben mir damit nur noch wenige Kilometer bis zum „Exitus“. Zum Äußersten wollte ich es aber nie kommen lassen – daher gibt es nun auch keinen Erfahrungsbericht eines auf offener Strecke liegengebliebenen Pedelec-Fahrers. Wobei „liegenbleiben“ eh das falsche Wort wäre: „Ein gutes Pedelec fährt ohne Unterstützung wie ein normales Rad“, hatte Bernd Wenzel bei der Übergabe gesagt. Das werde ich noch testen. Auch wenn’s weh tut.

(Dieser Text erschien am 16. Juni 2012 auch in den Ausgaben des Allgemeinen Anzeigers und der Lüdenscheider Nachrichten)


Über die Autorin/den Autor:  Es soll ein Tag des abgasfreien Verkehrs werden: Am Sonntag, 24. Juni, ist das Volmetal „autofrei“. Dann soll die Bundesstraße 54 allein Fußgängern, Inline-Skatern, aber eben auch Radfahrern gehören. Und so rückt die Veranstaltung umweltfreundliche Fortbewegungsmittel in den Focus – wie auch E-Bikes und Pedelecs. Redakteur Frank Zacharias startet dazu nun einen Selbstversuch und wird regelmäßig – im Allgemeinen Anzeiger und in diesem Blog – über seine Erfahrung mit dem „schnellen Fahrrad“ im Sauerland berichten. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: