Gestern wurde hier in Toronto die Ausstellung „Berlin on the Go“ eröffnet. Das Goethe Institut gehört zu den Kooperationspartnern der Ausstellung und die Einladung habe ich über die Zeitung erhalten, wo ich ja grundsätzlich ein Praktikum mache. Die Ausstellung fand ich jetzt nicht so spannend. An großformatigen Tafeln wurde anhand von Fotos und kurzen Erläuterungen gezeigt, wie in Berlin Fußwege gestaltet und genutzt werden – zum Beispiel für die Außengastronomie oder um Bäume auf Bürgersteige zu pflanzen. Ich fand viele Punkte banal und glaube, dass sie auch für die Stadt Toronto nicht innovativ sein dürften – denn auch hier habe ich gute Beispiele für Fußwege gesehen. Ich war allerdings von dem Ort der Ausstellung angetan: 401 Richmond Street. Ein älteres Gebäude mit dicken Gemäuern und knarzenden Holzdielen, in dem verschiedene Künstler ihre Werkstätten oder Verkaufsräume haben.

Die Ausstellung war übrigens mein erster Termin, den ich über die Zeitung wahrgenommen habe. Ein Praktikum, so wie ich es mir vorgestellt habe – mit regelmäßigen Anwesenheitszeiten und Aufgaben – wird es hier nicht geben. Das ist mir in der letzten Woche klar geworden. Allerdings habe ich so kurzfristig und für die kurze Zeit von drei Wochen auch kein anderes Praktikum mehr gefunden. Ich habe jetzt noch eine Idee für meine Zeit in Vancouver, aber ich vermag momentan nicht abzuschätzen, ob das klappen wird. Die Anfrage läuft und ich muss abwarten.

Für meine restliche Zeit in Toronto habe ich nun meine Pläne angepasst:

Neben meiner Rundreise durch Ontario Ende Juni, werde ich mir in der übernächsten Woche vier Tage den französischen Teil Kanadas anschauen: Zunächst Montréal und dann noch Ottawa, die Hauptstadt Kanadas. Ich fahre mit dem Zug, denn auch hier habe ich „Sparpreise“ entdeckt. Ich zahle 160 CAD (rund 120 Euro) für die drei Fahrten. Auf Québec City verzichte ich. Die Strecke ist mir zu weit. Die Stadt liegt zwar „nur“ 250 Kilometer nördlich von Montréal, aber bis Montréal sind es eben auch schon 550 Kilometer – für Kanadier sind das übrigens keine Entfernungen. Ist eben alles eine Frage der Relation!

Und ich habe noch etwas anderes für mich organisiert: Ich helfe in der nächsten Woche bei NXNE (North by Northeast) als Volunteer. Ein riesiges Film- und Musikfestival hier in Toronto, das auch in anderen Städten Nordamerikas stattfindet und dann South by Southeast oder Southwest heißt. 780 Bands, 7 Tage, 40 Filme – klein gibt es hier eben nicht. In einem Veranstaltungsmagazin habe ich den Volunteer-Aufruf gelesen und mich einfach mal beworben. Vor zwei Tagen habe ich dann die Zusage per Email bekommen – ohne Interview oder vorherigem Telefonat. So schnell bin ich noch nie an einen Volunteerjob gekommen. Bin schon gespannt, wie die Volunteer Arbeit hier in Kanada organisiert ist und funktioniert. Bislang habe ich ja nur Erfahrungen in Deutschland gesammelt. Als Dankeschön erhalten wir auf jeden Fall freien Eintritt zu allen Konzerten und Filmen – das ist schon mal genauso wie in Deutschland. Ein bisschen nervös bin ich wegen der Sprache. Ich habe einige der asiatischen Volunteers bei der letzten Tischtennis WM in Dortmund vor Augen. Wenn manchen etwas erklärt wurde, haben sie zwar brav genickt, aber im selben Moment war klar: Sie haben nichts verstanden! Die Einladung zum Kennenlerntreffen war auf jeden Fall sehr informell und eine sprachliche Herausforderung für mich. Da hilft dann leider auch kein leo.org oder  Langenscheidt Wörterbuch weiter. „ASAP“ habe ich noch relativ schnell über Google entschlüsseln können (heißt „as soon as possible“ – jaaa, da hätte ich vielleicht drauf kommen können), aber an „potluck“ bin ich gescheitert. Stand dort in Verbindung mit BBQ (was ja Barbecue bedeutet und keiner Übersetzung bedarf). Inzwischen weiß ich, das „potluck“ das englische Wort für „Mitbringparty“ ist. Jeder bringt etwas zu essen mit und alles wird geteilt. Einziger Wermutstropfen bei dieser ganzen Volunteer Aktion: das Infotreffen findet, dank Zeitverschiebung, genau während des ersten Fußballspiels von Deutschland am Samstag Nachmittag statt!! Das wäre mir in Deutschland schon mal nicht passiert! 😉


Über die Autorin/den Autor:  Saskia Wolf (33) lässt sich beurlauben, um Kanada zu erleben. Sie möchte das Land nicht nur als Touristin für wenige Tage besuchen, sondern nimmt sich fast vier Monate Zeit, um das Land, die Menschen und ihren Alltag kennenzulernen - und mehr als nur einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Darum hat sie sich entschieden, privat bei einer Gastfamilie zu wohnen. Die überwiegende Zeit wird sie in Toronto leben, wo sie unter anderem ein Praktikum für eine deutsche Zeitung absolvieren wird. Zum Abschluss fliegt sie nach Vancouver. Über Eindrücke und Erlebnisse in Toronto wird sie im Blog berichten, denn schließlich ist der Aufenthalt dort immer noch ein kleines persönliches Abenteuer. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: