Nachdem ich gestern den Einstufungstest absolviert habe, hat heute mein Unterricht begonnen. Schon gestern hat die Sprachschule auf mich einen guten Eindruck gemacht und das hat sich heute bestätigt. Der Unterricht ist interessant und anspruchsvoll. Ich bin vormittags in einer „Communication Class“ und wir haben über das Thema „Charity“ gesprochen. Zuerst gab es eine Art Brainstorming und jeder konnte aus seinem Land erzählen. Für kanadische Schüler ist es zum Beispiel verpflichtend, während der High School einige Stunden ehrenamtlich zu arbeiten. Anschließend haben wir in 3er-Gruppen ein multikulturelles Konzert geplant und überlegt, wie wir Spenden sammeln können. Die Planungen haben wir dann dem Kurs präsentiert. Ich bin herzlich aufgenommen worden und die Gruppenarbeit und Präsentation haben mir den Einstieg erleichtert. Die Mitstudenten sind sehr höflich und es wird viel Rücksicht genommen. Das habe ich schon als besonders empfunden, insbesondere weil die meisten Studenten erst Anfang 20 sind. Und dennoch werden auch Witze gemacht und die Stimmung ist, auch zwischen Lehrern und Studenten, locker und entspannt.

Nachmittags habe ich noch zusätzlichen Unterricht in einer kleineren Gruppe (zurzeit 6 Studenten) gewählt. Heute hatten wir das Thema „Ethik“ und wir haben das Für und Wider von „Cloning“ diskutiert! Puuh… schon auf Deutsch ist dieses Thema anspruchsvoll – auf Englisch war es eine echte Herausforderung für mich!

Während ich den Blog schreibe, merke ich übrigens, dass ich manche Sätze einfacher auf Englisch schreiben könnte. Nach deutschen Wörtern muss ich fast suchen! Awesome! (Das ist ein Wort, dass die Kanadier für alles benutzen: Wenn etwas verrückt ist oder großartig oder toll oder spannend. Unter uns Studenten ist es ein Art „Running-Gag“: Im Zweifelsfall ist es immer „Awesome!“)

Ein witziges Erlebnis hatte ich dann noch heute Vormittag: Aufgrund meiner blonden Haare und den blauen Augen falle ich ja sowieso schon zwischen den vielen asiatischen und südamerikanischen Studenten auf. Aber in der Frühstückspause stand ich dann auch noch aufgrund meines Essens im Mittelpunkt. Ich hatte mir morgens Karotten geschält und während ich diese aß, merkte ich, dass mich die Mädels aus Brasilien erst verwundert anschauten und mich dann ungläubig fragten, warum ich denn Karotten essen würde?? Ich habe die Frage erst gar nicht verstanden und bin mir noch immer nicht sicher, ob in Brasilien nur morgens kein rohes Gemüse gegessen wird oder grundsätzlich nicht. Es hat die Mädels auf jeden Fall sehr beeindruckt und immer, wenn wir im Laufe des Tages irgendwen trafen, erzählten sie: „Das ist Saskia, sie ist Karotten wie ein Hase!!“ Großartig!! 😉

(Sara hat mir heute Abend zum Glück versichert, dass es für Kanadier nicht unüblich sei! Ich bin beruhigt und werde mir morgen wieder meine Karotten schälen!)

 


Über die Autorin/den Autor:  Saskia Wolf (33) lässt sich beurlauben, um Kanada zu erleben. Sie möchte das Land nicht nur als Touristin für wenige Tage besuchen, sondern nimmt sich fast vier Monate Zeit, um das Land, die Menschen und ihren Alltag kennenzulernen - und mehr als nur einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Darum hat sie sich entschieden, privat bei einer Gastfamilie zu wohnen. Die überwiegende Zeit wird sie in Toronto leben, wo sie unter anderem ein Praktikum für eine deutsche Zeitung absolvieren wird. Zum Abschluss fliegt sie nach Vancouver. Über Eindrücke und Erlebnisse in Toronto wird sie im Blog berichten, denn schließlich ist der Aufenthalt dort immer noch ein kleines persönliches Abenteuer. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: