Seit zwei Wochen bin ich bereits in Roxburgh. Roxburgh, sagt mir nichts, habe ich noch nie etwas von gehört. Stimmt. Hier gibt es auch absolut nichts. Ich glaube der Ort hat vielleicht seine 600 Einwohner – wenn es hoch kommt. Doch viel von dem Ort und der Umgebung habe ich noch nicht gesehen, denn eigentlich bin ich lediglich hier um zu arbeiten. Und Arbeit gibt es hier genug.

Das kleine Örtchen Roxburgh liegt eine halbe/dreiviertel Stunde Autofahrt (je nach Fahrstil) südlich von Alexandra, in der Mitte der Südinsel. Der Ort liegt an einem Fluss und ist eigentlich mit recht gutem Wetter gesegnet. Aus diesem Grund gibt es hier viele Obstplantagen. Ob Nektarinen, Pfirsiche, Pflaumen oder auch Äpfel, hier wächst alles was man an Bäumen ziehen kann. Letztere Frucht gibt mir einen Job. Ich arbeite sechs Tage die Woche jeweils 10 Stunden lang in einem Packhaus. Wir stehen am Fließband und bekommen Massen an Äpfeln angeliefert, die wir auf Papphalter anordnen, nach Druckstellen überprüfen und in Kartons packen. Das alles möglichst schnell und gründlich und zum Billigpreis des Mindestlohns in Neuseeland. Es sind übrigens die Äpfel, die dann in ein paar Wochen unter anderem in den Deutschen Supermärkten herumliegen. Alles handgepflückt und eingeordnet von Backpackern.

Im Grunde wird somit mein Leben von der Arbeit bestimmt. Der Wecker klingelt um 6, dann gibt es Frühstück, die Sachen werden gepackt, Lunch gemacht und auf zum Packhaus. Um halb 8 werden die Bänder angeschmissen und um halb 6 abends wieder abgestellt. Zwischendurch wird man halb verrückt durch den Anblick von tausenden von Äpfeln und das unglaublich nervtötende Klickgeräusches der Lieferbänder, die die Äpfel nach Gewicht an den Packbändern aussortieren. Natürlich dürfen wir keine Musik hören. Den Grund dafür kenne ich nicht und die Arbeit wäre um einiges erträglicher, wenn man sich ablenken könnte. Ich bin entweder an einer Reihe, die mich komplett fordert oder darf mich um mehrere kümmern, weil einfach nicht genug Leute da sind. Eingesehen wird das von den Chefs nicht. Dann wird das Band halt mal für eine Minute angehalten, das Chaos beseitigt und weiter geht die Arbeit.

Abends bin ich meistens zu müde um noch irgendetwas zu machen (deshalb kommt dieser Eintrag auch relativ spät). An einigen Abenden lag ich bereits um halb acht im Bett und habe eine Stunde später tief und fest geschlafen. Aber das war nur die Ausnahme.

Am ersten Tag haben die ersten Beiden gekündigt. Eine Woche Später die Nächste und jetzt am Wochenende sind zwei weitere Personen gegangen. Ja, Arbeit macht Spaß.

Der Sonntag ist dann der einzige freie Tag der Woche. Ausschlafen. Denkste! An meinem ersten Sonntag bin ich pünktlich um 6 aufgewacht. Letzten Sonntag immerhin „erst“ um 7. Dadurch kann ich als erste die Waschmaschine nutzen und die Ruhe im Hostel genießen, denn der Rest der Truppe schläft natürlich aus. So bis Mittag. Netterweise hatten wir an beiden Sonntagen das Glück, dass es geregnet hat. Die Wochentage waren natürlich wunderschön auch wenn die Nächte sich schon in den Minusgraden bewegen. Durch meine Frühaufsteheraktion hatte ich aber die Möglichkeit einen schönen Sonnenaufgang zu sehen und spazieren zu gehen durch das schlafende Roxburgh. Die einzige Person, die mir begegnet ist war mit ihrem Hund unterwegs, also nicht freiwillig.

Ich rede übrigens im Schlaf. Und schreie. Vorher hat mir das noch keiner erzählt weshalb ich annehme, dass ich diese Angewohnheit erst hier für mich entdeckt habe. Meine armen Zimmergenossinnen müssen da nun leider durch, wenn ich von Äpfeln träume und doch eigentlich einfach nur weg will. Ich hoffe, dass sich das dann wieder legt, wenn ich aus Roxburgh weggehe. In vier Wochen. Mit gefülltem Bankkonto.

Doch zu den schönen Dingen des Lebens: Bis auf eine etwas zu neugierige und griesgrämige Hostelmanagerin sind die Leute hier echt nett. Von einer bunten Mischung aus England, Tschechien, Frankreich, Chile, Asien und Deutschland sind nun nur noch die Deutschen, einige Asiaten und zwei Chileninnen übrig. Trotzdem eine gute Truppe um gemeinsam zu leiden. Bei der Arbeit selbst sind aber alle möglichen Nationalitäten zugegen und auch einige Kiwis. Damit wird dann nur englisch gesprochen (wenn man dann mal Zeit hat) mal besser und mal.. schlechter. Nächsten Sonntag wird mit einigen Leuten Paintball gespielt. Das zweite Mal für mich. Ich hoffe inständig, dass es gutes Wetter gibt, ansonsten macht das Ganze wohl auch keinen Spaß.


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