Mir faellt echt nichts mehr ein zu diesem, in fetten Anfuehrungsstrichen, rechtsschaffenden Staat. Manchmal waehne ich mich in einem Staat in der dritten Welt, nicht in den USA. Mit der Polizei bin ich neulich schon, zu unrecht, aneinander gerasselt. Statt zu helfen, wurden sie beleidigend. Heute passiert wieder so etwas. Nur eine kleine Sache, aber zum widerholten Mal interessiert sich die Polizei nicht fuer die Belange der „kleinen Leute“ – das zumindest ist meine Erfahrung hier.

Was ist passiert? Da hole ich mir eben etwas zu essen, knapp zehn Dollar kostet mich mein Abendessen, es ist ohne Extras, ohne Trinken. Ich setze mich mit meinem Essen – wie so oft – vor das riesige Anwesen der Miami Beach Police, bekomme aber Durst. Minutenlang steht mir ein Polizei-Officer gegenueber, er sieht  mich die ganze Zeit. Ich gehe zum Getraenkeautomaten, schmeisse 1.25 Dollar hinein und nix passiert.Ich haue gegen den Kasten, hoffe, mein Getraenk faellt dann heraus. Irgendwann trabt der Officer zu mir, sagt mir, der Automat funktioniere nicht. Ich sage ihm, ich habe aber bereits mein Geld dort hineingeschmissen. Er sagt, ich solle die angegebene Telefonnummer anrufen, vielleicht erhalte ich mein Geld zurueck. Stinksauer wie ich in den Moment bin – sorry, aber dieser „Officer“ hat mir minutenlang beim Essen zugesehen und gesehen, wie ich in aller Seelenruhe mein Geld in diese Maschine geschmissen habe – habe ich fuer dieses Verhalten kein Verstaendnis. Es ist das x-te Mal, dass ich von dieser Polizei hier enttauescht bin, und ich frage mich, wie Praesident Obama so etwas verantworten kann?! Es sind schwerwiegende Dinge, die ich hier gesehen habe, die Polizei handelt aber nicht. Diese Kleinigkeit mit dem Getraenkeautomaten bringt, fuer mich, das Fass zum Ueberlaufen.

Ich hatte immer meinen Glauben an diesen Staat, dieser Glaube hat mich verlassen. Warum so viele Europaeer die USA so kritisch sehen, kann ich vielleicht sogar nach und nach verstehen. So, wie sich Praesident Obama gibt, gibt es Hoffnung fuer das Land. Aber nicht alle sind wie er. Leider. Gerade der anstehende Wahlkampf macht seine Hoffnungen zunichte. Ich glaube an ihn, der Glaube an die USA geht mir aber langsam aber sicher floeten. Auch wenn im Endeffekt nur das Handeln einiger weniger Personenen ausschlaggebend ist. Barack, handel! Schnell!

Wer glaubt, alles sei immer prima in den USA, der irrt. Aber: Die Hoffnung auf Besserung stirbt zuletzt. Die USA sind kein Paradies, gerade Sued-Florida mit der hohen Arbeitslosigkeit nicht. Anscheinend haben die, die einen sicheren Job haben, aber auch keine Ahnung vom Umgang mit den Menschen. Ich sage nochmal: Es ist meine Erfahrung, jeder andere kann da anders denken.

Was die Praesidentschaftswahl demnaechst hier bringt, fragt sich im Moment

eure Auswanderin


Über die Autorin/den Autor:  Rabea Wortmann beginnt in Florida (USA) ein neues Leben. Ueber die Fortschritte, am anderen Ende des Atlantiks Fuss zu fassen, berichtet die 27-jaehrige Auswanderin und langjaehrige WA-Mitarbeiterin in ihrem Blog. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: