Hallo zusammen,

ich habe in den vergangenen Tagen, nach einem wirklich ungluecklichen und vergesssenswerten Wochenende, viel nachgedacht. Haette es nicht gestern ewig gedauert, bis ich meine Waesche in der hoteleigenen Waschmaschine haette waschen koennen, haette ich meine Gedanken bereits gestern formuliert. Na ja, nach der Waesche war ich noch laufen, das musste sein 🙂

Wenn ich ehrlich bin sind die einzigen Momente, in denen ich seit nunmehr gut sechs oder sieben Wochen meines USA-Daueraufenthalts gluecklich bin, wenn ich laufe. Schmerzen in Huefte, Ruecken, Knie? Pah! Egal. Andere Dinge sind wichtiger, den Schmerz merkt man irgendwann nicht mehr, vielleicht auch weil der Kopf und das Herz an andere Dinge denken. Meinen Tiefpunkt habe ich ueberwunden, versteht mich aber bitte nicht falsch. Kurz nach der Ankunft hier wollte ich nur noch zurueck. Obwohl ich das hier alles ganz gut kenne (dennoch: immer als eine Art Hass-Liebe…), mein Umfeld hat mir so gefehlt, dass ich nur noch zurueck wollte. Kaum flog ein deutsches Flugzeug ueber meinem Kopf her, haette ich fast Traenen in den Augen gehabt. Aber nein, ich habe hier noch nichts erreicht. Und ausserdem: Meine wirklichen Freunde werden immer da sein. Verlust ist immer, auch das habe ich gemerkt. Ein Bekannter laesst nichts mehr von sicht hoeren. Nun denn. Dann war es auch kein wirklicher Freund! Dafuer bin ich ueberraschter ueber die breite Zustimmung und Unterstuetzung, die man mir entgegen bringt. Das freut mich, das gibt auch Zuversicht! Ein Maedel aus Hamm, mit dem ich noch kurz vor meiner Abreise ein Interview fuer den WA gefuehrt habe, hatte damals auch erzaehlt, dass sie in ihrem Auslandsjahr kurz nach der Abreise aus Deutschland Heimweh hatte und zurueck wollte. Danach sei es besser geworden, sagte sie. Das kann ich nun gut verstehen! Bin ja auch nicht die Einzige, die solche Erfahrungen macht. Der Unterschied ist nur, dass ich keinen Rueckflug plane. Ich glaube, das macht es noch schwieriger.

Eben habe ich gesehen, dass ich eine Einladung zum Vorstellungsgespraech bekommen habe. Puuuhh, durchatmen und freuen! Mein Traumjob ist im Marketing, egal ob im Sport, Entertainment oder Tourismus. So etwas, wie die Leute im Hammer Maxipark auf die Beine stellen, das waere ein echter Traumjob 🙂 Eine Kombination aus Marketing, PR und Management wuerde mich sehr reizen! Na ja, hier gibt es viele Stellen in dem Bereich, leider sind aber alle an die Firma angegliedert, fuer die ich (zumindest offiziell) bisher gearbeitet habe. Habe ich ja nicht. Daher habe ich mich nun auch in anderen Bereichen beworben. Bloed nur, dass in den gut 5 Wochen, die ich offiziell angestellt war, mich viele Firmen ueber ein Jobportal angeschrieben haben. Da ich mich, laut Arbeitsvertrag, binnen 2 Jahren nirgens anders bewerben durfte, musste ich diese Anschreiben immer ignoerieren. Und kaum suche ich wieder nach Arbeit, meldet sich natuerlich keine Firma. Wie das dann immer so ist…

Ich habe meinen Master an der Uni in Sozialwissenschaften gemacht, leider kann mit den Geisteswissenschaften kaum ein Arbeitgeber etwas anfangen. Ich habe ja dort den Studienschwerpunkt „Management und Regulierung von Arbeit, Wirtschaft und Organisation“ belegt. Viele Berufserfahrungen habe ich im Sportbereich gemacht, im gemeinnuetzigen Bereich. Also habe ich mich nun hier nicht nur im Sportbereich beworben, sondern auch im Managementbereich. Die suchen hier oft nach Menschen, die innerhalb einer Firma eine Karriere anstreben. Auch im Managementbereich. Also habe ich mich als Management Trainee beworben. Bei einer Firma soll ich mich melden fuer ein Vorstellungsgespraech. Na das mach ich doch gerne 🙂 Also morgen frueh aufstehen, wach werden, duschen, dann dort anrufen, um einen Termin zu vereinbaren.

Nach diesem vergessenswerten Wochenende war mir zunaechst wichtig, einen Tapetenwechsel zu vollziehen. Seit heute bin ich in einem anderen Hostel. Na ja, es ist ein 8-Bett-Zimmer, eng ohne Ende (fast alle haben ihr Gepaeck im Bett untergebracht…) und dreckig, kein Ausdruck. Aber ich wollte nur noch weg von dort, wo ich fast sieben Wochen verbracht habe. Ich habe eine Veraenderung gebraucht. Dringend! Sonst bin ich schneller wieder in Deutschland, als mir derzeit selbst lieb ist. Bevor ich nix erreicht habe, gehe ich nicht. Hoffe ich zumindest! An dieser Stelle moechte ich mal zitieren, weil ich es so passend finde. Ich bin kein grosser PUR-Fan, aber der Song „Es ist, wie es ist“ bringt auf den Punkt, was ich gerade fuehle:

Es ist wie es ist,

du bist was du bist,

du lebst mit den Freuden und lebst mit den Leiden,

ob bitter, ob suess,

was immer du fuehlst,

das hier ist dein Leben,

und du kannst entscheiden

ob du ohnmaechtig alles ertraegst,

oder all deine Chancen abweaegst,

es ist wie es ist!

 

Danke an Hartmut Engler, dass er heraus singt, was ich denke. Beim Laufen gestern, habe ich es nicht nur laut mitgesungen, vielmehr habe ich es auch mitgefuehlt, bis ins kleinste Gefaess meines Koerpers! Aber er sagt es: Ich kann es selbst entscheiden! Bisher war es schwierig, weil auch die Gefuehle es schwer machen klare Entscheidungen zu treffen.

Und damit komme ich zu dem, was ich schon laengst schreiben wollte. Kaum einer kann es vielleicht nachvollziehen. Beim Auswandern geht es nicht nur um den Verstand, es geht viel um Gefuehle. Warum ich also die USA immer als „mein“ Land bezeichnet habe? Es ging mir nie um das Land an sich, nie um die Menschen. Es ging immer um Werte, Einstellungen und Mentalitaeten. Das heisst: Hier unten in Miami Beach ist es egal wie man aussieht, wo man herkommt, wer man ist. Wenn man nett ist, kommt das an. Das zaehlt. Nicht mehr. Aber die andere Seite: Es ist extrem oberflaechig, es geht nur um Geld, tolle Koerper und heisse Autos. Ja prima! In so fern ist es fuer mich eine Hass-Liebe, also dass ich die Dinge, die ich hier hasse, auch liebe. Denn es heisst auch, dass es egal ist, was man tut. Wenn ich laufe, singe ich gerne. Schlechter als jeder DSDS-Kandidat, aber ich habe Spass dabei. In Deutschland schaut man mich nur komisch an dabei, hier interessiert es keinen.

Aber: Das ist in Miami Beach so. Weil hier Touristen sind, die einmal im Leben so sein wollen, wie sie im wahren Leben nicht sind. Es ist alles „gemacht“ hier, nichts ist echt. Darauf kam ich klar, wenn ich fuer zwei Wochen hier war, aber dieses Mal nicht. Ich habe Miami Beach nie gemocht, war immer nur dort, wo die „echten“ Menschen leben, im Norden von Miami oder hinter Downtown. Dort gehts mir gut. Umso weniger kann ich hier in Miami BEach in dieser Umgebung Anschluss finden. Will ich auch nicht. Leute kennenzulernen, die binnen weniger Tagen eh wieder gehen, darauf kann ich verzichten. Das ist mir zu viel Aufwand. Freundschaft ist mehr als nur ein leeres Wort. Sorry!

Wenn ich laufe, gehts mir hier gut. Schliesslich kann ich dabei machen, was ich will. Aber das war es auch. Fuer einen Urlaub, fuer ne Party ist Miami Beach toll, aber nicht fuer jemanden, der Fuss fassen will. Das wusste ich, das bestaetigt sich gerade! Ich will nur noch weg hier. Ich muss raus! Es fuehlt sich an, als wuerde ich bald ersticken. Es ist diese „gemachte“ Welt mit „falschen “ Menschen, das kann ich nach sieben Wochen nicht mehr aushalten. Der Tapetenwechsel mit neuer Unterkunft war ein Anfang fuer mich, mich morgen bei dieser Firma zu melden, hoffentlich der naechste Schritt… Sobald ich Arbeit habe, haette ich das Geld fuer eine Wohnung in einer anderen Gegend. Ich hoffe darauf! Ansonsten ist mein Plan die Stadt Richtung Orlando zu verlassen. Wenn, dann schon Ende dieser Woche.

Oft geben mir Leute Tipps mit auf den Weg. Leider kann sich keiner in meine Sitaution versetzten. Auswandern ist nicht nur rational, es geht auch um Gefuehle. Damit kann ich inzwischen umgehen, aber es hat gedauert und es hat fast das komplette Startkapital gekostet. Teures Lehrgeld also. Versteht mich nicht falsch, fuer Tipps bin ich dankbar. Aber bitte nicht, wenn man nur irgendwelche TV-Auswanderer zitiert. Jeder hat eben seine eigene Geschichte mit eigenen Loesungen, eine pauschal-Loesung gibt es nicht beim Auswandern!

Morgen rufe ich wegen eines Termins zum Vorstellungsgepraech bei dieser Firma an. Es gibt Selbstvertrauen, es gibt Hoffnung! Davon waren die letzten Wochen nicht gerade gepraegt. Also: Popo hoch, und los gehts! Die Arbeitswelt will mich, dann soll sie mich bekommen 🙂 Morgen werde ich an dieser Stelle hoffentlich bekannt geben, wann ich zu dieser Firma fahren kann 🙂 Meist geht es hier sehr schnell! Drueckt mal die Daumen 🙂 Und dann packen wir das gemeinsam!

Danke an alle, die meine Geschichte und mich verfolgen und mich unterstuetzen! Ich hoffe, das an anderer Stelle zurueckgeben zu koennen! Eure Unterstutzung tut mir gut!

Liebe Gruesse nach Hamm!


Über die Autorin/den Autor:  Rabea Wortmann beginnt in Florida (USA) ein neues Leben. Ueber die Fortschritte, am anderen Ende des Atlantiks Fuss zu fassen, berichtet die 27-jaehrige Auswanderin und langjaehrige WA-Mitarbeiterin in ihrem Blog. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: