Der November war bis jetzt mein abwechslungsreichster Monat in einem Mexiko der vielen Gesichter. Da wäre zuerst die Uni zu nennen. Das Semesterende rückt mit großen Schritten näher und ich habe im Endspurt noch viel vor. Zwischendurch lud uns ein Professor zu seiner Geburtstagsparty mit Mariachis ein. Gleichzeitig habe ich die Wochenenden und Feiertage genutzt, um die mexikanische Kultur weiter zu erkunden und um mir einzigartige Naturschauplätze anzusehen. Ungewollt musste ich aber auch zum Zahnarzt, um mir zwei Weisheitszähne ziehen zu lassen. Der Zahnarzt sagte während der Behandlung, dass ich ruhig bleiben solle und schon waren die Zähne draußen.

Komme ich jetzt zu den schöneren Dingen des Lebens. Am 2. November feierten die Mexikaner ihren Tag der Toten. Ich nutzte die Gelegenheit um mit Montserrat, einer mex. Freundin, den See von Patzcuaro im Bundesstaat Michoacán zu besuchen. Die Insel Janitzio ist bei Touristen besonders beliebt für das gemeinsame Feiern in der Nacht. Auf den Friedhöfen in der Umgebung werden die Gräber besonders aufwändig geschmückt und die Verwandten stellen zum Beispiel das Lieblingsessen des Verstorbenen auf das Grab. Die meisten Besucher nutzen die Gelegenheit um mit den Einheimischen kräftig zu feiern. Außerdem besuchten wir die Ruinenstadt Tzintzuntzan, der ehemaligen Hauptstadt der Kultur der Purépecha.

Ein Wochenende lang machte ich einen Ausflug mit Freunden zu einer waschechten mexikanischen Ranch fernab der Zivilisation. Das nächste Dorf war mehr als eine halbe Stunde mit dem Geländewagen entfernt. Dort halfen wir beim Kühe einfangen und melken. Frische Milch aus dem Euter ist vom Geschmack her nicht zu übertreffen. Außerdem besuchten wir eine 99jährige Frau namens Ramona, die für sich in der Einsamkeit der Berge und des Waldes lebt. Einfach nur beeindruckend ihre Lebensfreude.

Neben dem Alltag an der Uni fanden in Guadalajara die Parapanamericanos statt, die Kontinentalspiele der Behinderten. Auch hier nutzte ich die Chance und besuchte die Schwimm- und Tenniswettbewerbe. Die Schwimmarena ist ganz neu gebaut worden und machte Lust auf ein eigenes Planscherlebnis. Der Wunsch sollte am letzten Wochenende in Erfüllung gehen. Ich fuhr mit befreundeten Austauschstudenten in die Naturlandschaft mit dem Namen „Huastecas potosina“ im Bundesstaat San Luis Potosi. Noch immer bin ich total fasziniert von den Naturschauspielen dort.

Rollstuhltennis auf höchstem Niveau am Center Court

Am ersten Tag paddelten wir mit Booten zu mächtigen Wasserfällen und schwammen in großen Felshöhlen. Zudem wurden wir Zeugen wie sich tausende Schwalben in einen mehr als 350 Meter tiefen Felstrichter zur Übernachtung stürzten. Am zweiten Tag der Reise besichtigten wir das wahnwitzige Künstlerhaus des Adligen Edward James, der seinen Zweitwohnsitz unter anderem von Salvador Dalí gestalten ließ. Wir sahen noch zwei große Wasserfälle und feierten in einer Höhle mit Fledermäusen unsere Abschiedsparty.

Der Advent steht nun auch in Mexiko an, obwohl bei über 20 Grad noch keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen will. Ansonsten möchte ich mein Semester gut zu Ende bringen, damit ich entspannt in die Weihnachtspause gehen kann.

Saludos aus Mexiko und ich wünsche allen Lesern eine gesegnete Adventszeit!

Jan Dirk in der hochmodernen Schwimmhalle in Guadalajara

Im Bundesstaat San Luis Potosi gab es viele Wasserfälle zu sehen und man konnte super planschen, auch mit Hemd. 😉


Über die Autorin/den Autor:  Jan Dirk Wiewelhove (25) aus Walstedde studiert "Interamerikanische Studien“. Im Rahmen seines Studiums verbringt er ein Auslandssemester in Mexiko. Über seine Erlebnisse in Guadalajara schreibt er ein Online-Tagebuch. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: