… jedenfalls nicht für die Schröte, sondern eher für den Menschen 🙂

 

Guten Abend zusammen,

wie ich heute morgen ja schon kurz mitgeteilt hatte, fängt das Nachzuchtjahr 2011 für mich super an. Die erste Schildkröte ist aus dem Ei. BIAN, seines Zeichens eine kleine Geoemyda spengleri, hat alles ganz locker über die Bühne gebracht. Was man von mir Mensch eigentlich nicht behaupten kann. Seit vergangenen Dienstag lagen, ehrlich gesagt, die Nerven blank. Diese Wartezeit, ob endlich ein Riss erscheint, macht mich auch nach so vielen Jahren noch total verrückt. Ich habe kürzlich noch zu einer Freundin gesagt, warum ich mir damals nicht ein "stressfreieres" Hobby aussuchen konnte, ich bin für sowas nicht geschaffen 🙂 Ich weiss, man muss sicherlich etwas verrückt sein, um Schildkröten aus fernen Ländern zu halten und sich an der Nachzucht zu versuchen. Aber wenn man diesem Steckenpferd einmal "verfallen" ist, bleibt es irgendwie ein Leben lang, da können sicherlich einige andere Halter nur nicken…

Vietnam mit seiner Tier- und Artenvielfalt hat es mir nun mal angetan, vor allem, weil ich weiss, dass viele Schutzprogramme dort noch nicht so recht greifen und Mengen – gerade von Schildkröten – immer noch irgendwo in China  in den Kochtöpfen landen oder als Potenz- und Heilmittel verarbeitet werden. Und immer noch nach dem Motto: Bis dass auch die letzte Schröte aus freier Wildbahn dort verschwindet…

Wahrscheinlich steckt das bei jedem Ei, was meine zwei Sorten hier produzieren, immer so ein klein wenig im letzten Winkel des Kopfes. Ein spengleri-Weibchen legt, wenn es hoch kommt, dreimal im Jahr ein bis zwei Eier. Das ist aber schon die Ausnahme. Also wirklich wenig. Da freut man sich wahrlich schon über ein einziges! Wenn das dann auch noch befruchtet ist, die Entwicklung gut verläuft und so wie heute morgen dann ein putzmunteres Tierchen daraus hervorkommt, schwebt man im siebten Schrötenhimmel. Man weiss, die ganze Arbeit übers Jahr hat sich gelohnt, die Tiere wollen ja auch artgerecht untergebracht, versorgt und gehegt werden. Und man weiss bei jeder erfolgreichen Nachzucht, dass man alles richtig gemacht hat. Was gerade bei Sumpfschildkröten ja nicht immer so einfach ist… Fehlschläge hatte ich ja gerade letztes Jahr genug.

Aber zurück zu BIAN. Nach dem ersten Riss am Donnerstag morgen tat sich über Tag nicht mehr viel. Erst am Freitag morgen ging es richtig los. Nachdem ein grösseres Stückchen Schale seitlich gefallen war, die Eihaut darin zerrissen und ein kleiner Fuss einmal daraus winkte, war für mich die Welt wieder in Ordnung. In stoischer Ruhe schaute ich den ganzen Tag zu, wie so nach und nach mehr von der kleinen Schröte zum Vorschein kam. Teilweise war sie recht vorwitzig und kämpfte wie ein Löwe, um sich von der Kalkschale zu befreien. Gestern abend hatte sie es immerhin geschafft, die Hälfte der Schale abzuwerfen. Heute nacht um 2.00 Uhr dackelte sie dann auf zwei Beinen schon durch ihr Bruterra, die Hinterbeine steckten ja noch in der Schale fest… Es war mehr als ulkig, ein halbes laufendes Ei… 🙂 Das habe ich auf Video aufgenommen, war einfach nur herrlich anzuschauen. Irgendwann um 3.00 Uhr kehrte dann endlich Ruhe ein, so dass auch ich zu knapp vier Stunden Schlaf kam. Als ich heute morgen um 7.00 Uhr dann aufwachte, war sie schon wieder on tour, diesmal aber nur noch mit einem Rest Schale oben auf dem Panzer. Den unteren hinteren Teil hatte sie auf ihrer "Wanderschaft" schon verloren.  Es war ein einfaches, den Rest noch zu entfernen.

Ein Wasserbad war nach dem Schlupf das Wichtigste, die kleine spengleri hat ordentlich getrunken. Der Rest des Dottersacks innen wird wohl noch ein paar Tage vorhalten, ich nehme mal an, dass sie erst in ca. einer Woche Interesse für Futter zeigt.

Was für mich erstaunlich war, dass die Schröte über die gesamte Schlupfzeit keine Angst zeigte. Normalerweise ziehen sie den Kopf sofort ein, wenn man sich mit der Hand nähert, BIAN nicht. Die Schröte schaute immer neugierig herum… Auch das vorsichtige Hochnehmen, noch mit Schale, steckte sie locker weg – und schaute in die Runde. Da entstehen natürlich herrliche Bilder!

Lade gleich mal 14 ausgesuchte Bilder in die Galerie hoch. (Der WA wird sich freuen, dass ich soviel Platz auf dem Server belege :-)) Ich betitel sie mal mit Datum und Uhrzeit, dann seht ihr die chronologische Reihenfolge.

Jetzt bleiben noch so rund 47 Tage "Ruhephase für den Menschen", dann dürfte das zweite spengleri-Ei auch soweit sein. Und etwa 10-14 Tage danach dann hoffentlich (MEIN GRÖSSTER WUNSCH) das erste Pyxidea-Ei aufgehen, die erste Nachzucht von Pepper. Auch da werde ich sicherlich keine Sekunde verpassen, kann kommen, was will 🙂 Bereiten wir uns auf einen aufregenden August vor. Ich hoffe, Ihr seid wieder mit von der Partie und wollt meine Berichte auch noch weiterhin lesen 🙂

 

Na, dann schönes Bilder-Gucken, ich hoffe, ich hab Euch nicht zu lange damit warten lassen.

Ihr könnt mir ja mal ein Feedback senden,

Ines


Über die Autorin/den Autor:  Ines Wulfert ist Mediendesignerin. Ihr großes Hobby sind Schildkröten. Über ihre Erfolge in der schwierigen Zucht berichtet sie in ihrem Blog. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: