Oh mein Gott. Oh. Mein. Gott. Ich glaub es immer noch nicht so wirklich. Aber es ist wahr. Ich bin Tante!! Well, Gasttante, aber naja. Das ist ja fast das Gleiche. 😉 Das war vielleicht eine Aufregung.
Ich weiß gar nicht, wo ich mit erzählen anfangen soll. Also angefangen hat es ja eigentlich letzte Woche Donnerstag. Da sind Shannon und Greg ins Krankenhaus gefahren, weil Shannon geblutet hat. Aber eigentlich hat zu dem Zeitpunkt keiner damit gerechnet, dass das Baby kommen könnte. War ja auch viel zu früh mit noch nicht mal ganz 34 Wochen. Und im Krankenhaus sollte sie die Nacht über eigentlich auch nur zur Vorsicht bleiben. Gut, dass sie da geblieben ist! Um 2 Uhr am Morgen ist nämlich auf einmal der Herzschlag vom Baby auf 50 runter, blieb da kurz, und dann war er ganz weg.
Da wurden dann aber alle flott. Innerhalb von fünf Minuten war Shannon im OP und Greg wusste gar nicht, wie ihm geschah und stand plötzlich alleine da.
Zwei Stunden später war Klein- Elsie dann auf der Welt. Greg durfte dann die schon durchgeschnittene Nabelschnur nochmal durchschneiden und ein, zwei Fotos machen und dann musste Elsie ganz schnell in Intensiv Care, weil sie noch nicht richtig alleine atmen konnte und außerdem ganz dringend Blut brauchte. Das ganze Blut, das Shannon verloren hat, war nämlich gar nicht von ihr, sondern von Elsie!
Aber jetzt ist alles den Umständen entsprechend gut mit Mama und Kind. Und  mit dem Papa auch. 🙂
Bis ich dann mal von Elsie erfahren habe, war sie schon acht Stunden auf der Welt und ich saß gerade in English, als ich die SMS von Shannon bekommen habe.  Im ersten Moment dachte ich, ich hätte mich verlesen, dann überlegt, ob das wohl ein schlechter Aprilscherz sein soll; bin zu dem Ergebnis gekommen, dass Shannon das nicht machen würde… und dann hab ich angefangen, auf meinem Platz auf- und ab zu bouncen, die ganze Zeit „oh my gosh“ zu murmeln, und auf das Ende der blöden Stunde warten. Ich glaube, das waren die längsten zehn Minuten meines Lebens. Kaum, dass es dann endlich geklingelt hat, bin ich aufgesprungen und hab erstmal da angerufen.  Am Telefon hab ich nur das Kurzformat der ganzen Geschichte gehört; Barbara war nämlich in der anderen Leitung. Die Arme war noch nicht mal da, weil sie ihre Mama in Pennsylvania besuchen war und erst diese Woche Montag wiedergekommen ist. Ich war irgendwie sooo aufgedreht danach und habe dann meine Eltern in Deutschland angerufen und ins Handy gerufen: „Ich bin Tante!“ Und mein Papa fragt erstmal ganz verwirrt „Was bist du?“ – „Tante!!“ – „Tante?!“ Ich hab mich echt ein bisschen veräppelt gefühlt. War ich mir doch ziemlich sicher, dass Tante das deutsche Wort für „aunt“ ist. Und mein eigener Vater verunsichert mich da so. Ich habe ernsthaft an mir gezweifelt. 🙂 Als ich Freitagabend nach Hause kam, hatten Shannon und Greg schon ein paar Fotos per Mail geschickt (moderne Technik sei Dank). Bis ich Elsie dann aber live sehen konnte, vergingen noch zwei Tage. Am Samstag sind nämlich erstmal Gregs Eltern ins Krankenhaus gefahren. Und ich saß mit den Mädels mal wieder bei Café Primo. Ich liebe dieses Café. Auch wenn es auf die Dauer ganz schön ins Geld geht, wenn man da fast jeden Samstag zwei bis drei Cappuccinos trinkt. Aber naja. 🙂
Und Sonntag konnte dann auch endlich die stolze „Tante“ die kleine Elsie sehen. Obwohl es ja am Anfang gar nicht so klar war, ob ich wirklich in diesen speziellen Raum für die Frühchen darf. Da gibt es nämlich so eine Regelung, dass nur die beiden Eltern und vier andere Personen, die auf eine Liste geschrieben werden müssen, in den Raum dürfen. Und das waren in diesem Fall natürlich die vier Großeltern. Aber die nette Krankenschwester hat mich dann doch mit Greg rein geschmuggelt.
Wir durften aber nur gucken, weil Elsie geschlafen hat. Die ist soooo süß, die Kleine! Ganz winzig, aber total viele Haare, mit ein paar ganz kleinen Löckchen. So zum Knuddeln 🙂 Nach fünf Minuten kam dann aber die persönlich Pflegerin von Elsie und hat mich rausgeschmissen. Too bad. Aber ich war glücklich für den Rest des Tages. Shannon und ich haben uns dann den ganzen Rest des Nachmittags Fotos von Elsie angeguckt und analysiert, was sie von wem hat. Ich hoffe, sie kriegt so richtig schöne Locken! Das wäre doch süß. 🙂 Ich werde allerdings keine Fotos von dem Baby hier hochladen; zumindest noch nicht, solange Elsie noch im Krankenhaus ist. Tut mir leid. 😉
Elsie hat aber in ihrer einen Woche, die sie auf der Welt ist, schon ganz schöne Fortschritte gemacht.
Die meisten Schläuche sind jetzt ab, sie hat etwas zugenommen, und lernt langsam, selber zu schlucken und zu saugen. Wenn wir Glück haben, dann ist sie vielleicht bis Ostersonntag schon zu Hause. Das wäre so toll. 🙂 Aber erstmal hatten wir gestern die Babyshower. Ist so ähnlich wie die Bridal Shower, nur halt bevor man ein Baby bekommt, und nicht bevor man heiratet. Dass das Baby zu dem Zeitpunkt schon eine Woche auf der Welt ist, war natürlich nicht so geplant. Da aber schon alle Einladungen verschickt waren und wir schon das Meiste vorbereitet hatten, haben wir die Shower trotzdem bei uns zuhause gefeiert. Der größte Teil der Party vergeht eigentlich damit, der Mama (normalerweise in spe) beim Geschenke auspacken zu zugucken. Dann werden noch ein paar kleine Spiele gespielt, natürlich wird nett gegessen, und dann ist das Ganze eigentlich auch schon wieder vorbei. Wie gesagt, der Hauptgrund ist der ganze Krams, den man fürs Baby geschenkt bekommt. Und das war wirklich eine ganze Menge. Windeln (ist das das richtige Wort?) haben die beiden Eltern jetzt erstmal für ein paar Monate, und Shannon meinte, dass Elsie wahrscheinlich schon jetzt mehr Klamotten hat, als sie.

Nachdem ich jetzt das Wichtigste erzählt habe, gehe ich mal ein bisschen zurück in der Zeit. Um genau zu sein zwei Wochen. Da war nämlich das Exit Meeting von meiner Partnerorganisation hier mit allen Austauschschülern in dieser Region. Ganz am Anfang habe ich ja mal von dem Orientation Meeting geschrieben und das war jetzt quasi das Abschlusstreffen. Auch wenn wir alle fanden, dass es reichlich früh war. Wir wollen uns auch auf jeden Fall nochmal treffen und vielleicht eine Poolparty bei Dave und Debbie machen. 🙂 Es ist schon komisch, wie sehr einem Leute ans Herz wachsen können, die man nur ein paar Mal gesehen hat. Aber diese ganze Austauschjahr Sache verbindet irgendwie unglaublich. Klar, man kann auch mit anderen Leuten darüber reden, aber so wirklich verstehen einen doch nur die, die gerade das selbe „durchmachen“. Oder besser erleben. Durchmachen hört sich so negativ an. Als ob wir dazu gezwungen werden. 😉 Und unsere beiden Betreuer muss man einfach lieb haben. Als Debbie das Meeting eröffnet hat und dann erzählt hat, wie schnell das Jahr doch vergangen ist, und das wir jetzt bald schon wieder alle nach Hause fahren, hatte ich echt fast schon Tränen in den Augen. Und Vanessa saß neben mir „Wenn sie nicht aufhört, davon zu reden, fang ich gleich an zu heulen“. Ich war echt froh, dass wir wussten, dass wir uns ja alle nochmal sehen würden. Sonst wäre das bestimmt in eine große Heulerei am Ende ausgeartet.
Aber es ist wirklich komisch, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich weiß noch genau, wie ich hier am Anfang saß und mir nicht vorstellen konnte, hier jemals zehn Monate zu bleiben. Und jetzt wünschte ich, ich hätte nochmal so viel Zeit. Auch wenn ich mich schon jetzt tierisch auf meine Lieben zuhause freue. Bittersweet.
Eine wichtige Erfahrung, ohne die ich Kalifornien nicht hätte verlassen können (oder ich wäre zumindest sehr enttäuscht gewesen), habe ich vorletzte Woche dann aber endlich gemacht. Mein erstes Erdbeben! 🙂 Ich war total aus dem Häuschen. Ein Erdbeben hab ich ja noch nie erlebt.
Ich bin mitten in der Nacht wach geworden, als mein Buch von meinem Nachttisch gerutscht ist. Und dann habe ich gemerkt, dass alles gewackelt hat. War schon ein bisschen creepy. Aber bevor ich irgendwie panisch werden konnte, war auch schon alles wieder vorbei. Dass das ganze wirklich ein Erdbeben war, habe ich dann auch erst am nächsten Morgen erfahren. Ein ganz kleines allerdings nur. Ich fand es auch eher aufregend als beängstigend. Es war ein bisschen wie das Geschaukel auf einem Schiff. 😉

Springen wir wieder nach vorne in der Zeit zu dem ersten Dienstag, nachdem Elsie geboren war.
An unserer Schule wird ja auch viel außerschulisches gemacht, und es wird eben unter anderem auch Wert darauf gelegt, dass die Schüler gewisse moralische Sachen und so lernen (wie einmal das mit dem Mobben). Und in der Woche hatten wir Juniors und die Seniors zwei Tage eine jeweils einstündige Assembly zum Thema Drunk Driving. Genannt wurde das ganze Programm „Every 15 Minutes“. So oft stirbt nämlich in den USA jemand aufgrund eines betrunkenen Fahrers. Am Dienstag fing das Ganze erstmal harmlos an. Es wurde in so einer Art Theaterspiel so ein Szenario dar gestellt. Eine Person ist halt betrunken Auto gefahren, in ein anderes Auto rein gekracht und sowohl die beiden Personen in dem anderen Auto als auch die Beifahrerin der betrunkenen Person waren tot.
War sogar richtig mit Feuerwehr – und Krankenwagen und Polizeiautos und allem, aber trotzdem etwas unrealistisch, da es auf dem Sportplatz stattgefunden hat. Besonders, weil es den Tag vorher geregnet hat und  die ganzen Polizisten da im Schlamm rumgerannt sind und man richtig sehen konnte, wie sie versucht haben, den größten Pfützen auszuweichen.
Am Mittwoch waren wir dann aber zum Glück in unserer warmen Turnhalle. 🙂 Das war dann schon etwas heftiger. Als endlich alle saßen, ging erstmal urplötzlich das Licht aus, und dann hat ein Mädchen im stockdunkeln, nur mit einer Taschenlampe in der Hand folgenden Text vorgelesen:

I went to a party,
And remembered what you said.
You told me not to drink, Mom,
so I had a sprite instead.

I felt proud of myself,
The way you said I would,
that I didn’t drink and drive,
though some friends said I should.
I made a healthy choice,

And your advice to me was right.
The party finally ended,
and the kids drove out of sight.

I got into my car,
Sure to get home in one piece.
I never knew what was coming, Mom,
something I expected least.

Now I’m lying on the pavement,
And I hear the policeman say,
the kid that caused this wreck was drunk,
Mom, his voice seems far away.

My own blood’s all around me,
As I try hard not to cry.
I can hear the paramedic say,
this girl is going to die.

I’m sure the guy had no idea,
While he was flying high.
Because he chose to drink and drive,
now I would have to die.

So why do people do it, Mom
Knowing that it ruins lives?
And now the pain is cutting me,
like a hundred stabbing knives.

Tell sister not to be afraid, Mom
Tell daddy to be brave.
And when I go to heaven,
put ‚ Mommy’s Girl‘ on my grave.

Someone should have taught him,
That it’s wrong to drink and drive.
Maybe if his parents had,
I’d still be alive.

My breath is getting shorter,
Mom I’m getting really scared
These are my final moments,
and I’m so unprepared.

I wish that you could hold me Mom,
As I lie here and die.
I wish that I could say, ‚I love you, Mom!‘
So I love you and good-bye.

Ich fand den Text auf seine Art und Weise schön, besonders aber hat er sehr nachdenklich gemacht. Das Mädchen, das den Text vorgelesen hat, hat selbst dabei angefangen zu weinen, weil sie ihre Schwester an einen betrunkenen Autofahrer verloren hat. Nach dem Vorlesen ging das Licht wieder an und als ich mich umgeguckt habe, habe ich gesehen, dass fast alle Tränen in den Augen hatten.
Ich ehrlich gesagt auch. War aber auch ergreifend. Danach wurde es aber noch schlimmer. Da hat dann ein Junge gesprochen, nur ein paar Jahre älter als wir, der von einem betrunkenen Autofahrer angefahren wurde, und jetzt im Rollstuhl sitzt. Sogar die ach – so – harten Footballspieler haben da angefangen zu weinen.
Meine Güte, die sollten mal aufhören, immer so emotionale Sachen in der Schule zu bringen. Vor allen Dingen, weil hinterher die Hälfte der Schüler für den Rest des Tages verheult rumgelaufen ist.

Um jetzt aber nochmal von ein paar fröhlicheren Sachen zu berichten, erzähle ich mal ein bisschen vom Schwimmen. Seit ich das letzte Mal geschrieben habe, ist ja doch ein bisschen Zeit vergangen und wir hatten noch zwei weitere Meets. Die waren jetzt wirklich wichtig und zählten als Qualifikation für die Finals. Uuuuund wir haben beide Meets gewonnen! 🙂
Okay, mit dem einen haben wir gerechnet, aber mit dem von diesem Freitag überhaupt nicht.
Da war die Freude hinterher natürlich umso größer. Ich bin so stolz auf meine Mädels. 🙂
Wenn wir die nächsten drei Meets jetzt auch noch gewinnen, dann sind wir auf jeden Fall schon mal mit einer guten Ausgangsposition in den Halbfinals und müssen auch nicht extra noch im Viertelfinale schwimmen. Auf einmal scheint auch die Chance, am Ende wirklich im Finale zu stehen und eine gute Chance auf den Sieg zu haben, gar nicht mehr so klein zu sein. Aber selbst wenn wir nicht gewinnen; einfach dieser ganze Teamzusammenhalt ist so toll. Man merkt immer mehr, wie wir richtig zusammenwachsen. Hach, das wird so traurig werden, wenn ich diesen ganzen Leuten goodbye sagen muss…
Ups, ich wollte ja von fröhlichen Sachen berichten. Hinterher denkt noch jemand, ich werde depressiv hier drüben. 😉 Also…ach ja, meine April 1st Story muss ich euch noch erzählen. Ich wurde nämlich ordentlich in den April geschickt und habe es bis zum Ende nicht gemerkt, gutgläubig wie ich bin. Erinnert ihr euch noch an Justin, Alyssa’s Cousin? Der geht ja auch auf meine Schule und seine Mutter arbeitet im Sekretariat. In der ersten Pause, also während Nutrition, kam Justin dann zu mir und meinte, ich müsste ganz dringend mal ins Sekretariat gehen, seine Mütter müsste bezüglich meiner schulischen Leistungen hier was besprechen. Und hat dabei bitterernst geguckt. Ich hab mir aber noch nicht wirklich Sorgen gemacht, bin dann erstmal dahin, und dann hat Peggy (Justin’s Mutter) mir allen Ernstes erzählt, sie müssten mich leider schon vorzeitig nach Hause schicken, da meine Noten zu schlecht wären. Ich war erstmal total verwirrt, und hab dann gesagt, ich wäre doch nirgendwo schlechter als ein C, und das ist doch nur die Mindestanforderung. Da hat mir Peggy dann erzählt, dass das vor einer Woche geändert wurde und alle Austauschschüler jetzt straight A’s haben müssten. Sie hat mir sogar einen Ausdruck dazu gezeigt. Und ich hab es ihr natürlich total abgekauft und war schon total fertig mit den Nerven. Bis Justin dann auf einmal aus der Ecke gesprungen kam und gerufen hat „April Fools!“ Oh man. Wie dreist, mir so einen Schrecken einzujagen. 😉

Damit höre ich auch auf für heute. 🙂 Ich glaube nicht, dass ich mich vor Ostern nochmal melde, weil ich nur noch eine Woche Schule habe und dann Spring Break ist. Und da geht es ab nach San Francisco und Vegas mit der liebsten Carolin! Danach werde ich natürlich ausführlich berichten. 🙂

Bis dahin, ein ganz dickes Küsschen nach Deutschland. Ich freu mich schon wieder auf euch!  PS.: Es tut mir wirklich leid, dass ich anscheinend so viele Grammatik – und Rechtschreibfehler mache. Aber mir fällt es inzwischen wirklich schwer, auf Deutsch zu schreiben und dann auch noch so motivierende Aussagen wie „die Blogeinträge sind ja sprachlich auch nicht mehr so das Wahre“ zu hören, hilft ehrlich gesagt nicht wirklich. Wen es zu sehr stört, der brauch es ja einfach nicht mehr zu lesen. Dankeschön. 😉


Über die Autorin/den Autor:  To change this standard text, you have to enter some information about your self in the Dashboard -> Users -> Your Profile box. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: