Ich bin sauer. Also wirklich, wirklich sauer. Das kann ja wohl alles nicht wahr sein! Da hab ich mich erst so gefreut, und jetzt?
Da komm ich also vorletzte Woche Donnerstag aus der Schule, und da ich alleine zuhause war, hab ich mir gedacht, dass ich mich jetzt schön gemütlich ins Bett kuschele, die Milka Schoki von Mama und Papa esse und Germany’s Next Topmodel auf MyVideo gucke. Genau so, wie davor die Woche auch.
Voller Vorfreude den Laptop hochgefahren, den Sendenamen eingetippt, auf Play geklickt und dann… „Dieses Video ist in ihrem Land nicht verfügbar!“ Whaaat? Ich dachte erst, ich les nicht richtig.
Letzt Woche ging es doch noch! Und jetzt auf einmal nicht mehr? Was soll das denn bitte? Nur weil man in einem anderen Land ist, heißt das doch nicht, das man als kleiner Austauschschüler nicht trotzdem noch seine Lieblingsshow gucken möchte. Das ist doch gemein. Blödköpfe da bei ProSieben. Das hat mir echt den ganzen Tag verdorben. Ich guck das doch so gerne! Kann mir das vielleicht einer aufnehmen und jede Woche schicken? 😉

Naja, bin zum nächsten Morgen hatte ich meine Trauer dann aber doch wieder überwunden. Hier gibt es ja immerhin noch Glee und Pretty Little Liars. Obwohl mir dann der schreckliche Gedanke gekommen ist, dass, wenn ich hier keine deutschen Sendungen im Internet  gucken kann, in Deutschland auch keine amerikanischen Sendungen gehen. Das wäre ja Weltuntergang!
Den Gedanke hab ich dann lieber schnell zur Seite geschoben und mich einem weiteren Tag Sadie Hawkins Dance Drama gewidmet. Der Countdown lief ja…
Nach Lunch kam ein Mädchen heulend zu Floral Desing, weil sie jemanden gefragt hatte, der schon eine Partnerin hat. Und dabei hatte sie ihm doch extra ein Blech Brownies gebacken. Ja mei.
Aber anstatt die Brownies dann wieder mitzunehmen, hat sie ihm die auch noch da gelassen. So doof wär ich noch. Erst sagt der Typ nein und dann geb ich ihm als Belohnung noch die Brownies. Tss. Da wären die bei uns doch besser aufgehoben gewesen 😉
Wir haben jetzt übrigens nicht mehr nur Ziegen, sondern auch noch Lämmer und kleine Schweinchen bei uns an der Schule. Weil unsere Agrarklasse da ein Projekt macht oder so. Die sind sooo süß. 🙂 Bald kommen auch noch Kälber. Aber die werden nur bis Juni hier aufgezogen und dann verkauft. Und was dann mit denen passiert, kann man sich ja denken 🙁 Die armen kleinen Dinger. Allein die Vorstellung, klein Pig hinterher auf meinem Teller zu haben. Ugh. Ich glaube, ich werd Vegetarierin. Hannah und ich haben schon gesagt, dass wir die Kleinen entführen und dann bei Hannahs Opa auf die Farm geben. Und da werden sie dann glücklich und zufrieden leben, bis sie alt sind. Schöne Vorstellung. 
Shannon, meine Gastschwester, hat uns schon ihre Hilfe angeboten. 🙂 Das war auch was. Da komm ich am frühen Freitagabend endlich, endlich von Practice nach Hause und dachte mir, jetzt backst ich mir noch schön ein Blech Cookies. Ich schließe also nichts Böses ahnend die Haustür auf…und dann höre ich auf einmal ein Poltern von oben. Da wird einem schon etwas mulmig, wenn das Haus eigentlich leer sein sollte und auf einmal kommen da Geräusche von oben. Aber erst dachte ich ja noch, das war mal wieder die Katze. Bis ich die dann unter dem Klavier sitzen gesehen habe.
Ich also ganz vorsichtig zum Lichtschalter getapert (der ist so verdammt weit von der Haustür weg und Jim vergisst immer, dass Licht an zu machen, wenn er fährt) und das Licht eingeschaltet.
Da kam wieder das Poltern. Und ich spring erstmal senkrecht in die Luft, renn wieder zurück zur Haustür, Hand auf der Türklinke, nehme dann meinen ganzen Mut zusammen und rufe „Hello?“.
Ich hab mir gedacht, wenn jetzt irgendwer Fremdes gleich die Treppe runterkommt, bin ich wenigstens schnell draußen und kann schreiend zum Nachbarn rennen.
Und dann: „Oh, hey Vivien, I didn’t even hear you coming in.“
Shannon. Oh man. Ich kam mir im Nachhinein so dumm vor. Besonders weil mir der schwarze BMW auch schon vor der Haustür hätte auffallen müssen. Wie lächerlich es ausgesehen haben muss, als ich wie von der Tarantel gestochen wieder zur Tür gerannt bin. Gut, dass das keiner gesehen hat. 😉
Shannon war bei uns, weil bei denen im neuen Haus gerade die Fenster gemacht wurden, und da wohl irgendwelche Chemikalien freigesetzt werden, die schädlich für Klein Clara sind. Ich nenn das Baby jetzt in Gedanken immer Clara, weeil der Name in einem der Babynamen Bücher von Shannon und Greg stand und alle den ja sooo außergewöhnlich fanden. Alle, außer ich. Und irgendwie ist dann der Name Clara in meinem Kopf hängen geblieben. 😉  Aber der Name wird es wahrscheinlich nicht. Schade eigentlich. Ich hoffe nur, die Beiden entscheiden sich nicht für Abigail. Dann krieg ich aber die Krise. Den Namen bring ich immer mit den Hexenverfolgungen in Salem zusammen. Nicht schön.
Nachdem ich mich dann von meinem Pseudoeinbrecher Schrecken erholt hatte, hab ich dann auch noch meine Cookies gekriegt. Yummie. 🙂 Dann haben Shannon und ich noch Sleepless in Seattle geguckt. Hach, der Film ist so süß 🙂 Und dann haben wir auf einem Moviechannel Love Actually gefunden. Könnt ihr euch vorstellen, das Shannon den noch nie gesehen hat? Ging ja mal gar nicht. Also haben wir dann im März einen Weihnachtsfilm geguckt. War aber trotzdem schön. Irgendwann um 22 Uhr oder so hat Greg dann angerufen, dass das Haus immer noch überall nach dem Chemikalienzeug riechen würde, und er jetzt mit Schlafsachen und allem zu uns kommen würde. Und nett, wie er ist, hat er uns auf dem Weg noch Starbucks mitgebracht. Hehe.
Am Samstagmorgen hatte irgendwie keiner Lust, Frühstück zu machen, also sind Shannon und ich Donuts holen gegangen. Der Besitzer von diesem kleinen Laden ist so cool. Der kennt mich jetzt schon, und hat mich gefragt, ob es in Deutschland auch Donuts gibt. Und als ich dann meinte, Donuts zwar schon, aber nicht so Läden, wo es nur Donuts gibt, da war er ganz entsetzt. Jetzt will er nach Deutschland übersiedeln und da Donutshops einführen. Find ich gut. Den Ersten bitte direkt neben meiner Haustür. Einer von Nachbar links, rechts, oder gegenüber wird schon ausziehen. 😉
Als mein Schwesterherz dann irgendwann mal wieder weg war, wollte ich mir eigentlich einen ruhigen Nachmittag machen. Aber Pustekuchen. Um kurz vor drei krieg ich eine SMS.
„You and I and Haley. At 3.30. Café Prima.“ So viel zu meinem ruhigen Nachmittag. Immer diese Spontanität der Amerikaner. Wenn man etwas Wochen vorher plant, kann man fast sicher sein, das es ins Wasser fällt. Jim war dann so lieb und hat mich in die Stadt (ins Städtchen, hust) gefahren und dann haben wir drei schön gemütlich bei Café Prima Mint Cookie Mocca getrunken. My favorit 🙂
Ich liebe dieses Café sowieso. Das ist so schön urmelig. Und vom Fenster aus kann man schön die Leute auf der Straße beobachten. Das ist unser neues Lieblingsspiel. Leute beobachten und sich dann deren Geschichten ausdenken. Da kann man Stunden mit verbringen. 🙂
Um halb acht waren wir dann schon fast bei mir zuhause, da sieht Haley auf einmal, das in dem Kino an der Ecke „Beastly“ läuft. Ich also Jim getextet und wir drei gerannt wie die Blöden, um den Anfang auch ja nicht zu verpassen. Wir sind pünktlich zur Werbung gekommen. Supi. In den Kinos gibt es hier übrigens einen Filmansager. Ernsthaft. Der stellt sich dann, bevor der richtige Film anfängt, vorne hin und erzählt, dass jetzt der-und-der Film gezeigt wird und der ab so-und-so vielen Jahren freigeben ist…und wenn man Fragen hat, kann man gerne zu ihm kommen. Und dann setzt er sich vorne in die erste Reihe und guckt den Film mit an. Ich würd mal sagen, ich habe meinen Traumjob gefunden. Haha, just kidding 😉 Der Film war dann toll. So eine Art modernes „The Beauty and the Beast“. Mit meinem neuen Lieblingsschauspieler Alex Pettyfer. 🙂 Am Sonntag hab ich dann wirklich nichts gemacht. Noch nicht mal Abends Dinner bei Alyssa’s Familie, haha.

Montag war dann der so ziemlich verrückteste Montagmorgen, den ich je hier hatte. Normalerweise ist Montag ja late start, also fängt Schule eine Stunde später an. Den hab ich mir schon mal geknickt. Dafür hat Hannah mich um 7 Uhr abgeholt, und wir sind dann zusammen zu Holly. Da gab es dann zum Glück erstmal Frühstück. Und daaann ging es los ans große up dressen.
Wir hatten nämlich mal wieder eine Mottowoche bei uns an der Schule. Ich liebe Mottowochen. 🙂
Diesmal war es die „Battle of the Genders“-Week. Kampf der Geschlechter. Sehr passend mit unserem Emanzipationstanz am Samstag darauf. Und Hannah, Haley, Delany, Holly und ich haben uns vorgenommen, uns jeden Tag entsprechend fertig zu machen. Da mein Kleiderschrank aber mit irgendwelchen speziellen Sachen etwas rar ausgestattet ist und ich auch keine Lust hatte, mir für einen Tag neue Sachen zu holen, haben wir am Montagmorgen schon unsere ganze Woche durchgeplant. Montag fing es an mit Little Kid, Dienstag war Toy Story (Cowgirl ;)), Mittwoch Beauty and the Geek, Donnerstag Go Green (St. Patrick’s Day) und Freitag dann Pink and Blue. Pink logischerweise für die Mädchen und blau für die Jungen. 😉
Wir hatten schon so einen Spaß, uns die Klamotten raus zu suchen. Und wären dann sogar noch fast zu spät zur Schule gekommen, bei dem ganzen Sachen anprobieren.
Am Donnerstag wurde hier dann der St. Patrick’s Day gefeiert. Ist zwar ein irischer Feiertag und hier in Kalifornien gibt es auch eigentlich nicht viele Iren, aber gut. Hauptsache, noch einen Feiertag vor Ostern einschieben 😉 Während Lunch wurden dann Muffins mit grünen Zuckerguss Kleeblättern drauf verteilt, und in jedem Lockergang hat es grünes Konfetti geregnet. Schon sehr süß 🙂
In unserer Floral Design Class haben wir ein kleines St. Patrick’s Blumengesteck gemacht. Ich stell da bald mein ein Foto von rein. 🙂
Und am Freitag war dann das große Finale der „Battles of the Gender’s“ Woche. Da gab es dann auch endlich mal wieder eine Pep Rally in unserer riesen Sporthalle.  Alle Mädchen in Pink auf die rechte Seite, alle Jungen in Blau auf die linke Seite. Und dann ging es los. Jungs gegen Mädchen sind in verschiedenen Spielen gegeneinander angetreten. Da war was los. Dance Competition, Wettessen,  Sing Contest…alles dabei. Aber natürlich war am Ende unentschieden. Also gab es den Cheer- Wettbewerb, den wir auch schon in der Homecoming Week hatten. Nur dass es diesmal Jungen gegen Mädchen, und nicht Seniors gegen Juniors waren. Da ging dann gar nichts mehr. Ich musste mir echt die Ohren zuhalten, als die Mädchen gecheert haben. Hab aber natürlich trotzdem ordentlich mit geschrien 😉 Uuuund natürlich waren die Mädels am Lautesten. Wuhu!! 🙂
Haben wir zwar nichts wirklich von, aber egal. Der Spaß ist Belohnung genug 🙂

Um nochmal kurz von meinen Swim Meets zu berichten. Da gab es jetzt auch schon wieder zwei von. Das eine war letzte Woche Donnerstag in Canyon Crest und wir waren so, so schlecht. Es war schon nicht mehr schön. Unser Trainer meinte auf der Hinfahrt noch, das würde ein einfacher Sieg werden. Aber nichts da. Die haben uns so platt gemacht, das war nur noch peinlich. Wir hatten irgendwie wohl alle durch die Bank weg einen schlechten (seeehr schlechten) Tag. Und dazu war es dann auch noch kalt und windig. Bah. Außerdem hatte ich echt Angst, da von den Startblöcken zu springen. Die haben so gewackelt, da dachte man echt, die kippen jeden Moment mit dir um, wenn du dich auch nur das kleinste Bisschen zu viel bewegst. Also haben sich eigentlich alle immer nur so rein plumpsen lassen. 😉
Heute hatten wir aber wieder ein Meet und das war um Längen besser. Homemeet, gutes Wetter, Imbissstand, und Leute zum Anfeuern da. Perfekt. 🙂
Nachdem wir uns dann alle aufgewärmt haben, hat unser Trainer noch was ganz Besonderes mit uns gemacht. Visualizing. Ich stand am Anfang genauso dumm da, wie ihr, keine Sorge. 😉
Eigentlich ist das Ganze wie so eine Art Meditation, in der man sich in Gedanken in sein Rennen hinein versetzt. Erstmal legen wir uns alle auf den Boden, und dann fängt Sean, unser Trainer, an zu erzählen. Erst sind wir an einem Ort, entweder an einem, wo wir schon immer mal hin wollten, oder wo wir jetzt gerne wären. Und wenn wir uns das dann alles ganz genau vorgestellt haben, sehen wir plötzlich eine Tür. Und diese Tür führt in einen Raum, in dem unsere ganzen glücklichen Momente und Erinnerungen sind. Wir sollen in dem Raum rumgehen und diese ganzen positiven Gefühle in uns aufnehmen. Dann gehen wir durch eine andere Tür wieder aus dem Raum raus und auf einmal stehen wir auf dem Startblock. Der Pfiff kommt, wir springen ins Wasser. Und auf einmal wissen wir einfach, das wir gewinnen werden und das wir gut sind. Wir schwimmen unser Rennen; sind so gut wie noch nie. Danach kehren wir wieder in den Raum mit den Erinnerungen zurück. Dort steht eine Kiste, die wir beim ersten Mal übersehen haben. Wir gucken hinein und sehen all unsere noch unerfüllten Träume und Wünsche. Und genauso, wie wir im Wasser wussten, dass wir dieses Rennen gewinnen würden, wissen wir auf einmal auch, dass wir all diese Träume und Wünsche in der Kiste auch erfüllen können – wenn wir nur an uns glauben.
Ich hab noch nie etwas erlebt, was so sehr geholfen hat, sich auf sein Ziel zu konzentrieren, wie das.
Ehrlich. Danach waren echt alle so richtig motiviert und…aufgeputscht (deutsche Wörter, kommt zu mir!). Wir waren so gut. Also richtig, richtig gut. Jeder hatte mindestens eine neue Bestzeit und auch sonst haben wir so gut wie jedes Rennen gewonnen. Und am Ende insgesamt dann mit über 50 Punkten Vorsprung. Dabei meinte Sean vorher noch, das unsere Gegner heute besser wären, als die vom letzten Mal. Als das letzte Rennen zu Ende war, lagen sich auf einmal alle total euphorisch in den Armen und waren am Jubeln. 🙂 Das war heute auch unser erstes richtig wichtiges Meet für die Finals im Mai, also war die Freude umso größer. Ich liebe mein Swim Team einfach. 🙂

Nächste Woche Freitag ist schon wieder ein Meet, das zweite wichtige. Ahh, ich bin jetzt schon aufgeregt! Drückt uns die Daumen! 🙂

Dickes Küsschen nach Deutschland

 

PS.: Der Countdown läuft. Noch 3 Monate!


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