Ich hab ein bisschen Zeit, bevor ich schlafen gehe und hab mir überlegt euch mal das slowakische Schulsystem zu erläutern. Das ist nämlich total anders als in Deutschland.

Zunächst umfasst die „Grundschule“ hier nicht bloß vier Jahre, sondern neun. Nach diesen neun Jahren Grundschule dann entscheiden die Jugendlichen (also im Alter von 15 Jahren), was sie später beruflich machen wollen, denn hier gibt es keine einfache weiterführende Schule, oder gar so etwas wie Haupt-, Gesamt- oder Realschule/Gymnasium, nein, hier entscheidet sich ein Jugendlicher beispielsweise dafür Lehrer zu werden und geht dementsprechend auf eine Middleschool für Lehrer. Das hat mich schon ziemlich schockiert, ich meine, ich weiß ja jetzt noch nicht einmal, was ich eines Tages beruflich sein werde. Wie soll da ein 15-jähriger eine Entscheidung fällen? Man kann das in etwa vergleichen mit unseren Berufskollegs, wie zB der Bördeschule. Man spezialisiert sich auf einen bestimmten Abschluss, eben beispielsweise „Lehrer“, oder „Koch“. Daneben gibt es aber auch ein Gymnasium, wie wir es kennen, auf dem dann eben ein universeller Abschluss erreicht wird. Die Middleschool umfasst dann weitere vier Jahre.
Nach diesen vier Jahren kann man dann auf die Highschool bzw, Universität gehen. Und das läuft hier auch ganz anders ab, als in Deutschland. Hier muss man im Aufnahmeverfahren einen Test absolvieren. Und es ist vollkommen egal, was für einen Numerus Clausus man hat. Die vorausgegangene schulische Leistung ist vollkommen irrelevant. Man muss eben nur diesen Test bestehen. Und wenn man ihn nicht besteht, dann macht man ihn eben an einer anderen Uni, oder im nächsten Jahr noch einmal. Solange, bis man in besteht.
Es ist auch möglich, wenn man auf einer Middleschool für zB Lehrer war, danach Medizin zu studieren, solange man eben diesen Test besteht. Jeder kann also theoretisch alles studieren, WENN er den Test meistert. Die Schüler von den Gymnasien haben da natürlich die besten Chancen und normalerweise wird ein Jugendlicher von der Lehrer-Middleschool danach kein Medizin studieren wollen, aber es ist eben möglich.

Wir haben in der Familie hier darüber geredet und ich habe ihnen unser Schulsystem erläutert und sie sind sich einig, dass das deutsche Schulsystem sehr viel sinnvoller ist, denn hier kann (Zitat) „jeder Idiot“ studieren. Und da es keine Begrenzung gibt, ist die Slowakei beispielsweise überfüllt von Managern. Weil alle eben Manager werden wollen, die Möglichkeit dazu haben es zu werden und sie sich anscheinend wenig Gedanken über die Arbeitsmarktsituation machen. Die Slowaken verärgert es, dass dem Schulabschluss so wenig Bedeutung beigemessen wird.

Ich persönlich finde, ein Mittelweg aus beiden Systemen wäre die perfekte Lösung: Sowohl Numerus clausus, als auch ein studienorientierter Test sollte entscheidend sein. Damit man wegen eines „schlechten“ Ncs nicht automatisch keine Chance auf bestimmte Studiengänge hat.

Bis dahin
Annie


Über die Autorin/den Autor:  Annika Fischer ist 22 Jahre jung und studiert an der Uni Bielefeld "Molkularbiologie". Über den Alltag im Studentenleben schreibt sie im Blog. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: