Hier  nun mein zweiter Beitrag. Die erste Arbeitswoche ist vorbei. Die Arbeit macht im Großen und Ganzen sehr viel Spaß und ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich hier nicht kaputt schufte.
Ein normaler Arbeitstag sieht folgendermaßen aus: Um 8 Uhr beginnt meine Schicht und falls noch nicht alle Heimbewohner in den Essensraum gefahren sind, bringe ich diese dorthin. Im Anschluss daran, mache ich die Betten der Heimbewohner, oder beziehe diese neu. Nach ein paar Tagen hat man das recht schnell raus, stellt auch keine große Schwierigkeit dar. 😉
Nachdem die Heimbewohner vom Essenssaal in die Residenz zurückgefahren werden, bringen wir sie entweder in die Rehabilitation/Kinesiologia, oder zum Beispiel zum Friseur. Zwischen diesen einzelnen „Fahrten“ besteht viel Leerlauf und wir sitzen draußen zusammen mit den anderen Heimmitarbeitern und trinken Mate-Tee und reden über Gott und die Welt, wobei dies nicht immer so gut klappt, da über Gott und die Welt reden auf Spanisch noch einige Schwierigkeiten bestehen;) aber es wird von Tag zu Tag besser!
Bis zum Mittagessen um 12 Uhr beschäftigen wir uns mit den Bewohnern und unterhalten uns, teils auf Deutsch, teils auf Spanisch, da, wie schon gesagt, der Großteil deutsche Wurzeln hat und daher noch gut Deutsch spricht. Unsere Aufgabe beim Mittagessen ist es, bei bestimmten Bewohnern aufzupassen, ob diese auch „richtig“ essen. Damit ist gemeint, dass sie überhaupt etwas essen. Wir sitzen neben ihnen, geben ihnen zu essen und erinnern sie daran, wie wichtig das Essen für ihre Gesundheit ist und wie gut es doch schmeckt, was nicht immer der Fall ist, aber das ist ein anderes Thema.
Danach bringen wir sie zurück in ihre Zimmer und legen sie ins Bett. In der restlichen Stunde bis 14 Uhr essen wir selbst etwas, weil wir dazu nicht kommen, wenn wir uns um die anderen kümmern. Das ist ein normaler Schichtalltag.
Jeden Mittwoch müssen wir in der Fürsorge arbeiten, das bedeutet, dass wir hilfsbedürftigen Menschen Lebensmittel und Kleidung austeilen und die Archivierung der Daten in den Computer übernehmen. Dies ist im Grunde genommen nicht schwierig. Wir schreiben die Namen der Personen auf, ob sie ledig sind oder nicht und für wen die Lebensmittel und Kleider sind, erst handschriftlich, später tippen wir die Daten in den PC. Wenn diese Arbeit verrichtet ist, müssen wir z. B. einzelne Dokumente von verschiedenen Personen aneinander heften, um ein wenig für Ordnung zu schaffen; dies war zumindest letzten Mittwoch der Fall. Diese Schicht beginnt im Gegensatz zu der anderen um 9 Uhr und endet um 15 Uhr, macht mir jedoch nicht so viel Spaß wie die andere, weil man nur beschränkten Kontakt mit den Leuten hat.
In der nächsten Arbeitswoche arbeite ich von 14 bis 20 Uhr, um alle Schichten mal kennen gelernt zu haben. Am Mittwoch werde ich ein älteres Ehepaar in den Zoo begleiten, ich bin gespannt, was mich da erwarten wird.
So viel zu meiner Arbeit.

Ich habe in meiner ersten Woche noch nicht allzu viel gesehen, ich habe auch noch ca. 350 Tage Zeit dafür, aber was jetzt schon sehr auffällig ist, sind die vielen Unterschiede innerhalb der Kultur. Wie den meisten schon bekannt ist, herrscht eine große Kluft zwischen arm und reich. So leben z. B. die Ärmsten der Armen in Wellblechhütten nahe der Autobahn und die Reicheren in durch Zäunen und mit Sicherheitsbeamten begrenzten Wohnvierteln. In der Gegend in der ich wohne, wohnen eher die Ärmeren, aber nicht die ganz Armen. Ein weiterer großer Gegensatz ist der Bezug zur Ordnung, bzw. Regeln. So fährt z. B. jeder in Argentinien auf der Straße wie er will, denn es herrscht das Gesetz des Stärkeren. Wenn Leute aber auf den Bus warten, ist es nicht eine große Traube von Menschen, wie in Deutschland, sondern eine schön geordnete Schlange. Wenn man das zum ersten Mal sieht, wundert man sich schon ein wenig. Meine „Chefin“ hat mir gesagt, dass Argentinier Gesetze nur dazu haben, um sie zu brechen.
Als wir am Bahnhof standen und auf den Zug gewartet haben, war ich auch erstaunt. Es gab vier Gleise und man weiß anscheinend nie, wann und auf welchem Gleis der Zug ankommt. Also falls man dann auf dem falschen Gleis steht, rennt man noch schnell über die Gleise um auf die andere Seite zu gelangen. Manche Menschen bevorzugen es auch im Zug in den offenen Türeingängen zu stehen und quasi während der Fahrt ganz leicht rausspringen zu können, was aber durch das zu hohe Tempo des Zuges eher nach hinten los gehen würde.  
Ein ganz großer Unterschied ist das Partyleben hier in Argentinien. Wenn ich in Deutschland in die Disco gehe, beginnt das meistens zwischen 22 und 24 Uhr und man geht zwischen 3 und 4 Uhr spätestens nach Hause. Ich spreche für mich und meine Erfahrungen, aber natürlich gibt es Ausnahmen usw. In  Argentinien beginnt das Nachtleben erst gegen 2 Uhr, hat den Höhepunkt gegen ca. 4 Uhr und endet meist erst spät gegen Beginn des Sonnenaufgangs. Mein Mitbewohner und ich haben uns an diesem Wochenende selbst davon überzeugt, wir waren heute Morgen um 7 Uhr zu Hause.

Auch das Wetter macht was es will. Morgens ist es noch etwas kühl, im Nachmittagsbereich aber fast durchgehend um die 20° und am Abend kühlt es sich wieder stark ab. Es ist Winter und wir haben höhere Temperaturen als in Deutschland, wo Sommer ist! Ich bin gespannt, wie die Temperaturen im Sommer werden.

Am Montag werde ich mich das erste Mal richtig sportlich betätigen, denn wir werden uns in einem Fitnessstudio anmelden. Der Raum ist ziemlich klein und mit deutschen Verhältnissen nicht zu vergleichen. Wer an MaxxGym oder FitPlus gewöhnt ist, wird große Augen machen, wenn er dieses Fitnessstudio sieht. Ein Mitarbeiter hat schon zugesagt, mit uns mitzukommen, worüber wir uns sehr freuen, da man so den Kontakt noch etwas verstärken kann.

Abschließend kann ich zusammenfassen, dass ich bis jetzt echt schöne und interessante Tage hier verlebt habe. Man kann Argentinien mit Deutschland fast überhaupt nicht vergleichen. Von Tag zu Tag kommen neue spannende Erfahrungen dazu und ich freue mich auf die nächste Zeit hier.

Ich melde mich bei euchLächeln

Schöne Grüße und bis zum nächsten Mal

Matthias


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