Erst vorgestern habe ich mir vorgenommen, wieder einen Blogeintrag zu schreiben, wenn etwas Interessantes passiert. Ich finde, heute ist es schon so weit, schließlich war ich vor heute Mittag noch nie bei einer Operation dabei – abgesehen natürlich von den paar Mal, als ich selbst auf dem Operationstisch lag, und bei denen ich glücklicherweise nicht bei Bewusstsein war.

Heute jedoch wurde dem Pferd Kraika ein Pilz entfernt, der trotz monatelanger Behandlung durch diverse Medikamente

nicht besser werden wollte. Hannah und ich durften zuschauen und den Eingriff dokumentieren. Wir beide waren erstaunt, wie schnell der Tierarzt das betroffeneStück Haut herausschnitt. Kaum hatte er das Skalpell angesetzt, war er auch schon fertig. Wobei mich das Prozedere durch die leichten Reißbewegungen, die notwendig waren, um das weißliche Gewebe zu durchtrennen, leicht an die Vorbereitung eines Stück Bratens vor dem Garen erinnert haben. Ist ja eigentlich auch das gleiche Prinzip.

Tatsächlich ging das eigentliche Schneiden viel schneller von statten als die Vorbereitung (Rasur, Desinfektion, Ansetzen mehrere Betäubungsspritzen, Abwarten bis die Betäubung wirkte) und die abschließende Behandlung der Wunde (Nähen, Säuberung, Aufbringen einer ätzenden Chemikalie und Schutz der Wunde durch eine aus altem Jeansstoff genähten Decke).

Kraika war zwar verständlicherweise nervös, erhielt sie doch nur eine örtliche Betäubung, da Pferde sich schnell verletzen, wenn sie nach einer Vollnarkose benommen aufstehen. Allerdings machte bloß einen ernsthaften Versuch, der Situation zu entkommen. Ansonsten verhielt sie sich relativ ruhig, und als sie nach der Operation auf die Weide entlassen wurde,  schien es ihr nicht sonderlich schlechter zu gehen als gewöhnlich.

Ich kann mir vorstellen, dass so gut wie jeder, der auch nur ein Praktikum an einem Krankenhaus gemacht hat, geschweige denn Medizin studiert oder bereits einem medizinischen Beruf nachgeht, unappetitlichere oder zumindest ernstere Eingriffe gesehen hat. Auch Tomek meinte, solch eine kleine Operation sei Anfängerkönnen für Veterinärmediziner. In einem anderen Stall hätten sie mal ein Pferd operieren müssen, dem ein Stock ca. dreißig Zentimeter tief in der Brust steckte. „Das Tier hat überlebt, ihm geht’s wieder gut. Aber hinterher ist überall Blut. Sogar in deinen Taschen.“

Trotzdem war es recht spannend, und ich habe eine zumindest etwas genauere Vorstellung von der Anatomie eines Pferdes. Und mir wurde trotzdem bestätigt, was ich ohnehin schon wusste: Ich selbst werde keine Tierärztin werden, obwohl dies als Kind eine Zeit lang mein Wunsch war – wie der Wunsch vieler Kinder. Und ich werde keine andere Form von Medizin studieren. Gelegentliches Zuschauen reicht vollkommen. Metzger werde ich übrigens genau so wenig. Was für mich als Vegetarierin eh nie in Frage kam.