„Ich liebe Dich“ – drei kleine Wörter, die das Herz eines jeden Menschen mit dicker, fluffiger Regenbogenwatte ausstopft und es so doll knuddelt, dass man wirklich zwangsweise alles durch eine rosarote Brille betrachtet, weil die feinen Äderchen im Augapfel der Meinung sind, vor Wonne zu explodieren.

Aber hey – Liebe ist was schönes. Nichts lässt uns unkontrollierter handeln oder beraubt uns schneller unserer Rationalität. Zyniker würden behaupten, dass es keine einfachere Art und Weise gibt einem Menschen die Möglichkeit zu bieten uns von Grund auf glücklich zu machen – oder ebenso einfach im Tiefsten zu verletzen.

„Seit wann beschäftigt sich Schintla jetzt eigentlich mit sowas subtilen wie der sozialen Interaktion zweier Individuen?“ Nun, zum Einen kann ich hier witzige Wortgruppen wie ’soziale Interaktion‘ einbauen, zum Anderen finde ich derzeitige Entwicklung recht bemerkenswert. Je moderner der Mensch wird, desto mehr entwickelt er sich zurück. Neben Retrobrillen, Schlaghosen und schlechter Musik bezieht sich der Mensch dabei auch noch auf weitere Gepflogenheiten der Vergangenheit – nur halt noch etwas weiter zurück.

Neben dem Drang sich zu Ernähren, gesund zu halten und sein Hab und Gut zu mehren gibt es einen weiteren Urtrieb, der scheinbar heutzutage seinen zweiten Frühling erlebt. Der Grundgedanke der Evolution ist es ja, dass sich starke und gesunde Männchen so oft vermehren wie sie es nur können. Dies stärkt die eigene Art und sorgt für kräftigen Nachwuchs! Nun, heutzutage braucht man nicht mehr der Stärkste und Kräftigste zu sein. Es reicht auch einfach nur ein williges Weibchen mit einem zu hohen Alkoholspiegel, eine dicke Brieftasche oder Langeweile in der Studenten-WG.

Dass dabei klassische Beziehungen immer weniger möglich sind, wird natürlich gerne vergessen. Wer braucht denn auch sowas? Die Kerle spielen Pusteblume und die Gesellschaft akzeptiert es. (Aus Rücksicht auf jüngere Leser werde ich die Metapher mit der Pusteblume nicht weiter ausführen). Vor etlichen tausend Jahren war das schließlich Gang und Gebe. Die Bärenfelle wichen zwar EdHardy-Glitzer-Shirts, aber das primitive Denken blieb tief verankert.

Die klassische Beziehung stirbt also aus. Der Prozentsatz von Beziehungen, die weniger als ein Jahr dauern, steigt beängstigend. Die wenigsten Paare feiern ein zweistelliges Jubiläum – aber irgendwie kümmert das auch keinen, oder? Immerhin ist man das doch in unserer schnelllebigen Welt gewohnt. Ich möchte jetzt nicht mit Wörtern wie ‚WegWerf-Gesellschaft‘ ankommen, aber wer drüber nachdenkt, sieht Parallelen. Klarer Fall also, dass immer mehr Menschen ein Leben ála Back To The Roots führen wollen. Nur gehen sie dabei meiner Meinung nach zu weit zurück. Aber der Mensch passt sich an – beziehungsweise durchlebt seine Phasen scheinbar zyklisch. Wenn wir also nicht aufpassen, denken wir in 200 Jahren wieder, dass die Erde eine Scheibe sei.

Was sich auf jeden Fall im Vergleich zu Urmensch Jochen geändert hat, sind die Jagdmethoden. Früher machte man sich die Mühe Mitbewerber mit seiner Keule auszuknipsen. Heute erlegt man die Beute mit den drei kleinen Worten, die den Anfang dieses Artikels bildeten.