Die Wing Tshun Formen (wie Wing Tshun selbst) waren einst ein gehütetes Geheimnis. Dazu muss man die geschichtlichen Hintergründe kennen. Im alten China gab es keine Rente und keine Krankenversicherung. Wissen und Können war der größte Besitz der Menschen.

Die alten Meister nahmen Privatschüler bei sich zu Hause auf und unterrichteten Wing Tshun. Eine Ausbildung dauerte Jahre. In dieser Zeit hatte der Schüler oftmals Aufgaben im Haushalt des Meisters wahrzunehmen. Das Vieh musste versorgt, der Garten bestellt werden. Die Schüler wurden gleichzeitig in Philosophie und in Naturheilkunde unterrichtet. So waren Kampfkunst Philosophie und Naturheilkunde in China eng miteinander verknüpft und die Lehrer hoch geachtet.  

Im klassischen Wing Tshun gibt es drei waffenlose Formen. Die Sim-Nim-Tao Form (Kleine-Idee-Form), die Chum Kju Form (Brückenarme), die Bju Dschie Form (Stossende Finger). Hinzu kommen eine Form am Gerät – die Holzpuppenform Mook Yan Joang – und zwei Waffenformen, die Langstock- Luk Dim Bun Guan – und die Doppelmesserform Bart Cham Do . Diese Formen werden nach Entwicklung des Schülers, von erfahrenen Lehrern gelehrt und können im Alleinstudium verinnerlicht werden.

Die Form ersetzt zur Erlangung der Selbstverteidigungs-fähigkeit keinesfalls das Partnertraining. In vielen Wing Tshun Schulen werden ebenfalls verschiedene Stockformen gelehrt. Diese entstammen dem philippinischen Stockkampf (Arnis) und haben die Bewandtnis, dass die Wing Tshun Schüler, bevor sie ein Doppelmesser in die Hand bekommen, über den weniger gefährlichen Stock, ein Gefühl für eine Waffe bekommen. Zudem brauchen wir den Umgang mit der Waffe, weil wir mit Wing Tshun auch die Abwehr von Angriffen mit verschiedenen Waffen lernen. Wing Tshun soll allgemein, auf jeden Angriff eine Antwort haben. So müssen wir verschiedene Angriffstechniken (Schläge, Tritte, Hebel …) kennen, um diese entsprechend abwehren zu können.