Wir waren gekommen, um das Konzert zu hören und bekamen hierbei zusätzlich von Larissa Danil eine geschichtliche Führung durch das russische Land. Eine wirklich gute Idee, Musik und Informationen über Russland zu verschmelzen. Frau Danil trug es interessant vor, wir hörten alle gespannt zu.  In ihren Erklärungen ging sie auf die überall vorhandene Gastfreundschaft der Menschen in Russland ein. Es wird viel gelacht, gesungen, getanzt, man ist fröhlich miteinander und bringt oftmals viele Gäste und Freunde mit nach Hause. Wie sie sagte, ist der Samstag der sogenannte „Gästetag“.  Es wird eine Suppe gekocht, oftmals verlängert, damit alle satt werden und rundum glücklich sind. Natürlich wird auch dabei getrunken, es stimme aber nicht, dass jeder Mann in Russland täglich ½ Liter Wodka trinkt.

 

Sie erzählte von den „Moskauer Abenden“, von den herrlichen Abendstimmungen, wenn sich der Himmel über den umliegenden kleinen Dörfchen verfärbt und die russische Seele anfängt zu träumen.

Sie erzählte von der Atmosphäre, die einen umfängt, wenn man sich fallen lässt, um den Augenblick in sich aufzunehmen. Und sie erzählte von kleinen Marktplätzen, wo die Menschen auf Bänken sitzen und zufrieden und glücklich sind.

 

Doch jetzt zur Folkloregruppe „Birke“ , denn es ging ja hauptsächlich um die Musik. Der Name „Birke“ ist angelehnt an den uns allen bekannten Baum und ist ein Symbol Russlands. Wie Ella Höhn mir erklärte, wird die Birke in Liedern besungen wie ein schönes Mädchen.

 

 In dieser Gruppe, die von Oskar Höhn, der seinerzeit in Russland Musik studiert hat, geleitet wird, haben sich Aussiedlerinnen zusammengeschlossen, die russische Folklore singen. Zu der Gruppe gehören  acht Frauen, die an dem Nachmittag alle in ihren schönen Trachten einschließlich interessanter Kopfbedeckungen auftraten. Mitternacht in Moskau, Katjuscha, Tumbalalajka, Kalinka, all diese Lieder trugen sie mit schönen Stimmen vor. Folklorelieder, Russische und Ukrainisches Volkslieder, wir tauchten ein in ein für uns fremdes Land.

 

Zum Auftritt der „Schola“ St. Vinzenz:

Fasziniert war ich von dem gregorianischen Choral „Puer natus“.  Reine Männerstimmen, ein stimmgewaltiges Volumen in der Klosterkapelle, dunkle Kleidung, ein eindrucksvolles Bild vor dem Altar.  Ich fühle mich einfach überfordert, diesen Gesang näher zu beschreiben.  Gregorianische Gesänge erinnern mich immer an den Film „Der Name der Rose“.

 

Das anschließende Lied „Möge die Straße uns zusammen führen“ , hier sang wieder der gemischte Chor, ist ein irischer Segenswunsch und sicherlich vielen bekannt.  Hier noch einmal der Text:

 

Möge die Straße uns zusammenführen

und der Wind in deinem Rücken sein;

sanft falle Regen auf deine Felder

und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

Refrain:

Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand; und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.

 

Irische Segenswünsche sind tiefgründig, poetisch, voller Fantasie, voller Weisheit und Stärke. Vielleicht sind sie deshalb so wunderbar für viele Gelegenheiten, für alle Tage hilfreich, auch als Begleiter durch schwere Zeiten.

 

Nach dem Konzert wurde um eine Spende für die vielen Menschen in Japan gebeten, die durch das verheerende Erdbeben der Stärke 9, das einen gewaltigen Tsunami auslöste, jetzt auf Hilfe angewiesen sind.  Zwei Mädchen in schönen Trachten standen am Ausgang der Kapelle und sammelten das Geld ein.

 

Zum Abschluss:

Ich habe schon mehrere Blogg-Berichte geschrieben. Jetzt weiß ich, wie schwer es ist, Musik zu beschreiben, sich mit ihr auseinanderzusetzen, das Gefühl des Erlebens zu erleben und dieses dann noch als geschriebenes Wort aufs Papier zu bringen.

 

Alles in allem eine wunderbare Veranstaltung mit vielen Menschen, die mit ebenso viel Applaus gedankt haben.

 

Elvira Biekmann