Sonntag.
Der Tag, an dem die Männer immer Brötchen holen, damit die Frauen eine Stunde länger schlafen können. So kenne ich die, diese teils unbeholfenen wirkenden Gestalten, die in sauberen Trainingsanzügen ungeduldig in der Schlange stehen, um Ihren Wunsch mitzuteilen.
So auch heute. Eigentlich gehöre ich mit dazu, zu diesen Männern. Nur bei mir ist das eine Selbstverständlichkeit seit vielen Jahren morgens die Brötchen zu holen.
An diesem Sonntagmorgen zeigt sich das Geschäft beleuchtet und mit beschlagenen Scheiben. Schön, frische Brötchen. Auch der Duft dieser erreicht langsam aber sicher meine Wahrnehmung. 3 oder 4 Leute mochten wohl vor mir sein. Ich nahm inzwischen meine Geldbörse aus der Jackentasche und wollte zum Kleingeld greifen, um meine Brötchen auch abgezählt bezahlen zu können. Dabei musste ich meinen Blick senken, und dieser fiel dann auf ein Paar Turnschuhe, wohl besser ehemalige Turnschuhe. Diese Schocken sahen aus, als wenn sie den ganzen Tag über durch ein Feld gelaufen wären. Mein langsamer Blick nach oben erreichte dann über eine ungebügelte Jeans und etwas anrüchige Jacke das Gesicht dieses Mannes und Kunden. Dieses erschien rötlich und porig durchblutet. Ein ungewollter Schnurbart saß bräunlich gefärbt unter der etwas klobigen Nase. Ein kleiner Eiterpickel versuchte in der Nasenfalte bisher noch vergeblich seinen Inhalt nach außen zu befördern. Leichter Alkoholgeruch mit der Geschmacksrichtung eines abgestandenen Bieres erreichte mein Riechorgan. Vor meinen Augen flimmerten Bakterien, bedingt durch den Anblick eines ca. 1 cm großen goldgelben schnoddrigen Gebildes an seiner Nase. War dieser Mann vielleicht erkältet?
Nun war er an der Reihe. Ich bekam von meinen vielen Eindrücken über ihn überhaupt nicht mit, wie viel Brötchen er kaufen wollte. Ich bekam nur noch mit, wie er mit einem wahnsinnig gelb braunen Nikotinfinger seinen Schnodder gekonnt unter seinem Kolben weg wegwischte, um dann sofort in sein Portmonee zu greifen, um ein paar Münzen herauszunehmen.
Er bezahlte abgezählt. Unnötig von mir zu erwähnen, dass bei diesem Vorgang unmöglich Münzen zu Boden fallen konnten, da sie sich durch das Klebezeug miteinander verbunden fühlten.
Die Verkäuferin nahm die Münzen an sich, sortierte sie und legte sie geordnet in die Kasse. Danach fragte sie den nächsten Kunden nach seinen Wünschen. Das war ich. Immer noch angeekelt, äußerte ich meinen Wunsch nach 4 Brötchen. Sie griff mit ihren Fingern, mit denen sie vorher das Geld abgezählt hatte, nach den Brötchen und stopfte sie in eine Tüte um sie mir zu überreichen. Nach dem Geschehen erreichte mich ein gewaltiger Brechreiz. Von vielen Bäckern im Städtchen war ich gewohnt , Brötchen mit einer Zange oder einem Handschuh zu erhalten. Dieser hygienische Vorgang kam heute Morgen nicht vor. Vielleicht aus Bequemlichkeit der Verkäuferin? Wird schon keiner dem Chef mitteilen. Diese Kunden kommen ja nur sonntags, die wissen auch wahrscheinlich gar nicht , das es eine Zange oder Handschuhe zum Einfüllen der Brötchen gibt.
Ich habe natürlich die Brötchen nicht genommen. Im Nachhinein habe ich mir überlegt, dass ich vielleicht ein Paket Einmalhandschuhe für die Kunden zum herausnehmen des Geldes zusammen mit einem Paket Tempotaschentücher auf die Theke hätte legen sollen. So würden wenigstens die Münzen einigermaßen sauber über die Theke gehen.
Wer gerne wissen möchte, bei welchem Bäcker sich dieser Vorgang getätigt hat, kann sich gerne an mich wenden.