Eine Kleinstadt – daran denkt man sicher nicht zuerst, wenn man gefragt wird, wie man Hamm beschreiben würde. Mit über 180.000 Einwohnern hat sich die schöne Stadt auch das Privileg verdient, sich selber offiziell als Großstadt zu titulieren. Was also labert der Junge da, wenn er unser schönes Örtchen als Kleinstadt bezeichnet?

Wenn ich durch die Fußgängerzone laufe, blicke ich allgemein auf die Menschen herab. Das hat allerdings nichts damit zu tun, dass ich besonders von mir eingenommen bin oder als Egoman alle meine Mitmenschen mit einer gewissen Portion Hohn entgegentrete. Viel mehr liegt es daran, dass der Durchschnitts-Hammer zu mir aufblickt, ohne jedoch eine Spur Bewunderung. Was ich ausdrücken möchte: Irgendwie erscheinen mir die Leute hier verdammt klein zu sein.

In meiner Heimat zähle ich in meinem Freundeskreis zu den Kleinsten, was in sofern recht witzig ist, da ich gute 1.90 Meter ‚klein‘ bin. Daher war es normal, dass meine Umwelt ein wenig ausgedehnter in Richtung der Z-Achse war. Doch nun wohne ich in Hamm und amüsiere mich darüber, dass die Leute hier mit 1.80 Metern scheinbar bereits knapp über dem Durchschnitt liegen. Es gibt sicherlich viele mögliche Gründe dafür: Mondkonstellationen, Ebbe und Flut der Lippe oder einfach eine fehlende Wachstumsbereitschaft der hiesigen Menschen. Immerhin wächst mit der Körpergröße auch der Energieanspruch des Körpers faktorisch mit, was wiederrum zu mehr Nahrungsaufnahme und dies dann zu mehr Ausgaben im Lebensunterhalt führt. Also lieber klein bleiben, das schont den Geldbeutel.

Eine weitere Theorie könnte auch sein, dass wir damals im Osten allgemein höher wachsen mussten, um eine Möglichkeit zu bekommen, einen Blick in den goldenen Westen zu werfen. Wer es nicht weiß: Die Mauer damals war kein Gartenzaun, da musste man schonmal den Hals nach oben strecken. Also wäre der Unterschied in der Körpergröße auch auf die zu große Neugier der Ossis zurückzuführen – Punkt für Hamm.
Aber nicht nur die Größe der Leute hier ist mir seltsam aufgefallen. Allgemein scheint es hier kein gesundes Mittelmaß bezüglich der Körperfülle bei Jugendlichen zu geben. Entweder sind einige aufgrund ihres großzügigen Schattenwurfes im Sommer sehr begehrt oder treiben mir die Tränen in die Augen, weil ich Angst habe, dass sie jeden Augenblick einfach durchbrechen. Ich bin mir sogar fast sicher, dass bei den letzten größeren Sturmböen nicht nur Regenschirme durch die Gegend trudelten, sondern vereinzelt auch noch ein paar holde Knaben sich einfach weigerten loszulassen und daher einen Direkflug nach Dortmund nehmen mussten.

Hinderlich dabei sind sicherlich auch die modischen Frisuren, die momentan bei den Herren der Winde groß angesagt sind. Um ehrlich zu sein, hab ich in letzter Zeit schon mehrfach angefangen loszukreischen und wie ein Irrer auf einen (dann meist bedeppert guckenden) Kerl zuzurennen, um dann 2 Meter vor ihm zu bemerken, dass es doch nicht Justin Bieber ist. Ihr macht es einem aber auch echt schwer mit euren schnittigen Frisuren. Apropos schnittig: Der Auftrieb des Bieberpelzes scheint mittlerweile hauptverantwortlich für die letzten Höhenflüge des Regenschirmgeschwaders.

In diesem Sinne guten Flug.