Es begab sich vor geraumer Zeit eine Geschichte, die seit dem ersten Flüstern stets weiter überliefert wurde. Sie handelt von zwei wackeren Recken, die sich voller Inbrunst um die Gunst einer holden Maid stritten. Der Barde, gar wortgewand, schlug die Laute als würde der Teufel selber versuchen die treuesten Engel in die Hölle zu locken. Mit seinen Worten wusste er Könige zu verzaubern und die zartesten Gefühle in einem jeden Menschen zu wecken. Jedoch vermochte er nicht zu sprechen, wenn seine Sätze von keiner Melodie getragen wurden.

Der Narr, bürgerlich im Stand, faszinierte seine Zuhörer mit den witzigsten Geschichten, den verrücktesten Gesten und den spektakulärsten Kunststücken. Er bannte einen jeden mit einem Zauber, der getragen wurde von seiner Ehrlichkeit und seiner zwar verrückten, aber dennoch tiefaufrechten Art den Leuten den Seelenspiegel vor die werte Nase zu halten. Seiner Narretei fiel das Problem zu, dass er der Welt dermaßen anheimfiel, dass es ihm nicht möglich war, einen Moment schweigend und in absoluter Ruhe zu genießen. Er musste alles hinterfragen und war sich den größten Fakten des Lebens so sicher wie seinen größten Geheimnissen.

Nun trug es sich zu, dass die verwitwete Königin des Landes ein Fest veranstaltete, wo Gaukler aus allen Richtungen des Landes geladen waren und sich der Adel im gepflegten Umgang gegenseitig in der Anzahl der Handküsse und Knickse übertrumpfen konnten. Es sollte ein riesiges Feuer zur Huldigung der guten Ernte sowie reichlich Gebratenes und Gesottenes geben. So geschah es, dass auch der Barde und der Narr an diesem Abend zugegen waren.
Unter den geladenen Gästen, die wohl der Wind persönlich aus allen Richtungen zusammengetragen hatte, war auch eine holde Maid, die scheinbar den Mond mit einem Lächeln bestochen hat, damit er sie mit seinem sanften Leuchten stetig begleitete. Der Barde erblickte sie und seinem Herzen entsprangen die schönsten Verse, die er in seinem Leben je hätte zu Werke bringen können. Sie preisten die im Sonnenuntergang auflodernde Schönheit dieser Erscheinung und trieben ihm die Tränen in die Augen, so er nur einen Gedanken über sie streifen ließ.

Der Narr folgte dem Blick des Barden und sah nun auch die Muse, die dem armen Dichter das Atmen erschwerte. Gewandt sprang er auf und stakste purzelbaumschlagend auf die hübsche Maid zu. ‚So sagt mir, Mylady.‘ begann er vor ihr zu sprechen. ‚Was in Eurem Leben würdet Ihr eurem Glück nicht absprechen wollen? Sprechet weise, aber ehrlich.‘ Über das Gesicht der Jungfer breitete sich ein Lächeln aus, welches die forsche Vorgehensweise des Narren nicht verurteilte und gleichzeitig auf eben jene gewitzte Intelligenz schließen ließ, die der Narr so sehr schätzte.

‚Meine schönsten Kleider verstehen es nicht mir den Magen zu füllen, all der Schmuck mag es nicht schaffen meinen Durst zu stillen und jedes Feuer schafft es, dass ich mich verbrenne, doch wärmt nur das stärkste aller Gefühle den Menschen wahrhaftig, so er die wahre Liebe verspürt. Wenn das Leben mir diese Dinge gerecht zuteilt, wäre ich das Kind Gottes, dem wahres Glück zuteil wäre.‘ Tief beeindruckt zog sich der Narr mit einer höflichen Verbeugung zurück, völlig in sich gekehrt durch das Gewicht der vernommenen Ausführung. Der Barde beobachtete die Szenerie, fasste sich ein Herz und verlieh seinem entflammten Herz eine Stimme:

‚Entflammt ist das Herz, weil es vor Liebe entzückt ist,
Und möge es brennen, ist es doch nur als Asche erst glücklich,
Und hat die Zeit meine Seele geläutert, so schafft
Es ein Blick nur von Euch, dass es sofort neu entfacht,
Auch wenn es mein Leben ist, dass mich die Verse leiten,
So mag nur die Liebe mir wahrlich aus dem Herzen nur schreiben.‘

Still lauschte die Maid den Ausführungen und bedankte sich bei dem Barden mit einem zarten Applaus für die lieben Worte. Doch sobald der letzte Ton seines Instruments den Abend mit einer Melodie erfüllte, verstummte auch der Barde, verabschiedete sich mit einer Verbeugung und zog dann flotten Schrittes davon.

An diesem Abend sollte es sich zutragen, dass der Barde und der Narr weiterhin abwechselnd um die Gunst der Maid buhlten – mit ausführlichen Gesprächen über die Tiefe des menschlichen Seins und den schönsten Worten, die ein Mensch mit einer Melodie begleiten konnte. Wenngleich ihre Absichten ehrlich waren, wussten beide um ihre eigenen Schwächen. Sich des Umstandes bewusst, dass keiner von ihnen das Herz der Maid in dem Umfang berühren würde, wie sie es mit den ihren tat, beschloss ein jeder für sich diesen Abend als einen der schönsten anzuerkennen, die er in seinen bisher erlebten Sonnenumläufen erfahren durfte. Und an jedem Abend, der dem beschriebenen seither folgte, betraten der Barde und der Narr nun ihre eigene Welt ihrer Vorstellungskraft, in denen sie sich zurückerinnerten an die Nacht mit der Maid an dem Feuer. Und der Barde vermochte sich mit der Maid über Gott und die Welt zu unterhalten, während seine Laute unbeachtet neben ihm lag. Der Narr jedoch genoss es zu schweigen und stillschwärmend mit der Maid den Abend zu genießen, losgelöst von jeglichen weltlichen Themen.

So kam es, dass jeder, der die Geschichte bis heute erzählte, seine Ausführungen mit einer letzten Anmerkung schloss:

‘So merke dir: Um das zu bekommen, was du begehrest und liebst, darfst du dich nicht nur blumiger Worte bedienen oder dich gar benehmen, wie der schlaueste Narr. Wenn du dies nicht berücksichtigst, wirst du lediglich einen Traum lieben und der Wirklichkeit immer fremder werden.‘

Widmung:

Diese Geschichte widme ich einer bestimmten holden Maid. Da ich Dein liebster Barde und der größte Narr bin, werde ich auch gleich Dein treuester Träumer sein.