„Bienvenidos en México-Herzlich Willkommen in Mexiko“, sagte die freundliche Zollbeamtin, drückte den Visumsstempel in den Pass, und schon begann für mich das Abenteuer Auslandssemester. Nun sind die ersten zwei Wochen geschafft, eine Wohnung ist gefunden, und die Kurse an der Universität von Guadalajara haben bereits angefangen. Von Kulturschock und allgegenwärtiger Drogenmafia keine Spur, dafür sind die Einheimischen viel zu freundlich und hilfsbereit, auch wenn ich mich an einige Sachen doch erst gewöhnen muss.

Die Anreise gestaltete sich lang und beschwerlich mit einer ausgiebigen Kofferdurchsuchung in Washington und zwei Umstiegen, aber der Empfang in Mexiko entschädigte für alles. Die Eltern einer Freundin, die zur Zeit noch in Bielefeld studiert, empfingen mich mit offenen Armen am Flughafen und brachten mich um Mitternacht sicher zur Jugendherberge. Ihre Hilfsbereitschaft scheint hier zum guten Ton zu gehören. In der Herberge fand ich schnell Anschluss an die internationalen Studenten, die sich alle in der Vier-Millionen-Metropole orientieren mussten. Wenn wir uns verirrten, war sofort Hilfe von Einheimischen parat. Von Tag zu Tag komme ich besser in die spanische Sprache hinein, die ich durch Sprachkurse an der Uni und ein Auslandssemester in Spanien erlernt habe. An den Verkehrslärm und die Menschenmassen in den Straßen muss ich mich allerdings noch gewöhnen. Dafür bietet die Metropole eine wunderschöne Innenstadt mit großer Kathedrale und zahllosen Geschäften.

Die erste wichtige Aufgabe war eine Wohnung zu finden. Also durchsuchte ich im Internet die zahllosen Wohnungsanzeigen, antworte auf Anfragen und am Donnerstag ging es mit Deutschen und Mexikanern auf Wohnungssuche. Das erste Haus schockierte mich total, überall lag Müll und das Bad wurde schon eine ganze Weile nicht mehr geputzt. Das kam für mich nicht in Frage. Weiter ging es, das nächste Haus war sehr schön und bereits voll, aber durch Mund-zu-Mund Propaganda kamen wir zu einem Haus, das gerade renoviert wird. Der Innenhof mit Bäumen, die großen Zimmer, und die Schildkröte als Haustier hatten es mir angetan. Zwar gab es noch keinen Strom, das änderte sich jedoch einen Tag später, so dass ich mit zwei Deutschen einzog. Jetzt wohne ich mit drei Spaniern, zwei Deutschen und zwei Lateinamerikanerin in Innenstadtnähe und das für 130 Euro.

Die erste Woche auf dem Campus für Sozialwissenschaften ist auch geschafft. Ich kann mich so langsam orientieren und finde die Räumlichkeiten für die Kurse. Mein Stundenplan nimmt Form an, doch die Professoren scheinen teilweise noch in den Ferien zu sein. Der pünktliche Deutsche ist wenigstens fünf Minuten vor der Zeit am Raum und wartet geduldig. Nach einer dreiviertel Stunde des vergeblichen Wartens mit Mexikanern und weiteren ausländischen Studenten auf den Dozenten geht es dann wieder heim oder Kaffee trinken. Geht wohl erst nächste Woche los. Aber ich habe schon gemerkt, dass sich aufregen nicht lohnt.

An diesem Wochenende geht es an den Strand vom Bundesstaat Jalisco. Dort schlagen die internationalen Studenten ein Strandcamp auf, feiern zusammen und genießen den puren Sonnenschein sowie das Wellenrauschen. In der nächsten Woche starte ich dann in der Uni voll durch.

JDW KathedraleGuadalajara Aug11