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Eigentlich habe ich meine bislang entspannteste Woche hier in Toronto – terminlich gesehen. Dennoch ist es nicht wirklich entspannt für mich, weil es zum ersten Mal nicht wie gedacht oder erhofft läuft. Ich bin noch immer ungewiss, was mein Praktikum angeht und habe gleichzeitig begonnen, über Optionen nachzudenken.

Nachdem ich mich letzten Freitag tatsächlich endlich mit dem Sohn des Herausgebers habe treffen können, hatte ich es wie folgt verstanden: er gibt mir bis Montag eine Liste mit „Events“, die in Toronto laufen und ich kann schauen, was mich interessiert und darüber schreiben. Das war mein Stand am Freitag. Zwar ohne konkrete Aussage, dass ich am Montag um die und die Uhrzeit im Büro oder wo auch immer sein soll, aber immerhin mit dem Gefühl, dass es Montag starten würde. Ich fand es zwar schon ungewöhnlich, nicht ins Büro bzw. in die Redaktion zu kommen und nicht vorgeste zu werden, aber ich bin ja hier um zu sehen, dass manches auch anders laufen kann. Und das gesamte „Team“ besteht wohl nur aus vier oder fünf Personen und die meisten von ihnen wären auch gar nicht im Büro, wie mir Rowland (der Sohn des Herausgebers) erklärte. Jetzt weiß ich ja selbst von meiner Zeit beim WA, dass viele Artikel Zuhause am eigenen Schreibtisch entstehen und dann gemailt werden. Aber ich weiß auch, dass das noch keine Zeitung macht! Es braucht Personen, die diese Artikel layouten, sie passend auf die Zeilen bringen und darauf achten, dass keine Hurenkinder, Witwen oder Schusterjungen entstehen (diese lustigen Begriffe werden benutzt, wenn ein Artikel nicht „gut ausschaut“, wenn zum Beispiel nur ein Wort in einer Zeile steht oder nur eine Zeile in einer neuen Spalte und dann schon ein Absatz folgt). Da muss es doch zumindest einmal in der Woche, bevor die Zeitung in Druck geht, Mitarbeiter im Büro geben?

Wie auch immer. Es hieß, es sei halt keiner im Büro und es wäre auch nicht nötig, wenn ich dort hinkommen würde. Ich sollte lieber meine Zeit in Toronto genießen. Das sind dann so Momente, wo ich gerne in die deutsche Sprache wechseln würde!!! Um die richtigen, um die passenden Worte zu finden!! Ich will weder unhöflich sein, noch mich aufdrängen, aber würde doch gerne rüberbringen, dass ich genau aus diesem Grund ein Praktikum machen wollte: Um im Büro zu sitzen oder in der Redaktion oder um zu Terminen zu begleiten. Es sind eben diese kleinen Sachen, die so spannend sind für mich. Ich würde halt gerne einen Einblick in die kanadische Arbeitswelt bekommen (auch wenn dieser Einblick noch so klein ist).

Nachdem ich nun bis Dienstag mal wieder nichts gehört hatte, habe ich noch mal nachgefragt und ich habe inzwischen den Eindruck, dass Rowland mir „Events“ raussucht, damit ich Toronto kennenlernen kann – sprich ich komme günstiger oder kostenlos in Museen oder zu Veranstaltungen, aber eben als Privatperson. Ich glaube es werden keine Termine sein, die ich für die Zeitung wahrnehmen soll und ich glaube inzwischen, dass er auch nicht wirklich Artikel von mir braucht oder auch nicht möchte? Ich habe mir die Zeitung im Vorfeld ehrlich gesagt auch anders vorgestellt gehabt – vor allem inhaltlich. Ich wusste, dass es „nur“ eine wöchentliche Zeitung ist und sie daher nicht tagesaktuell berichten wird, aber ich war von Themen doch schon enttäuscht und musste gegen meinen ersten Impuls ankämpfen, nicht sofort die Rechtschreibfehler zu korrigieren! So scheint es also auf beiden Seiten von Anfang an unterschiedliche Vorstellungen gegeben zu haben.

Anfang der Woche hatte ich bereits für mich entschieden, diese Woche nun auf mich zukommen zu lassen, um die Situation besser einordnen zu können und dann zu entscheiden, was nun weiter geschehen soll und so mache ich es jetzt auch. Es gibt mehrere Möglichkeiten und ich habe einige Ideen. Aber ich muss nun herausfinden, was ich will und manche Dinge lassen sich eben auch nicht von heute auf morgen organisieren. Daher dominiert in dieser Woche das Gefühl, dass mir die Tage wie Wasser durch die Finger rinnen und dass mir meine restliche Zeit in Toronto zum ersten Mal zu kurz erscheint.

Und nun noch eine Anmerkung zu meinem Geburtstag am Dienstag (und ja, ich habe mein Profil hier angepasst 😉 ), da ich weiß, dass viele interessiert, wie ich meinen Tag verlebt habe. Und nun vielleicht die Enttäuschung: Ich habe nichts Spektakuläres gemacht. Ich weiß, dass wird jetzt überraschen und ich habe es mir ursprünglich auch selbst anders vorgestellt, aber es hatte sich einfach nicht ergeben. Aber ich war auch ehrlich gesagt nicht unzufrieden damit. Ich glaube, das Besondere ist einfach, dass ich hier in Toronto bin. Das ist mein Geschenk gewesen! Und ich habe unheimlich viele (und zum Teil ganz tolle, individuelle) Geburtstagsgrüße bekommen – von meiner Familie, von Freunden, Bekannten und Kollegen. In den vergangen Jahren hat es sich auf mehrere Kanäle verteilt: Die Kollegen gratulieren im Büro, Freunde und Familie kommen zur Feier, ganz viele rufen an, schreiben eine SMS oder eine Mail. In diesem Jahr sind 99% der Grüße über einen Kanal gekommen: per Mail! Beim Anblick meines Postfachs habe ich dann auch schlucken müssen! Total schön zu wissen und eben in diesem Moment, in dieser Entfernung, auch zu SEHEN, dass ich den Menschen, die mir wichtig sind, auch wichtig bin!!

Das Wetter war am Dienstag leider schrecklich: 34 Grad und mit so einer hohen Luftfeuchtigkeit, dass ich einfach keine andere Möglichkeit hatte, als bis Mittags hier im kühlen Haus (Klimaanlage sei dank!) zu bleiben. Nachmittags habe ich mich dann mit „den Brasilianern“ von meiner Sprachschule getroffen (okay, den Schweizer und die zwei Italienerinnen will ich auch nicht unterschlagen). Es war aber ziemlich unruhig, da die meisten bereits mit den letzten Erledigungen beschäftigt waren (shoppen und Sightseeing) oder anderen organisatorischen Dingen, da es für viele am Wochenende zurück nach Brasilien geht. Heute treffen wir uns zur „Abschiedsparty“.

Danach habe ich noch etwas alleine die Stadt genossen und mich abends mit der Praktikantin vom deutschen Konsulat „auf ein asiatisches Bier getroffen“. Nicht mehr – aber auch nicht weniger. An diesem Tag hier in Toronto völlig selbstverständlich auf einer Terrasse sitzen zu können und eins von fünf möglichen asiatischen Bieren zu probieren (übrigens mein erstes asiatisches) – war halt (irgendwie) schon wieder besonders.

 

 

 

 

An diesem Wochenende hat genau die richtige Veranstaltung für mich stattgefunden: „Doors Open 2012“ in Toronto! Über 100 Gebäude konnten besichtigt werden und viele davon sind normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Das hörte sich spannend für mich an und so habe ich mir aus der langen Liste mehrere interessante Sachen rausgesucht. Dabei musste ich an mein erstes Wochenende hier in Toronto denken. Da habe ich zweimal an einem „Janes Walk“ teilgenommen- Stadtführungen, über die ich auch hier im Blog geschrieben habe. Ich glaube, damals war die Auswahl noch nicht einmal halb so groß, aber ich habe die verschiedenen Spaziergänge überhaupt nicht einordnen können – weder thematisch noch örtlich. Inzwischen habe ich einen groben Überblick und bin orientiert, wenn mir jemanden einen Stadtteil, eine Subway Station oder Orientierungspunkte wie Gebäude oder große Straßen nennt. Und ich scrolle mich inzwischen fast täglich durch englische Internetseiten und das Übersetzen fällt immer leichter – nein, es wird besser 😉 Leicht ist es leider noch immer nicht.

Auf jeden Fall habe ich mich am Samstag und Sonntag ins Vergnügen gestürzt und es genossen, die Stadt durch „Doors Open“ weiter kennenzulernen. Eine Übung für mein Englisch war es auch, da ich an vielen Orten mit Volunteers (freiwillige Helfer) und anderen Besuchern ins Gespräch gekommen bin. Eine witzige Situation für mich, da ich auch häufiger schon bei Veranstaltungen als Volunteer geholfen habe. Ein Highlight war für mich „Osgoode Hall“. Ich war dort schon einmal und habe vor allem die Bibliothek bewundert – sie sieht ein bisschen aus wie bei Harry Potter. An diesem Wochenende konnte ich mir aber auch die Gerichtssäle ansehen und die waren richtig beeindruckend! Außerdem konnte man Richter spielen und eine Robe anziehen – musste ich selbstverständlich ausprobieren. Die „City Hall“ (das Rathaus von Toronto) habe ich natürlich auch besucht. Neben einem Ausblick aus der 27. Etage fand ich vor allem die Arbeitsplätze interessant. Einen Blick in das Büro des Majors, Rob Ford, habe ich auch geworfen. Dann habe ich noch ein Hotel in der King Street (One King Street) besucht. Das war früher einmal eine Bank und der Tresorraum mit der dicken Stahltür befindet sich noch immer im Keller. Wohin auch damit?? Dann waren da noch die Roger’s Filmstudios. Das war auch sehr witzig, da wir live bei einer Stau- & Wetter – Moderation zuschauen durften und uns vor die „Wetterwand“ stellen konnten und uns dann selbst im Fernsehen gesehen haben. War wieder einmal interessant zu sehen, wie es im Fernseher ausschaut und wie die Realität aussieht.

Ein Highlight war dann noch die Fire Station in der Nähe der „Beaches“ in Woodbine. Wir (eine Praktikantin, die ich hier kennengelernt habe, und ich) sind dort eher zufällig vorbeigekommen und Doors Open war für den Tag eigentlich auch schon beendet, aber die Feuerwehrmänner hatten Zeit und so gab’s noch eine Extra-Führung. Die Fahrzeuge waren schon beeindruckend, zumal sie kantiger sind und imposanter aussehen als in Deutschland. Also erstmal rauf auf den Fahrersitz! Hätte direkt mal eine Runde um den Block (mit!!)fahren wollen! Dann sind wir noch in den Turm gestiegen oder besser gesagt: „in die Uhr“. An dem viereckigen Turm hängt nämlich an jeder Seite eine Uhr und nachts werden sie von innen beleuchtet. Dort oben standen wir dann – zwischen alten Holzbalken und modernen Scheinwerfern und zwischen vier Uhren. Und eine Etage tiefer konnte ich mal wieder einen schönen Blick über die Stadt und auf den Lake Ontario genießen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Morgen steht ein erster Abschied an: Nach drei spannenden Wochen endet meine Sprachschule!

Diese Wochen waren weit mehr als nur meine Englischkenntnisse aufzufrischen! Ich habe an vielen Schulaktivitäten teilgenommen und so die Stadt noch weiter kennengelernt. Ich habe engagierten und motivierten Unterricht erlebt mit vielen interessanten Themen und Diskussionen und immer wieder standen die unterschiedlichen Länder und Kulturen im Mittelpunkt. Und ich habe tolle, offene Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt: Brasilien, Mexiko, Korea, Japan, Saudi-Arabien… und wir haben viel gemeinsam unternommen! Gestern war ich zum Beispiel mit 13 Brasilianern und Mexikanern beim Eishockeyspiel der „Toronto Marlies“. Es war für die Jungs und Mädels das erste Eishockeyspiel und sie schauten zu Beginn ungläubig, dass die fairen Checks gegen die Bande tatsächlich erlaubt sind. Ich habe versucht die wichtigsten Regeln zu erklären und mir dabei Fragen gestellt wie etwa, ob der Puck im Englischen eigentlich auch „puck“ heißt oder vielleicht sogar das englische Wort ist?

Am letzten Samstag habe ich eine neue Erfahrung sammeln können und bin mit zwei Koreanerinnen zum ersten Mal in meinem Leben koreanisch essen gewesen. Nachdem sie mir einige Gerichte von der Speisekarte erklärt haben, habe ich mich für „Bulgogi“ entschieden – ein Gericht mit marinierten Rindfleischstreifen. Würzig und nicht so scharf, wie befürchtet. Ich hab es allerdings aufgegeben mit Stäbchen zu essen – ich wäre nicht satt geworden! Japanisch essen mit Japanern und mexikanisch mit Mexikanern steht auch noch auf dem Programm! Es ist einfach eine tolle Gelegenheit mit Einheimischen essen zu gehen, weil sie die Restaurants kennen, wo das Essen authentisch ist.

Bei diesen vielen schönen Erlebnissen habe ich zwischenzeitlich mit dem Gedanken gespielt, meinen Aufenthalt an der Sprachschule zu verlängern. Ich wäre mir sicher, noch ganz viel für mich selbst mitnehmen zu können. Aber im Leben gehen eben nun einmal auch die schönen Dinge vorbei, auch wenn man sie gerne festhalten würde. Und so bleibt nur eine Möglichkeit: Die Zeit genießen! Das habe ich getan und so wird in der nächsten Woche der nächste Abschnitt meines Aufenthalts beginnen: mein Praktikum bei einer wöchentlichen deutschen Zeitung hier in Toronto. Ich sehe dem Praktikum noch mit gemischten Gefühlen entgegen. Bis jetzt habe ich den Herausgeber der Zeitung noch nicht treffen können, da er den Termin mehrmals verschoben hat. Nun hoffe ich auf morgen. Ich habe daher noch keine genaue Vorstellung von meinen Aufgaben und Möglichkeiten in diesem Praktikum. Auf der anderen Seite hat sich bis jetzt alles so gut gefügt, dass ich einfach daran glaube, dass es auch dieses Mal so sein wird. Und ansonsten glaube ich, dass ich Alternativen hätte. Ich habe in den vergangenen Wochen einige Leute kennengelernt, von denen ich glaube, dass sie mir in diesem Fall helfen könnten. Aber zunächst glaube ich erstmal an das Praktikum!

Heute hat meine letzte Woche an der Sprachschule ILSC begonnen. Aufgrund meiner guten Prüfungsergebnisse in der letzten Woche habe ich das nächsthöhere Sprachlevel erreicht und zum Glück wieder einen angenehmen Kurs und eine engagierte Lehrerin erwischt. Ein wenig bedauere ich es, dass am Freitag meine Zeit in der Sprachschule schon vorbei sein wird. Es war mehr als ein guter Einstieg. Der Unterricht hat mich gefordert und gleichzeitig viel Spaß gemacht. Ich habe viele Studenten aus Südamerika und Asien kennengelernt. Das ist einfach wahnsinnig spannend und habe ich im Vorfeld so nicht erwartet gehabt!

Und zum Ende meiner Zeit lerne ich nun doch noch jemand deutschsprachigen kennen: Stephan aus der Schweiz. Wir haben diese Woche sowohl den Vormittags-  als auch den Nachmittagskurs zusammen und als wir uns nach dem Lunch getroffen haben, bin ich – ohne es zu merken – in die deutsche Sprache gerutscht. Hab mich total erschrocken, als ich es registriert habe, was wiederum sehr lustig war.

Habe ich schon erzählt, dass wir an der Schule „Aufpasser“ – sogenannte „Student Watchers“ – haben? Sie beobachten uns in den Pausen und wenn sie mitbekommen, dass sich Studenten in einer anderen Sprache unterhalten, verteilen sie „gelbe Karten“. Die Regel: „English only!“ wird an der Schule so tatsächlich durchgesetzt.

Heute Nachmittag habe ich dann aber wieder einmal Deutsch sprechen dürfen: Während des Treffens mit der deutschen Generalkonsulin von Toronto, Sabine Sparwasser. Der Kontakt hatte sich damals während der Organisation meines Praktikums ergeben und Frau Sparwasser hatte mich eingeladen, sie zu treffen. Und so habe ich mich nach meinem Nachmittagskurs direkt auf den Weg zur Bloor Street gemacht, wo das Deutsche Generalkonsulat in einem der vielen anonymen Türme untergebracht ist. Nichtssagend von außen, aber dann ging es mit dem Aufzug in die 25. Etage – und die Aussicht war spektakulär! Ich war einen Moment so fasziniert, dass für mich das Gespräch mit der Konsulin in den Hintergrund trat. Auf Augenhöhe mit den Wolkenkratzern zu sein, war für mich spannender wie der Besuch des CN Towers, wo ich so hoch bin, dass ich über die Stadt und die Wolkenkratzer blicken kann. Heute war ich mittendrin! In absehbarer Zeit wird die Aussicht von Frau Sparwasser jedoch schwinden. Auf der gegenüberliegenden Seite wird gerade an einem 60-geschossigen Turm gebaut! Nach unserem Gespräch hat mich Frau Sparwasser noch den Praktikanten und der Auszubildenden vorgestellt. Mit ihnen habe ich Email-Adressen ausgetauscht – eine weitere Möglichkeit mit Leuten meine Freizeit zu verbringen und die Stadt zu erleben!

Meine zweite Woche in Toronto ist wie im Fluge vergangen und es hat sich in einigen Bereichen so etwas wie eine angenehme Routine entwickelt. Es ist nicht mehr alles neu und ich (und vor allem mein Kopf) kann zwischendurch auch mal entspannen: So wie morgens, wenn ich mich für die Sprachschule fertigmache. Inzwischen hat sich die Badezimmernutzung eingespielt und ich weiß, wo ich welche Sachen habe und bin nicht mehr ständig am Hin- und Herflitzen immer auf der Suche nach irgendetwas. Auch in der fremden Küche kenne ich mich nun aus und den Weg zur Sprachschule inklusive U-Bahn und Umsteigen meistere ich inzwischen ohne nachzudenken.

Und noch eine Gewohnheit habe ich hier in Toronto entwickelt: Mein Tag beginnt stets mit einem Blick in mein Email-Postfach. Denn wenn ich gegen 6.30 Uhr aufwache, ist es in Deutschland schon 12.30 Uhr und fast immer wartet auf mich die ein oder andere Mail über die ich mich immer sehr freue. Deswegen einfach mal ein großes „IHR SEID KLASSE“ nach Deutschland!  Und hört endlich auf zu schreiben, bei euch passiert nicht viel! Das stimmt nicht! Bis jetzt fand ich noch keine einzige Zeile von euch langweilig 🙂

Ich denke, dass ich mich ohne diese Mails hier einsamer fühlen würde – so lieb und so freundlich hier auch alle sind. Und über zu wenig Kontakt kann ich mich wirklich nicht beschweren. Regelmäßig plausche ich ein paar Sätze mit den Nachbarn in meiner Straße. Dann unternehme ich weiterhin viel mit den brasilianischen und asiatischen Studienkollegen oder schließe mich nachmittags einer der vielen Schulaktivitäten an: Zum Beispiel Spaziergänge durch Stadtteile wie „Greek Town“, „China Town“ oder dem „Distillery District“ – eine ehemalige Brennerei, wo nun Geschäfte und Cafés eingezogen sind.

Meine letzte Woche war aber vor allem „deutsch“ geprägt! Am Mittwoch bin ich einem guten Rat gefolgt und zum „German Meet Up“ gegangen. Das ist ein offener Treff von Deutschen in Toronto und es waren bestimmt 40 Personen dort. Alle waren, wie ich es bis jetzt aus Toronto kenne, sehr offen und ich habe viele interessante Gespräche geführt: Spannende Lebensgeschichten gehört und viele Tipps für meine Zeit in Toronto bekommen – weitere Bausteine für meine nächsten Wochen!

Außerdem habe ich mich an zwei Tagen mit Leuten vom „Kanadatreff“ getroffen, der eigentlich in Düsseldorf stattfindet. Das hat sich alles sehr spontan und eher zufällig ergeben. Martin macht gerade in Kanada Urlaub und war für drei Tage hier in Toronto und Julia kommt ursprünglich aus Toronto und besucht hier zurzeit ihre Familie. Übrigens: Wer in irgendeiner Weise Kanada verbunden oder Kanada verrückt ist und Interesse an dem Treff hat: Einfach mal auf Facebook, Xing oder Twitter schauen!

Damit allerdings nicht genug: Meine Woche blieb deutsch, denn am Freitag bin ich zu einem deutsch-österreichischen Geschäft gefahren: „Vienna Fine Food“. War schon ziemlich skurril, gerade noch in Toronto gewesen zu sein und in dem Moment, wo ich den Laden betrete, mich in der Heimat zu befinden! Vor mir stehen die typischen Bäckerbrötchen, Laugenbrezel und Berliner; rechts eine Metzgertheke, wie ich sie aus Deutschland kenne und in den Regalen sehe ich viele vertraute Verpackungen und Markenprodukte. Und am anderen Ende des Raumes höre ich Deutsche wie Kanadier „Rinderrouladen mit Rotkohl und Klößen“ bestellen.  Manche Worte bedürfen eben keiner Übersetzung. Irgendwie gehört das alles für mich hier nicht hin und trotzdem nehme ich im gleichen Moment ein Gefühl von Heimat und Vertrautheit war – dabei ist es nur ein Laden! Nach einem kurzen Plausch mit Ken, der zur Besitzerfamilie gehört und den ich beim „German Meet Up“ getroffen habe, endet „mein Besuch in Deutschland“ mit einer Mohnschnecke und der „Deutschen Presse“ – einer wöchentlichen deutschen Zeitung, die in Toronto erscheint, und wo mein Praktikum geplant ist.

Seit gestern habe ich hier in Toronto ein Fahrrad, das ich die nächsten Wochen nutzen darf. Sara hat das Rad für mich von einem italienischen Architekten aus der Nachbarschaft organisiert. Er ist für ein paar Wochen hier und da seine Frau in Italien ist, leiht er mir ihr Rad – einfach so! Ich hab mich sehr darüber gefreut!

Habe dann direkt einen ersten vorsichtigen Ausflug zum „High Park“ unternommen. Ich denke es ist der größte Park hier in Toronto und bei diesem schönen, sonnigen Wetter, das wir seit einigen Tagen haben, herrschte dort reges Treiben. Der Park ist nicht weit von meiner Unterkunft entfernt, aber ich musste mich auch erstmal an das Radfahren hier gewöhnen. Wenn man Glück hat, erwischt man eine Straße mit einer extra „Bike Lane“. Wenn kein Radfahrer darauf fährt, wird sie als zweite Autospur genutzt – selbst diese „extra Radwege“ sind also baulich zum Straßenverkehr nicht besonders abgegrenzt. „Bike Lanes“ sind allerdings selten. Es gibt extra Radfahrkarten, wo diese wenigen Straßen eingezeichnet sind. Ansonsten muss man sich darauf verlassen, dass man nicht zwischen parkenden Autos und dem fließenden Verkehr zerquetscht wird – gefühlt reicht der Abstand gerade mal zum Atmen! Die größte Gefahr geht aber wohl von Autotüren aus! Urplötzlich werden sie direkt vor einem geöffnet, da die Fahrer einfach nicht in den Außenspiegel schauen! Ich denke, viele Autofahrer haben sich einfach noch nicht an die Radfahrer gewöhnt und wie ich von mehreren Seiten gehört habe, ist auch der aktuelle Bürgermeister eine bekennender Autofahrer und unterstützt nicht die Belange der Radfahrer. Dennoch gibt es recht viele Radfahrer in Toronto. An mehreren Stellen in der City kann man sich Fahrräder für 5 CAD am Tag leihen und viele Leute nutzen ihr Fahrrad für den Weg zur Arbeit – wie ich heute Morgen festgestellt habe.

Es war nicht geplant, dass ich mit dem Rad zur Sprachschule fahren würde. Denn die Sprachschule liegt mitten in Downtown und ich wollte mich an meinem zweiten Radfahrtag nicht direkt in den Berufsverkehr stürzen. Aber in der Subway hat es heute Morgen gebrannt und anstatt mich in die überfüllten Busse zu quetschen, habe ich mich dann doch für das Rad entschieden. Sehr zum Leidwesen meiner Gastmutter, denn ich hab doch noch keinen Fahrradhelm! Es besteht zwar keine gesetzliche Pflicht, aber dennoch ist es hier in Toronto die Ausnahme ohne Helm zu fahren! Und ich werde morgen wohl auch mal nach einem Helm schauen.

So habe ich mich dann heute Morgen in den Straßenverkehr gewagt und mich durch die Straßen von Toronto Richtung Downtown spülen lassen. Und es war ein ziemlich cooles Gefühl, vom Rad aus die Skyline von Toronto zu sehen – erst aus einiger Entfernung, dann immer näherkommend und schließlich von den Häuserschluchten geschluckt zu werden.

Was mir schon vorher als Fußgänger aufgefallen ist, empfinde ich jetzt insbesondere als Radfahrer sehr entspannend: Bevor die Ampel auf rot umspringt, werden die letzten Sekunden der Grünphase runtergezählt. Das ermöglicht einem ein planvolles Radfahren und kein Sinnloses in-die-Pedale-treten, nur um dann außer Atem an der gerade rot gewordenen Ampel zu stehen.

Morgen beginnt schon meine zweite Woche in der Sprachschule. Die erste Woche war intensiv und ich habe jeden Tag viel gelernt. Natürlich in erster Linie englische Wörter oder besser gesagt „kanadische“ Wörter, denn es gibt doch schon überraschend viele Unterschiede zwischen dem britischen und dem amerikanischen bzw. kanadischen Englisch. Aber ich lerne auch jeden Tag viel von den anderen Nationen und ich vermag nicht zu sagen, welches Lernen für mich bedeutsamer ist.

Es sind nicht viele deutsche Studenten an der Schule und insgesamt auch nur wenige Europäer. Während sich Mexikaner, Brasilianer, Asiaten dann nach der Schule doch irgendwann innerhalb ihrer Nationen treffen, verbringe ich mal mit dieser und mal mit jener Gruppe meine Zeit und nehme so auch die Unterschiedlichkeiten bewusst war. Die Asiaten sind ruhiger und zurückhaltender und es braucht etwas mehr Zeit, aber man kann tolle und interessante Gespräche mit ihnen führen. Und ich kann von ihnen einiges bezüglich Wortwahl und Grammatik lernen! Die meisten Asiaten kommen übrigens für 6 – 12 Monate nach Toronto. Ich glaube die Visa Bestimmung sind dort auch nicht so streng. Die Südamerikaner machen häufig nur vier Wochen „Ferien“ hier. Während mich die Kanadier gut verstehen, haben die Südamerikaner manchmal Schwierigkeiten mich zu verstehen und ich umgekehrt sie! Sie fangen aber direkt an zu plappern und fehlendes Verständnis wird mit Lachen und viel Wärme und Herzlichkeit ausgeglichen.

Ich finde es spannend, mir diesen und vielen anderen Unterschiedlichkeiten bewusst zu werden.

Ich habe hier vor ein paar Tagen vor meinem Fenster einen riiiesigen Waschbären die Wand hochklettern sehen. Mitten in der Stadt! Am helllichten Tag! Ich habe ganz aufgeregt Fotos gemacht und sie anschließend Sara gezeigt. Sie hat ganz unaufgeregt festgestellt: „Oh, a racoon.“ Für sie gehören Waschbären – auch in dieser Größe – zum normalen Straßenbild. Sie werden in der Stadt so groß, weil sie den Hausmüll fressen.

 Als ich in der Klasse vom Waschbären erzählt habe, haben wir den Brasilianern im Internet Bilder von Waschbären gezeigt, denn sie kannten nicht nur das englische Wort, sondern einfach auch das Tier, nicht. Und so beschreiben wir uns immer wieder gegenseitig Wörter und Dinge, die für einen von uns so selbstverständlich sind: Wie zum Beispiel auch „Legosteine“ oder Rhabarber. Rhabarber haben wir bei einem Ausflug zum St. Lawrence Market (eine große Markthalle in Toronto Downtown mit Köstlichkeiten aus aller Welt) gesehen und ein Student aus Mexiko fragte danach. Wie lässt sich Rhabarber beschreiben? Und dann noch auf Englisch! Spannend!

 

 

 

 

 

 

 

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Nachdem ich gestern den Einstufungstest absolviert habe, hat heute mein Unterricht begonnen. Schon gestern hat die Sprachschule auf mich einen guten Eindruck gemacht und das hat sich heute bestätigt. Der Unterricht ist interessant und anspruchsvoll. Ich bin vormittags in einer „Communication Class“ und wir haben über das Thema „Charity“ gesprochen. Zuerst gab es eine Art Brainstorming und jeder konnte aus seinem Land erzählen. Für kanadische Schüler ist es zum Beispiel verpflichtend, während der High School einige Stunden ehrenamtlich zu arbeiten. Anschließend haben wir in 3er-Gruppen ein multikulturelles Konzert geplant und überlegt, wie wir Spenden sammeln können. Die Planungen haben wir dann dem Kurs präsentiert. Ich bin herzlich aufgenommen worden und die Gruppenarbeit und Präsentation haben mir den Einstieg erleichtert. Die Mitstudenten sind sehr höflich und es wird viel Rücksicht genommen. Das habe ich schon als besonders empfunden, insbesondere weil die meisten Studenten erst Anfang 20 sind. Und dennoch werden auch Witze gemacht und die Stimmung ist, auch zwischen Lehrern und Studenten, locker und entspannt.

Nachmittags habe ich noch zusätzlichen Unterricht in einer kleineren Gruppe (zurzeit 6 Studenten) gewählt. Heute hatten wir das Thema „Ethik“ und wir haben das Für und Wider von „Cloning“ diskutiert! Puuh… schon auf Deutsch ist dieses Thema anspruchsvoll – auf Englisch war es eine echte Herausforderung für mich!

Während ich den Blog schreibe, merke ich übrigens, dass ich manche Sätze einfacher auf Englisch schreiben könnte. Nach deutschen Wörtern muss ich fast suchen! Awesome! (Das ist ein Wort, dass die Kanadier für alles benutzen: Wenn etwas verrückt ist oder großartig oder toll oder spannend. Unter uns Studenten ist es ein Art „Running-Gag“: Im Zweifelsfall ist es immer „Awesome!“)

Ein witziges Erlebnis hatte ich dann noch heute Vormittag: Aufgrund meiner blonden Haare und den blauen Augen falle ich ja sowieso schon zwischen den vielen asiatischen und südamerikanischen Studenten auf. Aber in der Frühstückspause stand ich dann auch noch aufgrund meines Essens im Mittelpunkt. Ich hatte mir morgens Karotten geschält und während ich diese aß, merkte ich, dass mich die Mädels aus Brasilien erst verwundert anschauten und mich dann ungläubig fragten, warum ich denn Karotten essen würde?? Ich habe die Frage erst gar nicht verstanden und bin mir noch immer nicht sicher, ob in Brasilien nur morgens kein rohes Gemüse gegessen wird oder grundsätzlich nicht. Es hat die Mädels auf jeden Fall sehr beeindruckt und immer, wenn wir im Laufe des Tages irgendwen trafen, erzählten sie: „Das ist Saskia, sie ist Karotten wie ein Hase!!“ Großartig!! 😉

(Sara hat mir heute Abend zum Glück versichert, dass es für Kanadier nicht unüblich sei! Ich bin beruhigt und werde mir morgen wieder meine Karotten schälen!)

 

Ursprünglich hatte ich vor, möglichst bald Downtown zu sehen, aber ich bin sehr froh, dass ich den Tipp meiner Gastmutter gefolgt bin: dem Janes Walk. Eine tolle Möglichkeit, einen Teil von Toronto ganz individuell und nah kennenzulernen. Die Spaziergänge waren so lohnenswert, weil sie von Menschen gestaltet worden sind, die mit dem Viertel selbst verbunden sind.

Janes Walk ist eine Mischung aus Stadtführung und Spaziergang und fand an diesem Wochenende unzählige Male in Toronto statt. Die Leute sind eingeladen, einen Stadtteil, ein Viertel, eine Nachbarschaft kennenzulernen und zu erfahren, was sich verändert hat, was dort passiert oder gerade entsteht. Geleitet werden die Walks von Leuten, die die Ansichten und Ziele von Jane Jacobs vermitteln und weiterentwickeln wollen. Jane Jacobs, inzwischen verstorben, hat zu Lebzeiten auf die Stadtentwicklung und Bebauung Einfluss genommen, um zum Beispiel Aspekte wie Gemeinschaft und Nachbarschaft zu stärken. Die Ideen von Jane Jacobs sind anscheinend weiterhin präsent und die Walks stehen im Zeichen der Visionen von Jane Jacobs.

Ich habe durch die Spaziergänge zwei Stadtteile kennengelernt: Bloordale und Parkdale – beide fußläufig von meiner Unterkunft aus erreichbar. Beide Stadtteile müssen vor einigen Jahren wirklich sehr heruntergekommen gewesen sein, doch unter anderem durch das private Engagement der Geschäftsleute und der Menschen, die dort leben, haben sich die Viertel wieder verändert. Der „Bloordale Walk“ wurde von Adam geleitet, der in dem Stadtteil selbst wohnt und uns an seinem täglichen Leben hat teilhaben lassen: Wo er einkauft, wo sein Lieblingsplatz ist, wo man gut essen kann und wer sein Friseur ist. Wir konnten selbst die Geschäfte erkunden, er hat uns die Inhaber vorgestellt (häufig Einwanderer), die uns ihre Geschichte erzählten, von ihren Erfahrungen in dem Viertel berichteten und unsere Fragen beantworteten. Das war so spannend!! Zum Abschluss lud Adam alle Teilnehmer des Walks zu sich nach Hause ein, um die Gespräche und Diskussionen fortzusetzen. Ich vermute, dass das Jane Jacobs sehr gefreut hätte!

Bei meinem zweiten Walk lag der Fokus auf „Essen“. Essen könne der Schlüssel für Gemeinschaft und Miteinander sein – zwei Faktoren, die auch Jane immer wichtig gewesen wären. Es wurden „Community Gardens“ gezeigt. Das sind Flächen, die von der Gemeinschaft bzw. einer Gruppe von Ehrenamtlichen bewirtschaftet werden. Sie bauen dort Gemüse und Kräuter an, ernten diese gemeinsam und Kochen auch zusammen. Das ist nur ein Beispiel, wie Nachbarschaft und Gemeinschaft über „Essen“ entstehen kann. Vorgestellt wurden auch Cafés und Coffee Shops, die hier in den letzten Jahren – ähnlich wie in Europa – entstanden sind. Jedoch nicht die großen Ketten, sondern die kleinen und individuellen Geschäfte!! Ein besonderes Café lag mitten in einer Wohnsiedlung und war früher einfach ein Wohnhaus. Die Eigentümerin hat quasi das Wohnzimmer zu einem Café umgestaltet. Bei ihr durften wir leckeren, frischen Obstsaft probieren: ein Mix aus Äpfeln, Orangen und Himbeeren. Wer eine Saftpresse hat, muss diese Mischung unbedingt ausprobieren!!

 

Ziemlich abgefahren war dann Hot’n Dog:

Aus 60! verschiedenen Toppings kann man hier seinen Hot Dog kreieren!

Neben vielen verschiedenen Ketchup- und Senfsorten steht auch Ajoli, Balsamico oder sogar Nutella! auf der Karte!! Oder anstatt Gurken kann man Oliven, Marshmallows oder Paprikasticks (ja, ich kenne diese eigentlich auch nur als Knabbersnack!) wählen.

Ich hab mich immerhin getraut auf meinem Hot Dog Mango-Chutney auszuprobieren und hab dies, auf Empfehlung des Inhabers, mit einem Sweet-Chili Ketchup kombiniert. Aber auf die Gurken wollte ich nicht verzichten!!

 

 

 

In einem tibetischen Restaurant durften wir „Momos“  probieren – gibt es dafür ein deutsches Wort? Ich hab keins gefunden. Es sind auf jeden Fall gebackene Teigkugeln mit verschiedenen Füllungen – in diesem Fall Fleisch. Und beim Restaurant „Cowbell“ durften wir ein Stück hausgemachte Salami kosten. Auf der Karte habe ich auch „Landjäger“ entdeckt – dafür gibt es anscheinend kein englisches Wort! Ich fand es sehr besonders, diesen nahen Einblick in die Geschäfte zu bekommen und von den Ideen und Geschichten der Inhaber zu erfahren.

Neben den inhaltlichen Aspekten habe ich bei beiden Walks die Stimmung als besonders wahrgenommen: es herrschte eine entspannte, lockere und gleichzeitig respektvolle Atmosphäre. Das Stimmengewirr um mich herum war nie aufdringlich und die Gruppe war ruhig, wenn jemand etwas zu sagen hatte. Niemand schob sich in den Vordergrund, es gab keine hitzigen Diskussionen und jeder war willkommen sich einzubringen.

Manche Leute schaffen es nach einer mehrstündigen Reise noch wie aus dem Ei gepellt auszusehen. Ich gehöre nicht dazu! Der Shuttle zum Airport, die Fahrt mit dem Bus Downtown und die Subway bis Dufferin haben ausgereicht, dass ich verschwitzt und mit letzter Kraft vor meinem neuen Zuhause stehe. Meine zwei Koffer mit insgesamt knapp 40 Kilo haben mich noch mal richtig geschafft – vorläufiger Höhepunkt waren die Treppenstufen der Subway Station. Dabei hätte ich doch einfach nur den Aufgang „escalator“ nehmen müssen. Da mir dieser „Straßenname“ jedoch nichts sagte, habe ich mich für den anderen Aufgang entschieden und die Koffer hoch gewuchtet. Nie wieder werde ich vergessen, dass „escalator“ das englische Wort für „Rolltreppe“ ist!!

Entsprechend abgekämpft stand ich also auf der Veranda und bevor ich überhaupt meine Gastmutter kennenlernen konnte, wurde ich schon von der Nachbarin zur Linken begrüßt und gefragt, ob ich etwa die „German Lady“ sei. Die ältere Dame fand es mindestens so spannend wie ich, dass ich nun mehrere Wochen hier wohnen würde und so sprachen wir direkt ein paar Minuten. Meine erste Konversation in Kanada und ich stellte fest: Es funktioniert! Ich kann mich tatsächlich unterhalten und mich nicht nur mitteilen, wenn ich etwas brauche!

Und dann öffnete Sara die Tür und begrüßte mich so herzlich! Verschwitzt wie ich war, nahm sie mich in den Arm, freute sich, dass ich da war und setzte mich erstmal auf die Couch mit einem kalten Cranberry-Juice-Sparkling-Water-Mixgetränk – das war so göttlich! In dem Moment war ich mir sicher: Hier bin ich richtig!

Heute Morgen beim Frühstück ist mir dann erneut bewusst geworden, dass es genau richtig war, eine private Unterkunft zu suchen. Ich hätte kein Appartement haben mögen. Was ich in diesen paar Stunden schon alles von Sara gehört und erfahren habe. Das kann ich mir nicht anlesen, kann kein Reiseführer mir erzählen und das kann ich auch nicht selbst erkunden. Als wir dann auf die „Floriade“ in Venlo zu sprechen kamen (sie bietet hier in Toronto eine Reise dorthin an) und darauf, dass sie gerne den Landschaftspark in Duisburg sehen würde, war es eine gute Gelegenheit für mein Gastgeschenk: Der neuen Bildband der Stadt Hamm – The Green City. Wie gut, dass ich diesen Tipp bekommen habe! Es hat mir viel Freude gemacht jemand gänzlich Fremden meine Stadt zu beschreiben und von ihr zu erzählen. Sara’s Fazit: Dafür, dass Hamm nur 180.000 Einwohner habe, sei es ja doch ziemlich groß und hätte viel zu bieten. Bei einer Metropole mit 2,5 Mio Einwohner, sind 180.000 eben einfach wenig 😉