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Mir faellt die Decke auf den Kopf. Nachdem ich gestern und heute nicht viel heraus kam wegen meines laedierten Fusses, komme ich ganz schwer ins Gruebeln. Knapp vier Wochen bin ich nun hier, ich wohne immernoch im 4-Bett-Zimmer des Hotels, arbeiten kann ich auch noch nicht und ich fuehle mich koerperlich angeschlagen. Erkaeltungsanzeichen kommen nun noch zu dem nun mehr nur noch leicht blutenden Fuss dazu. Und ich frage mich immer mehr, ob ich das hier alles gerade wirklich will. Wirklich wohl fuehle ich mich im Moment hier nicht. Die vielen Gedanken, die mir in meiner „Zwangspause“ kommen, tragen zum Wohlfuehlen nicht wirklich bei. Zumal es nicht einfach ist richtig abzuschalten, wenn man dank 4-Bett-Zimmer ohnehin kaum Privatsphaere hat.

Gut, mit dem Fuehrerschein in der Tasche muesste ich nun eigentlich anfangen koennen zu arbeiten. Montag fahre ich zu meiner Firma und werde alles weitere besprechen. Der einzige Grund der mich im Moment dort haelt, ist das Trainingsprogramm, das jeder dort durchlaeuft. Denn man soll moeglichst nach einem Jahr seine eigene Firma fuehren koennen. Unter anderem geht es um Marketing und Management, was einem dort vermittelt werden soll. Selbst  sollte ich nach Deutschland zurueck gehen, waere es wichtig, beruflich etwas mitzunehmen. Neben der Auslandserfahrung eben auch Arbeitserfahrungen. Also will ich es zumindest probieren, auch wenn mir die Zeit weglaeuft. Ich habe kaum noch Geld. Montag sehe ich aber weiter, hoffe dann auch, dass es schnell klappt. Ansonsten kommt Plan B zum Zuge. Ich muss aber erst warten, bis der Fuss wieder okay ist und die Wunde heilt. Meine Gesundheit ist mir im Moment das Wichtigste hier.

Ich habe vorhin mal geschaut in der Apotheke, was die Behandlung des Fusses durch eine Krankenschwester kosten wuerde. Jemand aus dem Hotel sagte, es waeren ca. 50 Dollar. Nein, leider nicht. Ich habe bereits neulich mal geschaut, was ein Rueckflug nach Deutschland kosten wuerde. Mich in Deutschland behandeln zu lassen, waere fast guenstiger, als hier auch nur zu so einer Krankenschwester zu gehen. Welcome to America! Die amerikanischen Aerzte haben zwar einen sehr guten Ruf, aber leisten kann es mir dennoch nicht. Man sieht aber am Fuss, dass die Heilung einsetzt. Ich bin guter Dinge! Nur, wenn man sich schon koerperlich nicht gut fuehlt, hilft es nicht gerade, dass ich mich insgesamt nicht wohl fuehle. Wenn ich wenigstens Laufen koennte und dabei den Kopf mal frei bekaeme… Na ja, erst will ich sehen, dass ich wieder fit bin und Montag greife ich dann wieder an. Ich denke, es wird besser werden, wenn ich erst arbeite. Davon bin ich sogar ueberzeugt.

Morgen frueh, wenn es der Fuss zulaesst, will ich ins deutsche Konsulat nach Miami Downtown. Endlich wieder heimischen Boden unter den Fuessen 🙂 Dort werde ich auch mal nachfragen, ob sie wegen einer Krankenversicherung einen Tipp fuer mich haben. Bei meiner Firma wuerde ich nur auf Provision bezahlt, sodass ich eh zunaechst Umsatz machen muesste, um in den Genuss einer Krankenversicherung kommen zu koennen. Bisher hat alles, beispielsweise auch die Sache mit dem Fuehrerschein, nur durch Kontakte geklappt. Darauf muss ich jetzt bauen! Ich habe vorhin einen Artikel gelesen ueber deutsche Auswanderer in den USA. Ich bin nicht die Einzige, die am Anfang Lehrgeld zahlt. Montag wird sich das aendern! Werde versuchen ueber das Wochenend Energie zu tanken und dann mit 120 Prozent in die Arbeitswelt stuermen 🙂 Wenn Montag alles klappt, kuemmere ich mich auch sofort wieder um eine Wohnung. Die habe ich ja bisher aufgrund des fehlenden Fuehrerscheins nicht bekommen. Ich muss sagen, vier Wochen im 4-Bett-Zimmer sind echt anstrengend. Es kann zwar nett sein, wenn die richtigen Leute da sind, wie die Amerikanerin aus Minnesota vor ein paar Tagen, mit der ich mich nett unterhalten habe und die mir auch viele Tipps fuer den Start in den USA gegeben hat. Derzeit sind aber zwei Latino-Maedels auf dem Zimmer, die ich insgeheim nur „Dumm und Duemmer“ nenne. Neulich bin ich nachts auf das Notebook von einer der beiden getrampelt. Selbst schuld, man laesst es ja auch nicht mitten im Weg liegen. Dem Alkohol sei Dank 😉  Den Vogel abgeschossen hat aber der Ratschlag von einer der beiden: Sie fragte, wie es meinem Fuss gehe und meinte, ich solle ihn vielleicht mal den Pool halten. Ihre Idee: Das Chlor wuerde die Wunde ja prima reinigen. Gott, ich hoffe die arbeitet nicht im Gesunheitswesen 😉

Sonntag ist Superbowl, also Football, angesagt. Ich glaube, ich werde aber lieber verfolgen, was in der Bundesliga passiert. Und verfolgen, wie Gladbach den naechsten Sieg einfaehrt 🙂 In Gedanken bin eben doch mehr in Deutschland, als gerade in Miami. Aber wir werden sehen, wie es weitergeht. Montag dann mit neuer Energie 🙂 Muss jetzt erst einmal wieder auf die Beine kommen und fit werden.

Liebe Gruesse, Rabea

 

 

 

Herrlich: Da lese ich eben auf den Sportseiten des WA den Bericht einer Kollegin über die eifrigen Hammer, die trotz eisiger Temperaturen in Deutschland draussen trainieren. Ich zitiere mal: „Thermo-Bekleidung, Mützen und Handschuhen gehören da [beim Training in der Kälte] zur Pflichtausstattung“. Okay, also Handschuhe und Muetze hatte ich, wie berichtet, bei meinem Marathon vergangenen Sonntag auch an. Aber nur weil es eine Macke von mir ist. Das Wetter ist sicherlich das Einzige, wofür man mich hier derzeit wirklich beneiden kann. Beim Schreiben dieser Zeit habe ich schließlich nur Shorts und ein T-Shirt an, selbst für die Blusen, die sonst gerne anziehe, ist es zu warm. Meist sind es um die 24 Grad, neulich kletterte das Thermometer deutlich höher. Wintertraining sieht ehrlich gesagt anders aus und so sehe ich auch die Tipps, die die Sportler in dem besagten Artikel geben mit einem Lächeln. Gruss auch an den zitierten Vorsitzenden des SVW 😉

So weit die sonnigen Seiten hier. Die schattigen Seiten meines Lebens in Florida bekomme ich gerade schmerzvoll zu spüren. Und wenn ich Pech habe, auch noch in finanzieller Hinsicht.

Wie schon berichtet, haben mich vor allem die Blasen am rechten Fuss fast zum Aufgeben des Marathons getrieben. Aber wenn man sieht, dass Leute mit extremem Übergewicht und Menschen mit Behinderungen den Marathon schaffen, dann gibt man wegen einer lächerlichen Blase am Fuss nicht auf. Habe ich auch nicht, nur bekomme ich gerade die Quittung. Aus der Blase, vor allem rechts, wurde eine Infektion. Mit Blase hat das spätestens seit Sonntagabend nichts mehr zu tun gehabt. Da es Montag etwas besser wurde, war ich guter Dinge, schnell wieder fit zu sein, und so galt mein Augenmerk der ebenso schmerzhaften, entzündeten Achillessehne. Also habe ich mich gestern auf die Achse gemacht. Ich musste zum deutschen Konsulat nach Downtown und ich wollte erneut den Führerscheintest machen in Little Havana, gut 2 Stunden mit dem Bus von hier entfernt. Zum Konsulat habe ich es nicht geschafft, weil die zwei Blocks Fussmarsch so weh taten, dass ich einfach in den Bus Richtung Führerschein-Behörde einstieg. Ich dachte, wenn ich erst sitzen und den Fuss entlasten würde, ginge es wieder. Bei der Führerscheinbehörde, die übrigens in einer Einkaufs-Mall ist, angekommen, war ich fast fertig mit den Nerven. Egal ob Sitzen oder Stehen: Der Fuss ist auf fast das doppelte der normalen Größe angeschwollen, und vor Schmerzen ging auch meine Konzentration beim nun mehr vierten Führerscheintest verloren.

Geschafft habe ich den Test. Lustigerweise. Durch den Besitz des deutschen Führerscheins brauchte ich hier nur noch den schriftlichen Test machen: Einen Test zu Verkehrsschildern und einen zu den Straßenregeln. Bei letzterem brauchte ich vier Tests, bevor ich endlich bestanden habe. Ein bisschen wie ein Kandidat bei Günter Jauchs „Wer wird Millionär“ habe ich mich aber schon gefühlt. Schließlich hätte ich das Buch mit den Verkehrsregeln nur auf Spanisch bekommen können (welch tolle Hilfe…) und zudem konnte man die 20 Fragen mit 5 (!) Fehlern bestehen. Bei Frage 19 angekommen, habe ich auch meinen 5. Fehler gemacht und im Stillen gehofft, Günter Jauch käme nun an, um mir den Telefon-Joker anzubieten. Von wegen, das war ja hier keine Quizshow. Na ja, wie man es sieht. Von den Verkehrsregeln in Florida – jedes Bundesland regelt hier die Gesetze eigenständig – hatte ich keine Ahnung, also war es eine Mischung aus  Raten und dem Wissen aus fast neun Jahren Führerscheinbesitz für Auto und Motorrad in Deutschland. Die dümmste aller Fragen habe ich übrigens bei den Verkehrszeichen, also jenem Test, den ich bereits beim ersten Versuch bestanden habe, gefunden. Dazu braucht man nicht einmal Englisch sprechen, um sie richtig zu beantworten. Die Frage war, was das Verkehrszeichen bedeuten würde, abgebildet war ein Kreuz auf dem geschrieben stand „Railroad Crossing“. Ob man weiss, was das übersetzt heißt, ist egal. Eine der vier Antwortmöglichkeiten – also wieder eine Parallele zu „Wer wird Millionär“ – war „Railroad Crossing“. Das Lachen konnte ich mir kaum verkneifen, zu blöd war mir diese Frage in diesem Moment 😉  Sei es drum, ich habe den Führerschein! Für 48 Dollar wird er mir nun per Post zugeschickt. Geklappt hat das übrigens nur, weil mir jemand aus der Führerschein-Behörde Tipps gegeben hat, wie man an die erforderlichen Nachweise eines Wohnsitzes kommt. Von wegen man braucht eine Wohnung dafür! Alles halb so wild, aber dazu braucht man eben die richtigen Kontakte!

Die Schmerzen wurden aber immer schlimmer im Fuss. Die Sehne war sooo dick und auch die Blase am Fuss. Schnell raus aus der Mall und ab in den Bus. Na und dann rief mich mein direkter Vorgesetzter an. Mit dem Führerschein, und somit einem für die USA gültigen Ausweisdokument, kann ich nun endlich anfangen zu arbeiten. Dennoch musste ich ihn vertrösten, weil mein Fuss es kaum zulässt, morgen wieder in das gut 3 Stunden entfernte Hollywood zu fahren.

Im Bus hätte ich fast heulen können vor Schmerzen. Ich hätte mich heute einfach ausruhen sollen. Aber nachher ist man immer schlauer. Im Hotel schaut sich der Physiotherapeut, ich glaube, er kommt aus Italien, meinen Fuss an. Er sagt, ich solle nicht lange warten, bis ich zum Arzt gehe. Noch sei es nicht so schlimm, aber würde ich weiter warten, droht die Blutvergiftung. Erste Anzeichen eines Infektes seien bereits da. Zunächst spiele ich selber Arzt: Ich reinige die Blase, bzw. Wunde, und schmiere eine antibiotische Salbe aus der Apotheke darauf. Der Apothekerin habe ich mein Problem erklärt und gefragt, ob ich die Salbe nehmen kann. Ihre Antwort („Yeah, that is okay“) klang so, als wenn sie genauso viel Ahnung wie ich hätte. Ich frage einen Freund von mir, er ist Chemiker, und folge seinem Rat, die Blase zu öffnen. Weitere Ausführungen erspare ich an dieser Stelle, aber ich hoffe, dass es nun besser wird. Ganz schön ekelig das Ganze, aber ich will noch bis morgen warten, ob ich erneut zur Apotheke gehe. Dort kann man für, man sagte mir es seien gut 50 Dollar, eine Beratung bekommen. Nein, für das Geld schaut sich garantiert kein amerikanischer Arzt mein Problem an, es ist „nur“ eine Krankenschwester. Aber sie könnte mir unter Narkose die inzwischen bis ins Fleisch hintergehende Blase öffnen, reinigen und dann entsprechend behandeln. Und Antibiotika verschreiben.

Heut mache ich, obwohl ich viel zu tun hätte, gar nichts. Beine hoch und gut ist! Ich warte bis morgen, aber ansonsten gehe ich sofort zur Apotheke um die Füsse behandeln zu lassen. In Deutschland beschwert man sich über 10 Euro Praxisgebühr, aber es wäre immer noch billiger für mich, mich schnell behandeln zu lassen und mit vielleicht 100 Dollar Verlust nach Hause zu gehen, als wenn ich mit einer Blutvergiftung ins Krankenhaus käme. Dann wäre mein Auswandern sofort gescheitert, weil ich mich um Tausende Dollar verschulden würde.

Das deutsche System hat Vorteile, glaubt mir. Manchmal sollte man wissen, worüber man urteilt, bevor man meckert. Ich kenne nun beide Seiten der Medaille und weiß das deutsche System mit der Pflicht zur Krankenversicherung zu schätzen. Hier kann ich die Krankenversicherung, solange ich noch nicht arbeite, mir nicht leisten. Als einer von über 30 Millionen von insgesamt etwas über 300 Millionen Einwohnern der USA. Das gibt nicht nur mit zu denken, vielleicht weiß dann auch der ein oder andere die Möglichkeit in Deutschland zu schätzen, dass man dort jederzeit zum Arzt gehen kann ohne gleich Existenzängste zu bekommen. Als freiberuflicher Journalist musste ich zwar in Deutschland die vergangenen Monate die Krnakenversicherung komplett selbst zahlen, aber die Pflicht zur Versicherung gibt einem Schutz.

Wir werden sehen, wie es morgen aussieht. Nur glauben, kann ich das Drama gerade immer noch nicht. Es ist doch „nur“ eine Blase am Fuss gewesen…

Liebe Grüße, Rabea

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Gott, wer haette das gedacht: Nachdem ich mit der Ummeldung vom Marathon auf den Halbmarathon in Miami Pech gehabt habe (wie berichtet), hatte ich ja nur zwei Tage Vorbereitung auf den Marathon. Na ja, optimale Vorbereitung ist etwas anderes.

Umso ueberraschter bin ich, dass ich es geschafft habe. Ich bin ueber die volle Marathon-Distanz ueber 42 Kilometer durch Miami gegangen. Nicht schnell, aber es hat sich damit ein Traum erfuellt! Als ich Freitagabend die Renn-Unterlagen erhalten habe, habe ich noch gedacht, ich wuerde eh nach spaetenstens 10 Kilometern aus dem Rennen aussteigen. Und kaum war es Sonntagnacht, kam ich kaum aus dem Bett. Zu wenig Lust hatte ich auf den Lauf. Aber: Mir ging durch den Kopf: Bin das wirklich ich? Gebe ich auf, bevor ich es ueberhaupt probiert habe? Nein, sicherlich nicht. Wach geworden durch die kalte Dusche, ging es per Taxi zum Start. Zur Miami Airlines Arena, der Heimat der Basketballer der Miami Heat. Kurz vor 5 Uhr nachts (alsu gut eine Stunde vom Start entfernt war ich dort) kam ich an. Tausende von Laufern waren in der beeindruckenden Kulisse von Palmen, Lichtern und Sponsoren schon dort.

Ich habe immer geschaut, ob dort jemand ein T-Shirt aus Deutschland traegt, aber keine Chance! Ich, die in meinen Auswaerts Borussia Gladbach Shirts (!) und im Nike T-Shirt plus Muetze (wegen meiner langen Haare) und Handschuhen – ist halt ein Markenzeichen von mir – an den Start gegangen ist. Trotz der warmen Temperaturen. Damit hebe ich mich zumindest ab 🙂

Wow, allein das Drum-Herum: Beeindruckend! Leute aus der ganzen Leute am Start und jeder mit seiner eigenen Geschichte. Auch ich sollte, und wollte, dazu beitragen! Ich, die wenig traniert, aber umso motivierter im Kopf war. Nach drei Knie Operationen, grossen Problemen mit Huefte und Ruecken und als diejenige, die seit derm Auswandern alleine durchs Leben spaziert. Umso mehr bedeutet mir der Marathon.

Ich gehe an den Start, auch wenns sich die Geschichte wiederholt! Wie schon damals, 2009 in Fort Lauderdale, verpasse ich die USA-Nationalhymne weil ich vorm Dixie-Klo warte. Ja prima. Aber ich nutze die Zeit zum Dehnen! Nur die Hymne vorm Dixie-Klo zu Singen ist mir in dem Moment zu bloed 😉

Um 6.15 faellt der Start.  Nicht fuer mich. Ich bin, unter ueber 25.000 Laeufern, weit hinten einsortiert. Vor dem Start wurde man einsortiert nach geplantem Zieleinlauf. Ich habe bei der Anmeldung im Juni 2011 auf 4:00 spekuliert, entsprechend weit bin ich hinten. Aber vorher eben noch am dichtgedraengten Toiletttenhaeuschen an der riesigen Basketball-Arena.

Es muss gegen 6:30 gewesen sein, als ich mit einem Jubel-Schrei und Simply Reds Song „Fairground“ (einem meiner absoluten Lieblingssongs , und einem Song mit viel Bedeutung fuer mich) die Startlinie ueberquert habe. Stolz wie Oscar, natuerlich! Die Leute dort jubeln und ich fuehle mich gut. Ich schicke meine Gedanke nach oben, an die Leute, die mir fehlen. Und los gehts!

Die ersten Meilen gehen gut. Von Miami gehts nach Miami Beach. Dort, wo ich derzeit im 4-Bett-Zimmer eines Hotels wohne. Die Bruecke ist fuer mich ein Heimspiel, so gut kenne ich die Strecke. Ungefaehr 15 mal so lang wie der Rhynerberg, aber mit umso schoenerem Ausblick auf den Yachthafen und den Kreuzfahrthafen im Morgengrauen gehts Richtung Miami Beach. Ich fuehle mich gut, laufe dennoch sehr langsam. Schliesslich weiss ich, worauf ich mich einlasse, und dass ich nicht fuer einen langen Lauf traniert bin. Aber kaum auf der Bruecke, schalte ich meinen iPod zur Lieblingsband meiner Kindertage um: Bei Erasure kann ich einfach nur Mitsingen und Mittanzen, und das tue ich auch! Innerlich! Bei „Sometimes“ merke ich, wie ich trotz Laufen mit der Huefte anfange zu tanzen. So trashig der Song auch ist, aber er verbreitet gute Laune. Und mir Lust weiterzulaufen 🙂

Waehrend die ersten nur noch gehen, laufe ich weiter. So gut wie heute bin ich mit der Atmung usw noch nie klar gekommen. Wow! Zwieschendurch dehne ich das ohnehin getapte Knie. Aber, es haelt. Es ueberrascht mich selbst. Immer wieder ein Ziehen, aber das ist okay! Auch Huefte und unterer Ruecken machen mit! Und ich komme in Fahrt!

In Miami Beach am beruehmten Ocaen Drive angekommen, stehen auch die letzten Partygaenger der vergangenen Nacht zum Jubeln! Toll, denke ich. Selbst in Fort Lauderdale beim Marathon 2009 war nie solch eine Stimmung und so viele Leute am Strassenrand!

Besonders schoen: Ich kenne die Strecke. Bis zu dem Punkt, als sich die Spreu vom Weizen trennt. Marathon und Halbmarathon wurden in Downtown Miami auf eine andere Route geschickt. Ich, die als Kampfschwein bekannt ist, habe keine Sekunde ueberlegt und bin auf die Marathonstrecke eingebogen. Wohlwissend, dass es nun weit aus Miami heraus geht und es somit kaum noch Moeglichkeiten gibt, aus dem Rennen auszusteigen. Aber, bis dahin merke ich nur wenig Energieverlust. Und: Ich will es probieren. Ich, das Kampfschwein in Gladbach-Shorts 🙂 Lucien Favre wuerde es nicht anders wollen 😉

So ungefaehr zwischen Meile 14 und 15 fing genau das an weh zu tun, was mich vor dem Rennen schon gestoppt hat. Dank neuer Laufschuhe hatte ich Blasen an den Fuessen. Na ja, ich dachte, es sind ja  nur Blasen an den Fuessen. Nix wildes also. Denkste! Das Ganze wurde so schlimm, dass ich kaum auftreten konnte mit dem linken Fuss. Klar also, dass es den Rest der Strecke nicht besser wurde. Immer habe ich geschaut, wie es am Fuss aussieht. Es sieht nicht schlimm aus, tut aber so hoellisch weh, als wenn man in eine offene Wunde Salz streut. Und dann sehe ich die Laeufer vor und hinter mir. Leute mit Behinderungen, grosse und kleine Laufer, Leute mit extremen Uebergewicht. Und dann soll ich wegen einer tierisch schmerzenden Blase am Fuss aufgeben?

No way! Das bin nicht ich! Mit dem Fuss kann ich laengst nicht mehr auftreten, also humpel ich. Mal laufend, mal gehend. Kommt alles auf dasselbe hinaus! Alles tut weh. Aber dann sind da die Sprueche der Laeufer auf deren Shirts. Ein, ich sage mal sehr moppeliges Maedel, hat auf ihrem Shirts „Paciencia y fe“ geschrieben, also „Geduld und Glaube“. Das inspiriert mich. Genauso wie der Laeufer ohne Arme, der mit mir auf einer Hoehe ist. Wir alle koennen nicht mehr. Aber uns alle verbindet der Wille, das Ziel in der Zeit von unter 6 Stunden zu erreichen. Die Zeit ist mir so etwas von egal. Darum geht es nicht. Ich laufe, weil ich Lust habe in meinem (!) Miami zu laufen und weil ich zeigen will, dass man schaffen kann was man will, wenn man nur will. Also: Die Schmerzen im Fuss, in der Achillessehne und in der angeschlagenen Beinmuskulatur sind mir egal. Ich denke an mich, an meine Freunde, an Hamm, an alle, die gerade bei mir sind. Wer mich vom Laufen aus Hamm kennt weiss, dass ich kaum laechel beim Laufen. Entweder singe oder fluche ich. Schliesslich hoere ich meistens Rap-Musik wenn ich in Hamm laufe. Nicht gerade der beste Einfluss. Wer sich aber die Bilder aus www.ingmiamimarathin.com von mir anschaut, wird sehen, dass ich stets ein Laecheln auf den Lippen habe und die Faust zur Freude und Motivation nach oben strecke. Die Leute an der Strecke sind Wahnsinn! Das stachelt mich an! Das habe ich noch nie erlebt!

Ab dem Moment, wo sich Halbmarathon und Marathon trennen, gehts Richtung Coconut Grove und Key Biscayne. Letzteres habe ich bereits vor einigen Jahren zu Fuss erkundet. Coconut Grove kennen einige Touristen, zumindest die quasi Stadtmitte. Nun, ich hatte viel Zeit mir alles dort anzuschauen. Ich muss sagen: Schoene Ecke dort, aber mir bleiben nicht die netten Gegenden in Erinnerungen, die auch die Touristen kennnenlernen. Dort, wo die Menschen wohnen und uns Laeufer anfeuern und auch ab und an Fruechte und andere Staerkungen an uns verteilen, das bleibt haengen!

Und dann gehts auf die Zielgerade: Wer aber amerikanische Strassen kennt, weiss, wie weit die sein koennen. Genau diese Strasse kenne ich von Fussmaerschen, bin aber ueberrascht, wie fix alles geht. Ich habe mir selbst gedacht, ich spiele einfach 5 Mal den froehlichen Song Song „Sunrise“ von Simply Red ab, dann meusste ich da sein. Und tatsaechlich: Nur noch eine Meile, also gut 1,6 Kilometer plus die letzten 200 Yards. Knapp 2 Kilometer noch. Obwohl ich seit ueber 5 Stunden unterwegs bin, sind noch so viele Laeufer hinter mir. Und: Viele Leute stehen an den Strassen und peitschen uns an. Sie sehen an meinem Laeuferschild, dass ich Rabea heisse. Sie bruellen meinen Namen, rufen „Go Rabea go, you are almost there“. Ich laechel sie an, strecke immer wieder die geballte Faust in die Luft, bruelle „yeaahhh“ und laufe weiter. Die Schmerzen im Fuss sind da, aber sie sind mir egal geworden. Die Atmung klappt auch noch. Also noch mal durchatmen und auf die letzten Kilometer. Es geht durch das Bankenviertel von Miami, Touristen werden es kaum kennen. Dann noch eine Bruecke runter und auf die Zielgerade.

Ich bleibe noch einmal stehen. Durchatmen. Geniessen. Gedanken sammeln. Und den iPod noch mal auf Simply Red stellen:Ich will mit „Fairground“ einlaufen, wie ich schon den Start ueberquert habe. Und dann sehe ich all die Leute. Ueber 5 Stunden harren sie dort aus, mit Schildern ausgestattet und sie feuern jeden von uns an. Der Mann vor mir ist etwas schneller, er hat keine Arme mehr. Ich bewundere ihn. Genauso wie das Maedel, das locker das doppelte meines Gewichts auf die Waage bringt. Sie laufen vor mir ins Ziel ein. Ich freue mich fuer sie. Freue mich aber auch, als ich an der Reihe bin. Ich bruelle mich selbst ins Ziel, freue mich ueber die wunderschoenen Erlebnisse hier. Die Leute, ihre Emotionen und ihre Begeisterung. Die letzten Meter werde ich von Jubelrufen begleitet und, natuerlich, von Simply Red. Yo, das ist jetzt mein Fairground hier, also mein Rummelplatz. Besser haette die Songwahl nicht sein  koennen 🙂

Beim Ueberqueren der Ziellinie zeige ich nach oben, in Gedanken an meinen besten Freund, und ich bruelle ich Freude aus mir heraus. Ich habe geschafft. Ich weiss nicht wie und warum, aber ich freue mich.

Im Ziel ziehe ich sofort die Schuhe aus, mein rechter Fuss und die Achillessehne (sie wird sofort dick) tun sooooo weh. Jeder der mit begegnet, gratuliert mir zum Finish. Ich glaube, das macht man hier in den USA. Und es sind die Geschichten am Rande, die die Laeufer ausmachen. Meine Geschichte ist die einer Auswanderin mit drei Knieoperationen, einem Hueftschaden und der Geschichte einer 27-Jaehrigen, die derzeit voellig auf sich allein in den USA gestellt ist. Ich zeige: Man kann schaffen was man will, wenn man nur will.

Im Ziel treffe ich andere Menschen mit eigenen Geschichten. Die letzten Kilometer war ich mit dem Mann ohne Arme auf Augenhoehe, im Ziel gratuliert er mir und wir kommen ins Gespraech. Er sagte, es sei sein erster Marathon und er wolle zeigen, dass er es schaffen kann. Also wie ich. Seine Geschichte beruehrt mich. Genauso wie die vieler der anderen 25.000 Laeufer. Jeder hat heute Geschichte geschrieben. Das ist der Unterschied zu Deutschland: Hier laufen die Leute ihren Marathon, um es ein mal im Leben zu schaffen. In Deutschland wurde ich seither stets gefragt, welche Zeit ich gelaufen sei. Ich sage: Es ist mir egal. Ich hatte andere Ziele. Mein Gewinn: Wunderschoende Erlebniss, die ich mein Leben lang mit mir trage. Seine gelaufene Zeit vergisst man schnell, aber diese Erlebniss bleiben.

Ich bin stolz auf mich, dass ich es geschafft habe. Mein Dank gilt allen Laeufern von Miami (laut Statistik war ich wohl die Einzige aus Hamm) und auch meinen Freunden und Bekannten in Hamm. Ihr wisst, wer ihr seid!

Als ich gestern zurueck im Hotel war, wurde ich von einem anderen Laeufer angesprochen. Er hatte einem anderen Hotelbewohnener Bescheid gegeben, dass ich am Humpeln sei wegen der Achillessehne. Der Physiotherapeut hatte mir auch gleich seine Hilfe angeboten. Nett! Na ja, seither folge ich nur den Urinstinkten des Menschen: Schlafen und Essen 😉  Bin doch sehr muede seither. Mal sehen, wie es mit der Sehne weitergeht.

Vorhin habe ich aber den iPod wieder abgespielt: Als Erasures „Always“ und „Sometimes“ lief, konnte ich trotz starkem Muskelkater und Achillessehnenverletzung nicht anders: Ich musste einfach tanzen. So trashig Erasure ist, so sehr versprueht die Band gute Laune. Also: Morgen bin ich wieder auf den Beinen und gehe den Fuehrerscheintest erneut an. Und dann sehen wir weiter! Wie beim Marathob eben: Aufgeben gilt nicht 🙂

Danke an alle, die den Marathon moeglich gemacht haben! Ich habe vor dem Lauf auf meinen Laufschuhen die Namen einiger wichtiger Leute aufgeschrieben. Darunter sind auch die Kollegen vom WA und auch alle Rhyneraner. Aber eigentlich alle Hammer! Ich bin fuer Hamm gestartet und in Gedanken bei euch!

Ich habe uebrigens hier schon alle geschockt, als ich bereits gestern angekuendigt habe, dass ich auch in gut 4 Wochen auch in Fort Lauderdale (dort habe ich 2009 meinen bis dahin einzigen Marathon gemacht)  wieder an den Start gehe. Aber dieses Mal moechte ich etwas zurueck geben. Ich moechte mich als Helfer beteiligen. Also einer von denen sein, die die Leute nach vorne treiben. Die Leute haben mir so viel gegeben, das moechte ich in Fort Lauderdale zurueckgeben. Hoffentlich, habe ich dann auch bereits einen Job… Naechstes Mal mehr!

Alles Liebe! Viele Gruess nach Hamm 🙂 Rabea

 

Es haette gestern nicht schlechter laufen koennen: Erst rassel ich zum dritten Mal in Folge beim schriftlichen Fuehrerscheintest durch und dann erlebe ich am fruehen Abend eine boese Ueberraschung. Okay, hier darf man den schriftlichen Fuehrerscheintest jeden Wochentag zwei Mal taeglich wiederholen (weshalb viele hier vermutlich auch autofahren wie bloed…), aber wie soll ich es auch ohne Vorbereitung schaffen? Das kostenlose Buch mit den Verkehrsregeln haette ich nur auf Spanisch bekommen koennen, schliesslich ist die Behoerde im Stadtteil Little Havanna gelegen, alsi in „Klein Kuba“. Na ja, also musste ich raten bei dem Test, hatte dennoch mehr als 5 Fehler bei 20 Fragen. Also Montag auf ein Neues!

Wenn ich ehrlich bin, bringt mich derzeit aber etwas ganz anderes aus dem Konzept. Hatte ich nicht erzaehlt, dass ich am Sonntag den Miami Halbmarathon laufen wollen wuerde? Denkste! Obwohl ich mich vor gut andertahlb Woche per Email beim Veranstalter vom Marathon auf die halbe Distanz umgemeldet habe und auch eine entsprechende Bestaetigung erhalten habe, kam gestern beim Abholen der Rennunterlagen die boese Ueberraschung. In der Messe Halle, dort wo damals auch schon der Film Police Academy Teil 6 „Auftrag Miami Beach“ gedreht wurde – ein toller Film uebrigens – , habe ich plotzlich mitgeteilt bekommen, ich sei weiterhin fuer den Marathon eingeschrieben. Ummelden ginge nicht mehr, sagte man mir. Schlichtweg weil der Halbmarathon ausgebucht sei.

Na prima. Ich bin kaum vernuenfitg fuer den Halbmarathon trainiert und soll nun den Marathon laufen? Gut, die Strecke kenne ich recht gut. Aber das aendert nichts daran, dass es dennoch soo weit ist. 42 Kilometer eben.

In meinem – ich habe ueber 100 Dollar vor einigen Monate fuer die Anmeldung bezahlt – Goodie Bag, gab es neben einem Tshirt und tausender Werbezettel auch drei Regenerationsgetraenke. So wie ich in Form bin, brauche ich die aber schon vor dem Lauf 😉

Ich werde morgen um 6.15 Ostkuestenzeit starten, also 12.15 dt. Zeit. Mein Ziel: Spass haben. Ich bin nicht topfit und zudem nicht krankenversichert. Also muss ich auf „Nummer sicher“ gehen und einfach locker laufen, vielleicht ein paar nette Fotos schiessen, und ob ich anschliessend die Medaille beim Zieleinlauf erhalte, wird man sehen. Werde mir keinen Druck machen.

Ich habe schon so viele der Freiwilligen Helfer hier gesehen und auch den Zieleinlauf mit Tribuehne. Waere ja schon schoen, dort morgen einlaufen zu koennen. Aber, wir werden es sehen. Damals, 2009 in Fort Lauderdale beim Marathon, fand ich es sehr schoen zu sehen, wie all die Frewilligen (darunter viele Familien mit Kindern) einen Anfeuern. Irgendwann hatte ich keinen Durst mehr, aber wenn die Kinder einem so einen Becher Gatorade in die Hand druecken und die einen nach vorne peitschen, dann kann man nicht widerstehen. Es ist weniger das Laufen, auf das ich micht freue, sondern auf genau diese Momente! Ich bin zwar Sportler, aber warum soll Sport immer nur Ernst sein und nicht, wie morgen, einfach nur fuer Spass sorgen konnen?!

War gestern noch etwas laufen, bin seit gut anderthalb Wochen kaum Laufen gewesen. Fuehle mich total steif. Na ja, da werden noch ganz andere Leute starten. Fuer viele ist es ein Erlebnis, hauptsache einmal im Leinen Marathon. Das denke ich mir auch. Nur: Sobald mein Koerper irgendein Anzeichen eines Probleme gibt, steige ich aus dem Rennen aus. Meine Huefte macht wieder, wie meistens, grosse Probleme, aber vor allem fehlt mir die Kondition, und auch die Muskulatur ist gar nicht eingestellt auf einen Marathon. Aber wie gesagt, ich will Spass haben, das ist alles. Alles andere werde ich nicht riskieren. Ich lasse mich morgen ueberraschen.

Ich werde jetzt  noch etwas mexikanischen Reis essen und dann etwas Schlafen. Bin muede, habe die letzten Naechte kaum geschlafen. Werde spaeter noch versuchen die Muskulatur weich zu bekommen  und mich zu dehnen. Danach werde ich weiter sehen!

Wenn ich mich die naechsten Tage nicht melde, liegt es vermutlich daran, dass ich mich nicht mehr aus dem Bett robben kann Richtung Computer 😉 Habt ewas Geduld 🙂

Fuer mich ist nur klar: Ich laufe fuer Hamm, fuer meine Freunde und fuer einen guten Freund, dessen Rueckmeldung mir im Moment zwar sehr fehlt, aber Freunde bleiben Freunde. Egal was kommt. Morgen bin ich in Gedanken bei ihm. Weil wenn Freunde eines machen, dann fuer einander da sein. Manchmal eben auch nur mental, wenn der anderen einen Marathon vor hat 😉

In dem Sinne: Alles Gute auch an die Laeufer der Serie des OSC Hamm morgen! Im Herzen bleibe ich Westfalia-Rhynern-Anhaenger, auch wenn ich allen Laeufern, egal aus welchen Vereinen, die Daumen druecke. Ehrlich! Eine Stunde, nach dem ihr startet, werde ich starten. Oben an der American Airlines Arena in der die Miami Heat Basketballer spielen und leider vergangene Saison gegen Dirk Nowitzki den Titel verloren haben. Aber: Nowitzki war gestern, heute komme ich 🙂 Zumindest setze ich bestimmt die Tradition deutscher Sportler fort, die gerne etwas tanzen und damit das Publikum unterhalten. Also: Sabine Lisicki, halt dich fest, morgen werd ich tanzen beim Laufen 🙂 Denn: Lieber Tanzen und Spass haben beim Marathon, als vor Schmerzen umzufallen 🙂

Drueckt die Daumen morgen. Danke an alle, die das fuer mich moeglich gemacht haben.

1492 entdeckte Columbus Amerika, 2012 entdeckt eine kleine Laeuferin aus Rhynern Miami 🙂

Liebe Gruesse und euch ein schoenes Wochenende

Eure Rabea

PS Ich hoffe, ihr seht an meinen Worten, dass ich beim Marathon nur Spass haben will. Aber was waere ein solcher Lauf ohne Spass? Ich will ja nicht gewinnen hier 😉

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich drehe mich im Kreis. Wie ein kleines Kind, das unfreiwillig immer wieder im Karussell gedreht wird, fuehle ich mich gerade. Wie berichtet bin ich seit knapp drei Wochen nun in einer Firma angestellt, nur arbeiten kann ich trotzdem nicht. Warum? Dank der Buerokratie. Ich brauche erst einen Fuehrerschein und einen Florida-Ausweis, um arbeiten zu koennen. Dafuer brauche ich zuvor jedoch eine Wohnung, also eine feste Anschrift. Dafuer widerum braeuchte ich zunaechst jedoch den Nachweis eines Einkommens. Also brauche A und B zu bekommen, vorher jedoch B, um A zu bekommen. Also drehe ich mich im Kreis.

Ich habe bei so vielen Vermietern angerufen und mir Wohnungen – so gross wie eine Abstellkammer, aber so teuer wie ein ganzes Haus in Rhynern – angeschaut. Aber jedesmal wollen die Vermieter vorher die Dokumente, die ich theoretisch erst nachdem ich eine Wohnung habe, sehen. Zu allem uebel machen die hier meistens eine so genannten Hintergrund-Check, damit sie sehen, wer ich bin usw. Dumm nur, dass ich ja bisher nie hier gelebt habe, also keinen Hintergrund in den USA habe. Mit dieser Begruendung habe ich auch schon einige Absagen fuer Wohnungen bekommen. Also ohne Hintergrund in den USA klappt hier nichts. Na prima!

Also warte ich weiterhin, bis ich arbeiten kann, bzw. darf. So richtig, weiss ich das alles hier auch nicht einzuschaetzen, bin aber umso dankbarer dafuer, dass man mir hier vor Ort Tipps gibt. Fernab der Touristenzentren treffe ich auf nette Leute, die mir aus meiner Sitaution heraushelfen wollen. Etwa ein deutscher Hotel-Manager, der mir viele wertvolle Tipps gibt.

Also versuche ich es erneut bei der Firma, fuer die ich ja theoretisch schon arbeite. Geld verdiene ich aber immernoch nicht und auch auf absehbare Zeit wohl nicht. Man meckert oft auf die deutsche Buerokratie, aber das hier – und vor allem, weil man mir von offizieller Seite aus sagte, dass es nicht legal sei, was hier gerade passiere – ist schon merkwuerdig.

Ich telefoniere ab und an mit meiner Firma. Derzeit warte ich noch. Umorienierten? Ja klar, aber nicht ohne Probleme. Die liegen im Arbeitsvertrag, von dem ich euch noch berichten werde. Habe aber schon erfahren, dass es hier in den USA keine Keundigungsfrist gibt. Na ja, das gibt Sicherheit. Versteht micht nicht falsch, ich gebe nicht so schnell auf. Aber wenn man gesagt bekommt, dass man nicht weiter auf diese Firma bauen sollte – allein aus rechtlichen Gruenden – gibt einem das zu denken!

Ich gebe nicht auf! Nicht jetzt, nicht morgen. Aber dennoch muss ich erst einmal durchatmen. Vieles ist diese Woche passiert. Und vieles steht noch an.  Ganz nebenbei will ich am kommenden Sonntag meinen ersten Halbmarathon laufen, nachem ich 2009 meinen ersten Marathon gelaufen bin. Damals bin ich auch in Florida gestartet, in Fort Lauderdale, genauer gesagt. Toll war, dass ich in meiner Altersklasse Vierte wurde. Von fuenf, wohl gemerkt 😉 Miami kenne ich gut, fuer mich ist es ein Traum, hier mal zu laufen. Eigentlich mache ich das staendig, aber vor Publikum ist das bestimmt klasse.

So richtig traniert bin ich nicht, zu viel ist im vergangenen Jahre geschehen. Aber: seit drei Wochen bin ich hier, ich bin heiss auf den Lauf und ich habe Lust dazu. Also habe ich mich vom Marathon auf die halbe Distanz umgemeldet und werde meinen Spass haben. Richtig! Es geht mir nicht um die Zeit, sondern ich will meinen Spass haben. Ich hatte seit meiner Ankunft hier eine leichte Erkaeltung, also plane ich ganz bequeme drei Stunden (!) fuer die gut 21 Kilometer ein. Nicht, dass ich nicht schneller laufen koennte. Aber ohne spezielles Training und ohne Krankenversicherung gehe ich auf Nummer sicher! Ich will hier nur meinen Spass haben und tolle Erinnerungen mitnehmen! Drueckt mir also am kommenden Sonntag gegen 12 Uhr mittags deutscher Zeit die Daumen 🙂

So weit ich weiss, starten ueber 25.000 Laeufer beim Halb Marathon und Marathon, hoffe also, es wird ein schoenes Erlebnis. Ausserdem ist es immer noch ein Beweis fuer mich, dass man nicht immer, auf die Meinungen anderer hoeren sollte. Trotz, oder gerade wegen drei Knie-Operationen kann ich heute diese Distanzen laufen. Obwohl manch Arzt mir damals prognostiziert hatte, dass ich nie wieder richtig Sport machen koennte. Na ja, bis ich diesen Arzt getroffen habe, der die richtige Loesung parat hatte. Ihm  habe ich, das weiss er auch, meinen Marathon damals gewidmet. Heute, eine weitere Operation weiter, lasse ich mich ueberraschen, wie weit ich komme. Man darf halt nur nicht aufhoeren, an sich zu glauben. Das gilt nicht nur in physischer Hinsicht! Jedoch habe ich den Klinik-Schwester vor gut 14 Monaten direkt nach der letzten Knie-Operation auch versprochen, dass ich gerade die ersten Schritte Richtung Miami Marathon 2012 mache. Ich halte Wort und sende meine Gruesse also ins Bergische Land!

Doch geht es mir nicht um den sportlichen Gedanken. Wichtiger ist fuer micht, zu beweisen, dass man schaffen kann, was man will. Wenn man nur will. So wie mit dem Auswandern. Man muss Geduld haben, manchmal auch vielleicht auf der Stelle rennen, aber irgendwann geht es weiter. Wenn dieses sportliche Prinzip stimmt, laufe ich Sonntag nicht nur 21 Kilometer durch Miami, sondern auch bald beruflich besser. Ich glaube an mich: Ich werde weiterkommen und mich weiterentwickeln. Im Sport genauso wie im wahren Leben.

Nachdem ich heute mit meiner Firma, aber auch zu anderen Firmen Kontakt hatte, gibt mir das Hoffnung. Jetzt muss ich aber erst noch einmal Laufen gehen, damit ich Sonntag den Lauf auch wirklich geniessen kann. Ich laufe abends gerne zum Yachthafen von Miami Beach  herunter, dort sieht man zudem Miami Downtown und den Hafen mit den riesigen Frachtschiffen und den Karbik-Kreuzfahrtschiffen. Finde es wunderschoen dort, denke dort aber auch immer an meine Freunde in Hamm. Ja, ich vermisse sie. Sehr sogar. Umso mehr spuere ich aber auch ihre Unterstutzung fuer meinen beruflichen Weg und fuer den anstehenden Halb Marathon. Dafuer danke ich euch allen sehr, und ich danke auch allen, die in diesen Tagen an mich denken, und mich geistig unterstuetzen. Daher, allein daher, schoepfe ich die Kraft, am kommenden Sonntag den Halb Marathon zu laufen.

Und ihr wisst, als Stier (ich habe am ersten Mai Geburtstag) habe ich auch nach kommendem Sonntag noch Kraft und werde ganz schnell beruflich Fuss fassen in den USA. Dank euch allen in Hamm, denn ihr gebt mir Kraft. Wie sagt Oberbuergermeister Thomas Hunsteger-Petermann immer so schoen „Hamm ist schoen“. Yo! Und das ist auch gut so… Also vertrete ich Hamm am Sonntag gerne hier in Miami. Nur werde ich vermutlich genauso langsam sein, wie der OB, wenn er mit seinem Hund durch Heessen spazieren geht. Aber glaubt mir, ich werde genauso viel Spass haben beim Laufen wie unser Stadtoberhaupt beim Gassigehen mit seinem Hundchen 🙂 Der einzige Unterschied ist die Distanz: Wenn unser OB jemals mit seinem Hund die Halb Marathon Strecke am Stueck spazieren geht, werde ich mich freiwillig auf die Hauptstrasse in Miami stellen und Werbung fuer Hamm machen. Ist das ein Wort, Herr Hunsteger-Petermann???? 🙂

Ich werde gleich wieder zum Yachthafen laufen. Miami unter den Fuessen, Hamm und meine Freunde im Herzen!

Liebe Gruesse, eure Auswanderin

Rabea

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Warum bekomme ich dieser Tage immer zu hoeren, dass man mich beneidet? Seit dem vierten Januar lebe ich nun in Florida (USA), dem Sunshine State mit Sommer, Sonne und Strand – und das fast 365 Tage im Jahr. Aber nein, das ist nicht mein Leben, das bin nicht ich, und das ist nicht der Grund, warum ich hier bin. Ich versuche auszuwandern aus Deutschland und ein neues Leben anzufangen auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans. Ein Gedanke, der mir in den ersten Tagen meiner, ich nenne es mal Reise, gar nicht liegt. Nicht nur, dass ich zunaechst ohne Job, ohne Wohnung, ohne Kontaktpersonen und ohne Krankenversicherung in den USA bin. Zu fremd ist mit diesem Schritt ploetzlich vor allem die Vorstellung Freunde und Bekannte zu verlassen. Fuer immer? Umso mehr muss ich mich von mir selbst ueberraschen lassen und mich auf mein Abenteuer einlassen. Mein Ziel kann daher am Anfang meiner Reise nur lauten: Einfach alles ausprobieren und versuchen, Fuss zu fassen in den USA. Nicht, dass es mir schlecht ging in Deutschland. Aber diese Moeglichkeit bekomme ich nur einmal im Leben. Also will ich es anpacken, schliesslich moechte ich mir niemals vorwerfen, ich haette es nicht wenigstens probiert. Dieser Gedanke stimmt mich dann auch wieder entschlossen, den richtigen Schritt zu gehen.

Da ich nun seit ueber zwei Wochen mein quasi neues Leben lebe, fasse ich mal zusammen, was bisher geschehen ist. Und wer ich ueberhaupt bin.

Ich bin 27 Jahre alt, komme gebuertig aus Hamm, habe in Deutschland studiert, war lange Jahre freie Mitarbeiterin des WA und bin bereits seit 2005 ein US Resident, also ein Einwohner der USA.

Als ich damals die Greencard, die unbefristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis fuer die USA, gewonnen habe, habe ich gerade mit dem Studium in Bochum angefangen. Sozialwissenschaften und Germanistik waren meine Faecher. Damals habe ich mich mit dem Gedanken auszuwandern nicht viel befasst, sondern es mehr als eine Moeglichkeit gesehen, irgendwann mal etwas Besonderes zu probieren. Der urspruengliche Grund? Seit ich zehn Jahre alt war, wollte ich Profi-Wrestler werden. Na, wie der Undertaker, Hulk Hogan, Bret Hart und mein Liebling Owen Hart seinerzeit. Kein Witz! Ich habe frueh mit Ringertricks angefangen, und dachte, ich muesste dazu aber in die USA, um den Berufswunsch zu erfuellen. Mit 17 Jahren habe ich mich erstmals fuer die Greendcard beworben, den Wrestlingring in den USA vor Augen.

Komischerweise hat es mit der Greendcard erst geklappt, als ich aelter (und reifer) war, und Wrestling wahrlich kein Berufswunsch mehr war. Nun denn. Als Stammkunde einer Agentur fuer die Greencardverlosung – zur Erklarung: Die USA verlosen jedes Jahr 55.000 dieser unbefristeten Aufenthalts- und Arbeitsgenehimgungen, den so genannten Greencards – habe ich trotzdem erneut mitgemacht und bin 2004 als Gewinner gezogen worden. Nach langem Hin und Her mit den amerikanischen Behoerden, wurde ich offiziell Buerger der USA, nachdem ich 2005 erstmals in die Staaten nach New York City eingereist bin. Seither bin ich, dank einer Art Hass-Liebe zu Miami – in Sued Florida kleben geblieben. Warum, erklaere ich ein anderes Mal.

Hier beginnt auch gerade mein neues Leben.

Doch stand am vierten Januar der Anfang des vermeintlich neuen Lebens unter keinem guten Stern. Nach einer erschwerlichen Autofahrt zum Flughafen nach Duesseldorf bin ich nach gut zehn Stunden in Miami angekommen. Wenig Geld in der Tasche, aber den Willen, es zumindest zu probieren mit dem Auswandern. Kaum am Flughafen in Miami gelandet, bin ich von der Einwanderungsbehoerde abgefangen worden, die meine Greendcard ungueltig machen wollte. Ueber drei Stunden hing ich am Flughafen in Miami, ehe man mir die Einreise als USA-Buerger nach langem Hin und Her und vielen Erklaerungen doch noch genehmigt hat. Der Hintergrund: Bisher habe ich die Greencard nie genutzt, also weder in den USA gelebt, noch dort gearbeitet. Also wollten die USA sie lieber jemand anderes geben. Also: Glueck gehabt!

Tief durchatmen und weiter gehts! Mehr konnte ich am Anfang nicht denken. In Miami angekommen, begann die Reise gleich mit einem, zumindest scheinbaren Erfolgserlebnis. Ich habe nach einem Vorstellungsgespraech den Job in einer Marketingfirma im Managementbereich erhalten. Na das ging aber schnell, dachte ich. In Deutschland hat das bei mir bisher nie so flott geklappt. Da ahnte ich aber noch nicht, dass ich auch heute, ueber zwei Wochen spaeter, dank buerokartischer Probleme immer noch nicht arbeiten darf. Eingestellt bin ich aber.

Ob ich es also  schaffe, Fuss zu fassen in den USA, schildere ich in Zukunft in meinem Blog. Ich freue mich darauf, meine Erlebnisse zu teilen. Wo meine Reise enden wird, weiss ich heute noch nicht. Ob ich hier bleibe und es wirklich packe oder ob ich zurueck nach Deutschland gehe, darueber werde ich in meinem Blog schreiben.

Ich freue mich darauf aus Florida zu berichten und vor allem eine andere, wenig touristisch gepraegte Seite von Florida prasentieren zu duerfen. Ich kenne eben auch das „wirkliche“ Miami, fernab von Strand, mit umso groesseren Problemen wie Armut, Arbeitslosigkeit und Ueberlebenskampf. Meine Reise spielt sich eben im wirklichen Leben ab. Mit dennoch hoffentlich vielen sonnigen statt schattigen Seiten… Umso mehr lasse ich mich nun von mir selbst ueberraschen, was ich auf die Beine stellen kann. Oder eben auch nicht…

Ich versuche jedoch das Motto „Walk Unafraid“, das eine meiner Lieblingsbands R.E.M. in ihrem gleichnamigen Song so schoen besungen haben, zu beherzigen. Schliesslich steht es auf meinem Fuss taetowiert geschrieben und soll mich jeden Tag aufs Neue daran erinnern, dass man auch Neuem gegenueber immer offen und ohne Angst gegenueber stehen sollte. Wir werden sehen, wie das klappt 🙂

Sonnige Gruesse, Rabea