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Heute morgen ging es – wie immer nach fabelhaften Pancakes – mit dem Bus in Richtung Dali Old Town. Dali Old Town ist im Gegensatz zu Dali New Town alt, wer haette das gedacht. Die typischen chinesischen Gebäude stammen alle noch aus der Kaiserzeit Chinas, die 1911 mit dem letzten Kaiser Pu Yi endete. Unser Ziel waren die drei Pagoden, die einen Teil einer riesigen, symmetrisch angelegten, buddhistischen Tempelanlage bilden und Wahrzeichen von Dali sind. Man merkte sofort, dass dieser Teil Dalis touristisch geprägt ist, vor allem als wir zum ersten Mal seit unserer Zeit hier in China Europäer sahen.
Die drei Pagoden, die Höchste von ihnen 70 Meter hoch, wurden im 9. Jahrhundert nach Christus erbaut, die etlichen Tempel, die sich hinter den Pagoden erstrecken, sind dagegen erheblich jünger. In den Tempeln, die sich einer nach dem anderen in Größe und Pracht übertreffen, verehren die Chinesen riesige, vergoldete Buddha-Statuen, die größte von ihnen 12 m hoch. In anderen Tempeln machte es dagegen nicht die Größe, sondern die Masse, in einem waren hunderte Mönchsfiguren aufgestellt.
Am Nachmittag fuhren wir zurück zu unserer Gastfamilie, um unseren Klassenkameraden in Werne per Videokonferenz über unsere bisherigen Erlebnisse in China zu berichten.
Erkenntnis des Tages: Wir und Sie sollten jeden Cent an die Stiftung Welt:Klasse-Werne spenden!

Abschied ist immer eine traurige Sache, besonders wenn man sich von einer reizenden alten Dame wie auch einer begnadeten Köchin und ihrem stolzen Gatten verabschieden muss. So verließen wir heute, zwar nicht unter Tränen, aber doch mit Schmerzen, das idyllische Dorf, das wir mit hoher Wahrscheinlichkeit nie wieder in unserem Leben besuchen werden.
Nun wohnen wir erneut bis zu unserer Rückreise am Donnerstag bei unserer chinesischen Gastfamilie in Dali New Town. Nachdem wir uns am Vormittag in das Stadtleben wieder eingelebt hatten, besuchten wir am Nachmittag den Sea Park am anderen Ende der Innenstadt. Neben Grünflächen und einem kleinen Freizeitpark für Kinder gibt es dort auch einen öffentlichen Zoo zu besichtigen. Die etwa zehn verschiedenen Tierarten leben in erschreckend kleinen, verwahrlosten, grauen, lieblosen, tristen, verdreckten, leblosen und spartanischen Käfigen (das mussten wir einfach mal loswerden). Das Gehege der Affen glich eher einer Restmülltonne als einem artgerechten Tiergehege, da jeder mitgebrachte Bananen, Chipstüten oder auch Essensreste den Tieren zum Fraß vorwerfen konnte, was ihrer Gesundheit mit Sicherheit nicht gut tut.

Nach den übrigen Dumplins zum Frühstück gingen wir unserer liebgewonnene Tätigkeit, dem Bewässern nach. Wiederum bewässerten wir unsere selbst gepflanzten Schützlinge, damit sie gedeihen und eines Tages die feinsten Walnüsse Chinas hervorbringen werden. Sollten wir in der Zukunft doch noch ein Mal in diese Gegend kommen, dann werden unsere kleine Schützlinge in der Zwischenzeit zu stolzen, großen Walnussriesen herangewachsen sein. Das erfüllt uns mit Stolz.
Am Nachmittag hatten wir dann mehr als genug Zeit, unsere Beine hochzulegen und uns von der harten Arbeit in den letzten beiden Wochen zu erholen und das Dorf bei gutem Wetter noch ein Mal zu erkunden. Das erste Mal seit unserer Zeit hier im Shang Qing Village regnete es für wenige Minuten und wenige Tropfen, jedoch zu wenig, als dass die Pflanzen der Bauern ausreichend Wasser bekommen würden.

Heute morgen gingen wir endlich mal wieder unserer liebgewonnen Tätigkeit, dem Unterrichten, nach. Allerdings waren wir dazu heute in einer neuen Schule, in der eine Klasse aus nur 40 Schuelern bestand. Wie gewohnt versuchten wir den Kleinen neue Vokabeln beizubringen, was mal mehr, mal weniger gut funktionierte.

Am Nachmittag ging es dann zur Bierfabrik, in der das hier allseits bekannte und viel verkaufte Dali-Bier hergestellt wird. Die Fabrik produziert zur Zeit jährlich 250 000 t von 20 verschiedenen Biersorten, wahrend es im Baujahr 1988 gerade einmal eine Tonne Bier waren. Mittlerweile läuft die Fabrik unter der Firma Carlsberg, welche die Anlage 2003 übernahm.

Schon auf dem Weg fielen uns die über-randvoll beladenen Laster mit leeren Flaschen auf, die in dem Werk recycelt werden. Herumgeführt wurden wir von einer Sekretärin, die sich neben Gästen auch um Qualitätskontrolleure kümmert. Zunächst besichtigten wir eine der vier Füllanlagen, in der die gesammelten Flaschen zunächst gereinigt und vielfach kontrolliert werden, um dann befüllt zu werden. Die Füllmaschine kann auf normaler Stufe 36 000 Flaschen pro Stunde mit dem etwa einen Monat gereiften Bier auffüllen, es sind jedoch auch schnellere Stufen möglich. Danach geht es für die Flaschen weiter durch Aufsetzen der Kronkorken, Kontrollen und Etikettierung, bis sie schließlich fertig in Pappkartons landen.

Die 637 Arbeiter, darunter auch Frauen, arbeiten in 3 Schichten rund um die Uhr. Schutzkleidung ist vorgeschrieben und die Fabrik machte einen sauberen Eindruck, jedoch trugen manche Arbeiter keinen Gehörschutz, obwohl es in der Fabrik durch die Maschinen und das Klirren der Flaschen sehr laut war.

Im Anschluss an die Führung hatten wir noch ein Gespräch mit unserer Führerin, bei dem wir auch etwas von dem produzierten Bier probieren durften.

Den Abschluss des Tages bildete ein Besuch des Wall Marts, in dem neben Kleidung und Schmuck auch verschiedene Lebensmittel wie lebende Fische und Weiteres angeboten wurden.

Wenn wir einen Tag unseres Aufenthaltes zum anstrengendsten Tag küren müssten, wäre es definitiv dieser. Denn heute machten wir uns auf, den Chicken Foot Buddhism Mountain zu erklimmen. Dieser Berg, der außer seinem Aussehen nichts mit der chinesischen Delikatesse zu tun hat, ist ein Brennpunkt des buddhistischen Glaubens.

Wir machten uns früh am Morgen auf, den Berge zu erklimmen, wobei wir gefühlte 1 Billionen Stufen zurücklegten (in Wirklichkeit waren es dann doch nur um die 3000), um schließlich in 3214 Metern Höhe die Tempelanlagen zu besichtigen und natürlich den Ausblick zu genießen.

In den reich verzierten und vor allem bunten Tempeln befinden sich riesige Buddhastatuen, die die Gläubigen anbeten und Räucherstäbchen aufstellen. Auch unsere chinesischen Studentinnen verneigten sich vor den Statuen und erklärten uns noch einige andere Bräuche, wie beispielsweise, dass man den Tempel nur durch die linke Tür betreten und niemals durch die mittlere Tür gehen solle.

Nach unserem Mittagessen in einem der zahlreichen Restaurant direkt neben der Tempelanlage machten wir uns dann an den Abstieg, der um einiges leichter fiel als der Aufstieg.

Heute verlief der Tag wieder in gewohnten Bahnen: Nach einem wie immer sehr reichhaltigen Frühstück machten wir uns auf den Weg zu einem nah gelegenen Feld, auf dem wir wieder einmal zahlreiche Walnussbaeume bewässern sollten. Im Bezug auf das Feld ist anzumerken, dass dieses lediglich aus einem Hang bestand, was bedeutete, dass es besondere Aufmerksamkeit von uns erforderte, mit den randvollen Eimern zu den Bäumchen zu gelangen ohne das Wasser aufgrund der Rutschpartie unterwegs zu verschütten. Das Wasser schöpften wir heute zur Abwechslung mal aus einem Brunnen, was vor allem den Grund hatte, dass die Kanäle zur Zeit kein Wasser führen.

Nach einer Stärkung am Mittag setzten wir unsere begonnene Arbeit fort. Nachdem wir jedem einzelnen Bäumchen 4 Eimer mit Wasser zugute hatten kommen lassen, bereiteten wir am späten Nachmittag zusammen mit den Studenten und der Großmutter Dumplins (eine Spezialität Chinas bestehend aus mit Fleisch und Kräutern gefüllten Nudeln) zu, die wir dann am Abend auch verspeisen durften.

Nach dem Frühstück vollendeten wir unsere Aufgabe und bewässerten die restlichen Walnussbäume des Feldes, auf dem wir gestern Nachmittag gearbeitet hatten.

Durch das Mittagessen gestaerkt ging es dann zu einem etwa halbstündigen Fußmarsch entfernten Markt. Dort wurden neben Nahrungsmitteln auch einige Alltagsgegenstände angeboten.

Highlight des Tages war jedoch der kulturelle Abend, an dem die Dorfbewohner im Hof unserer Familie zusammenkamen und einige Programmpunkte vorstellten. Die Frauen des Dorfes führten traditionelle Tänze in Trachten mit Stäben und Tüchern auf, die wir später (ein wenig erfolglos) nachzumachen versuchten. Unser Beitrag bestand aus zwei Kinderliedern, unserer Nationalhymne sowie Walzer und Discofox, an welchen die Dorfbewohner sich ebenfalls versuchten (mit mehr Erfolg). Die nachher von uns verteilten Süßigkeiten wurden nicht nur von den kleinen Kindern, sondern auch von den Älteren mit Freude und in Mengen angenommen.

Nachdem Lars und Stefan heute morgen von ihrem Kalb als Spielzeug missbraucht wurden, ging es, genauso wie die letzten Tage auch, mit Eimern und Schaufel Richtung Berg über Felder und Landstraße.

Dort bewässerten wir kleine Walnussbäume mit dem Wasser aus einem nahegelegenen Bach, der übrigens aus unerfindlichen Gründen den See, der vorgestern noch ausgetrocknet war, wieder aufgefüllt hat.

In der Mittagspause, in der die Chinesen normalerweise ein Nickerchen machen, kaufte die Großmutter ein Hühnchen beim Nachbarbauern, welches Lars schlachten durfte und wir anschließend gemeinsam rupften. Großmutter, Großvater und unsere Leihköchin flambierten das Huhn, nahmen es gemeinsam aus und bereiteten es für den abendlichen Verzehr vor.

Am Nachmittag ging es dann erneut auf den Berg, um dort weitere Bäume in der prallen Sonnen zu bewässern. Doch glücklicherweise schützen uns wie immer die Strohhüte von Familie Zhang.

Nach der Arbeit genossen wir dann alle das leckere Abendessen und das frische Huhn. Besondere Delikatesse war der gekochte Hühnerfuß, der sehr lecker schmeckte und die Konsistenz von Wackelpudding besaß.

Nach ein paar leckeren Pancakes ging es heute morgen zum Wochenmarkt in ein benachbartes Dorf, das am anderen Ende des Tals liegt. Auf dem Markt verkauften Bauern ihr geerntetes Obst und Gemüse, sowie Fisch, Fleisch und Gewürze. Zudem gab es einiges für den Alltag und die Feldarbeit zu kaufen.

Opa Zhang deckte sich mit Gemüse und Fleisch für die kommende Woche ein, wir kauften vor allem frische Äpfel und Mandarinen. Als wir die Chinesinnen nach einem uns unbekannten Rohr fragten, das eine Bäuerin anbot, kauften diese sofort zwei etwa 1,5 Meter lange Stangen für gerade mal 50 Cent und sagten uns erst im Nachhinein, dass dies Zuckerrohr sei, auf dem man herumkaut und nur den süßen, zuckrigen Saft schluckt, die Fasern jedoch wieder ausspuckt. Ein etwas eigenartiger Geschmack, unsere Kuh scheint es jedoch zu lieben.

Am Nachmittag ging es mit Opa Zhang über Felder und eine große Landstraße zu einem steilen Berg, auf dem wir Walnussbäume bewässern sollten. Mit Eimern bewaffnet ging es Richtung Bergspitze, wo wir mit Eimer und Seil das Wasser aus einem Kanal fischten, um es den Walnussbäume weiter unten zukommen zu lassen.

Am Abend tauschten wir dann für kurze Zeit die Rollen. Wir kochten für die Chinesen deutsches Essen, das sie nicht immer überzeugen konnte: Sauerkraut, Bratkartoffeln, Apfelpfannkuchen aus dem Wok und Spätzle schienen ihnen zu schmecken, deutsches Bier und Pumpernickel dagegen ganz und gar nicht. Es war interessant, all dies auf die chinesisches Art zu essen (vermischt und mit Stäbchen, die Chinesen meist auch noch mit Reis).

Im Anschluss folgte noch eine Diskussionsrunde, in der wir uns über die unterschiedlichen Gerichte in Deutschland und China austauschten.

Die erste Sache die uns heute am Frühstückstisch auffiel, war unsere geschrumpfte Mannschaft; sowohl Stefan als auch Helen wurden über Nacht durch Krankheit ausgeschaltet.
Also begaben wir uns mit doppeltem Arbeitswillen auf den Weg zu einer weiteren Walnussbaumfamilie. Unter der Führung von Großvater Zhang verlegten wir nach einer kurzen Klettertour die erforderlichen Wasserleitungen, mit denen wir die Walnussbäume äußerst bequem bewässern konnten. Nach langem Hin und Her stand das Bewässerungsystem, allerdings blieb keine Zeit mehr zum Bewässern, da das Mittagessen rief.
Unsere Mittagspause nutzten wir dazu, die Umgebung unseres Dorfes etwas Weitläufiger zu erkunden. Nach einem anstrengenden Bergstieg erstreckte sich letztlich ein atemberaubendes Panorama vor unseren Augen, das wir in einigen Fotos festzuhalten versuchten.
Als wir wieder in unserem Nest ankamen, blieb uns noch kurze Zeit unsere Füße hochzulegen und ein wenig zu entspannen. Doch bald schon machten wir uns auf, um nun endlich die aufgeschobene Bewässerung zu vollziehen.
Wie Gärtner wässerten wir nacheinander Baum um Baum mit dem Schlauch und sorgten mit Hacke und Schaufel dafür, dass das Wasser in einem Becken um den Baum versickerte und nicht den Hang hinunter floss.
Als besonderes Highlight des Tages präsentierte sich heute Urgroßmutter Zhang, die bei einer Lebenserwartung von gerade einmal 60-70 Jahren ein stolzes Alter von 102 Jahren vorweisen kann. Wie uns Mister Zhang verriet, liege diese außergewöhnliche Vitalität an dem Trinkwasser, weshalb wir nun alle fleißig trinken.
Erkenntnis des Tages: Geschmäcker sind kulturübergreifend gleich.