Die E-Mail überraschte. Nairobi, eine inzwischen 29-jährige Venezuelanerin, mit der ich im Jahr 2005 im Rahmen einer beruflichen Recherche in Kontakt stand, hat sich wieder gemeldet. Die junge Frau, damals Deutschschülerin am Goethe-Institut in Caracas und heute als Journalistin ständig irgendwo in der Welt unterwegs, erkundigte sich nach meinem Befinden. Jahrelang hatte sie nichts von sich hören lassen – und dann diese E-Mail…

Sie sei inzwischen mehrfach in Deutschland gewesen, so schrieb sie, aber weder das Land noch die Leute hätten ihr sonderlich gefallen. Hier regiere Hektik, jeder denke immer nur an sich und überlege, wie er sein Geld vermehren könne. Da seien ihr die Menschen in ihrer Heimat wesentlich lieber.

Aber, so räumte sie ein, „ich habe nochmal Mail von damals gelesen und über Wimbern bei Google gesucht“. Dass ein solch kleiner Ort über ein Krankenhaus verfüge, könne sie überhaupt nicht glauben. „Aber was ist ein Schutzenbruderschaft“, fragte sie. „Und was macht man da?“

Auf eine Antwort-Mail, in der ich ihr einen Link zu Wikipedia und der dortigen Definition von Schützenbruderschaften schickte, reagierte sie binnen weniger Minuten. „Ihr feiert also Feste ohne zu trinken Alkohol. Das ich finde sehr gut. Deutschland doch gutes Land.“

Ich glaube, ich werde ihr eine Wimbeere per Post schicken. Vermutlich kommt dann die nächste Mail von Ihr im Jahr 2015.