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Gut, der Titel ist schon ein Paradoxon, denn Lesotho liegt nicht mehr an der Wildcoast. Das kleine Königreich liegt im Inneren des Landes und wird aufgrund seiner Höhenlage auch als Dach Südafrikas bezeichnet. Trotzdem war der Besuch hier Teil unserer Wildcoast-Reise.

Früh morgens ging es los von Durban Richtung Lesotho. Um 10:30 in der Früh mussten wir schon an der Grenze sein, denn dort wurden wir von einem Auto mit Allradantrieb abgeholt. Dies hatte unser Hotel uns angeboten, da viele Touristen, so wie wir, mit Kleinwagen durch die Gegend reisen und diese steilen Berge niemals hochkommen würden. Wir fühlten uns auf der sicheren Seite und fuhren zunächst stundenlang durchs Nichts. Man glaubt gar nicht, wie grün Südafrika ist. Gerade in dieser Region sitzen viele Milch- und Zuckerrohr/-rübenbauen. Was uns dabei auffiel: Es brannte ständig um uns herum. Irgendwann fuhren wir mal näher heran und erkannten, dass hier noch sehr viele Felder und gerodete Wälder abgebrannt werden. So entstanden schwarze Landstriche und ein rauchiger Geruch lag über mehrere Kilometer in der Luft.

Auf dem Weg nach Lesotho sahen wir auch zum ersten Mal bunte Rundhütten neben den grünen Feldern, Townships jedoch gar nicht. So groß wie der Unterschied zwischen weiß und schwarz, zwischen arm und reich im Western Cape ist, so gleichmäßig sind im Eastern Cape die Hautfarbe und die Einkommensverteilung. So zumindest unser Eindruck. Neben den Feldern und auf den Straßen sahen wir außerdem eine Menge dürrer Kühe und Ziegen und waren so gezwungen, mehrere Vollbremsungen hinzulegen.

Kurz vor der Grenze verwandelte sich die schöne Teerstraße abrupt in eine Schotter- und Sandstraße. Unser Micra hatte uns schon tapfer über Berge und durch Täler gebracht, bergauf teilweise im zweiten Gang, und auch hier durfte er nicht scheuen. Die ersten Meter schafften wir auch ohne Probleme. Dann kreuzte der erste Fluss unseren Weg, oder wir seinen, wie man’s nimmt. Doch dies war noch nicht Hindernis genug für den Micra. Weiter ging es über Stock und Stein. Und dabei sind Steine hier wirklich mehr Steine und weniger Schotter. Doch langsam und stetig fuhren wir weiter, bis die nächste Steigung anstand. Wir nahmen etwas Anlauf, jedoch nicht zu viel, um unsere Reifen und den Unterboden zu schonen, fuhren im vierten hoch, schalteten herunter in den dritten, dann in den zweiten Gang, doch das Auto wurde bei voll duchgetretenem Gaspedal noch immer langsamer. Also runter in den ersten, mit Vollgas. Auto aus. Der Micra gab auf. Verdammt. Nun standen wir in der Mitte eines steilen Hügels und saßen fest. Zwei Versuche, nochmal anzufahren, egal ob mit Handbremse oder sonst wie, scheiterten. Bevor wir uns den Hang wieder herunterrollen lassen wollten, um noch mehr Anlauf zu nehmen, versuchten wir es noch ein Mal, mit drei Personen weniger im Auto. Geschi**sen auf Unterboden und Kratzer im Lack- Vollgas, Reifen durchdrehen lassen, eine Menge Staub aufwirbeln, 1 Meter nach hinten rollen, fast 2 Meter nach hinten rollen, Halt kriegen und ab geht’s nach vorn und über die Kuppe. Geschafft! Es blieben nur noch ein paar hundert Meter, die wir im ersten und zweiten Gang hinter uns brachten, bis uns / den Micra Erlösung in Form eines Allradjeep erwartete. (Eines meiner Fotos zeigt meinen Finger auf einer Höhenkarte, der anzeigt, wie hoch unser Auto uns gebracht hatte und wie steil es noch weitergehen würde)

Der Jeep und sein Fahrer, der leider kaum Englisch sondern nur Sesotho sprach, brachten und langsam aber stetig hinauf zum Sani-Pass auf 2800m Höhe. Die Aussicht wurde besser und besser und schließlich kamen wir am höchsten Pub Afrikas (!) vorbei in unser Hostel. Unser Gastgeber begrüßte uns und erklärte uns belustigt, dass wir einen sehr schönen, sonnigen Tag erwischt hatten, denn es waren ca. 20 Grad. Angesichts unserer sehr spärlichen Bekleidung passten wir wohl nicht zum Lesothoer Wetter, jedoch kamen wir gerade aus dem 27 Grad warmen Durban. So zogen wir uns erstmal wärmere Sachen an und machten anschließend eine Kultur-Tour zu einem der hier lebenden Völker.

An der Rundhütte angekommen, mussten wir erst ein wenig Sesotho lernen, um die Hausherrin gebührend begrüßen zu können. In der Hütte wurden uns selbstgemachtes, süßlich schmeckendes Brot sowie selbst gebrautes Bier ohne Alkohol (das in dem blauen Fass) angeboten. Beides wurde zu großen Teilen aus Wasser uns Maismehl hergestellt, aber das Brot gewann den Geschmackstest ganz klar. Das weiße, dickflüssige, bröckige Bier mit schwarzen Stückchen würgten wir aus Höflichkeit herunter. In der Hütte war mehr Platz als gedacht, doch brauchte man gar nicht so viel. Mann und Frau des Hauses schliefen in einem Bett, dass keine 90cm breit war, die Kinder auf einer Decke auf dem Steinboden. Gegen Ende unserer Tour wurde erwartet, ein paar handgemachte Schüsseln, Puppen oder Schmuck zu kaufen, was das ganze mit einem Mal viel touristischer und kommerzieller wirken ließ.

Voll gepackt mit tollen Sachen fuhren wir wieder zurück zum höchsten Pub Afrikas und genossen das höchste Abendessen und den höchsten Wein Afrikas. Außerdem sahen wir nachts den besten, dunkelsten, reichsten Sternenhimmel, da es keine Wolken und kaum äußere Lichteinflüsse gab.

Am nächsten Morgen wurden wir bereits um 10Uhr abgeholt und wieder herunter gefahren. Die restlichen Meter ohne Steigung Richtung geteerter Straße schaffte der Micra dann auch wieder ganz gut allein.

Alle Prüfungen sind endlich vorbei. Zumindest die von allen internationalen Studenten um  mich herum. Hatte ich mich am Anfang noch gefreut, dass ich eine der wenigen Auserwählten für einen rein südafrikanischen Kurs war, so sehr ärgerte es mich im Nachhinein. Die Klausuren der Afrikaner wurden nämlich zwei Wochen später geschrieben. Nichtsdestotrotz hatte ich zwischen meinen beiden letzten Klausuren (meines ganzen Lebens!!) noch 14 Tage frei. Neun davon verbrachte ich mit drei Studentinnen an der Wildcoast und Suncoast im Osten des Landes.

Da unsere Pläne groß und die Zeit knapp war, entschieden wir uns dafür, nach Durban zu fliegen. Kulula Airlines, allein der Name klingt schon sehr vertrauenserweckend. In Durban angekommen holten wir unseren Mietwagen, diesmal ein Nissan Micra, ab und verstauten tatsächlich alle Koffer und Taschen von vier Frauen darin. Das Auto wusste zu dem Zeitpunkt zum Glück noch nicht, wohin wir es steuern würden.

Zunächst ging es aber in unser erstes Hostel nach Durban. Dort empfahl unser Gastgeber uns die Markthallen im Stadtzentrum. Es vergingen einige Minuten mit der Fahrt im Kreis, da die Straßenführung in Durban sich doch stark von der in Kapstadt oder Stellenbosch unterscheidet. Schlussendlich parkten wir in einer gruseligen Tiefgarage und huschten von dort aus schnell in die Hallen. Es sah schon vielversprechend aus, ein Mix aus indischen und afrikanischen Geschäften. Auf den ersten Blick bestimmten Kleidung, Perrücken, Gewürze und Schmuck das Bild. Leider aber nur hinter den Glasscheiben, denn der Markt hatte eine halbe Stunde vorher geschlossen. Wirklich schade, denn die Geschäfte versprachen durchaus exotische Einkäufe. Macht nix, Durban hatte mehr zu bieten, ab in die Tiefgarage und los Richtung WM-Stadion.

Das spektakuläre am Moses-Mabhida-Stadion ist der große Bügel, der sich parabelförmig über die Arena zieht. Da wir für die Wanderung zu Fuß auf die Aussichtsplattform des Bogens zu spät waren, fuhren wir mit dem Skycar hinauf, einem gläsernen Aufzug, der auf der Außenseite des Bogens entlang fährt. Oben angekommen genossen wir eine wunderschöne Aussicht über Durban, Strand und Hügel und orientierten uns ein wenig für die kommenden Tage. Nach 15 Minuten wollten wir dann aber auch wieder hinunter, der Aufzug kam gerade passend an und hätte uns mit nach unten nehmen können. Hätte. Wäre er nicht in just diesem Moment kaputt gegangen. Drei Mitarbeiter befanden sich zu der Zeit mit uns auf dem Bogen. Einer versuchte uns zu beruhigen: „Ladies, don’t panic, this doesn’t happen for the first time.“ Beruhigend. (Ich habe übrigens Höhenangst und musste mich eh schon überwinden, in einen gläsernen Aufzug zu steigen.) So steckten wir also auf dem Bogen eines Fußballstadions in 104 Metern Höhe fest. Und das für eine knappe Stunde, bis der zuständige Techniker die Fehlermeldung endlich beseitigt hatte. Nunja, wir hatten eine Tüte Chips und etwas Wasser bei uns und konnten die Zeit so in der Sonne genießen und lernten sogar noch Einheimische besser kennen. Wieder unten angekommen war die Managerin aber so um unser Wohl besorgt, dass sie sich 100 Mal entschuldigte und uns schlussendlich sogar das Eintrittsgeld zurückerstattete. Wäre aber nicht nötig gewesen, eigentlich hatten wir eine schöne Zeit.

Der nächste Tag führte uns nach Petermaritzburg, nur 80 Kilometer von Durban entfernt. Die Fahrtzeit hatten wir jedoch unterschätzt, da die Kraft des Micras überschätzt. Die Art und Weise, mit diesem Auto Berge hochzufahren sollten wir in den kommenden Tagen zu genüge kennenlernen. Die Atmosphäre in Petermaritzburg ist genau wie in Durban schwarzfrikanisch, chaotisch, bunt. Als blonde, weiße Frau ist man schon eine Attraktion und wir waren immerhin zu dritt und hatten den Auftritt so auf unserer Seite. Was uns zuerst hier auffiel – lange Schlangen vor der Bank. Frauen standen 50-70 Meter am Straßenrand entland und warteten. Ein Stück weiter fragten wir einen Polizisten nach dem Weg, plauderten ein wenig und trauten uns dann auch zu fragen, was dort los ist. Es war Anfang des Monats und die staatliche Unterstützung wurde ausgezahlt. Diese beträgt um die 100€ pro Familie und circa 30€ pro Kind. Dabei sei nochmal darauf hingewiesen, dass die Lebenshaltungskosten hier nicht wirklich günstiger sind. Und deshalb standen hunderte Frauen über die Stadt verteilt in Schlangen in der Sonne.

Nach dem Besuch im örtlichen KwaZulu-Natal Museum besuchten wir noch einen indischen Schnellimbiss, der das traditionelle Bunny Chow servierte, ein afrikanisch-indisches Gericht. Das besondere daran – das Curry wird in einem ausgehöhlten Weißbrot serviert, dazu gibt es Salat. Wir bestellten zunächst eine Portion mit Hühnchen für uns vier und fügten hinzu, es bitte „extra extra mild“ zu kochen. Ich probierte nur die Soße, fand sie aber sehr lecker und bestellte daraufhin noch eine vegetarische Portion. Ein Mädchen hielt die Schärfe gar nicht aus, die anderen beiden aßen aus Höflichkeit auf. Außerdem gewöhnungsbedürftig für den verwöhnten deutschen Gaumen: Knochen und Knorpel im Essen. Für ein Curry am Straßenrand für umgerechnet 3€ aber ganz normal. Mein Bohnencurry kostete sogar nur 2,50€ und schmeckte herrlich würzig, scharf, anders.

Weiter ging es an diesem Tag noch zum World’s View und zu den Howick Falls, einem knapp 100 Meter hohen Wasserfall. Zurück in Durban genossen wir die etwas kühlere Seeluft, ein gutes Essen in der Nähe des Strandes und noch einen kurzen Abstecher ins Casino. Danach fielen wir aber auch bald in unsere Betten, denn am nächsten Tag brachen wir in der Frühe Richtung Lesotho auf.

Seitdem wir hier sind, wurden wir schon des öfteren vom Südafrikaner Tony auf die jeden Sonntag stattfindende Townshipparty eingeladen. Bis jetzt hat es nie gepasst, doch letzter Sonntag bot sich zum Glück mal an.

Die Party findet tagsüber statt, beginnt um 11 Uhr morgens und ist um 20 Uhr zu Ende. Wie geht man nun dorthin? fragten meine Mitbewohnerin und ich uns. Mit so wenig Verlierbarem wie möglich, beschlossen wir. Das heißt kein Handy, kein Portemonnaie, kein Schmuck. Wohnungsschlüssel und etwas Geld in die Hosentasche, genau so wie Taschentücher, denn von einer Freundin wurde uns vorher schon mitgeteilt, dass es dort kein Klopapier gibt. Wertvoller Tip!

Um 11 Uhr wollten wir auch hier aufbrechen, die Fahrt dauert ca. 30, vielleicht aber auch 45 Minuten. Tony war sich da nicht so sicher. Und wir sollten bitte deutsch-pünktlich sein, sagte er. Dementsprechend trafen sich zehn Deutsche um 11 Uhr am Treffpunkt. Wer fehlte? Natürlich die Südafrikaner. Auch, wenn diese Aussage nach plumpen Stereotypen klingt, die Uhr läuft hier wirklich etwas anders.

Die Fahrt Richtung Gugulethu machten wir mit 13 Personen in einem Kleinbus.  Diese sind offiziell für 16 Personen zugelassen, wie ich erfahren habe. Also kein Grund zur Sorge. Ziemlich alt und ungepflegt war der Bus, hatte aber ein neues Radio, Pioneer-Boxen und eine LED-Lichterkette eingebaut. Man muss schließlich Prioritäten setzen. Schlussendlich brauchten wir knapp eine Stunde bis zum Mzolis.

Mzolis war ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Es war mitten im Township und zwischen Wellblechhütten, aber dennoch ganz ordentlich aufgebaut. Eigentlich gab es nur ein Wellblechdach, das auf Holzpfeilern steht. Darunter Blechtische und Plastikstühle. Das war alles. Leider stellte es sich auch als Touristenattraktion heraus, weshalb wir nicht nur unter Einheimischen feierten. Zunächst wurde aber auch gegessen. Tony versicherte uns mehrmals, dass unsere Grillplatte in 10 Minuten fertig sei. Wie lange es letztendlich dauerte wussten wir nicht, wir hatten ja keine Uhr dabei. Auswahl gab es nicht,braucht man auch nicht. Fleisch ist Fleisch und das ist die Hauptsache. Schließlich landete eine riesige Blechschüssel mit genau so riesigen Fleischlappen und Wurst auf unserem Tisch. Unser Besteck: Ein Styroporteller und ein Plastiklöffel. Einen Plastiklöffel! Für eine Fleischplatte! Super Idee. Netterweise gab es für mich etwas Chakalaka-Salat und Pap (Maismehl in Wasser gekocht). Aber das wurde traditionell mit der Hand gegessen, weshalb eigentlich niemand etwas anderes als Servietten brauchte.

So langsam füllte sich Mzolis mit vielen, vielen Menschen. Die DJs legten guten, südafrikanischen House auf. Dann wurde einfach um die Tische herum getanzt. Als Deutsche neben Südafrikanern zu tanzen ist übrigens sehr peinlich.

Die Toiletten waren, wie von der Freundin schon angekündigt, sehr einfach. Zwar hatte ich mich schon auf Dixis eingestellt, aber es gab doch tatsächlich richtige Klos mit Wasserspülung. Die Türen konnte man nicht abschließen, sie blieben noch nicht mal zu, wenn sich nicht jemand von außen davor stellte, es gab kein Papier und irgendwo trat Wasser aus, sodass der Boden permament nass war. Das Waschbecken hing nur noch halb an der Wand. Aber hey – es funktionierte alles bis zum Schluss.

Nachdem wir uns noch eine Stunde auf den völlig überfüllten Straßen vorm Mzolis aufgehalten und mit Locals unterhalten hatten, fuhren wir gegen 18 Uhr wieder Richtung Stellenbosch. Insgesamt mit vielen Erfahrungen und Eindrücken reicher, allerdings um ein Smartphone ärmer. Eine Verkehrskontrolle auf dem Weg sollte uns dann auch nicht mehr aufhalten. Unser Fahrer drehte kurzerhand um und fuhr von dort an nur noch über kleine Straßen. Ein beruhigendes Gefühl. Kurz bevor wir in Stellenbosch ankamen, hielten wir noch im Township Kayamandi. Max‘ Schwester Lisa war zu Besuch und deshalb erst wenige Tage in Afrika. Tony kaufte ihr deswegen kurzfristig einen gekochten Ziegenkopf zum Abendessen. Den hat hier schon fast jeder bekommen, den Tony neu kennenlernt. Ich war nie glücklicher, Vegetarier zu sein!

Übrigens: Letztendlich hat mich der Transport nach Gugulethu und zurück, der Eintritt und das Essen insgesamt 7,50€ gekostet. Jede Flasche Cider, die wir uns kauften ungefähr 75cent…

Huch! Das ging schnell! Die erste Hälfte des Semesters ist geschafft! In Deutschland freue ich mich irgendwie mehr darüber. Für mein Semester in Südafrika heißt das allerdings, dass schon fast die Hälfte meiner Zeit hier abgelaufen ist. Und die verging wie im Flug.

Der südafrikanische Student wird für das Bestehen eines halben Semesters schon mit einer Woche Ferien belohnt. Schon vor 3 Monaten bekam ich die Empfehlung eines einheimischen Freundes, diese Woche für einen Roadtrip auf der Garden Route zu nutzen. Mag man als stolzer Werner Bürger bei der direkten Übersetzung vielleicht daran denken, dass dies eine Straße ist, an der die wunderschönsten Vorgärten Südafrikas liegen, irrt man. Zum Glück. Als Garden Route wird die Küstenregion zwischen Hermanus im Western Cape und Port Elizabeth im Eastern Cape bezeichnet.

Die 2500km, die unser Mietwagen hinterher anzeigt, und neun Tage planen wir mit insgesamt fünf Studenten. Um alle Orte detailliert zu beschreiben fehlt mir hier die Geduld. Deshalb im Folgenden unsere grobe Route und ein paar Eindrücke aus dem schönsten Land der Welt.

 

Stellenbosch – Hermanus

Natürlich starten wir in unserem Wohnort. Nach einigem Hin und Her mit verschiedenen Autovermietungen haben wir endlich einen neuwertigen Toyota Corolla mit großem Kofferraum ergattert. Bombenwetter, Musik an, Fenster runter. Wie viel besser kann ein Roadtrip starten? Schon nach den ersten 30km halten wir an der Straße, um die Aussicht über Gordon’s Bay zu genießen. Wir sehen den ersten Seehund aus der Ferne. Nach einigen wundervollen Kilometern auf der Küstenstraße kommen wir nachmittags in Hermanus an. Unser erstes Hostel kann sich wirklich sehen lassen. Großes Zimmer, Pool, Billard, Bar und ein kleines Lagerfeuer. Das beeindruckt zwar für ca. 9,50€ die Nacht, interessiert aber im ersten Moment kaum, denn wir wollten Wale sehen. Hermanus ist die Walhauptstadt und hat seinen gesamten Tourismus darauf ausgerichtet. Wir haben kaum das Auto an der Küste geparkt, schon sehen wir die erste Flosse aus dem Meer ragen. Viel näher heran traut sich Free Willy aber nicht (obwohl wir hier nicht von Orcas, sondern vom Southern Right Whale sprechen).

 

Hermanus – Swellendam

Die nächste Station nach Hermanus ist zunächst Cape Agulhas, der südlichste Punkt Südafrikas (nein – nicht das Kap der Guten Hoffnung 😉 ). Der Grund aus dem wir dorthin gefahren sind: Dort gewesen zu sein. Denn wirklich spektakulär ist der Ort nicht. Deshalb aussteigen, Foto machen, einsteigen, weiterfahren.

Swellendam ist ein sehr schönes Örtchen, doch leider ist dort der Hund begraben. Ein Großteil des Ortes besteht aus Ferienhäusern, die um diese Jahreszeit noch leer stehen. Wir wohnen in einer Adventure Lodge. Sehr schön, grün und ruhig gelegen; das Abenteuer finden wir leider nicht. Für fünf Studenten nicht wirklich das richtige an einem Samstag Abend, dennoch haben wir unseren Spaß in der lokalen Kneipe. Außerdem gehen wir nachmittags in den sehr schönen Wäldern wandern und haben ein sehr gutes Abendessen , weswegen wir so oder so gut schlafen können.

 

Swellendam – Knysna

Unser nächstes Mittagessen genießen wir in Mossel Bay in einer eher alternativen Strandbar namens Kaai 4, mitten im Industriehafen. Hier wird den ganzen Tag gebraait, der hungrige Student sucht sich nur das Fleisch aus und es wird zubereitet. Für  mich gibt es ein überbackenes Tomatenbrot. Hört sich langweilig an, aber das Brot ist selbst gemacht, das Aroma durch das Holzfeuer sehr würzig und warum auch immer gibt es Blumenkohl  und Süßkartoffelbrei dazu. Inklusive Getränk bezahle ich ungefähr 2,50€. Und das direkt am Meer. Unglaublich.

Unsere Betten für diese Nacht stehen in einem Backpackers in der Lagunenstadt Knysna. Auch in Knysna ist um diese Jahreszeit nicht allzuviel los. Nach einen sehr guten Dinner in einem sehr guten Fischrestaurant fallen wir bald in unsere Betten. In diesem Ort hätte ich gern noch etwas mehr Zeit verbracht, denn er hat landschaftlich sehr viel zu bieten. Leider lässt unsere Zeitplanung das nicht zu. Man ist ja immer noch deutsch genug.

 

Knysna – Port Elizabeth

Auf unserem Weg zum Ziel der Garden Route fahren wir wieder mal an den schönsten Stränden entlang. Die Jungs spielen in Plettenberg Bay am Strand Fußball, ich genieße einen Kaffee und einen kleinen Moment Ruhe in einem kleinen, versteckten Café. Unser nächster Halt sind Jeffreys Bay und Paradise Beach. In einer dortigen Tapas Bar gibt es zwar keine Tapas, dafür aber Austern. Und meine Cannelloni mit Ricotta und Spinat stellen sich als Mikrowellen-Essen heraus. Der Koch hat sich noch nicht mal die Mühe gemacht, die Plastikverpackung zu entfernen. Vegetarier sind halt nicht die größte Zielgruppe südafrikanischer Restaurants.

PE selbst ist keine schöne Stadt. Auch, wenn unser nächstes Hostel sogar Balkon mit Meerblick hat, dominiert die Autobahn das Stadtbild. Abends gehen wir in die Stanley Street, eine kleine Ansammlung von Restarants und Bars an einem Hang mit toller Aussicht über PE bei Nacht. Wir lernen Südafrikaner und dank ihnen lokale Getränke kennen und verbringen einen tollen Abend.

 

Addo Elephant National Park

Endlich lassen sich alle afrikanischen Klischees in die Realität umsetzen. Eine Lodge mit Reetdach, eine Fahrt auf eigene Faust durch den Nationalpark, Elefanten, Springbocks, Kudus, Paviane, Erdmännchen und Büffel. Immerhin haben wir 2 der Big Five gesehen, wobei ich demnächst einen Antrag darauf stellen werde, die Big Five zu Big Six zu erweitern, da die Spinnen, die mit uns in der Lodge übernachtet haben, wirklich groß genug sind, um mit Büffel und Elefant mithalten zu können.

Addo stellt auch unser Bergfest dar. Nun treten wir den Rückweg an. Zunächst bleiben wir aber noch eine Nacht in PE und gehen wieder in die Stanley Street. Da für den Rückweg noch gar nichts geplant ist, überlegen wir am nächsten Morgen spontan, wohin es gehen soll. Das Wetter ist unglaublich, über 20 Grad, blauer Himmel. Wir entschließen und dazu, dieses Wetter am Strand auszunutzen. Nachmittags geht es dann weiter.

 

Tsitsikamma – Oudtshoorn

Der Tsitsikamma National Park ist einer der schönsten, die ich bis jetzt gesehen habe. Eine traumhafte Kanutour auf dem Stormsriver in einer Felsschlucht ist das Highlight der Reise. Zumindest für mich, denn meine Begleiter springen nur 1 Stunde später von der höchsten Bungee-Brücke der Welt 216 Meter in die Tiefe. Als geübter Angsthase schaue ich dabei aber lieber nur zu.

Abends erreichen wir Oudtshoorn, die Straußenstadt. Am nächsten Morgen gibt es deshalb Straußen-Rührei zum Frühstück und wir fahren auf eine Straußenfarm. Dort reite ich tatsächlich auf einem Strauß. Zumindest ca. 20 Meter, denn die Tiere sind unglaublich schnell und ich lande etwas unsanft auf dem Boden. Eigentlich wollen wir noch den ganzen letzten Tag in Oudtshoorn verbringen, doch einer meiner Begleiter bekommt die Magen-Darm-Grippe, die momentan hier herumgeht, weshalb wir auf direktem Weg nach Hause fahren. Dieser Weg führt uns durch die Kleine Karoo, eine Halbwüste, mit unglaublich tollem, weitläufigem Panorama.

 

Mein Fazit nach dieser Reise – Das mache ich nochmal! Da ich nun realisiert habe, dass meine wertvolle Zeit hier viel zu schnell vorbei sein wird, wird die Uni in Zukunft etwas vernachlässigt, um noch mehr vom Land zu sehen als eh schon geplant. Dadurch lerne ich eh viel mehr als an meinem Schreibtisch.

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Am vergangenen Freitag war ich zum ersten Mal in einem Township. Ein südafrikanischer Freund hat uns eingeladen, dort im Township-Theatre einem Poetry-Slam beizuwohnen. Schon die Fahrt in einem südafrikanischen Taxibus, der normalerweise 13 Personen fasst, war unglaublich witzig. Eng neben- und voreinander ging es relativ schnell durch Stellenbosch und ins Township hinein. Sicherheitsgurte gibt es keine, aber um durch das Auto geschleudert zu werden ist eh nicht genug Platz vorhanden. Dafür war die Fahrt kostenlos.

Im Township Kayamandi selbst sieht es aus wie auf jeder Postkarte. Bunte Wellblechhütten, manche mit Sicherheitstür aus Edelstahl, spielende Kinder davor, Männer versammeln sich zum Braai (Afrikaans für Grillen). Ich wusste nicht wirklich, wie ich mir ein Township-Theater vorstellen sollte. Wir waren aber doch überrascht, als wir in ein ganz normal gemauertes und verputztes Gebäude inmitten der Wellblechhütten eintraten. Innen eine kleine Bühne, bunt angemalte Tische, Stühle und umgedrehte Kisten als Sitzplätze. Gedichte, Lieder, Texte und kleine Theaterstücke wurden vorgetragen. Dies entweder auf Englisch oder Afrikaans. Alle Themen wurden abgedeckt, ob moderne Musik, Liebe, Politisches, Spirituelles oder alles zusammen. Eine Zeile einer jungen Afrikanerin ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben:

„We are a rainbow nation. But a rainbow doesn’t contain black.“

Es wird noch dauern, bis die Auswirkungen der Apartheid vollständig verschwunden sind.

Ein weiterer Aufruf der Moderatorin an das Publikum war, dass jeder die Hand heben sollte, der mehr als eine Sprache spricht. Niemand hob seine Hand nicht. Die zweite Aufforderung war, seine Sitznachbarn in einer anderen Sprache zu grüßen. Hallo’s auf isiXhosa, Afrikaans, Zulu, Englisch, Französisch, Vietnamesisch, Schwedisch und Deutsch flogen durch den Raum. Diesen Moment habe ich bewundert da ich glaube, dass es in Deutschland nicht so vielfältig wäre.

In einer kurzen Pause gab es auch hier ein Braai. Der Fleischkonsum in Südafrika ist unglaublich. Jeder Deutsche Fleischesser wird hier als Vegetarier angesehen; wohl ein Resultat der niedrigen Fleischpreise. Umso mehr hat es mich gefreut, dass es tatsächlich auch vegetarische Würstchen zu kaufen gab. Nach drei Stunden Poetry sind wir mit dem Taxibus dann wieder heim.

http://www.amazink.co.za/home/

Momentan bemerke ich, dass ich zum Studieren in Afrika bin und nicht um Urlaub zu machen. Auch, wenn ich nur wenige Stunden in der Uni sitze, muss ich doch einiges vor- und nachbereiten. Was wirklich schade ist, wenn man bedenkt, dass man am Schreibtisch sitzt obwohl man so viele andere Dinge tun könnte.

Am meisten beanspruchen dabei aber die interkulturellen Gruppenarbeiten. Zwar hat mein Professor in Deutschland das schon erwähnt, aber die Praxis stellt man sich ja doch anders vor. Dass vor allem eine Gruppenarbeit bei mir nur schleppend vorwärts kommt, liegt wohl am unterschiedlichen Notensystem. In Südafrika bekommt man für eine gute, durchschnittliche bis überdurchschnittliche Leistung nämlich ca. 65% als Note, was nicht schlecht ist. Doch für einen in Münster geprägten Deutschen sind 65% fast nur die Hälfte der zu erreichenden Punkte, die Häfte sind 50%, 50% heißt durchgefallen. Will man also nur knapp bestehen? Natürlich  nicht. Zumindest aus deutscher Sicht, weshalb es deutliche Unterschiede in Anspruch und Motivation gibt. Doch bis wir diesen Unterschied festgestellt haben, hat es eine Zeit gedauert. So langsam haben wir uns eingearbeitet und wir Deutschen versuchen, mal nicht ganz so deutsch zu sein.

Eine andere Form von Unterricht in einem meiner Kurse verdanken wir der Kursgröße von sechs Studenten. Unsere Dozentin nutzt diesen Vorteil, um uns Stellenbosch aus ihrer Sicht näherzubringen. Das bedeutet, dass wir uns jeden Dienstag in einem anderen, wunderschönen Café von Stellenbosch wiederfinden, zuerst ein wenig über die Geschichte der Lokalität reden und dann unseren eigentlichen Themen nachgehen. Dazu ist unsere Dozentin unglaublich liebenswert, bringt uns manchmal afrikanisch Spezialitäten mit, heute war es unglaublich süßes, gedrehtes Gebäck namens Koeksisters (wörtlich übersetzt:  Kuchenschwestern) und Milktarts, und erzählt uns viel über mögliche Ausflugsziele. So gibt sie uns wertvolles Südafrika-Wissen für die kommenden Tage mit auf den Weg, an denen ich hoffentlich nicht mehr so viel Zeit am Schreibtisch verbringen muss.

Löwen, Giraffen und Hitze sind wohl die ersten Assoziationen, die ein Europäer mit Südafrika verbindet. Doch da muss ich enttäuschen, denn wir befinden uns hier mitten im Winter. Das sehr wechselfreudige Wetter ändert sich daher im 20-Minuten-Takt von Platzregen zu strahlend blauem Himmel bei Temperaturen von circa 15 Grad. Des Weiteren ist das wildeste Tier, was ich in den letzten Tagen gesehen habe, ein Eichhörnchen.

Überhaupt ist Stellenbosch im Western Cape ein sehr westliches Städtchen mit wunderschönen historischen Gebäuden, gleichmäßig gestutzten Hecken in Vorgärten, einer großen Mall und vielen Mercedes, die hier allerdings auf der linken Straßenseite fahren. Bemerkenswert, weil kaum mit Deutschland vergleichbar, ist jedoch die Freundlichkeit der Südafrikaner. Egal ob im Fahrrad-Verleih, im Supermarkt, in der Uni oder privat- alle Menschen sind unvorstellbar hilfsbereit, haben immer ein Lächeln auf den Lippen und vertreiben damit jegliches Unbehagen eines Ausländers. Auf meinen Kulturschock warte ich deshalb noch immer.

Das Vorurteil, es gäbe zu jedem Anlass vorzüglichen Wein, kann ich jedoch bestätigen. Schon in der Orientierungswoche der Uni wurden wir zum Lunch mit Sandwiches, sowie Rot- und Weißwein empfangen. Dank der unbestritten hervorragenden Qualität der Weine macht es einer Schar von Studenten dann auch nichts aus, ihn aus 10-Liter-Plastik-Kanistern zu zapfen. Noch besser schmecken hiesige Produkte nur noch beim Winetasting auf einer Winefarm. Aus diesem Grund haben wir uns in der letzten Woche ein Auto geliehen und sind von Stellenbosch über Strand nach Franschhoek gefahren. Auf knapp 200km sind wir dabei an Strand und Meer vorbeigefahren, über Passstraßen, an Nadel- und Laubwäldern entlang, über einen Stausee, durch Apfelplantagen und natürlich auch Weinfelder. Vielleicht ist Südafrika genau aus diesem Grund ein beliebtes Ziel für Auswanderer; es ist für jeden Naturliebhaber etwas dabei.

Sonntag Abend war ich zum ersten Mal in einem südafrikanischen Jugendgottesdienst. Es war nicht wirklich so wie in Sister-Act, dennoch war die Kirche voll von 16-30-Jährigen, die freiwillig(!) dort waren. So viele Jugendliche in einer Kirche habe ich zuletzt im Abschluss-Gottesdienst im Gymnasium gesehen. Es wurde viel gesungen, sowohl auf Englisch als auch auf Afrikaans, es wurde gelacht, weil Leiter des Gottesdienstes wie ein Entertainer seine Predigt hielt und im Anschluss traf man sich noch zum gemeinsamen Pfannkuchen-Essen. Hier überzeugt Kirche zeitgemäß durch Freude und Lebhaftigkeit, ohne dabei den Ernst der Religion zu verlieren. Ich würde mir wünschen, dass deutsche Religionen sich eine Scheibe davon abschneiden.

Es ist kaum vorstellbar, wie schnell die Zeit hier vergeht, weil man so viel Neues entdecken kann. Davon bald mehr 🙂