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Vor den Sommerferien hatte ein unbekannter Täter aus einem Klassenraum im Zeppelin-Gymnasium einen Beamer gestohlen. Es ist traurig, dass so etwas heute noch passiert, und das gerade an einer Schule. Wir wurden darüber informiert und sollten daraufhin die Augen offen halten und unsere Sachen nicht einfach so rumliegen lassen. Und bis vor einigen Tagen hatte ich diese Angelegenheit fast vergessen – bis mich ein Lehrer des Gymnasiums daran erinnerte, auf eine Art, die, wie mir bestätigt wurde, für ihn normal zu sein scheint.
Wir schrieben an diesem Abend eine Mathe-Klausur, und weil ich vorher noch mit meinen Klassenkameraden lernen wollte, war ich schon ein paar Minuten vor Schulbeginn in der Schule. Das Abendgymnasium ist ja im „Zepp“ untergebracht.
Alle unsere Klassenräume waren offen, und es waren auch schon Schüler von jedem Jahrgang da, außer von meinem. Ich betrat unseren Klassenraum und störte dort eine kleine Gruppe von Lehrern und Schülern, die darüber berieten, was man in dem Raum noch verändern könne und inwiefern das möglich sei. Ich wartete artig vor der Klasse, um sie nicht zu stören. Als die Gruppe den Raum verließ, wollte ich gerade hineingehen, als mich ein Lehrer des Zeppelin-Gymnasiums aufhielt. Er musterte mich von oben bis unten und fragte, was ich hier mache und ob ich hier zur Schule gehe, wobei er mir den Weg zum Klassenraum versperrte und die Türklinke eisern festhielt. Ich bejahte und sagte ihm, ich würde gerne in den Klassenraum gehen, um mich auf eine Klausur vorzubereiten, die wir gleich schrieben. Daraufhin fragte er, ob das nötig sei und ob ich nicht wüsste, dass hier geklaut wird. Als ich ihm versicherte, dass wir immer darauf aufpassen, dass hier niemand etwas mitnimmt, zog er die Tür zu, schloss sie ab und sagte: „Ich möchte nicht, dass die Schulbücher in diesem Raum morgen weg sind.“ Mal davon abgesehen dass ich stinksauer war, hat mich das Ganze doch etwas nachdenklich gemacht. Haben die Schüler des Abendgymnasiums einen so schlechten Ruf?
Nun aber zu etwas ganz anderem. Diesmal stelle ich Ikram Halabi vor, die beste Freundin von Ann Christine Ladwig.
Ikram ist 25 Jahre jung und kommt aus Lüdenscheid. Auch sie ist einen Jahrgang über mir, in der H3. Sie ist ein sehr angenehmer Mensch und hat im Erkältungsfall auch Tee und Gebäck für Mitschüler parat. Zusammen mit ihr und Ann ist keine Pause langweilig, denn man hat immer etwas, worüber man reden kann. Sei es der letzte Unterricht oder warum eine Sitcom ein falsches Männerbild verbreitet. Die Themen sind immer interessant.
Ikram konnte ihre erste Schullaufbahn nicht in einem Rutsch durchlaufen, da sie sich innerhalb der Familie sehr intensiv kümmern musste. Der Gedanke an das Abitur kam erst, nachdem sie mehr als hundert Bewerbungen geschrieben hatte und nur zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen worden war. Sie möchte ein gutes Abitur, um so etwas nicht mehr erleben zu müssen. Mit dem Abitur will sie sich aussuchen, was sie macht und welche Laufbahn sie einschlägt. Momentan arbeitet sie in der Modebranche und hat jeden Tag von sieben Uhr morgens bis abends um zehn Uhr zu tun. Zudem muss sie viel Arbeit im Haushalt erledigen. Einkäufe für fünf Personen und der Weg von der Arbeitsstelle nach Hause, zur Schule und zurück sind zeitaufwändig. Aber nach einiger Zeit hatte sie sich daran gewöhnt. Da sie nie arbeitslos war, kennt sie es kaum anders. Auch ihre Familie und ihre Chefin unterstützen sie sehr gut – davon abgesehen, dass die Lehrer bei uns mehr als verständnisvoll für so einen Alltag sind. Das Besondere an der Abendschule sind die Leute, sagt sie. Sie hat dort Ann kennengelernt – eine besondere Freundschaft. Und sie ist über die Vorurteile von Äußerlichkeiten hinweg. Auch sie freut sich sehr auf die Zeit nach dem Abitur, vor allem, weil es dann so weitergeht, wie sie es will.

Thomas Köhler

12. Folge: Ann Christine Ladwig aus Altena hat schon zwei Jahre überstanden

Anforderungsbereich I bis III und deren Operatoren: Ein paar Leute werden diese Begriffe noch gut kennen. Begriffe, die uns nun seit ein paar Wochen in fast jedem Fach begleiten, vor allem in den wortstarken Fächern wie Deutsch, Soziologie und Biologie.
Für uns bedeutet es ein anderes Herangehen an Texte, Bücher und Aufgabenstellungen. Die Anforderungsbereiche und Operatoren sind so etwas wie Erwartungen an den Schüler, wie er etwa an Texte herangeht, wie man mit den Informationen umgeht, die man dadurch erhält, und vor allem nicht um den heißen Brei herumredet, sondern auf den Punkt kommt.
Für mich klang das alles zu Beginn sehr abstrakt und etwas zu weit weg davon, wie ich bis jetzt gearbeitet habe. Doch vor allem unser neuer Soziologielehrer, Herr Kühmel, hat uns von der ersten Stunde an mit großer Geduld und viel Einsatz sehr genau erklärt und erörtert, was man darunter versteht.
Nicht jeder konnte mit diesen Begriffen sofort etwas anfangen und sie ohne Probleme anwenden. Deswegen waren wir heilfroh, dass Herr Kühmel so geduldig mit uns ist. Umso mehr ärgert es ein paar von uns, dass einige Unterrichtsstunden bei ihm ausfielen, sei es durch einen blöden Zufall, Seminare oder die alljährliche Grippewelle. Auch wenn das Fach Soziologie viele nicht von den Socken haut, ist es hilfreich für die kommenden zwei Jahre, da wir dort ein paar gute Übungen bekommen, die wir für die Abiphase gebrauchen können. Jetzt sind die Ferien vorbei, und ich hoffe, dass am Montag alle wieder gesund sind. Denn bei uns in der Klasse hatte die Grippewelle mit recht großem Erfolg zugeschlagen. Man hörte Husten und Schniefen aus allen Rängen.
Heute würde ich gerne eine Mitschülerin an unserem Abendgymnasium vorstellen. Fangen wir mit Ann an. Ann Christine Ladwig ist 21 Jahre jung, kommt aus Lüdenscheid und wohnt momentan in Altena. Sie ist ein Jahrgang über mir in der H3, dem Abiturjahrgang, und hat immer gerne einen guten Tipp für mich parat. Sie verbreitet mit ihrem ehrlichen Lachen in jeder Pause gute Laune und ist immer gut für ein paar Minuten gesunder Diskussionen. Sie besucht das Abendgymnasium, weil sie, aus privaten Gründen, den ersten Bildungsweg nach ihrem Realschulabschluss nicht in einem Rutsch durchlaufen konnte. Ihr Bruder brachte sie dann auf die Idee mit dem Abitur an der Abendschule. Das Abitur macht sie, da sie gerne alle Möglichkeiten haben möchte, um später das machen zu können, was sie gerne will. Sei es ein Studium oder eine spezielle Ausbildung.
Auf die Frage, wie sie es mit dem Leben neben der Schule macht, meint sie: „Ich bin momentan arbeitssuchend. So ist die Einteilung für Haushalt, Freizeit und Schule gut zu bewerkstelligen. Ich bin nur unglücklich über den täglichen Weg von Altena nach Lüdenscheid.“ Da Ann Christine nächstes Frühjahr mit den Abiprüfungen beginnt wollte ich wissen, wie gut sie sich vorbereitet fühlt. Auch hier ist sie sehr optimistisch. Die Lehrer seien alle schwer in Ordnung und hätten immer ein Ohr für Probleme, seien sie persönlich oder schulisch. Und man merkt die gute Unterstützung.
Sie erzählt mir, dass sie es genießt, viele verschiedene Menschen an der Schule zu sehen, ihre Geschichten und von ihrer Herkunft zu hören. Ann Christine sieht die drei Jahre als angenehme Zeit, die nicht verschwendet ist. Und zum ersten Mal, sagt sie, unterhalte sie sich mit ihren Mitschülern ernsthaft – sei es über Sachen aus der letzten Unterrichtsstunde, Geschichten, Gott und die Welt oder wo und bei wem man am Wochenende zusammen lernt. Außerdem solle ich unbedingt ihren Klassenkameraden Ruslan interviewen – einen Mann, vor dem sie viel Respekt habe. Das werde ich auch tun. Nächstes Mal stelle ich aber ihre beste Freundin vor, Ikram.

11. Folge: Zweites Schuljahr hat begonnen / Niemand ist abgesprungen

Von Thomas Köhler
Der erste Schultag nach den Ferien. Jetzt beginnt die
Hauptphase. Die Leistungskurse werden bald gewählt, und der Schulstoff
legt an Tempo und Schwierigkeit zu.
Sechs Wochen Sommerferien sind nun vorbei und es ging zu schnell, viel
zu schnell. Genau, wie ich es erwartet hatte. Und was habe ich die
Sommerferien genutzt. Ich habe mir eine neue Wohnung gesucht, bin
daraufhin umgezogen, habe gearbeitet, hatte eine kurze Zeit lang so
etwas wie ein Hobby und in all dem auch ein paar Tage Urlaub.
Die ersten Schultage waren wie gewohnt. Ich habe mich wirklich gefreut,
meine Klassenkameraden wiederzusehen – und auch darüber, dass es alle
waren, bei denen ich mich vor den Ferien verabschiedet habe. Das heißt:
Keiner hat es sich anders überlegt und ging.
Neues gibt es auch schon. Der Stundenplan hat sich geändert. Nichts
Weltbewegendes, aber die Stunden sind jetzt besser verteilt anstatt auf
einem Haufen. Außerdem werden wir von zwei neuen Lehrern unterrichtet.
Diese ersetzen somit Herrn Glogowski, der uns in Soziologie lehrte, und
Herrn Waldwehr (Name auf seinen eigenen Wunsch geändert), der mich und
ein paar andere Klassenkameraden in Mathe sehr weit gebracht hat.
Die Erwartungen an diese neuen Lehrer sind also ziemlich hoch, denn Herr
Glogowski und Herr Waldwehr waren mir fast ans Herz gewachsen, soweit
man das von Lehrern sagen kann.
Was mich allerdings schockierte, waren die Tage vor dem ersten
Abendunterricht. Ich war zu gleichen Teilen traurig und froh darüber,
dass es wieder losgeht. Traurig war ich, weil ich die Zeit, die ich
hatte, zu sehr ausgenutzt hatte. Die sechs Wochen waren voller Freizeit
und ohne Schulstress, voll mit Aktivitäten, für die man sonst keinen
Raum hatte. Es waren nicht die Sommerferien, die ich im ersten
Bildungsweg hatte, weil ich wusste, dass es schnell vorbei sein würde.
Da merkte ich wieder, wieviel Zeit man eigentlich an einem Tag hat. Der
Gedanke daran, dass ich diese Freizeit jetzt vermissen werde, wog schwer.
Ich kann die Leute mehr als verstehen, die den Alltag ohne Schule dem
Alltag mit Abendschule vorziehen. Es strengt an, und es zog mich etwas
runter. Doch die Freude war auch da. Die Vorfreude darauf, dass ich noch
zwei Jahre habe und es dann vorbei ist und ich mein Abitur in der Tasche
habe. Die Freude, dass es endlich wieder weitergeht und ich danach
endlich das machen kann, was ich immer wollte: Studieren – und zwar
etwas, was mir Spaß macht.
Aufhören möchte ich nicht, und ich denke, das werde ich auch nie in
Erwägung ziehen, doch kann ich nicht lügen, wenn es um die freien
Nachmittage geht. Möge das kommende Schuljahr so werden wie das letzte.
Das würde mir gefallen.

10. Folge: Das erste Schuljahr ist geschafft / Fünf Kommilitonen nicht
mehr dabei

Von Thomas Köhler

Als mir vor einem Jahr gesagt wurde: „Die ersten beiden Semester
vergehen wie im Flug“ , habe ich das natürlich geglaubt. Aber so
schnell? Das mag jetzt kitschig klingen, aber es war, als sei es erst
gestern gewesen, als ich mit der Schule anfing. Und es kommt mir nicht
nur so vor, weil das Wetter genau so schlecht war wie heute. Ich glaube,
es ist auch so, weil ich wirklich kaum Zeit hatte, um es ganz zu
erfassen und zu betrachten, wie schnell man sich von Klausur zu Klausur,
von Thema zu Thema und von Semester zu Semester arbeitet. Das war etwas,
was ich sehr schnell merkte: Es ist wirklich sehr anstrengend.
Es mag immer alles sehr einfach geklungen haben hier in den Texten. Doch
war es das nicht immer. Auch wenn das Wetter nicht so gut war, war man
versucht, einen Abend pro Woche mal nicht hinzugehen, eine Stunde später
oder eher zu gehen. Der Zeitaufwand ist anstrengend, das kann man nicht
schönreden, doch ist es mir das definitiv wert.
Wir haben vor einem Jahr mit achtundzwanzig Leuten das Schuljahr
begonnen, und nun sind wir – nach den Sommerferien – noch
dreiundzwanzig. Die Gründe waren unterschiedlich. Der eine hatte keine
Zeit und keine Lust mehr; ein anderer realisierte nach einem halben
Jahr, dass er doch schon sein Fachabitur hatte und nun eigentlich
umsonst mit uns die Schulbank drückte. Andere kamen mit dem Druck nicht
klar und waren am Ende doch überfordert. Es ist schade, dass manche weg
sind, doch so ist es in der Schule leider. Die verbleibenden Schüler in
unserer Klasse sind aber motivierter denn je, denn im nächsten Schuljahr
fängt der ernste und entscheidende Teil an. Die Hauptphase, oder auch
H-Phase.
Das Ende des Schuljahrs wurde sehr nett mit einer kleinen Grillparty
mehr als gebührend gefeiert. Neben unserem Schulleiter, Herrn Küster,
waren auch noch Herr Rothländer und Herr Schwarz, der mir ein sehr
leckeres Kalbssteak spendierte, anwesend. So wie alle verbliebenen
Schüler des Lüdenscheider Abendgymnasiums.
Und da das Rahel-Varnhagen-Kolleg dieses Jahr 30 Jahre alt wird, wurde
auch noch ein großes Schulfest in Hagen veranstaltet, zu dem alle
Schüler eingeladen waren. Es gab Sportveranstaltungen und Turniere,
Fressbuden, Getränke und Preisverleihungen für den Kunstwettbewerb der
Schule. Ich konnte leider nicht hin, da mich die Arbeit zu viel einspannte.
Doch nun haben erst einmal die Sommerferien für mich angefangen, und ich
freue mich wie noch nie zuvor, mehr noch als in meiner ersten Schullaufbahn.
Denn jetzt habe ich erst mal wieder Zeit. Zeit, die ich auch brauche, um
endlich etwas auszuspannen und um mehr Zeit mit meiner Freundin zu
verbringen. Die Ferien kommen mir aber auch gelegen, da ich eine neue
Wohnung brauche und bis jetzt nicht wirklich dazu gekommen bin, mich
umzusehen. Und ich wette, die sechs Wochen gehen viel zu schnell vorbei,
um sie richtig zu genießen.
Hoffen wir auf gutes Wetter, auf viel Entspannung und dass das nächste
Schuljahr so lustig und lehrreich wird wie das Vergangene.

8. Teil: Frischgebackene Abiturienten plaudern aus dem Nähkästchen

Drei Jahre sind vorbei und das Abitur ist in der Tasche. Die Aussicht ist eine Zukunft voller Möglichkeiten und man kann mit Stolz zurückblicken auf das, was man geschafft hat. In den letzten Wochen und Monaten arbeitete die H4, unsere Abschlussklasse, eifrig an ihrem Abitur. Es wurde gebüffelt, geredet, geschrieben und bestanden.

Ich hab mich mit ein paar von den fertigen Abiturienten unterhalten, und so vieles erfahren, einen guten Einblick erhalten und nützliches Wissen, wie man es machen sollte und wie nicht.

Von drei Abiturienten möchte ich ein paar Eindrücke wiedergeben. Das wären Cigdem Güler (23 Jahre), Viktor Horst (25 Jahre) und Alexandra Weber (Name auf Wunsch von der Redaktion geändert, 25 Jahre).
Alle drei erzählten mir, dass die Prüfungsphase stressig war, dass manchmal die Zeit kaum gereicht hat. Aber dass sie mehr als gut darauf vorbereitet wurden und die Lehrer immer einen Rat hatten und mehr als fair und hilfreich waren.
Unser Schulleiter, Herr Küster, welcher die Prüfungen für Deutsch betreute, Herr Schwarz, zuständig für Englisch, und Herr Rothländer, unser Biologielehrer: Von diesen dreien konnte ich nur gutes hören, was die Prüfungen und die Vorbereitung anbelangt. Lässt einen ja hoffen, für so jemanden wie mich.

Die Eindrücke über die Schulzeit waren bei Cigdem, Viktor und Alexandra unterschiedlich und doch gleich. Für Cigdem vergingen die drei Jahre wie im Flug. Die Erfahrung, mit Erwachsenen abends in die Schule zu gehen, zu lernen und sinnvoll die Zeit zu verbringen, war etwas Tolles. Sie lernte sehr erfolgreich, wie man seine Zeit einteilt und „dass man abends kein Fernsehen mehr schaut“.

Auch Viktor kam auf die Zeit zu sprechen. Er merkte vor allem in den Ferien, wie viel Zeit man eigentlich hat und es eigentlich gar nicht zu schätzen weiß. Das Wichtigste für ihn war, dass er sich selbst einiges bewiesen hat. Er nahm die Schule, wie ich auch, im ersten Bildungsweg nicht so ernst. Und an der Abendschule hat er sich selbst stolz gemacht und die Erfahrung gemacht, dass er es kann. Und das bei Vollzeitarbeit und einer Familie. Er gab den guten Rat, trotzdem auf sich und seinen Alltag aufzupassen, denn man kann sich schnell selbst überschätzen. Also: Nicht die Nächte vor den Klausuren durchlernen, sondern es mal am Tag versuchen. Den Rat nehme ich mir mal zu Herzen.
Alexandra erzählte mir, dass sie sich sehr auf den Unterricht freute und dass sie die Atmosphäre der Klasse mochte. Die Lehrer waren fair, engagiert und immer für einen Spaß zu haben. Wie auch Cigdem hat sie dort viele neue Leute kennengelernt und vor allem soziale Kontakte geknüpft und gepflegt. Diese wurden und waren auch immer sehr wichtig für sie. Ganz begeistert war sie von dem kulturellen Angebot, das Herr Küster immer gerne ermöglicht. Sie besuchte sehr gerne die Theaterstücke, die von ihm für den Deutschunterricht organisiert wurden.
Dankbar bin ich für die guten Tipps, die mir alle gegeben haben. Vor allem, dass man früh Lerngruppen bilden sollte, falls es irgendwo hapert oder nicht so gut voran geht. Diese wurden in der Abiphase so wichtig wie nie. Also dann lieber vorher damit anfangen und nicht bis kurz vor zwölf warten, wie das normalerweise passiert. Man gab mir und meiner Klasse den Tipp, sich erst mal nicht auf guten Noten auszuruhen, sondern „da sein, aufpassen und mitmachen“.
Es macht mir Mut, dass ich so viele positive Sachen gehört habe und einen Einblick in die Abiphase bekommen habe, und ich bin jetzt noch gespannter auf die zwölfte Klasse. Ich hoffe, ich kann 8mir die Tipps behalten und sie anwenden und werde sie nicht vergessen. Jetzt noch die letzten Klausuren bestehen und dann stehen die wohlverdienten Sommerferien an. Und auf die freue ich mich wie damals, auch wenn das Wetter mal wieder typisch ist.

9. Folge: Anmeldefrist im Varnhagen-Kolleg bis zum 4. Juli / Die neuen
Abiturienten

Von Thomas Köhler

Ich habe ja immer gehofft, dass ich ein paar Leute mit meinen
Geschichten und Artikeln über die Abendschule hier in Lüdenscheid dazu
bewegen kann, auch etwas für ihre Zukunft zu tun, sich weiterzubilden
und ihr Fach- oder
Vollabitur zu machen. Deswegen will ich die Gelegenheit nutzen, um an
die Anmeldefrist für neue Schülerinnen und Schüler zu erinnern. Diese
endet am 4. Juli um 13 Uhr.
Die Kurse mit den Abschlusszielen Fachhochschulreife und Allgemeine
Hochschulreife (Abitur) finden in den Räumen des Zeppelin-Gymnasiums
statt. Sie sind gedacht für berufstätige Erwachsene mit Mittlerer Reife
(FOSR), einem Mindestalter von 18 Jahren und einer abgeschlossenen
Berufsausbildung oder dem Nachweis einer mindestens zweijährigen
Berufstätigkeit.
Was brauche ich denn nun, wenn ich mich im Abendgymnasium anmelden will?
Zu allererst das Anmeldeformular, welches man auf der Internetseite der
Schule findet und dort ausdrucken kann. Dann braucht ihr außerdem ein
paar Kopien, und zwar vom Personalausweis und von den
Abschlusszeugnissen aller besuchten Schulen. Wenn man eine Ausbildung
absolviert hat, dann auch den Nachweis über diese Ausbildung und dass
man diese auch mit Erfolg abgeschlossen hat. Bei mir war das das Zeugnis
über das Staatsexamen für Krankenpflege.
Ich habe damals, auf der Realschule, den Fehler gemacht und meine zweite
Fremdsprache abgewählt. Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich bei der
Anmeldung einfach das Zeugnis der siebten und der zehnten Klasse
mitgebracht, das wäre nämlich dann der Nachweis dafür, dass ich eine
zweite Fremdsprache gelernt habe. Dann müsste ich das jetzt nicht mehr
in der Abendschule nachholen.
Wenn man alle Zeugnisse, Unterlagen und Nachweise kopiert hat, bringt
man diese am besten nach Hagen in die Hauptstelle des
Rahel-Varnhagen-Kollegs (Eugen-Richter-Straße 77-79, Tel. 0 23 31 /3 77
64 11) . Dabei sollte man neben der Kopie auch die Originale mitnehmen,
wenn man die Kopien nicht hat, beglaubigen lassen. In Hagen angekommen,
müssen die Sachen nur noch im Sekretariat abgeben werden. Und 20 Euro
mitnehmen. Die sind dafür, dass man immer die Kopien der Lernmittel
bekommt und nicht jedes Blatt einzeln bezahlen muss.
Klingt kompliziert, aber ist ganz einfach, so lange man alle Unterlagen
dabei hat und sich nicht so anstellt wie ich.
Ich hab mir damals die Internetseite des Rahel-Varnhagen-Kollegs aber
auch noch genau durchgesehen, das hilft: www.rvk-hagen.de.
Elf Abiturientinnen und Abiturienten haben es jetzt übrigens geschafft.
Sie haben endlich ihre Zeugnisse erhalten und feierten im Caveau an der
Talstraße in Lüdenscheid.
Die Abiturientinnen und Abiturienten sind:
Fatma Aktas, Benjamin Basak, Cigdem Güler, Peter Harder, Viktor Horst,
Volker Kahle, Laura Lagrave, Annemarie Manke, Jan Rekind, Lara Alessa
Vetter, Anzhela Vorobyova.

Man sieht den Wetterbericht für die nächsten Tage, und man freut sich. Es soll 21 Grad warm werden, sonnig – und es werden kaum Wolken am Himmel sein. Frühlingstage, wie man sie herbeisehnt.

Das ist gut für alle, doch für mich und viele Klassenkameraden stellt es einen kleinen Kampf dar. Je besser das Wetter desto schwieriger wird es, sich zu konzentrieren. Der Blick aus dem Fenster füllt einen mit Neid und man denkt sehr gerne daran, wie es wäre, sich ein wenig in der Sonne zu räkeln. Doch das ist eher zweitrangig, wichtig ist die Schule. Es ist wieder Klausurzeit, und der Stoff, der behandelt wird, ist nützlicher denn je. Das wissen alle in unserer Klasse.

Das Ende des ersten Schuljahrs steht bevor. Noch knapp zwei Monate, und jeder möchte das Schuljahr bestehen und auch ein gutes Zeugnis mit nach Hause bringen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass nicht einmal eine Handvoll Mitschüler an der sogenannten 70-Prozent-Hürde kratzt. Was ist diese Hürde? Am Ende des Semesters muss jeder Schüler mindestens 70 Prozent Anwesenheit vorweisen können – in jedem Fach. Kann er das nicht, also hat er zu oft in einem oder mehreren Fächern unentschuldigt gefehlt, so kann es sein, dass er diese Fächer nicht besteht.

Trotzdem ist es schwierig. Wenn das Wetter gut ist, heißt es Zähne zusammenbeißen. Dafür freut man sich dann umso mehr auf die Wochenenden, an denen man nicht lernen muss und wo das Wetter dann auch gut ist.

Heute möchte ich den ersten meiner Klassenkameraden vorzustellen. Was macht er beruflich? Was treibt ihn an? Was macht er nach dem Abitur?

Ich werde in nächster Zeit immer wieder ein paar Leute aus meiner Klasse interviewen, um einen Einblick zu ermöglichen.

Fangen wir also mit Steve Dollase an. Steve ist 25 Jahre alt und kommt aus Lüdenscheid. Er ist unser Großer, er bringt immer gute Laune mit und hat gerne einen Witz auf den Lippen.

Nach seinem Realschulabschluss fing er das Abitur des ersten Bildungsweges an, welches er aber im ersten Halbjahr der zwölften Klasse abgebrochen hat, um seine Ausbildung zum Mechatroniker anzufangen. Nach der Ausbildung ging es an das BKT Lüdenscheid, wo er seinen Techniker in Elektrotechnik anstrebte. Dieses Unterfangen musste er leider aus privaten Gründen frühzeitig beenden. Was ihn aber nicht daran hinderte, währenddessen seinen Ausbilderschein zu schaffen. Steve möchte an der Abendschule sein Fachabitur machen, um danach noch im Verbund Mechatronik an der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen zu studieren. Steve arbeitet fünf Tage die Woche in Vollzeit, von 8 Uhr morgens bis 17 Uhr nachmittags. Da er in Dortmund arbeitet und etwa eine dreiviertel Stunde von Dortmund nach Lüdenscheid braucht, ist er jeden Tag direkt von der Arbeit an der Schule. Außerdem gehen, wie bei jedem von uns, ein paar Wochenenden im Monat fürs Lernen drauf.

Klingt stressig und nach wenig Freizeit. Steve aber meint, dass dank seiner Freundin viel Belastung von ihm abfällt, da sie ihm eine Menge abnimmt und sich um sehr viel kümmert.

Außerdem ist durch die Tatsache, dass er schon seit langer Zeit im Berufsleben steht, der Stress nicht so schlimm. Und eine gute Vorbildung erleichtert ihm den Schulalltag immens.

Seine Motivation liegt darin dass er nach seinem Studium, in Verbindung mit seiner Berufserfahrung und den Qualifikationen einen viel besseren Stand auf dem Arbeitsmarkt hat. Berufschancen sehen nach einem Studium einfach besser aus.

Sein Eifer ist bis jetzt ungebrochen, und ich hoffe, er bleibt uns bis zum Abi erhalten.

Durchgehend gutes Wetter, richtig guter Schnee zum Ski fahren, wilde Partys und eine Spitzenstimmung: So war die Klassenfahrt eine Woche lang. So hat man mir erzählt. Denn ich wurde pünktlich, einen Tag vor der Abfahrt, krank und konnte somit leider nicht mitfahren. Ist mir schon oft passiert, aber es hat mich noch nie so sehr geärgert wie dieses Mal.

Natürlich war diese Klassenfahrt ein voller Erfolg, und deswegen wird das Ganze auch wiederholt, aber das doch erst nächstes Jahr.

Momentan haben wir Ferien, Osterferien um genau zu sein, und ich hatte mich vor den Ferien mit einem unserer Lehrer darüber unterhalten, wie wichtig ein Ziel für die Zeit nach der Schule ist, um gut durch die drei Jahre bis zum Abitur zu kommen. Der Schulstoff hat nämlich merklich an Inhalt und Tempo zugenommen. In Biologie vernimmt man erschöpftes Ächzen, wenn die komplexen Strukturen von Enzymen und biosynthetischen Vorgängen behandelt werden. Das Fach Deutsch wartet mit dem Drama der „Antigone“ auf und Mathe bringt mit Polynomdivisionen auch keine leichten Aufgaben hervor. Erschwerend kommt hinzu, dass das Wetter allmählich besser wird. Sobald sich die Sonne zeigt und die Temperatur über 15 Grad steigt, fiebert man immer stärker dem Ende des Unterrichts entgegen. Je besser das Wetter, desto mehr Disziplin ist gefordert. Ein paar Mitschüler erblühen unter diesen Umständen und dem Unterrichtsstoff, und ein paar tun es nicht. Leider ist es in der Klasse wieder einer weniger geworden.

In den ersten Ferientagen ist mir klar geworden: Ich weiß kaum etwas über die Ziele und Pläne meiner Mitschüler. Was wollen sie mit dem Abitur anstellen? Einer möchte studieren, ein anderer eine Ausbildung anfangen. Ich weiß es kaum. Deswegen werde ich in den nächsten Ausgaben immer wieder mal einen Klassenkameraden befragen und dann hier vorstellen.

Was macht er beruflich? Wieviel Zeit hat er für die Schule, und was will er nach der Schule machen?

Nun noch das letzte Ferienwochenende genießen, und dann geht es weiter.

In zwei Wochen ist es soweit, unsere erste Klassenfahrt steht an. Wohin es geht? Skifahren, in das schöne Zillertal nach Tirol.

Ein Ereignis, welches unser Soziologielehrer, Herr Glogowski, jedes Jahr für alle Schüler des gesamten Rahel-Varnhagen-Kollegs organisiert und begleitet. Eine Möglichkeit, auch Studentinnen und Studenten aus Hagen kennenzulernen, die wir ja sonst nie sehen.

Ich muss gestehen, dass das meine erste Klassenfahrt nach mehr als zehn Jahren ist und ich das Ganze also gar nicht als „Klassenfahrt“ sehe, sondern eher als einen Kurzurlaub mit Gleichaltrigen. Gleichaltrig heißt über 20 Jahre alt und als solche auch meistens berufstätig oder mit eigenem Haushalt. Deswegen verwundert es kaum, dass aus unserem Kurs nur fünf Leute mit auf die Reise kommen, da einige keinen Urlaub bekommen haben oder es sich schlichtweg nicht leisten können. Was doch schade ist, denn auf so einem Ausflug lernt man Kommilitonen besser kennen, geht etwas trinken oder feiert einfach zusammen.

Und je besser man seine Mitstudenten kennt, umso mehr macht es Spaß, sich im Klassenverband zu bewegen, zu lernen und gemeinsam die Jahre zu verbringen.

Als wir in Soziologie die Themen Soziometrie und Gruppendynamik behandelten, fiel uns auf, dass es bei uns in der Klasse noch keine Cliquen oder feste Gruppen gibt.

Etwas, was wir alle von der Schule kennen. Damals waren die Cliquen sehr viel wichtiger, haben unseren Freundeskreis bestimmt und die gesamte Klassenstruktur beeinflusst. Doch bei uns gibt es das so nicht. Ist es nach einem Semester noch zu früh für so etwas? Heute haben wir alle Freunde, Familie und Cliquen außerhalb der Schule. Diese sind uns natürlich wichtiger und deswegen scheint sich das bei uns langsamer zu entwickeln.

Das klingt jetzt so, als würde sich keiner mit dem Anderen unterhalten. Natürlich treffen wir uns nach der Schule zum Lernen, Weggehen oder Feiern. Aber es gibt keine Klassenstrukturen wie damals. Keine „Stars“, keine Mitschüler, die sich über andere lustig machen, keine unangenehmen Halbstarken, die etwas beweisen müssen.

Auch gibt es keine Außenseiter oder Leute, die von jedem gemieden werden.

Das schafft eine ganz entspannte Atmosphäre. Es fühlt sich erwachsener an.

Bald fängt auch wieder die Klausurenphase an. Was mir fast zu schnell ging. Und erneut heißt das lernen, lernen und viel übers Lernen reden.

Mal schauen, wie viele Lerngruppen sich bei uns zusammenfinden und wer sich, wie Ich, eingesteht, nicht auf alle Fragen eine Antwort zu haben. Mal schauen, welche Vorsätze vom letzten Semester bei mir noch vorhanden sind. Wenn dieses Semester so anfängt wie das letzte aufgehört hat, bin ich aber guter Dinge und freue mich auf alles, was da noch kommt.

Das erste Semester an der Abendschule nähert sich dem Ende. Viele Klausuren wurden geschrieben, wir haben viel gelernt und eine Menge gebüffelt. Die meisten Noten stehen schon fest, unsere Semesterzeugnisse sind unter Dach und Fach.

Viele von uns dachten: „Ach, das ist doch nur das Zeugnis des ersten Semesters“. Doch auch dieses Zeugnis ist schon wichtig. Zwar sind die Noten semesterunabhängig, das heißt in jedem Semester wird die Note für jedes Fach neu bewertet und vergeben, unabhängig von der Note des vorigen Halbjahrs. Ich kann also jetzt eine Vier haben und beim nächsten Mal dann locker eine Eins (natürlich nur, wenn ich mich anstrenge). Doch auch schon das erste Zeugnis ist wichtig für die Versetzung: Man kann also jetzt schon „sitzenbleiben“.

So mancher musste sich wegen ein paar schlechten Noten durchaus Gedanken machen. Zum Glück wird aber keiner von uns „kleben bleiben“. Wir bleiben also vollzählig und alle beisammen.

Rückblickend war der Unterrichtsstoff, den wir während des ganzen Semesters hatten, dafür gedacht, Dinge zu wiederholen und uns einen guten Einstieg in das kommende Semester zu geben. Für mich waren ein paar Sachen einfach nur Wiederholung, zum Beispiel in Englisch. Da waren einfache Grammatik, einfache Vokabeln und die ersten Zeiten, sogenannte Past- und Present-Tenses, das Hauptthema. Genau wie bei Deutsch bestanden die beiden ersten Themen aus Wiederholungen, nämlich Inhaltsangaben und Erörterungen.

Und natürlich Mathe, wo ich heilfroh bin, dass unser Mathelehrer von vorne begann und mir Mathe so nahebrachte, wie es kein Lehrer vorher schaffte. Dabei ging es um so „einfache“ Themen wie Bruchrechnung, Funktionen und Gleichungssysteme – für so manchen einfache Grundlagen, für mich komplettes Neuland.

Ein großes Diskussionsthema war bei uns das Fach Biologie. Für einige ein Buch mit sieben Siegeln, für die anderen ein Spaziergang – obwohl wir als Hauptthema „nur“ die Zellbiologie behandelt haben, was als eines der einfachsten Themen gilt. Für die Zukunft weiß ich: Es wird schwerer in allen Fächern, und wir alle müssen uns ordentlich reinhängen, um am Ball zu bleiben. Ich bin nur froh, dass unser Klassenlehrer Josef Schwarz sich für jedes Problem Zeit nimmt und auch jedem eine Lösung und gute Vorschläge unterbreitet. Und das gerade in der Phase der Versetzung und der Zeugnisse, in der ein paar Leute ein paar Sorgen haben. Für mich ist klar: mehr anstrengen, damit ich mit meinen Noten weiterhin zufrieden sein kann.