Alle Beiträge dieses Autors

HALBZEIT!- Heute Morgen hieß es nach zwei Wochen wieder Koffer packen und wir mussten diese auch die vier Stockwerke wieder herunter schleppen. Rebecca hatte uns vorher extra angekündigt, dass sie ein großes Auto zur Fahrt nach Shang Qing Village bestellt hatte, als wir jedoch den kleinen Bulli sahen, fragten wir uns wirklich, wie all unser Gepäck da verstaut werden solle. Mit Rucksäcken und Taschen im Fußraum und unter den Sitzen ging die Fahrt los. An der English Training School holten wir dann unsere vier Studenten ab, die uns im Dorf tatkräftig unterstützen werden. Schnell begaben wir uns auf kleine Straßen, die in Serpentinen durch die Berge führten und in holprigen Schotterpisten und Feldwegen endeten. Wir genossen die Fahrt durchs Grüne und den Ausblick auf andere Seiten von China, jedoch wäre es vielleicht sinnvoll gewesen ein Warnhinweis aufzuhängen, dass die Straßen nicht für Menschen mit Bandscheibenschäden geeignet sind. Nach knapp 1,5 Stunden erreichten wir unser neues Zuhause für die nächsten zwei Wochen und nahmen unser 4-Bett-Zimmer direkt in Beschlag. In der Gastfamilie wurden wir direkt mit einem leckeren Mittagessen begrüßt, bei dem wir unsere Studenten langsam kennenlernten und uns an die neue Umgebung gewöhnten. Nach einer Mittagspause, in der sich Rebecca von uns verabschiedete, machten wir uns das erste Mal auf den Weg, um Bäume zu pflanzen. Nach der Einteilung der Arbeitsteams und der Ausrüstung mit Hut, Handschuh, Trinkflasche und Arbeitsgerät wanderten wir mit 4 Bäumen im Gepäck den anliegenden Berg hoch. Nach 20 Minuten standen uns bereits die Schweißperlen auf der Stirn und dabei ging dann erst die Arbeit los. „Grandpa“ suchte zuerst eine geeignete Stelle für einen Walnussbaum, dann hackten, schaufelten und buddelten wir eifrig ca. 80 cm tiefe Löcher, in die wir den kleinen Baum pflanzen konnten. Dabei erschwerten die Hanglage, große Steine im Boden und auch das schwüle und sehr warme Wetter diese Aufgabe. Nachdem jedes Team seinen ersten Baum gepflanzt hatte, war die Tagesaufgabe erfüllt und wir machten uns wieder auf den Weg zurück ins Dorf. Als wir alle das Abendessen verspeisten und dieses mit „weißem chinesischem Wein“ ergänzten, erklärten uns die Studenten ihre Pläne für den Abend: So sollten wir uns Fragen überlegen, um einander besser kennenzulernen. Dabei sprachen wir sowohl über unser Lieblingsessen und unsere persönlichen Idole, als auch über Religion und kulturelle Bräuche. Danach gingen wir zum lustige Teil des Abends über als wir ein Spiel – ähnlich wie Wahl-Wahrheit-oder-Pflicht- spielten. Beim Spielen hatten wir so einiges zu lachen und die Zeit verging wie im Flug.

Heute starte der Tag mit einer wundervollen Nachricht. Rebecca rief uns an und erzählte uns, dass Linas Brustbeutel gefunden wurde. Erleichtert machten Franzi und Lina sich auf Richtung oldtown um den Pass abzuholen, während Vicky und Lena die restlichen Einkäufe in der Stadt erledigten. Zufrieden trafen wir uns im Bus wieder und machen uns gemeinsam auf den Weg zu einem köstlichen Mittagessen. Anschließend gingen wir zur Post um unsere 55 Postkarten auf die weite Reise zu schicken. Leider jedoch waren nur 5 Briefmarken vorrätig, was dies ungemein erschwerte. Gegen zwei Uhr machten wir uns erneut auf den Weg zur Training School um den Kindern spielerisch Englisch beizubringen. Daraufhin fuhren wir zu unserer Gastfamilie um uns mit dem Abendessen vollzustopfen und zu sieben Uhr leicht gehetzt zu dem vereinbarten Treffpunkt zu eilen wo wir natürlich noch auf Rebecca warten mussten, denn unglaublicher weise waren wir noch pünktlich. Von dort aus machten wir uns auf den Weg um eine weitere Familie zu besuchen. Der elfjährige Harry verzauberte uns mit einem wundervollen Klavierspiel getreu dem Motto: „Egal was du glaubst zu können, irgendwo gibt es ein asiatisches Kind was es besser kann als du.“ Kurze Zeit danach versetzte er uns in unsere Kindheit zurück, da wir gemeinsam mit einem Magnetbaukasten spielten. Dabei unterhielten wir uns über das Familienleben in China. So erfuhren wir beispielsweise, dass in der Regel Männer und Frauen arbeiten, da die Gehälter sonst nicht ausreichen. Des weiteren erhalten Frauen vier Monate Mutterschaftsurlaub und danach übernehmen häufig die Großeltern ein Großteil der Erziehung. Nach einem sehr interessanten und unterhaltsamen Gespräch brachte uns der Vater und Koch der Familie in einem Ford nach hause, der auf dem Rücksitz sogar Anschnallgurte besaß. Zum Ausklang des Abends packten wir gemütlich die letzten Sachen in die Koffer, denn Morgen begeben wir uns endlich nach Shang qing village um Walnussbäumen das Leben zu schenken.

Ausnahmsweise müssen wir heute mal wieder über das Essen schreiben. Denn unsere Gasteltern haben uns zum ersten Mal bekocht – zum Frühstück gab es Pancakes, zum Mittag Dumpling und zum Abendessen natürlich Reis, dazu selbstgemachte Kartoffelchips, Gurken, Rührei mit Tomaten und Hähnchen mit Chinakohl, was unglaublich lecker war, da alles selbst und frisch zubereitet wurde. Nachdem wir uns morgens mit dem Bus alleine auf den Weg zur Training School gemacht hatten, bestand die erste Aufgabe des Tages darin, eine Bewerberin auf eine Lehrstelle zu interviewen. Dabei erfragten wir sowohl einiges über ihre Person, ihre Ziele als Lehrerin und ihre Methoden, als auch über Dalis Universität, wo sie im Moment noch Englisch und Französisch studiert (das ist auch nicht allzu gewöhnlich bei Chinesen) und über das Leben dort. Sie begleitete uns nach dem Gespräch in den Klassenraum, in dem neun Schüler zwischen acht und dreizehn Jahren auf uns warteten. Um einmal kurz zu erklären, was es mit der English Training School eigentlich auf sich hat: diese Einrichtung gibt Schülern die Möglichkeit, am Wochenende für zwei Stunden Englischunterricht zu erhalten und dadurch ihr Englisch zu verbessern. Da es sich um eine Privatschule handelt, für welche die Eltern Geld bezahlen müssen, sind die Klassen deutlich kleiner als in den „normalen“ Schulen. Dass manche Kinder stark von ihren Eltern gedrängt werden, die Fremdsprache zu lernen, hat man heute vor allem daran gemerkt, dass ein Junge sich schlichtweg geweigert hat, irgendetwas zu sagen oder nur im entferntesten interessiert zuzuhören, während sein Vater immer heftiger auf ihn einredete. Da Lina noch Passfotos machen lassen musste, teilten wir die Klasse in drei Gruppen auf, sodass Vicky, Lena und Franzi nur Wenigen zur gleichen Zeit englische Wörter beibringen mussten. Damit die Kleinen auch ein bisschen Spaß am Lernen bekamen, sangen wir zusammen „Head, shoulders, knees and toes“ und spielten Obstsalat, um die erlernten Wörter zu wiederholen. Nach einer zweistündigen Mittagspause ging das ganze Programm wieder von vorne los – nur mit anderen Kindern und damit auch neuen Herausforderungen. Denn diesmal konnten Einige noch kein bisschen Englisch und wir mussten ganz von vorn anfangen und ihnen zusätzlich englische Namen geben. Bevor wir dann abends gemütlich zu Hause eintrudelten, um schon einmal anzufangen, unsere Koffer zu packen (immerhin ist bald Halbzeit und Montag werden wir aufs Land fahren), statteten wir dem Reisebüro einen Besuch ab, um endlich Linas Flug nach Chengdu zu buchen.

Heute Morgen wurden die Aufgaben geteilt: Vicky und Lina gingen mit Rebecca zur Polizei, um einen vorläufigen Reisepass zu beantragen, während Franzi und Lena endlich mal klarschiff auf unseren Zimmern machten. Doch bereits nachdem erst nur die Hälfte des Wäschestapels gewaschen war, kamen die drei zurück, um zu verkünden, dass es nötig sei, zum nächsten deutschen Generalkonsulat zu fahren, um den Reisepass zu erhalten. Da dieses sich in Chengdu befindet, bedeutet dies, dass Lina in der nächsten Woche in die Provinz Sichuan fliegen wird, während die anderen schon auf dem Land ackern werden. Nach dem besonders guten Mittagessen in einem kleinen, überfüllten Restaurant, welche unserer Erfahrung nach übrigens die besten sind, fuhren wir in Rebeccas Auto wieder in den gleichen Stadtteil Dalis, wo wir schon in der Primary School unterrichtet hatten. Heute besuchten wir allerdings die Middle School, wo jeweils circa 50 chinesische Schüler von 15 Jahren auf uns warteten. Entgegen unserer Erwartungen waren diese dennoch nicht zu mehr in der Lage als Vokabeln nachzusprechen oder aus dem Buch abzulesen anstatt kurze Dialoge zu führen. Dafür liebten sie es etwas vorgesungen oder Autogramme zu bekommen. Manchmal stellten sie auch schüchtern Fragen beispielsweise zu unserem Schulalltag oder die deutsche Kultur, welche wir darauf möglichst verständlich zu beantworten. Obwohl wir heute gar nicht so viel unterwegs waren, schrieben wir abends nur noch Postkarten und ruhten uns von dem Stress der letzten Tage aus.

Diesen Tag heute kann man einfach zusammenfassen: Ein Tag voller Höhepunkte und eines Tiefpunktes. Aber erst einmal von vorne: Der Tag begann -wie immer- mit einem warmen Frühstück und Rebeccas täglicher Frage: Did you sleep well?, die wir noch etwas müde mit „Yes“ beantworteten. Los ging es dann gegen 9 Uhr mit dem Bus in Richtung Dali Old Town, wo heute die Besichtigung der 3 Pagoden auf unserem Programm stand. Mit der Hoffnung, nach 8 Tagen in Dali das erste Mal einen Nicht-Asiaten zu treffen – immerhin sind die 3 Pagoden eine Touristenattraktion in der Provinz Yunnan – betraten wir den großen Park. Vom Eingang aus liefen wir direkt auf diese zu, die alle Gebäude und Tempel ringsherum an Höhe überragten. Bei den Pagoden handelt es sich um 3 Türme, die vor mehr als 1000 Jahren errichtet wurden. Der größte Turm ist 70 und die anderen beiden jeweils 43 Meter hoch. Sie wurden als Tempel genutzt und daher befinden sich im Inneren viele Buddha-Figuren, jedoch sind diese für die Öffentlichkeit nicht einsehbar. Von dort aus liefen wir einige Treppenstufen hinauf zum Glockenturm, in welchem sich die viertgrößte Glocke Chinas befindet, die bisher nur dreimal geläutet wurde. Dort genossen wir noch einmal die Aussicht auf die Pagoden und den gesamten Park, in dem sehr viele Tempel standen. Treppenstufen um Treppenstufen kletterten wir den Hang hinauf, auf dem sich ca.8 große Buddha-Tempel befanden. Dabei wurden diese immer größer, prächtiger und auch wichtiger. Am obersten Tempel angekommen, waren wir von der ganzen Pracht so erstaunt, dass wir uns nicht einmal trauten, Fotos zu machen. Dort befanden sich viele große Figuren, neben denen man sich winzig und unbedeutend fühlte. Auch der Geruch von Räucherstäbchen und das viele Gold schafften eine wunderschöne Atmosphäre. Nachdem wir wieder unten angekommen waren und noch immer keinen Europäer gesehen hatten,  beschloss Rebecca, dass wir nicht auf den Bus warten würden, sondern wir uns alle zusammen in eine „motorisierte Ritschka“ zwängten, um nach Dali Old Town zu gelangen. Dort merkten wir direkt, dass alles ein bisschen touristischer und internationaler ist, denn wir fanden sofort eine Pizzeria und Restaurants in denen Burger, Steak und auch Kuchen und Waffeln auf der Karte standen (und so dauerte es auch nicht mehr lange bis wir die ersten Europäer sahen und uns riesig darüber freuten). Wir verbrachten den ganzen Nachmittag in den unzähligen Boutiquen, Schmuckgeschäften, Souvenirshops, verhandelten mit Straßenhändlern über Preise und kauften uns einige Andenken und Geschenke. Am späten Nachmittag zeigte Rebecca uns dann, wie man in einem schicken Teegeschäft Tee kaufen geht. Wir setzten uns an einem kleinen Tisch nieder und eine sehr nette und sogar Englisch sprechende Verkäuferin begann mit uns eine kleine Teeverkostung. Während sie uns immer wieder unsere kleinen Gläser nachfüllte und uns neue Teesorten vorstellte, erklärte sie auch, welche denn gut für welches Körperteil sei. Wir genossen diese Art von Einkaufen sehr und schlugen danach natürlich auch kräftig zu. Nach einigen weiteren Schnäppchen, die wir Dank Rebeccas Verhandlungskunst machten, mussten wir leider zu unserem Entsetzen feststellen, dass Linas Portemonnaie geklaut worden war. Dies war erschreckend für uns alle und wir versuchten, die Ruhe zu bewahren. Lina und Franzi suchten nochmal den Weg ab, den wir nur Minuten vorher zurückgelegt hatten, jedoch erfolglos und so rief Rebecca sofort die Polizei, da sich im Portemonnaie nicht nur Geld, sondern auch Ausweise befanden, die nun so schnell wie möglich wieder ausgestellt werden müssen. Während Lena, Franzi und Vicky sich auf den Weg zum Restaurant machten, fuhren Lina und Rebecca mit der Polizei auf die Wache. Dabei gab es einige Kuriositäten zu entdecken, die uns im nachhinein doch zum Lachen brachten: So muss jeder, der sich im Auto nicht anschnallt 50 Yuan zahlen, doch die Polizisten hielten es wohl selbst nicht für notwendig und schnallten sich auch nicht an und fuhren mit vier Personen auf der Rückbank mit nur drei Sitzen. Auch die Polizeiwache bestand mehr aus einem Fernseher mit einer großen Couch und so gab es nur einen Computer, der zum Arbeiten da war.
Nachdem einige Zeit später alle wichtigen Formalitäten geklärt waren, staunten wir nicht schlecht, als wir in einem tibetischen Restaurant saßen und die Kellnerin plötzlich Pommes, Geschnetzeltes, Pizza, Reis, Spaghetti, Ketchup und Parmesan auf den Tisch stellte. Sofort aßen wir so schnell wie es die Stäbchen zuließen. Dieses Essen ließ uns auch den Schock über das Geschehene ein bisschen vergessen. Satt machten wir uns schließlich auf dem Weg zur Wohnung unserer Gastfamilie, wo wir noch einige Partien Doppelkopf spielten..

Es gibt Tage, an denen so viel passiert, dass man eigentlich gar nicht alles in einem einzigen Blogeintrag festhalten kann. Wir versuchen es trotzdem: Ganz früh am Morgen wurden Vicky und Franzi erst einmal liebevoll geweckt, wie es sich eben am Geburtstag gehört. Nach einem deutschen Frühstück, welches wir extra mit Spiegelei, Marmelade und verschiedenen Brotsorten zubereiteten, um Rebecca auch Teile unserer Küche zu zeigen, stand der weniger schöne Abschnitt des Tages auf dem Programm. Denn vorgestern ist leider der schwer erkrankte Vater unserer Gastmutter gestorben und heute sollte die Beerdigungszeremonie abgehalten werden. Dabei war für uns zu beachten, dass wir keine roten Klamotten tragen, da dies die Farbe des Glücks ist. Doch, anders als in Deutschland, sah man bei der Trauerfeier nicht schwarz gekleidete, sondern teilweise sehr bunt angezogene Gäste. Außerdem wurde durchgehend von einer Blaskapelle laute Musik gespielt. In einem garagenähnlichen Gebäude saßen die engsten Verwandten in weißen Gewändern, die sich immer dann vor einem riesigen, geschmückten Altar verbeugten, wenn ein Neuankömmling kam, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Zum Glück wurde uns nicht übel genommen, dass wir mit chinesischen Sitten nicht ganz vertraut waren und Rebecca oder andere Leute der Trauergemeinde zeigten uns verständnisvoll, wie wir uns zu verhalten hatten. In einem sehr feinen Restaurant fand dann ein Essen statt, was vielleicht dem deutschen „Leichenschmaus“ ähnelt. Allerdings waren hier nicht die engsten Verwandten anwesend, sondern nur diejenigen, die den Toten kannten und auch bei der Zeremonie anwesend waren. Es gab so viel gutes Essen, dass auf jedem Tisch die Teller sogar gestapelt werden mussten. Unsere Mittagspause fiel heute leider aus, dafür fuhren wir gegen Nachmittag in ein anderes Gebiet Dalis, wo wir eine Primary School besuchten. Dort wurden wir jedoch ins kalte Wasser geschmissen: Wir bekamen nämlich, anders, als uns Rebecca vorher informiert hatte, jeder eine eigene Klasse zugeteilt, der wir Englisch beibringen mussten. Auch wurde uns gesagt, dass die Kinder diese Sprache bisher noch nicht gelernt hatten und wir bereiteten unseren Unterricht dementsprechend mit den Grundbegriffen der Kommunikation vor. Doch als wir unsere Gruppen erreichten, stellten wir nach den ersten paar Sätzen, die wir an die Tafel schrieben, fest, dass die Schüler sowohl die Zahlen, als auch Früchte und Smalltalk-Floskeln schon nahezu perfekt beherrschten. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als unser Bestes zu geben und die kleine Wiederholungsstunde so interessant wie möglich zu gestalten. Das gelang uns dann auch relativ gut, aber was das wichtigste war: wir hatten Spaß. Und zwar jede Menge. Nach dem Abendessen holten wir Rebeccas Freundin ab, die ebenfalls Lehrerin ist und einem Mädchen gerade Einzelunterricht in Englisch gab. Bevor es dann weiter zu einer Bar ging, wo der Doppelgeburtstag nochmal ordentlich gefeiert werden sollte, unterhielten wir uns eine Weile mit der Schülerin und lernten, genau wie mit Lucy aus der Familie, die wir vor ein paar Tagen besucht hatten, mit ihr lesen. Danach konnte es losgehen: Wir ließen uns in der Kneipe nieder, wo unsere Koordiatorin mit ihrer Freundin regelmäßig „Tee trinken“ geht. Mit Cocktails und ein paar sehr wässrigen Bieren stießen wir auf die Feierlichkeit an. Außerdem hatten wir auf dem Weg schon die Torte abgeholt, die Rebecca für uns vorbereiten lassen hat und diese war wirklich ein Kunstwerk für sich. Der mit Sahne und Obst verzierte Kuchen war beinahe zu schade zum essen, doch der Abend endete damit, dass der komplette Kuchen in unseren Bäuchen verstaut und die halbe Sahne in Vickys und Franzis Gesicht geschmiert war. Der Wunsch, in einer chinesischen Bar mit „Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller auch einmal ein deutsches Lied anzustimmen, ging kurzfristig doch nicht in Erfüllung, da alle drei Gitarren, die auf der kleinen Bühne standen, kaputt waren. Der überaus gelungene Tag klang dann damit aus, dass wir alle zu siebt (Rebecca, ihre Freundin und deren Mann eingerechnet) mit einem schicken VW vor unsere Haustür kutschiert wurden, während im Radio ein deutsches Lied von den Wise Guys lief.

Heute Morgen stand der Besuch von Dalis Krankenhäusern auf dem Programm. Das Erste, war ein sehr westlich orientiertes. Das riesige Hochhaus erinnerte beim Eintreten entfernt an einen Flughafen. Überall waren Wartebereiche und Krankenschwestern mit weißen Kitteln und Mundschutz wuselten durch die Menschenmasse. Rebecca erklärte uns, dass die Krankenhäuser in China eher eine große Gemeinschaftspraxis darstellen, da die Patienten sich einen speziellen Arzt aussuchen, dann eine Nummer ziehen und warten, bis sie an der Reihe sind. Dieses Gesundheitssystem hat auch in der Innenstadt Spuren hinterlassen, da wir bis jetzt noch keinen niedergelassenen Arzt entdeckt haben mit der Ausnahme von Zahnärzten. Das zweite Krankenhaus war für uns ungewöhnlicher. Es war ähnlich groß wie das erste, jedoch war es nicht ganz so voll. Schon beim Hereinkommen stieg uns ein krautiger Geruch in die Nase. Wir erfuhren, das es in diesem Krankenhaus lediglich die traditionelle chinesische Medizin praktiziert wird und keinerlei westliche Methoden wie Tabletten oder Infusionen angewendet werden. Wir konnten in einige Behandlungsräume schauen und den meisten Patienten wurde mit Massage oder auch mit Akupunktur geholfen. Am Ende des ersten Ganges wurden die Medikamente ausgeteilt. Es war sehr interessant anzusehen, wie die Mediziner mit für uns altertümlichen Waagen die Heilmittel individuell mischten und abpackten. Schließlich waren wir froh das Gebäude wieder verlassen zu können, da nach einiger Zeit der Geruch für uns sehr unangenehm wurde. Da wir im Gesamten nicht sehr viel Zeit für die Krankenhausbesuche benötigt hatten, spazierten wir ein wenig durch Dali, bis wir vor einer weiteren Schule Werbung für die English Training School machten. Dort erfuhren wir von Rebecca einiges über das Schulsystem und auch den Schulalltag : Wie in Deutschland ist die Grundschule kostenlos und in der Regel gehen die Kinder auf die, die ihrem zuhause am Nächsten ist. Jedoch gibt es, wie Rebecca uns erklärte, den Trend, dass Schüler eine besuchen, die weiter entfernt ist, dafür aber einen besseren Ruf hat. Anders jedoch ist es, dass die Schulen riesig sind und ca. 2000 Schüler beherbergen, was sich auch in der Klassengröße zeigt, die in der Regel zwischen 60 und 70 Schülern schwangt. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Eltern ihr Kind immer zur Schule bringen und abholen, was sich aufgrund der Mittagspause auf viermal pro Tag beläuft. Dadurch kommt es pünktlich nach der Schuluhr zu Verkehrschaos auf den überfüllten Straßen. Nach der Mittagspause machten wir uns zu dem See auf, der am Rande Dalis liegt. Dort besuchten wir einen wunderschönen Park, den Er-hai Lake Park, der voller Blumen war und uns in ein Bilderbuchchina versetzte. Dort sahen wir wunderschöne chinesische Lotusblüten. Dieser Ausflug war besonders gelungen, da das Wetter perfekt war: Die Sonne schien vom fast wolkenlosen blauen Himmel. Und ein immer leicht wehender Wind machte die 26 Grad sehr angenehm. Alleine der Er-hai Lake war einen Besuch wert, da er so riesig war (250 km², zweitgrößter Hochlandsee Chinas), das man das andere Ufer nur erahnen konnte.  Hunderte von Fotos später verließen wir den Park und gingen entlang eines Flusses, der vom See in die Innenstadt fließt, zurück in die Stadt. Nach dem Abendessen machten wir uns erschöpft auf den Heimweg. Dabei sind wir froh unsere Beine hochlegen zu können, da wir heute mal wieder große Strecken zu Fuß zurückgelegt haben.

Was machen Deutsche in China? Richtig. Sie besichtigen eine Bierfabrik. Schon von Weitem hörten wir die leeren Flaschen klirren und nachdem wir unsere weißen Kittel zur Besichtigung angezogen hatten, stiegen wir einige Treppen hinauf zur Besuchergalerie. Von dort aus konnte man alle Arbeitsschritte von der Säuberung bis zur Befüllung und Verpackung der Bierflaschen genauestens beobachten. Die überaus lauten und großen Maschinen wurden nur von ungefähr 6 Mitarbeitern beaufsichtigt und bedient. Überraschender Weise trugen alle Sicherheitsschuhe, Ohrstöpsel und Schutzbrillen bei sich, was aber nicht heißt, dass sie von diesen Gebrauch machten. Dies wäre bei gelegentlich zerplatzenden Flaschen vielleicht angebracht gewesen. Auch griffen sie oftmals in die Maschinen, um beispielsweise umgekippte Flaschen wieder aufzurichten. Schade fanden wir, dass wir keine richtige Führung bekamen und uns so auch nicht nach ihren Urlaubstagen oder der Rente in China erkundigen konnten. Nach bereits einer halben Stunde machten wir uns auf den Weg zu einer Grundschule, wo heute der erste Schultag stattfand. So warteten zahlreiche Eltern vor der Schule auf ihre Kinder und wir bekamen wieder mal die Chance Werbung für die English Training School zu machen. Es fiel auf, dass die Kinder dort schon erstaunlich gut Englisch sprechen, weil sie neugierig auf uns zu kamen und kurze Gespräche zum Beispiel über unsere Herkunft begannen. Heute Nachmittag fuhren wir mit Rebecca circa 1 Stunde etwas außerhalb von Dali zu einer riesigen Zementfabrik, welche wir schon von weitem ausmachen konnten. Die Führerin begrüßte uns gleich mit Sicherheitshelmen, mit welchen wir darauf Richtung Technikraum liefen. Dort stellten sich die Arbeiter gleich so als hätten sie vor ihren Bildschirmen etwas zu tun. Darauf sahen wir kurz dabei zu wie die Zementsäcke abgefüllt und verladen wurden und bemerkten dass die Arbeiter zwar alle Atemschutzgeräte hatten, doch mal wieder eher spartanischen Gebrauch von ihnen machten. Abends gab es dann den echten Hot Pot zu essen. Dabei wird eine große flache Schüssel mit klarer Suppe auf einen Gaskocher gestellt und jeder bekommt eine kleine Schüssel mit super leckerem Gewürz. Nun gibt man weitere Zutaten wie Tofu, Spinat, Rindfleisch, Sprossen oder Algen in die kochende Brühe und jeder darf sich selber seine Reisschale mit den chinesischen Spezialitäten und dem Gewürz befüllen. Uns allen gefiel das Essen heute besonders gut und wir hielten uns auch immer an unseren Vorsatz alles zu probieren, denn heute aßen wir gekochtes Schweineblut und Rinderhaut. Außerdem machten wir die Erfahrung, dass die Kleinstadt Dali mit drei Millionen Einwohnern doch gar nicht so groß ist, denn eine halbe Stunde nachdem wir uns von unserer Koordinatorin trennten, trafen wir sie zufällig in einer Shoppingmall wieder. Dann gingen wir noch so lange durch die New Town bis es -wie heute schon öfters- anfing zu regnen.

Heute Morgen starteten wir mit einem verhältnismäßig mächtigen Frühstück in den Tag. Es gab Reiscrepes, die mit verschiedensten Sachen wie zum Beispiel Kartoffeln gefüllt waren. Wir alle waren bereits nach dem ersten satt, da wir es inzwischen gewöhnt sind, leichtere Sachen zu frühstücken. Danach hielt der Tag für uns eine riesige Überraschung bereit, da wir in einen Bus stiegen und der Fahrer sich vorschriftsmäßig an die Verkehrsregeln, wie z.B. Vorfahrt und Hupen  nur als Gefahrenzeichen, hielt und uns mit der Ruhe eines Shaolin-Mönches fuhr. Wir alle waren geschockt. Von der Haltestelle aus begaben wir uns erneut in das Stadion/Schule um unsere dürftigen Kenntnisse der chinesischen Sprache etwas zu verbessern. Wir lernten einige lebenswichtigen Sätze wie beispielsweise „ Ich muss auf die Toilette“ und „Ich will schlafen“. Nach einer im Vergleich zu gestern verhältnismäßig kurzen Chinesischlektion gingen wir zu einer Schule, die heute neue Schüler begrüßte. Dort machten wir Werbung für die English Training School und für das Lernen der englischen Sprache generell, indem wir kleine Werbekarten  verteilten. Bald jedoch begann es zu regnen und wir brachen die Aktion ab und setzten uns in einen Bus zurück Richtung Dalis Innenstadt. Auf der scheinbar ewigen Busfahrt dorthin fielen einigen von uns die Augen zu, da wir uns immer noch nicht vollständig an den chinesischen Zeitrhythmus gewöhnt haben. Kurz bevor wir aussteigen mussten, waren glücklicherweise alle wach und wir setzten uns in ein Restaurant, in dem wir einen Berg von gebratenen Reis verputzten. Dieser schmeckte sowohl mit Kartoffeln wie auch mit Ei sehr lecker und war erstaunlicherweise extrem mild. Daraufhin machten wir uns auf den Weg zu einer chinesischen Bank, damit Vicky, Franzi und Lena noch etwas Geld umtauschen konnten. Glücklicherweise sprachen die Bankangestellten Englisch und so musste Rebecca nicht dolmetschen. Hierzu muss jedoch gesagt sein, das jeder, der denkt, Deutschland sei ein Bürokratiestaat, China nicht kennen kann. Eine lange Zeit, eine Passkopie und ein ausgefülltes Formular(wo wir unter anderem unsere Adresse auf Chinesisch abmalen mussten) später, machten wir uns auf den Heimweg und fielen in der Mittagspause erschöpft in die Betten. Danach ging unser Unterrichtsprogramm weiter. Nach dem Abendessen fuhren wir mit dem Bus aus dem Zentrum Dalis heraus und auf einen Berg, von dem aus man die Stadt unter sich liegen sah. Dort besuchten wir eine ansässige Familie, deren Tochter Lucy nun Englisch lernt und sich versuchte, mit uns zu unterhalten. Dabei jedoch waren wir sehr froh, dass Rebecca uns begleitete, da wir uns so versichern konnten, dass wir in keine Fettnäpfchen treten. Die elfjährige wurde emotional wie auch vokabelmäßig von ihrer Freundin tatkräftig unterstützt. Währenddessen wurden wir vorzüglich mit frischem Obst und sehr leckerem Tee bewirtet. Nach einigen Minuten stießen auch noch Lucys Großeltern zu uns. Leider konnten wir uns jedoch kaum mit der Familie unterhalten, da lediglich die Tochter Englisch sprach. Entgegen unserer Erwartungen war es kein Abend zum gemütlichen Beisammensein. Wir hatten eher das Gefühl, dass wir Lucy zeigen sollten, wie wichtig die englische Sprache ist. Diese Vermutung wurde bestätigt, da wir mit ihr und ihrer Freundin lesen üben sollten. Ansonsten stellten wir uns gegenseitig verschiedene Fragen, dabei jedoch ist uns aufgefallen, dass die jungen Mädchen noch sehr viel Unterstützung von Rebecca benötigten, um unsere Fragen zu verstehen und um darauf zu antworten. Die Familie wünschte sich von uns, dass wir etwas singen sollten und Rebecca schlug unsere Nationalhymne vor. Daraufhin sang auch Lucy ein schönes Lied. Dabei viel uns auf, dass ihre Mutter sehr ehrgeizig schien und sie dazu drängte. In ein paar Fettnäpfchen sind wir aber doch gestiefelt. Beispielsweise als wir, die ein-Kind-Politik Chinas nicht im Hinterkopf, fragten, ob Lucy noch Geschwister hätte und als wir erzählten, wo wir überall im Urlaub waren, während unsere Gastgeber noch nie China verlassen haben. Alles in einem war es ein sehr interessanter und lehrreicher Tag und wir freuen uns auf viele weitere dieser Art.

Lina

Wo Bu Hui Shuo Zhong Guo Hua (Ich spreche kein Chinesisch) – aber heute haben wir versucht, mithilfe von Rebecca wenigstens die wichtigsten Grundlagen für einen vierwöchigen Aufenthalt hier zu lernen. Nachdem sie uns zum Frühstück mit Zucker gefüllte Pancakes mitgebracht hat, die wir zusammen bei unserer Gastfamilie aßen, fuhren wir, wie gestern, mit dem Bus zur Training School, wo wir zuerst unsere chinesischen Namen bekamen. Für uns war es natürlich überhaupt nicht einfach, das Erlernte für länger als zehn Sekunden im Kopf zu behalten, denn die Schriftzeichen sind schon sehr verwirrend und auch die Lautschrift half uns nicht immer bei der Aussprache der Wörter. Doch wir taten unser Bestes und rekapitulierten beim Sticken in den Pausen fleißig die Vokabeln oder die Zahlen, während wir Doppelkopf spielten. Auch Rebecca war am Ende stolz auf uns, wenn wir in Gesprächen mit ihr einige chinesische Sätze einbauen konnten. Zum Mittagessen gab es gebratene Nudeln, auf die wir uns alle sehr freuten, weil wir dachten, diese aus Deutschland zu kennen. Das sollte sich später allerdings als falsch herausstellen. Denn im Gegensatz zu den Gerichten hier, schmecken sie in unseren westlichen Ländern nach nichts. Wir hingegen saßen nichtsahnend vor unseren Nudeln, nahmen den ersten Bissen – und sehnten uns unglaublich nach Milch oder Brot, um den scharfen Schmerz in unseren Mündern zu lindern. Insgesamt wurde es eine sehr lustige Mahlzeit, da wir mit uns kämpften, das trotz der Schärfe sehr leckere Essen,was hier als mild gilt, komplett aufzuessen. Nach der Mittagspause, in der, wie uns Rebecca erzählte, die meisten Chinesen ein kleines Nickerchen halten, damit sie am Nachmittag nicht müde werden, starteten wir den nächsten Versuch, der chinesischen Sprache ein wenig vertrauter zu werden. Die langen Sätze, an die wir uns dann wagten, sorgten für noch mehr Gelächter. Falls sich irgendwer ein Bild davon machen will oder wissen möchte, wo genau wir wohnen – hier unsere Adresse in Lautschrift: Wo Yao Qu Feng Che Guang Chang Gong Lu Quan Li Duan Su She. Das sollte alles über die Probleme von Chinesisch für Anfänger sagen. Bevor wir in dem gleichen Restaurant wie am ersten Abend in Dali Reis mit Hackfleisch, Bohnen, Chinakohl und salzigem, spinatartigem Gemüse mit Tofu aßen, bummelten wir noch ein bisschen durch die Straßen und das Einkaufscenter. Dann musste uns Rebecca  leider schon verlassen und wir haben die Zeit genutzt, um unsere Klamotten zu waschen. Da wir heute sowieso in sehr gutgelaunter Stimmung waren, wurde auch diese sonst nicht so beliebte Arbeit zum Riesenspaß. Wie Lena sagt „ist unser Badezimmer jetzt ein Regenwald“, da dürfte sich jeder ein Bild darüber machen können, wie diese Aktion gelaufen ist. 😀 Und zum Schluss noch eine Sache, die uns mehrfach aufgefallen ist: Wenn ein Chinese kein Geld für Markenklamotten hat, ändert er einfach einen Buchstaben des Namens und der Tag ist gerettet! (Beispiel: Chanel → Hanel; C. Klein → Hlein).

Franzi