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Um nicht in Nelson zu versauern (ohne Auto kommt man nicht wirklich viel herum), habe ich mit ein paar Freunden und deren Auto einen Roadtrip zum Nelson Lakes Nationalpark gemacht. Das heißt, eigentlich wollte ein amerikanisches Pärchen dorthin und hat dann herumgefragt, sodass ich die Chance hatte dies auch zu sehen. Und es hat sich gelohnt!

Bei strahlendem Sonnenschein ging es nach St Arnaud, einer kleinen Ortschaft direkt an den Lake Rotoiti. Das Gebiet des Parks wurde stark von der Eiszeit geprägt und so liegt der See inmitten von Bergketten. Viele der neuseeländischen Vogelarten sind hier vorhanden, es sollen auch Kiwis nachts ihr Unwesen treiben. Doch werden sie von den eingeschleppten und eingeführten Tieren, wie Mäusen, Rehe und Wildschweinen bedroht. Vor allem Hunde sind eine große Gefahr, weshalb diese im Nationalpark nicht erlaubt sind.
Da das Ganze auch etwas höher gelegen ist und der Winter es auch nach Neuseeland geschafft hat, gab es sogar ein paar Schneeflecken, die noch nicht von der Sonne geschmolzen worden sind. Das war dann unsere Chance für eine Schneeballschlacht im Juli!

Wenn ich mir im Nachhinein die Bilder ansehe, die ich dort gemacht habe, scheint es nicht real zu sein. Es ist zu schön! Zeitweise wirkt es wie die Bilder von einsamen Inseln, die man als Poster kaufen kann.

Die Region namens Golden Bay ist wohl mit den schönsten Stränden Neuseelands bestückt und dank eines Mitbewohners in meinem momentanen Hostel konnte ich dorthin. Die Region ist ziemlich abgelegen und mit dem öffentlichen Verkehr kommt man nicht dorthin, wo es am schönsten ist. Doch mithilfe des Autos wurde es ein wunderschöner Tag an verschiedenen Stränden, wunderschönem Wetter und in netter Gesellschaft.

Endpunkt des Tages war die Farewell Spit. Dies ist eine Sandlandzunge, die einige Kilometer ins Meer hineinreicht und trotz ihrer Schönheit tückisch ist. Jedes Jahr stranden Wale zwischen der Landzunge und dem Festland, weil dort das Wasser zu flach für die großen Tiere ist. Auch mit vielen freiwilligen Helfernt eine Rettung kompliziert, da das flache Wasser die Tiere irritiert.
Zuletzt geschah dies Ende Januar als 99 Grindwale gestrandet waren. Nur 26 Wale konnten sich aus eigener Kraft befreien, 39 wurden von Helfern wieder ins Wasser befördert doch nach einigen Stunden waren sie wieder am Strand und die Rettung wurde durch die Strömungen für die Helfer zu gefährlich.

Ansonsten ist Nelson ziemlich ruhig. Das Hostelleben hat sich in eine angenehme Routine verwandelt und in eine familiäre Atmosphäre mit den anderen Backpackern, die den Winter im sonnigsten Ort Neuseelands verbringen wollen.
Wir sind eine lockere Runde mit ungefähr 10 Personen. Als Sonntagstradition wurde vor drei Wochen das gemeinsame Abendesen eingeführt. Dabei kocht ein Zweierteam für den Rest (und die Leute, die gerne mitmachen möchten). Wir sind mittlerweile immer 13-14 Leute, was eine echte Herausforderung beim Kochen ist. Aber ob Hamburger mit Salat, Braten mit selbstgemachten Spätzle oder einem Irish Stew (von einem Iren gekocht): Bislang wurde noch jeder mehr als satt und es war immer sehr gut!

Nun bin ich ein paar Tage wieder zurück in Nelson und zehre von den wunderschönen Eindrücken, die ich im Abel Tasman sammlen konnte. Wir hatten am Montag und Dienstag wunderschönes Wetter und so ging es mit Rucksack und Schlafsack los.

An unserem ersten Tag sind wir vom Start des Nationalparks, Marahau, bis nach Bark Bay gelaufen. Das waren um die 20km, dazu kamen dann noch die Umwege zu den ganzen wunderwunderschönen Stränden. Die Nacht haben wir in einer Hütte verbracht, wo wir ganz allein waren. Das heißt, dass wir uns selbst um das Feuerholz und auch um das Feuer kümmern mussten, aber nach einigen Strandfeuern und anderen Lagerfeuern bekommt man gut Übung darin.
Ohne Licht wurde es dann eine frühe Nacht, die wir auch brauchten, denn am nächsten Morgen mussten wir um 6Uhr morgens aufstehen. Auf den 17km von Bark Bay nach Totaranui mussten wir nämlich zwei Strände überqueren, die nur bei Ebbe zu begehen sind. Die Zeiten dafür waren leider am frühen Vormittag und zuerst mussten wir natürlich dahin gelangen. Also sind wir mit Taschenlampen losgezogen, haben am Strand mit Sonnenaufgang gefrühstückt und wurden spätestens bei der zweiten Durchquerung der Awaroabucht aufgeweckt. Das Wasser reichte uns zu den Knien und war e-i-s-k-a-l-t. Danach kam dann der für mich schönste Teil vom ganzen Track: Mein Lieblingsstrand ist eindeutig Goat Beach und davor Pound Creek.
Am Ende, am Strand von Totaranui, wurden wir dann vom Wassertaxi abgeholt. Nach den stundenlangen Wanderungen dauerte es nur etwas über eine Stunde mit dem Boot, um uns zurück zu bringen…
Leider Gottes habe ich mich auf der Tour richtig schön erkälte und schniefe so vor mich rum, doch es war die Erkältung eindeutig wert!

Morgen geht es für mich für zwei Tage in die Natur. Ich mache mich mit zwei Freunden werde ich in den Abel Tasman National Park, der für seine vielen Sandbuchten und wunderschön blaues Meer berühmt ist. Es ist einer der beliebtesten Wanderwege Neuseelands. Da es aber keine Hauptsaison ist, sondern Winter, werden wir die meisten Strände wohl für uns alleine haben. Netterweise ist das Klima hier sehr mild und auch im Winter darf man bei 13°C mit viel Sonne rechnen. Zwar werden die Nächte verdammt kalt, aber das kann man aushalten, immerhin gibt es dazu einen klaren Nachthimmel.

Der Park hat viele Vogelarten beheimatet, da es auch einige Waldstücke gibt. In diesem Gebiet haben sich auch vor über 500 Jahren die ersten Maoris angesiedelt. Dann hat der Niederländer Abel Tasman die Region 1642 erreicht und bereits 400 Jahre später wurde das Küstengebiet zum Nationalpark ernannt. 1993 wurde dann auch die Küste zu einem Meeresschutzgebiet.

Nelson soll der sonnigste Ort in Neuseeland sein, doch das Wetter spielt seit gestern verrückt und das nicht nur hier. Die Wetteranzeige sagt mir, dass es 7° draussen sind, die sich anfühlen wie 4°. Der Wind hat einen Ast vom Nachbargarten durch den Zaun krachen lassen und es regnet. Als Empfehlung steht auf der Seite, dass man 3-4 Schichten Anziehsachen anhaben sollte und dazu noch eine Regenjacke. Danke für die Empfehlung!
Ab morgen ist dann aber wieder Sonne angesagt. Ich vermisse sie schon..

Am Montag war das Jubiläum der Queen und hier war deshalb ein Feiertag. Wir haben bei nettem Wetter unsere Sachen zusammengepackt und sind mit Gitarre, etwas zu essen, Decken und einer Frisbeescheibe zum Strand gefahren. Gegen Abend wurde dort dann auch ein Feuer gemacht, damit wir nicht frieren (da haben dann leider die Mashmallows gefehlt). Es hat zwar etwas gedauert, aber die Mühe hat sich gelohnt.
Es war echt ein toller Tag, der nach einer Wiederholung schreit!

Ansonsten läuft das normale Hostelleben so dahin. Morgens wird geputzt und nachmittags… irgendwie die Zeit vertrieben. Momentan wird hier viel gestrickt (wird halt kalt) und ich habe sogar selbst eine Mütze fertiggemacht. Sie sieht auf jeden Fall viel viel besser aus als der Schal, den ich in der 5./6. Klasse mal stricken musste. Gut, davon habe ich vielleicht ein Sechstel gestrickt. Der Rest war das Werk meiner Mutter…

Meine Planung hat sich ein wenig verschoben. Ich werde in Nelson bleiben, wie lange weiß ich noch nicht. Und dann geht es auf die Nordinsel und es wird nur noch gereist.
Am 30. August geht mein Flieger von Auckland nach Sydney und es wird ein klitzekleines Stückchen von Australien erkundet. Wenn ich schonmal hier bin…
Irgendwie scheint die Zeit aber zu rennen. ich kann es kaum glauben, dass ich „bald“ schon Neuseeland verlasse. Natürlich ist es noch einige Zeit hin, doch es scheint schon so nah zu sein.

Ich spule einfach mal vor was in der letzten Zeit passiert ist, denn das wird alles von dem heutigen Zufall getoppt:
Nach dem Copland Track habe ich mich aufgemacht nach Greymouth, wo ich nach einer Nacht in einem grässlichen Hostel geflohen bin. Es ging weiter die Küste hoch nach Punakaiki, einem Dorf, das eigentlich nur bekannt ist, weil es dort Felsengibt, die wie Pancakes aufeinandergestapelt sind (sie heißen auch Pancake Rocks. Einfallsreichtum war noch nie eine Stärke von Kiwis). Danach bin ich wieder nach Greymouth, aber in ein anderes Hostel – ein fantasitisches Hostel. Dort habe ich dann ein Mädchen getroffen, das ich schon vorher kennengelernt habe und wir sind gemeinsam mit dem Zug über den Arthurs Pass nach Christchurch. Von dort bin ich dann wieder alleine losgezogen, zu meinem momentanen Wohnort, Nelson.

Nelson ist eine wunderschöne kleine Stadt am Meer und Eingang zur Golden Bay, dem Abel Tasman und einem anderen Nationalpark, dessen Name mir gerade entfallen ist. Und Nelson wird nun für einige Wochen meine neue Heimat werden, denn ich werde in einem Hostel arbeiten und dafür keine Kosten für Übernachtung, Internet und Waschmaschine haben. Am Montag ziehe ich von meinem derzeitigen Hostel in das andere um. Ich hoffe mein Team ist nett, aber davon bin ich überzeugt.

Zu dem heutigen Zufall, der alles bisherige übertrumpft:
Ich bin ein großer Herr der Ringe-Fan. Nicht nur die Filme, sondern vor allem die Bücher haben es mir schon seit Jahren angetan. Und morgen.. morgen hat Ian McKellen, der Gandalf in den Filmen spielt, zwei … Auftritte in Nelson. Er hat seine Show „Shakespeare, Tolkien and you“ genannt. Mit anderen Worten, er möchte von seiner Theatererfahrung und von den Dreharbeiten erzählen, sich aber genauso gerne vom Publikum ausfragen lassen. Das klingt absolut fantastisch, hätte das Ganze nicht einen Haken für mich: Ich habe keine Karte mehr bekommen (es ist übrigens eine Benefiz-Veranstaltung, das Geld geht komplett an das Theater in Christchurch, dass durch das Erdbeben im letzten Jahr starke Schäden ertragen musste).
Um an den oben genannten Job zu kommen, habe ich mir eins der Fahrräder vom Hostel ausgeliehen und bin dorthin. Auf dem Rückweg habe ich einen Umweg gemacht und wollte mir eine Kirche ansehen und den Juwellierladen, der den Einen Ring für die Herr der Ringe-Filme geschmiedet hat. Als ich dorthin kam musste ich einen Zettel sehen, dass der Laden für eine private Veranstaltung geschlossen war, so habe ich mir einfach nur den Text durchgelesen, der neben der Tür stand und etwas zu den Filmen besagte. Die zwei Personen auf der Mauer neben dem Laden beachtete ich zunächst nicht. Ich dreht mich um, wollte weggehen und stutze. Da saß er. Ian McKellen. Und plauderte mit der Frau vom Laden. Vollkommen perplex ging ich erstmal vorbei, überquerte die Straße und blieb dann stehen, sah mich um und realisierte erstmal, was passiert war. Ich hatte nichts zum Schreiben dabei, aber meine Kamera. Die Beiden waren noch im Gespräch vertieft und stören wollte ich nicht (zudem musste ich meinen Mut noch aus einer Ecke hervorziehen). Als sich das Gespräch zum Ende neigte näherte ich mich langsam. Und dann kam der Moment, wo ich den Mund aufmachen sollte und dafür, dass ich gezittert habe (Ich finde das vollkommen in Ordnung, immerhin steht vor mir eine Theater- und Filmlegende) habe ich doch noch irgendwie verständlich herausbringen können, ob ich nicht ein Foto mit ihm haben könnte. Und das besitze ich nun.
Grinsend wie ein Honigkuchenpferd.
Meine Mission für morgen: Das Theater belagern und hoffen, dass jemand seine Karte zu der Show loswerden möchte.

Vor ein paar Tagen habe ich mich das erste Mal aufgemacht, um länger auf einer Wnaderung unterwegs zu sein, als nur ein paar Stunden.
In Fox Glacier habe ich eine Malaysierin kennengelernt, mit der ich den Copland Track gemacht habe. Der ist in der Nähe vom Gletscherort angesiedelt, 17km lang und dauert für einen Weg ungefähr 7Stunden. Nach dieser Strecke kommt man dann in einer Hütte an, in der man übernachten kann und am nächsten Tag den gleichen Weg wieder zurückgeht, den man gekommen ist.
Meine Wanderbegleitung hatte sich mit dem Department of Conservation unterhalten, die meinten, dass der Weg „einfach“ ist und „flach“, immerhin geht es nur etwas über 400m hoch. Die Broschüre sagt dann auch sehr viel aus…

(grob übersetzt)
Der Track startet mit der Überquerung des Rough Creek. […] Danach führen die orangenen Marker über einen gut geformten Weg durch den Wald.

(der tatsächliche Weg)
Es hat geregnet (laut Wettervorhersage sollte es ein schöner Tag werden). Die Überquerung vom Fluss hat uns das erste Mal nasse Füsse verschafft, wobei ich sagen muss, dass ich dort nur nasse Schuhe bekommen habe. Der schöne Waldweg war dann leider Gottes wunderschön aufgeweicht und durch einen Fehltritt sank mein Schuh dann mal bis zum Fussgelenk in den Schlamm. Der kleine Bach danach säuberte das Ganze dann wieder – und ich hatte nasse Füsse.

Der Track führt weiter durch die orangenen Zeichen durch offene Gebiete und Flüssüberquerungen. Das stimmt so ungefähr. Es geht dabei aber immer wieder hoch und runter und das nicht wirklich in angenehmen Weisen. Man darf über Steine klettern und Wurzeln als Stufen nutzen. Vom Nebenfluss vom Karangarua River zum Architect Creek gibt es steinige Flussbetten, Waldstücke und grasbewachsene Lichtungen.

Die genannten Brücken sind zweimal Hängebrücken, die im Grunde genommen nur aus Stahlseilen bestehen bei denen Maschendrahtzaun überspannt worden ist. Das bedeutet, dass man sehr lange, sehr hoch über einem Fluss gehen muss und jeden seiner Schritte sehen kann. Für jemanden mit Höhenangst ist das nicht gerade optimal. Zudem darf man auch eine 500m lange Region durchqueren, in der die Gefahr von Erdrutsch und Steinschlägen besteht. Und einen „Fluss“ überqueren, der eher ein Wasserfall ist.

Nach den Brücken steigt der Weg an zu anderen Creeks und durch ein Waldstück. Danach kommt eine Lichtung mit der Welcome Flat.

Eine nette Person hat sich die Mühe gemacht und hat Kilometerzahlen auf die orangenen Pfeile geschrieben. Man wird leider ziemlich demotiviert, wenn man einfach nicht weiter kommt. Es geht hoch, es geht runter und die Zahl bis zur Hütte wird nicht kleiner. Und dann kommt sie, die Lichtung. Das Wetter ist schön geworden und die Sonne scheint auf die umgebenen Berge. Nach einer Kurve kommt dann auch der Blick auf die Hütte und zur Linken liegen die Hot Pools. Natürliche heiße Quellen, die in mehrere Vertiefungen enden. Perfekt nach einer langen und anstrengenden Wanderung. Außerdem wunderbar, wenn man einen sternenklaren Nachthimmel hat. Im warmen Wasser liegen und die Milchstraße ansehen. Da wurde uns dann bewusst, warum wir den Weg gemacht haben.
Der Rückweg war dann auch wieder nass von oben, aber einfacher. Trotzdem hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Anstrengend, aber absolut atemberaubend (in jeder Art und Weise).

Was mir bei meinen Ausflügen in die Museen immer wieder auffällt ist, wie wenig ich über die Geschichte in diesem Pazifikbereich kenne. In der Schule hat man sich auf die deutsche Geschichte konzentriert. Europa und Amerika. Doch man hat immer diese einseitige Betrachtung. Klar, es wird versucht dies zu vermeiden doch eine andere Sichtweise bekommt man meistens nicht.

Ich bin derzeit in Queenstown und habe einige Orte in der Umgebung besucht, die einen Goldrausch hatten. In Arrowtown kann man sich selbst ein Sieb ausleihen und das Glück im Fluss heraussieben, falls man dort überhaupt noch etwas finden kann.
Dort wurde auch die Siedlung der chinesischen Einwanderer nachgebaut, die abseits vom eigentlichen Ort eine eigene Kommue geschaffen haben. Sie waren als Gäste ins Land geholt worden, damit sie den abflachenden Goldrausch wieder aufleben lassen. Meistens waren es junge Männer, fast noch Kinder, die aus den südlichen Teilen Chinas kamen, weil sie in Neuseeland den fünffachen Jahresgehalt verdienen konnten. Viele waren allerdings nicht allzu vom Glück verfolgt und statt das Geld, das für ihre zurückgebliebene Familie bestimmt war, abzuschicken, wurde es in Alkohol und Drogen investiert.  Dazu kam, dass die Situation unangenhemer wurde: Je mehr Chinesen kamen, desto zuwider wurden sie den anderen Goldgräbern. Nicht nur durch die Sprachbarriere wurden sie ausgegrenzt. Sie wurden der Brutalität beschuldigt, des Opiumhandels, Habgier, Zügellosigkeit und bösen Angewohnheiten. Erst nachdam das Gold weg war und die meisten Glückssucher abgezogen waren, wurden sie als tatkrätige Arbeitskräfte angesehen. Trotzdem wurden diejenigen, die nicht heimkehrten, bei der Rente nicht beachtet und sogar explizit ausgeschlossen.
Die Karikatur ist an sich schon fast lächerlich, denn die chinesische Krake greift eine Maori-Frau an, also eine Person, die zu der Zeit selbst keine Rechte bei den Weißen hatte und ihres Landes beraubt wurde (trotz des Vertrags von Waitangi haben Geschäftsmänner den Maori ihr Grund und Boden abgekauft und das zu ungerechten Preisen). Aber sie war Teil der ersten Einwohner Neuseelands, also wohl das beste Zeichen für die Vereinnahmung des Landes.

Seit die Klauen der Arbeit mich freigelassen haben und mein Konto gut gefüttert wurde, bin ich wieder unterwegs, damit letzteres wieder abspeckt. Dazu ist es natürlich sehr nützlich, dass ich auf einer Wanderung meine Kamera habe fallen lassen und mir nun eine neue kaufen darf.

Doch zurück zum Start meiner Weiterreise. Von Roxburgh aus ging es durch Central Otago über den Lindis Pass nach Dunedin. Nach einem Rugbyspiel und dem Wochenende in meiner Lieblings“großstadt“ Neuseelands führte die Straße südwärts in die Catlins. Dort haben wir Wasserfälle, schöne Strände, Leuchttürme und kämpfende Seelöwen gesehen. Zu dritt sind wir durch die Catlins und sind dann ins Fjordland, immer von Campingplatz zu Campingplatz und dabei gab einige wunderschöne Plätze. Das Department of Conservation hat einige Stellen bereitgestellt, dort Toiletten aufgestellt und je nach Komfort diese mit fließend Wasser und Unterständen ausstattet. Zum Teil sind sie einfach wunderschön, so konnten wir öfters am Strand aufwachen und den Sonnenaufgang über dem Meer beobachten.

Nach den vielen Stränden ging es dann ins Fjordland in dem es 200 Tage im Jahr regnet. Oder es eigentlich tut, denn zunächst hatten wir absolut Glück mit den Wetter. Seit Weihnachten hatte es kaum geregnet und so kam es dann auch, dass es im Laufe unseres ersten Tages anfing zu regnen… Immerhin gab es an einem Tag keinen Regen und so konnte ich zum Lake Marian wandern bevor der Regen wieder eingesetzt hat und es geregnet und geregnet hat… Das hat sich leider auch durch den Sonntag durchgezogen an dem ich mich von meinen Reisegefährten getrennt habe um eine Übernachttour auf dem Doubtful Sound zu machen. Trotzdem war es einfach atemberaubend durch den Fjord zu fahren, dort zu kajaken (zu dem Zeitpunkt hat es übrigens nicht geregnet) und ordentlich durchgefüttert zu werden. Neben dem dauerhaften Regen gab es über Nacht dann auch noch Schnee. Der Winter kommt hier langsam aber sicher an. Die Temperaturen sinken über Nacht sowieso schon immer.

Jetzt bin ich in Te Anau und werde bald nach Queenstown weiterziehen, dann weiter die Westküste hoch zu den Gletschern.

Es ist kaum zu glauben, aber es sind nun sechs Monate vergangen seit ich aus Deutschland abgeflogen bin. Aus diesem Grund ist es Zeit ein erstes Fazit zu ziehen.
Was habe ich erlebt und wie ist es mir ergangen?
Welche meiner Vorstellungen dieser Reise haben sich bewahrheitet und welche waren einfach nur Träume?
Wie wird es nun weitergehen und was möchte ich noch sehen?

Es begann alles am 13. Oktober als ich am Frankfurter Flughafen abgeflogen bin. Zunächst vollkommen selbstsicher, doch nach der Passkontrolle gab es dann doch ein flaues Gefühl in der Magengegend. Doch ich wollte schon so lange Neuseeland sehen und die Vorfreude siegte dann sobald der Weg zum Flieger geöffnet wurde. Danach ging alles sehr schnell: Die ersten Kontakte, die ersten Trips durch das Land, die Entscheidung zur Südinsel zu fahren bevor ich die Nordinsel erkunde, der erste Job. Weihnachten und Silvester fern von der Familie und den Freunden. Aber es wird einem einfach gemacht sich immer wohl zu fühlen, weil die Menschen einfach sehr freundlich sind.

Bereits vor meiner Reise habe ich gelesen und gehört, dass Kiwis hilfsbereit und gastfreundlich sind. In den letzten Monaten durfte ich dies am eigenen Leib erfahren. Ob es nun einfach eine Auskunft war, eine Einladung zum Kaffee oder zum Essen, eine Tour durch die Region, ein Rubgy-Ticket,…
In den Hostels trifft man aber vor allem andere Backpacker. Aus allen Herrenländern und in einer Altersspanne von kleinen Kindern, die mit ihren Eltern reisen zu einer 82jährigen, die mit dem Rucksack durchs Land zieht. Wenn man reist werden die Personen, die man trifft schnell zu Freunden. Da man auf engem Raum zusammenlebt lernt man sich schneller kennen und vertraut auch schneller. Irgendwie ist man auch darauf angewiesen – insbesondere, wenn man alleine reist. Kein Mensch ist gerne auf Dauer alleine. Aber zum großen Teil sind es nur kurzfristige Freundschaften oder Bekanntschaften, die entstehen. Es gibt nur wenige Personen, die einem auf den Reisen so wichtig werden, dass man mit ihnen in Kontakt bleibt. Das erscheint vielleicht oberflächlich, aber als Backpacker lebt man im hier und jetzt, manche Dinge bleiben da auf der Strecke. Aber Dank Facebook wird es einem sowieso einfach gemacht in Kontakt zu bleiben, auch wenn man schon lange das Land wieder verlassen hat.

Zwei Dinge habe ich von diesen Menschen gelernt:
1. Sie sind auch nur Menschen. Sie haben Fehler, sie haben Schwächen und eigentlich soll man diese überhaupt nicht sehen. Aber das lässt sich hier nicht vermeiden. Zudem ist es viel einfacher offen zu sein.
2. Man braucht nicht viel zum Leben. Wir leben in einem extremen Luxus (und das habe ich hier immer noch, ich weiß gar nicht was ich schreiben würde, wenn ich in einem Entwicklungsland unterwegs wäre) und wir brauchen diesen übermäßigen Konsum eigentlich gar nicht. Un-eigentlich ist es unglaublich komfortabel. Ich freue mich schon auf die Badewanne zuhause…

Aber nicht nur die Menschen machen es einfach sich wohl zu fühlen. Man hat überhaupt keine Zeit darüber nachzudenken was daheim los ist, wenn man sich die Landschaften hier ansieht. Ich habe schon einige wunderschöne Flecken von Neuseeland gesehen, wobei ich die schönsten Dinge wohl noch vor mir habe (so viel habe ich im Grunde genommen noch nicht gesehen).
Letztes Jahr habe ich zum Geburtstag von einer Freundin eine Liste zugeschickt bekommen, was ich in Neuseeland machen sollte. Zu dem Zeitpunkt war sie gerade dort. Nach einem halben Jahr kann ich nun behaupten, dass ich fast alles von dieser Liste gemacht habe. Abgesehen von den Dingen, für die ich ein Auto benötigen würde. Aber vielleicht kommt das auch noch. Ich habe aber auch bemerkt, dass wir die Orte und Ereignisse auf verschiedene Weise angehen, erleben und aufnehmen. Dies gilt auch für eine zweite Liste, die ich von einer anderen Freundin bekommen habe. Auch sie war in Neuseeland gewesen und hat mir geschrieben, welche Orte besonders sehenswert sind und welche man beruhigt auslassen kann. Ich habe sie nach ihrem Jahr vom Flughafen abgeholt und sie meinte zu mir, dass ihr auch acht Monate gereicht hätten. Danach hatte sie ganz Neuseeland gesehen und es wäre fast schon langweilig geworden.
Nach sechs Monaten habe ich vielleicht ein Drittel von Neuseeland gesehen und bin voller Vorfreude auf den Rest. Es ist hilfreich und interessant Erfahrungsberichte und Tipps von anderen zu bekommen, ich lese auch jetzt noch gerne die Blogs von anderen Menschen, doch nichts geht über das eigene Erleben. Man nimmt die Erfahrungen so unterschiedlich auf, dass es immer ein einzigartiges Erlebnis ist.

Vor einer Reise informiert man sich, man hat seine eigenen Vorstellungen. So auch ich und ich muss sagen, Teile davon waren etwas verklärt. Mit der Zeit sieht man auch das andere Bild des Landes und mein früherer Traum, mal Auszuwandern (ich habe ihn schon vor einigen Jahren wieder abgelegt) und nach Neuseeland zu gehen, hat sich ausgeträumt. Aber wie man es im ersten Teil lesen kann: Ich bin immer noch begeistert und ich werde ganz bestimmt nach diesem Jahr nochmal wiederkommen. Aber aus realistischer Sicht möchte ich auch die negativ(er)en Seiten des Landes beleuchten:
1. Ich komme einfach nicht damit klar, dass die Jahreszeiten falsch herum sind. An Weihnachten war es heiß und es kam keine richtige Stimmung auf und nun, wo es kälter wird, Ostern gerade vorbei ist will ich keine Schokohasen sondern Nikoläuse. Bei der Arbeit texte ich die Weihnachtslieder um, damit sie auch zum Fest passen („Last Eastern I gave you my heart…“, „I’m dreaming of a white Eastern…“). Es ist schon sehr verwirrend. Dieses Jahr werde ich wohl einfach ein halbes Jahr in Weihnachtsstimmung sein, dabei ist im Grunde genommen erst Herbst.
2. Milchprodukte. Nicht nur, dass Milch und Käse unglaublich teuer sind und die Produkte, die exportiert werden in dem anderen Land dann günstiger zu erwerben sind. Die Sachen schmecken auch nicht. Die Käsesorten schmecken alle gleich (mal von der Konsistenz abgesehen) und die Milch hat – je nach Regionsmischung – einen eigenartigen Beigeschmack.
3. Großstädte sind in Neuseeland nur Großstädte, weil jeder Kiwi ein eigenes Haus besitzt. Ein neuseeländisches Haus ist allerdings nicht, was man in Deutschland als ein Haus kennt. Zum Großteil sind es kleine Holzhütten, die weder einen Keller noch eine zweite Etage besitzen, geschweige denn größer sind als ein Bauwagen. Zudem haben Kiwis von Energiesparen und Isolierung nicht wirklich eine Ahnung. Die läppischen Fenster, schließen nicht ordentlich und die Wände sind so dünn, dass man sie wohl mit einem einfachen Hammer durchschlagen könnte. So entweicht viel Wärme und es wird einfach der Elektroheizer höher gedreht. Dies ist vielleicht etwas überspitzt dargestellt, aber nicht vollkommen realitätsfern.
4. Wenn man in Neuseeland kein Geld hat, hat man verloren. Das sagt man vielleicht in Deutschland auch, doch dort ist man um einiges besser durch den Staat abgesichert als hier. Man sollte die ganzen staatlichen Vorsorgen mehr wertschätzen. Gute Bildung kostet in Neuseeland viel Geld. Gesundheitsvorsorgen und -behandlungen müssen auch zum großen Teil aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Zwar gibt es hier einen gesetzlichen Mindestlohn (diesen Monat wurde er auf 13,50 NZ$ erhört, was ungefähr 8,45EUR sind. Davon werden aber im Schnitt 18% Steuern abgezogen) doch die Lebenskosten (siehe z. B. Punkt 2) sind auch hoch. Auch ist die Arbeitssituation in manchen Jobs nicht gut. Dies darf ich gerade ja an eigenem Leib erfahren.
5. Ein letzten Punkt gibt es noch. Der ist jedoch der Anreiz der Reise und das „größte“ Manko, wenn man hier lebt: Neuseeland ist am Ende der Welt. Komplette Abgeschiedenheit. Entweder wird im eigenen Land oder in Australien Urlaub gemacht. Da liebe ich den Luxus, dass Deutschland in Europa liegt und es nur ein Katzensprung in andere Länder ist, die ich auch noch ohne jegliche Passkontrolle besuchen kann.

Aber ich möchte ja nicht für immer hierbleiben, einfach nur temporär ein Kiwi sein, reisen, Erfahrungen machen, wachsen. Dazu gehören die guten, wie auch die schlechten Dinge des Lebens.

Ein Jahr in Neuseeland heißt aber auch ein Jahr weg von der Familie. Das soll nicht bedeuten, dass ich Heimweh habe. Ich liebe es unterwegs zu sein und neue Sachen zu sehen. Zudem ist man durch Handy und Internet immer erreichbar, auch wenn man zwischen 10 und 12 Stunden voneinander getrennt ist. Ich vermisse eher die Familienmitglieder, die man nicht einfach sprechen kann. Meinen Dackel zum Beispiel. Zudem gab es Anfang des Jahres einen neuen Welpen, den ich dann erst kennenlerne, wenn sie schon fast ein Jahr alt ist. Doch solange ich weiß, dass es allen gut geht und ich hier ab und zu Hunde oder Tiere im allgemeinen um mich herum habe, ist alles in Ordnung. Sobald ich auch wieder unterwegs bin und nicht mehr meine stupide Arbeit erledigen muss habe ich auch endlich keine Zeit mehr dazu mir viele und meist sinnlose Gedanken zu machen. Dann wird sich auch nicht mehr über ungerechte Arbeitsverhältnisse geärgert, sondern nur über die atemberaubende Landschaft gestaunt und neue Leute gelernt.