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Vor ein paar Tagen habe ich mich das erste Mal aufgemacht, um länger auf einer Wnaderung unterwegs zu sein, als nur ein paar Stunden.
In Fox Glacier habe ich eine Malaysierin kennengelernt, mit der ich den Copland Track gemacht habe. Der ist in der Nähe vom Gletscherort angesiedelt, 17km lang und dauert für einen Weg ungefähr 7Stunden. Nach dieser Strecke kommt man dann in einer Hütte an, in der man übernachten kann und am nächsten Tag den gleichen Weg wieder zurückgeht, den man gekommen ist.
Meine Wanderbegleitung hatte sich mit dem Department of Conservation unterhalten, die meinten, dass der Weg “einfach” ist und “flach”, immerhin geht es nur etwas über 400m hoch. Die Broschüre sagt dann auch sehr viel aus…

(grob übersetzt)
Der Track startet mit der Überquerung des Rough Creek. […] Danach führen die orangenen Marker über einen gut geformten Weg durch den Wald.

(der tatsächliche Weg)
Es hat geregnet (laut Wettervorhersage sollte es ein schöner Tag werden). Die Überquerung vom Fluss hat uns das erste Mal nasse Füsse verschafft, wobei ich sagen muss, dass ich dort nur nasse Schuhe bekommen habe. Der schöne Waldweg war dann leider Gottes wunderschön aufgeweicht und durch einen Fehltritt sank mein Schuh dann mal bis zum Fussgelenk in den Schlamm. Der kleine Bach danach säuberte das Ganze dann wieder – und ich hatte nasse Füsse.

Der Track führt weiter durch die orangenen Zeichen durch offene Gebiete und Flüssüberquerungen. Das stimmt so ungefähr. Es geht dabei aber immer wieder hoch und runter und das nicht wirklich in angenehmen Weisen. Man darf über Steine klettern und Wurzeln als Stufen nutzen. Vom Nebenfluss vom Karangarua River zum Architect Creek gibt es steinige Flussbetten, Waldstücke und grasbewachsene Lichtungen.

Die genannten Brücken sind zweimal Hängebrücken, die im Grunde genommen nur aus Stahlseilen bestehen bei denen Maschendrahtzaun überspannt worden ist. Das bedeutet, dass man sehr lange, sehr hoch über einem Fluss gehen muss und jeden seiner Schritte sehen kann. Für jemanden mit Höhenangst ist das nicht gerade optimal. Zudem darf man auch eine 500m lange Region durchqueren, in der die Gefahr von Erdrutsch und Steinschlägen besteht. Und einen “Fluss” überqueren, der eher ein Wasserfall ist.

Nach den Brücken steigt der Weg an zu anderen Creeks und durch ein Waldstück. Danach kommt eine Lichtung mit der Welcome Flat.

Eine nette Person hat sich die Mühe gemacht und hat Kilometerzahlen auf die orangenen Pfeile geschrieben. Man wird leider ziemlich demotiviert, wenn man einfach nicht weiter kommt. Es geht hoch, es geht runter und die Zahl bis zur Hütte wird nicht kleiner. Und dann kommt sie, die Lichtung. Das Wetter ist schön geworden und die Sonne scheint auf die umgebenen Berge. Nach einer Kurve kommt dann auch der Blick auf die Hütte und zur Linken liegen die Hot Pools. Natürliche heiße Quellen, die in mehrere Vertiefungen enden. Perfekt nach einer langen und anstrengenden Wanderung. Außerdem wunderbar, wenn man einen sternenklaren Nachthimmel hat. Im warmen Wasser liegen und die Milchstraße ansehen. Da wurde uns dann bewusst, warum wir den Weg gemacht haben.
Der Rückweg war dann auch wieder nass von oben, aber einfacher. Trotzdem hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Anstrengend, aber absolut atemberaubend (in jeder Art und Weise).

Was mir bei meinen Ausflügen in die Museen immer wieder auffällt ist, wie wenig ich über die Geschichte in diesem Pazifikbereich kenne. In der Schule hat man sich auf die deutsche Geschichte konzentriert. Europa und Amerika. Doch man hat immer diese einseitige Betrachtung. Klar, es wird versucht dies zu vermeiden doch eine andere Sichtweise bekommt man meistens nicht.

Ich bin derzeit in Queenstown und habe einige Orte in der Umgebung besucht, die einen Goldrausch hatten. In Arrowtown kann man sich selbst ein Sieb ausleihen und das Glück im Fluss heraussieben, falls man dort überhaupt noch etwas finden kann.
Dort wurde auch die Siedlung der chinesischen Einwanderer nachgebaut, die abseits vom eigentlichen Ort eine eigene Kommue geschaffen haben. Sie waren als Gäste ins Land geholt worden, damit sie den abflachenden Goldrausch wieder aufleben lassen. Meistens waren es junge Männer, fast noch Kinder, die aus den südlichen Teilen Chinas kamen, weil sie in Neuseeland den fünffachen Jahresgehalt verdienen konnten. Viele waren allerdings nicht allzu vom Glück verfolgt und statt das Geld, das für ihre zurückgebliebene Familie bestimmt war, abzuschicken, wurde es in Alkohol und Drogen investiert.  Dazu kam, dass die Situation unangenhemer wurde: Je mehr Chinesen kamen, desto zuwider wurden sie den anderen Goldgräbern. Nicht nur durch die Sprachbarriere wurden sie ausgegrenzt. Sie wurden der Brutalität beschuldigt, des Opiumhandels, Habgier, Zügellosigkeit und bösen Angewohnheiten. Erst nachdam das Gold weg war und die meisten Glückssucher abgezogen waren, wurden sie als tatkrätige Arbeitskräfte angesehen. Trotzdem wurden diejenigen, die nicht heimkehrten, bei der Rente nicht beachtet und sogar explizit ausgeschlossen.
Die Karikatur ist an sich schon fast lächerlich, denn die chinesische Krake greift eine Maori-Frau an, also eine Person, die zu der Zeit selbst keine Rechte bei den Weißen hatte und ihres Landes beraubt wurde (trotz des Vertrags von Waitangi haben Geschäftsmänner den Maori ihr Grund und Boden abgekauft und das zu ungerechten Preisen). Aber sie war Teil der ersten Einwohner Neuseelands, also wohl das beste Zeichen für die Vereinnahmung des Landes.

Seit die Klauen der Arbeit mich freigelassen haben und mein Konto gut gefüttert wurde, bin ich wieder unterwegs, damit letzteres wieder abspeckt. Dazu ist es natürlich sehr nützlich, dass ich auf einer Wanderung meine Kamera habe fallen lassen und mir nun eine neue kaufen darf.

Doch zurück zum Start meiner Weiterreise. Von Roxburgh aus ging es durch Central Otago über den Lindis Pass nach Dunedin. Nach einem Rugbyspiel und dem Wochenende in meiner Lieblings”großstadt” Neuseelands führte die Straße südwärts in die Catlins. Dort haben wir Wasserfälle, schöne Strände, Leuchttürme und kämpfende Seelöwen gesehen. Zu dritt sind wir durch die Catlins und sind dann ins Fjordland, immer von Campingplatz zu Campingplatz und dabei gab einige wunderschöne Plätze. Das Department of Conservation hat einige Stellen bereitgestellt, dort Toiletten aufgestellt und je nach Komfort diese mit fließend Wasser und Unterständen ausstattet. Zum Teil sind sie einfach wunderschön, so konnten wir öfters am Strand aufwachen und den Sonnenaufgang über dem Meer beobachten.

Nach den vielen Stränden ging es dann ins Fjordland in dem es 200 Tage im Jahr regnet. Oder es eigentlich tut, denn zunächst hatten wir absolut Glück mit den Wetter. Seit Weihnachten hatte es kaum geregnet und so kam es dann auch, dass es im Laufe unseres ersten Tages anfing zu regnen… Immerhin gab es an einem Tag keinen Regen und so konnte ich zum Lake Marian wandern bevor der Regen wieder eingesetzt hat und es geregnet und geregnet hat… Das hat sich leider auch durch den Sonntag durchgezogen an dem ich mich von meinen Reisegefährten getrennt habe um eine Übernachttour auf dem Doubtful Sound zu machen. Trotzdem war es einfach atemberaubend durch den Fjord zu fahren, dort zu kajaken (zu dem Zeitpunkt hat es übrigens nicht geregnet) und ordentlich durchgefüttert zu werden. Neben dem dauerhaften Regen gab es über Nacht dann auch noch Schnee. Der Winter kommt hier langsam aber sicher an. Die Temperaturen sinken über Nacht sowieso schon immer.

Jetzt bin ich in Te Anau und werde bald nach Queenstown weiterziehen, dann weiter die Westküste hoch zu den Gletschern.

Es ist kaum zu glauben, aber es sind nun sechs Monate vergangen seit ich aus Deutschland abgeflogen bin. Aus diesem Grund ist es Zeit ein erstes Fazit zu ziehen.
Was habe ich erlebt und wie ist es mir ergangen?
Welche meiner Vorstellungen dieser Reise haben sich bewahrheitet und welche waren einfach nur Träume?
Wie wird es nun weitergehen und was möchte ich noch sehen?

Es begann alles am 13. Oktober als ich am Frankfurter Flughafen abgeflogen bin. Zunächst vollkommen selbstsicher, doch nach der Passkontrolle gab es dann doch ein flaues Gefühl in der Magengegend. Doch ich wollte schon so lange Neuseeland sehen und die Vorfreude siegte dann sobald der Weg zum Flieger geöffnet wurde. Danach ging alles sehr schnell: Die ersten Kontakte, die ersten Trips durch das Land, die Entscheidung zur Südinsel zu fahren bevor ich die Nordinsel erkunde, der erste Job. Weihnachten und Silvester fern von der Familie und den Freunden. Aber es wird einem einfach gemacht sich immer wohl zu fühlen, weil die Menschen einfach sehr freundlich sind.

Bereits vor meiner Reise habe ich gelesen und gehört, dass Kiwis hilfsbereit und gastfreundlich sind. In den letzten Monaten durfte ich dies am eigenen Leib erfahren. Ob es nun einfach eine Auskunft war, eine Einladung zum Kaffee oder zum Essen, eine Tour durch die Region, ein Rubgy-Ticket,…
In den Hostels trifft man aber vor allem andere Backpacker. Aus allen Herrenländern und in einer Altersspanne von kleinen Kindern, die mit ihren Eltern reisen zu einer 82jährigen, die mit dem Rucksack durchs Land zieht. Wenn man reist werden die Personen, die man trifft schnell zu Freunden. Da man auf engem Raum zusammenlebt lernt man sich schneller kennen und vertraut auch schneller. Irgendwie ist man auch darauf angewiesen – insbesondere, wenn man alleine reist. Kein Mensch ist gerne auf Dauer alleine. Aber zum großen Teil sind es nur kurzfristige Freundschaften oder Bekanntschaften, die entstehen. Es gibt nur wenige Personen, die einem auf den Reisen so wichtig werden, dass man mit ihnen in Kontakt bleibt. Das erscheint vielleicht oberflächlich, aber als Backpacker lebt man im hier und jetzt, manche Dinge bleiben da auf der Strecke. Aber Dank Facebook wird es einem sowieso einfach gemacht in Kontakt zu bleiben, auch wenn man schon lange das Land wieder verlassen hat.

Zwei Dinge habe ich von diesen Menschen gelernt:
1. Sie sind auch nur Menschen. Sie haben Fehler, sie haben Schwächen und eigentlich soll man diese überhaupt nicht sehen. Aber das lässt sich hier nicht vermeiden. Zudem ist es viel einfacher offen zu sein.
2. Man braucht nicht viel zum Leben. Wir leben in einem extremen Luxus (und das habe ich hier immer noch, ich weiß gar nicht was ich schreiben würde, wenn ich in einem Entwicklungsland unterwegs wäre) und wir brauchen diesen übermäßigen Konsum eigentlich gar nicht. Un-eigentlich ist es unglaublich komfortabel. Ich freue mich schon auf die Badewanne zuhause…

Aber nicht nur die Menschen machen es einfach sich wohl zu fühlen. Man hat überhaupt keine Zeit darüber nachzudenken was daheim los ist, wenn man sich die Landschaften hier ansieht. Ich habe schon einige wunderschöne Flecken von Neuseeland gesehen, wobei ich die schönsten Dinge wohl noch vor mir habe (so viel habe ich im Grunde genommen noch nicht gesehen).
Letztes Jahr habe ich zum Geburtstag von einer Freundin eine Liste zugeschickt bekommen, was ich in Neuseeland machen sollte. Zu dem Zeitpunkt war sie gerade dort. Nach einem halben Jahr kann ich nun behaupten, dass ich fast alles von dieser Liste gemacht habe. Abgesehen von den Dingen, für die ich ein Auto benötigen würde. Aber vielleicht kommt das auch noch. Ich habe aber auch bemerkt, dass wir die Orte und Ereignisse auf verschiedene Weise angehen, erleben und aufnehmen. Dies gilt auch für eine zweite Liste, die ich von einer anderen Freundin bekommen habe. Auch sie war in Neuseeland gewesen und hat mir geschrieben, welche Orte besonders sehenswert sind und welche man beruhigt auslassen kann. Ich habe sie nach ihrem Jahr vom Flughafen abgeholt und sie meinte zu mir, dass ihr auch acht Monate gereicht hätten. Danach hatte sie ganz Neuseeland gesehen und es wäre fast schon langweilig geworden.
Nach sechs Monaten habe ich vielleicht ein Drittel von Neuseeland gesehen und bin voller Vorfreude auf den Rest. Es ist hilfreich und interessant Erfahrungsberichte und Tipps von anderen zu bekommen, ich lese auch jetzt noch gerne die Blogs von anderen Menschen, doch nichts geht über das eigene Erleben. Man nimmt die Erfahrungen so unterschiedlich auf, dass es immer ein einzigartiges Erlebnis ist.

Vor einer Reise informiert man sich, man hat seine eigenen Vorstellungen. So auch ich und ich muss sagen, Teile davon waren etwas verklärt. Mit der Zeit sieht man auch das andere Bild des Landes und mein früherer Traum, mal Auszuwandern (ich habe ihn schon vor einigen Jahren wieder abgelegt) und nach Neuseeland zu gehen, hat sich ausgeträumt. Aber wie man es im ersten Teil lesen kann: Ich bin immer noch begeistert und ich werde ganz bestimmt nach diesem Jahr nochmal wiederkommen. Aber aus realistischer Sicht möchte ich auch die negativ(er)en Seiten des Landes beleuchten:
1. Ich komme einfach nicht damit klar, dass die Jahreszeiten falsch herum sind. An Weihnachten war es heiß und es kam keine richtige Stimmung auf und nun, wo es kälter wird, Ostern gerade vorbei ist will ich keine Schokohasen sondern Nikoläuse. Bei der Arbeit texte ich die Weihnachtslieder um, damit sie auch zum Fest passen (“Last Eastern I gave you my heart…”, “I’m dreaming of a white Eastern…”). Es ist schon sehr verwirrend. Dieses Jahr werde ich wohl einfach ein halbes Jahr in Weihnachtsstimmung sein, dabei ist im Grunde genommen erst Herbst.
2. Milchprodukte. Nicht nur, dass Milch und Käse unglaublich teuer sind und die Produkte, die exportiert werden in dem anderen Land dann günstiger zu erwerben sind. Die Sachen schmecken auch nicht. Die Käsesorten schmecken alle gleich (mal von der Konsistenz abgesehen) und die Milch hat – je nach Regionsmischung – einen eigenartigen Beigeschmack.
3. Großstädte sind in Neuseeland nur Großstädte, weil jeder Kiwi ein eigenes Haus besitzt. Ein neuseeländisches Haus ist allerdings nicht, was man in Deutschland als ein Haus kennt. Zum Großteil sind es kleine Holzhütten, die weder einen Keller noch eine zweite Etage besitzen, geschweige denn größer sind als ein Bauwagen. Zudem haben Kiwis von Energiesparen und Isolierung nicht wirklich eine Ahnung. Die läppischen Fenster, schließen nicht ordentlich und die Wände sind so dünn, dass man sie wohl mit einem einfachen Hammer durchschlagen könnte. So entweicht viel Wärme und es wird einfach der Elektroheizer höher gedreht. Dies ist vielleicht etwas überspitzt dargestellt, aber nicht vollkommen realitätsfern.
4. Wenn man in Neuseeland kein Geld hat, hat man verloren. Das sagt man vielleicht in Deutschland auch, doch dort ist man um einiges besser durch den Staat abgesichert als hier. Man sollte die ganzen staatlichen Vorsorgen mehr wertschätzen. Gute Bildung kostet in Neuseeland viel Geld. Gesundheitsvorsorgen und -behandlungen müssen auch zum großen Teil aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Zwar gibt es hier einen gesetzlichen Mindestlohn (diesen Monat wurde er auf 13,50 NZ$ erhört, was ungefähr 8,45EUR sind. Davon werden aber im Schnitt 18% Steuern abgezogen) doch die Lebenskosten (siehe z. B. Punkt 2) sind auch hoch. Auch ist die Arbeitssituation in manchen Jobs nicht gut. Dies darf ich gerade ja an eigenem Leib erfahren.
5. Ein letzten Punkt gibt es noch. Der ist jedoch der Anreiz der Reise und das “größte” Manko, wenn man hier lebt: Neuseeland ist am Ende der Welt. Komplette Abgeschiedenheit. Entweder wird im eigenen Land oder in Australien Urlaub gemacht. Da liebe ich den Luxus, dass Deutschland in Europa liegt und es nur ein Katzensprung in andere Länder ist, die ich auch noch ohne jegliche Passkontrolle besuchen kann.

Aber ich möchte ja nicht für immer hierbleiben, einfach nur temporär ein Kiwi sein, reisen, Erfahrungen machen, wachsen. Dazu gehören die guten, wie auch die schlechten Dinge des Lebens.

Ein Jahr in Neuseeland heißt aber auch ein Jahr weg von der Familie. Das soll nicht bedeuten, dass ich Heimweh habe. Ich liebe es unterwegs zu sein und neue Sachen zu sehen. Zudem ist man durch Handy und Internet immer erreichbar, auch wenn man zwischen 10 und 12 Stunden voneinander getrennt ist. Ich vermisse eher die Familienmitglieder, die man nicht einfach sprechen kann. Meinen Dackel zum Beispiel. Zudem gab es Anfang des Jahres einen neuen Welpen, den ich dann erst kennenlerne, wenn sie schon fast ein Jahr alt ist. Doch solange ich weiß, dass es allen gut geht und ich hier ab und zu Hunde oder Tiere im allgemeinen um mich herum habe, ist alles in Ordnung. Sobald ich auch wieder unterwegs bin und nicht mehr meine stupide Arbeit erledigen muss habe ich auch endlich keine Zeit mehr dazu mir viele und meist sinnlose Gedanken zu machen. Dann wird sich auch nicht mehr über ungerechte Arbeitsverhältnisse geärgert, sondern nur über die atemberaubende Landschaft gestaunt und neue Leute gelernt.

Es sind noch 9 Arbeitstage, die ich überleben muss und ich muss sagen: Die Luft ist einfach raus. Vor allem, weil auch die Laune im Team ziemlich kippt. Untereinander verstehen wir uns alle noch gut. Dummerweise gibt es da aber immer noch eine Chefin, die Aufträge erfüllen muss und das in einem bestimmten Zeitraum. Da kommt es dann nicht ganz so gut, wenn die Maschinen ausfallen. Nicht dem Unternehmen und vor allem nicht uns, denn die kleinen Arbeiter dürfen das Schlarmassel ausbaden indem wir länger arbeiten.

 

Unser Paintball-Sonntag ist dadurch ausgefallen. Am Freitag und Samstag davor mussten wir bis 20Uhr (also insgesamt 12,5 Stunden) arbeiten und da hatte dann keiner mehr Lust aich am Sonntag aus dem bett zu quälen. Der Hammer kommt aber jetzt über Ostern. Damit wir überhaupt einen zusätzlichen Tag frei haben müssen wir die ganzen 6 Tage bis 20Uhr arbeiten. Tag Nummer 2 ist nun vorbei und wir sind alle erledigt. Wir waren nur darauf, dass es Samstag wird und wir Sonntag und Montag frei haben. Aber ich glaube kaum, dass wir es durchhalten werden. Das wird dann auch die Chefin einsehen, wenn die Reihen nach und nach überlaufen, weil wir einfach nicht mehr können.

Am 13. April habe ich die Halbzeit erreicht. Auf ein halbes Jahr Neuseeland kann ich dann zurückblicken und ich kann es kaum glauben. Bis dahin lasse ich mich von meinem Mitarbeitern aufheitern und lache über sehr interessante Formen von Äpfeln…

Seit zwei Wochen bin ich bereits in Roxburgh. Roxburgh, sagt mir nichts, habe ich noch nie etwas von gehört. Stimmt. Hier gibt es auch absolut nichts. Ich glaube der Ort hat vielleicht seine 600 Einwohner – wenn es hoch kommt. Doch viel von dem Ort und der Umgebung habe ich noch nicht gesehen, denn eigentlich bin ich lediglich hier um zu arbeiten. Und Arbeit gibt es hier genug.

Das kleine Örtchen Roxburgh liegt eine halbe/dreiviertel Stunde Autofahrt (je nach Fahrstil) südlich von Alexandra, in der Mitte der Südinsel. Der Ort liegt an einem Fluss und ist eigentlich mit recht gutem Wetter gesegnet. Aus diesem Grund gibt es hier viele Obstplantagen. Ob Nektarinen, Pfirsiche, Pflaumen oder auch Äpfel, hier wächst alles was man an Bäumen ziehen kann. Letztere Frucht gibt mir einen Job. Ich arbeite sechs Tage die Woche jeweils 10 Stunden lang in einem Packhaus. Wir stehen am Fließband und bekommen Massen an Äpfeln angeliefert, die wir auf Papphalter anordnen, nach Druckstellen überprüfen und in Kartons packen. Das alles möglichst schnell und gründlich und zum Billigpreis des Mindestlohns in Neuseeland. Es sind übrigens die Äpfel, die dann in ein paar Wochen unter anderem in den Deutschen Supermärkten herumliegen. Alles handgepflückt und eingeordnet von Backpackern.

Im Grunde wird somit mein Leben von der Arbeit bestimmt. Der Wecker klingelt um 6, dann gibt es Frühstück, die Sachen werden gepackt, Lunch gemacht und auf zum Packhaus. Um halb 8 werden die Bänder angeschmissen und um halb 6 abends wieder abgestellt. Zwischendurch wird man halb verrückt durch den Anblick von tausenden von Äpfeln und das unglaublich nervtötende Klickgeräusches der Lieferbänder, die die Äpfel nach Gewicht an den Packbändern aussortieren. Natürlich dürfen wir keine Musik hören. Den Grund dafür kenne ich nicht und die Arbeit wäre um einiges erträglicher, wenn man sich ablenken könnte. Ich bin entweder an einer Reihe, die mich komplett fordert oder darf mich um mehrere kümmern, weil einfach nicht genug Leute da sind. Eingesehen wird das von den Chefs nicht. Dann wird das Band halt mal für eine Minute angehalten, das Chaos beseitigt und weiter geht die Arbeit.

Abends bin ich meistens zu müde um noch irgendetwas zu machen (deshalb kommt dieser Eintrag auch relativ spät). An einigen Abenden lag ich bereits um halb acht im Bett und habe eine Stunde später tief und fest geschlafen. Aber das war nur die Ausnahme.

Am ersten Tag haben die ersten Beiden gekündigt. Eine Woche Später die Nächste und jetzt am Wochenende sind zwei weitere Personen gegangen. Ja, Arbeit macht Spaß.

Der Sonntag ist dann der einzige freie Tag der Woche. Ausschlafen. Denkste! An meinem ersten Sonntag bin ich pünktlich um 6 aufgewacht. Letzten Sonntag immerhin “erst” um 7. Dadurch kann ich als erste die Waschmaschine nutzen und die Ruhe im Hostel genießen, denn der Rest der Truppe schläft natürlich aus. So bis Mittag. Netterweise hatten wir an beiden Sonntagen das Glück, dass es geregnet hat. Die Wochentage waren natürlich wunderschön auch wenn die Nächte sich schon in den Minusgraden bewegen. Durch meine Frühaufsteheraktion hatte ich aber die Möglichkeit einen schönen Sonnenaufgang zu sehen und spazieren zu gehen durch das schlafende Roxburgh. Die einzige Person, die mir begegnet ist war mit ihrem Hund unterwegs, also nicht freiwillig.

Ich rede übrigens im Schlaf. Und schreie. Vorher hat mir das noch keiner erzählt weshalb ich annehme, dass ich diese Angewohnheit erst hier für mich entdeckt habe. Meine armen Zimmergenossinnen müssen da nun leider durch, wenn ich von Äpfeln träume und doch eigentlich einfach nur weg will. Ich hoffe, dass sich das dann wieder legt, wenn ich aus Roxburgh weggehe. In vier Wochen. Mit gefülltem Bankkonto.

Doch zu den schönen Dingen des Lebens: Bis auf eine etwas zu neugierige und griesgrämige Hostelmanagerin sind die Leute hier echt nett. Von einer bunten Mischung aus England, Tschechien, Frankreich, Chile, Asien und Deutschland sind nun nur noch die Deutschen, einige Asiaten und zwei Chileninnen übrig. Trotzdem eine gute Truppe um gemeinsam zu leiden. Bei der Arbeit selbst sind aber alle möglichen Nationalitäten zugegen und auch einige Kiwis. Damit wird dann nur englisch gesprochen (wenn man dann mal Zeit hat) mal besser und mal.. schlechter. Nächsten Sonntag wird mit einigen Leuten Paintball gespielt. Das zweite Mal für mich. Ich hoffe inständig, dass es gutes Wetter gibt, ansonsten macht das Ganze wohl auch keinen Spaß.

Eigentlich denke ich immer, dass ich ganz gut mit der englischen Sprache klarkomme. Natürlich hatte ich zunächst einige Schwieirgkeiten mit dem Kiwi-Akzent, aber man gewöhnt sich daran. Mir ist auch bewusst, dass es in England diverse Akzente, doch dass es einen Akzent gibt, den selbst Engländer selbst nicht gut verstehen…
Im Hostel hat für einige Nächte ein Engländer eingecheckt (sowieso war letzte Woche eine britische Woche, was absolut genial war!!!). Er kam aus Birmingham und in den ersten Stunden habe ich kaum etwas verstanden von dem, was der Herr von sich gegeben hat. Ich habe bereits so einige Akzente gehört und kann auch langsam lokalisieren woher die Menschen kommen. EIn solch seltsames Englisch ist mir bislang jedoch nicht zu Ohr gekommen. Der gute Tom wurde selbst von seinen Landleuten nicht verstandn. Somit musste ich mich nicht schlecht fühlen. Schlussendlich war ich sogar ein wenig stolz darauf, denn als er abgereist ist habe ich bestimmt 70% von dem sofort verstanden, was er erzählt hat. Mal mehr und mal auch weniger. Aber es hat sich enorm verbessert.
Das irische Englisch finde ich dagegen erheiternd. Zeitwise denke ich, dass in deutschen Schulen eher dieses Englisch gelehrt werden sollte, denn die Iren scheren sich einfach nicht um das th. Warum sich die Zunge abbrechen, wenn man auch einfach t sagen kann?! Sehr sympathisch!

Dies ist übrigens meine letzte Nacht in Dunedin. Ich werde den Ort vermissen. Zwar mochte ich die Stadt nicht sofort, aber nach vier Wochen habe ich mich doch ein wenig verliebt. Es ist halt die typische Studentenstadt. Damit mein letzter Abend auch richtig gut wird gab es es dann auch noch was ganz tolles:
Dunedin hat gegen Christchurch Rugby gespielt und ich war dabei! Die Tickets waren komplett ausverkauft, aber ich hatte Glück. Auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit nach Roxburgh hat mich jemand kontaktiert und nach einer Weile kam nochmal eine Nachricht, die meinte: Wir haben ein Ticket für das Spiel über. Interesse? – Klar doch! Es war eine super Zeit und Dunedin hat dann auch noch gewonnen!

Man hat eigentlich immer die Wörter von seinen Eltern im Ohr: Wenn du ausgehst, lass deine Sachen nicht einfach rumliegen. Irgendwann sind sie weg. Als Backpacker gewöhnt man sich jedoch schnell daran seine Sachen einfach rumliegen zu lassen. Zumindest im Hostel. Und dort ist es eigentlich auch sicher, denn man ist unter Gleichgesinnten. Allerdings gibt es auch scharze Schafe.

Schaf Nummer 1:
Wenn man bei uns im Hostel eincheckt zahlt man 20$ als Kaution für den Schlüssel. Leider hat eine meiner Kolleginnen an einem Abend vergessen das Geld für die Schüssel wegzusperren und so war das Geld in der Schublade im Schreibtisch. Wenn es ein normaler Abend gewesen wäre, dann wäre wahrscheinlich nichts passiert. Doch leider waren ein paar Gäste dort, die schon den Abend über zu interessiert an der Rezeption waren und die ganze Zeit nur beobachtet haben. Am nächsten Morgen mussten wir dann feststellen, dass das Geld weg war. Die Gäste auch. Sie haben nichtmals die Nacht im Zimmer verbracht und hatten für zwei Nächte bezahlt. Unser Boss war nicht gerade glücklich darüber, aber im Kiwi-Style hat er sich nicht wirklich drüber aufgeregt. Dabei wäre das nur allzu verständlich gewesen, denn erst eine Woche zuvor wurde der Safe in seinem anderen Hostel in Dunedin aufgebrochen und komplett leergeräumt.

Schaf Nummer 2:
Samstagabende sind die besten Abende zum Ausgehen. Vor allem, weil momentan die Orientierungswoche an der Universität ist. Das heißt, dass Massen an jungen Leuten die Stadt überschwemmen um Spaß zu haben. Und genau das wollten wir auch ausnutzen. Eine Freundin hat allerdings den Fehler begangen und hat ihr Portemonnaie und ihre Kamera in ihrer Jackentasche verstaut. Als sie den Club verlassen hat, waren die Taschen leer. Immerhin hatte sie noch das Glück, dass ihr Reisepass und ihr Handy in einer anderen Jackentasche war, sonst hätte sie keine Papiere mehr, denn natürlich war ihr Führerschein im Portemonnaie. Glücklicherweise hat sie noch einen gültigen amerikanischen Führerschein, sodass sie weiter Autofahren darf (die deutsche und neuseeländische Bürokratie stehen sich dabei nämlich wuderbar im Wege) und da es nachts war, konnte sie zumindest ist deutsches Konto zur Tageszeit sperren lassen, die Kiwis mussten leider mit der Nachtzeit zurechtkommen.

Heute wird nur ein wenig Geld und der Ausweis mitgenommen. Sicher ist sicher.

Ja, die Sache mit dem Weiterziehen… Ich bin immer noch in Dunedin und ich werde bis Ende März hierbleiben und im Hostel arbeiten. Das ist ganz praktisch, weil ich dann kostenlos wohnen darf und nochmal 50NZ$ die Woche bekomme, die Lebensmittel locker abdecken. Zudem ist der Hostelbesitzer (der im Grunde genommen nur 5Minuten am Tag im Hostel ist) ganz nett, da er innerhalb der Woche immer einen Aktionstag macht. Mal besorgt er Sachen zum Grillen, DVDs und Snacks, bezahlt die Kinokarten, Pizza…

Ansonsten ist Dunedin noch immer keine bunte Stadt. Der Sommer ist ziemlich grau in grau und die schönen Sachen, die man sehen kann sind außerhalb der Stadt. Mal abgesehen von Schokolade… in Dunedin gibt es die Cadbury Factory, eine der Schokoladenfirmen, die man natürlich besuchen kann und ganz viel Schoki probieren kann. Yummie!
Die Brauereien hier habe ich (noch) nicht besucht. Kommt wahrscheinlich noch und das aus dem gleichen Grund, wie für Cadbury: Das Probieren.

An einem der wirklich schönen Tage habe ich mich zu Fuß auf den Weg gemacht zum Tunnel-Beach. Der heißt so, weil man durch einen Tunnel auf den Strand kommt. Sehr einfallsreich, aber der Strand war wirklich wunderschön und somit braucht er eindeutig keinen einfallsreichen Namen. Ich hatte mich alleine auf den Weg gemacht, aber auf so einer Tour bleibt man eigentlich nie lange alleine. So bin ich auf meinen ersten Italiener in Neuseeland getroffen und wir sind zusammen zur Küste. Nicht auf dem ausgeschilderten Weg – das wäre ja langweilig – sondern einfach an der Steilküste entlang durch die Weiden und über die Zäune. Da die Lammzeit vorbei ist sagen die Besitzer auch nicht wirklich etwas dazu. Wir haben auch niemanden getroffen.. Es war abenteuerlich aber auch wunderschön. Zeitweise kann man sich echt nicht erklären, wie die Natur so etwas schaffen konnte.

Auf der Otago Peninsula kann man Pinguine, Albatrosse und Robben/Seelöwen sehen. Natürlich braucht man dazu ein Auto, aber wozu gibt es Hostelgäste, die einen gerne mit dahin nehmen?! An das Ausnutzen von netten Menschen muss man sich erst gewöhnen, aber so langsam kann ich gut damit leben. Ein Deutscher hat ein paar vom Hostel mitgenommen, um abends die Blue Penguins zu beobachten, wie sie aus dem Meer zu ihren Kleinen und Partnern ans Festland kommen. Pinguine habe ich zwar schon in Oamaru gesehen, aber es ist trotzdem immer wieder süß wie sie schreiend und watschelnd an Land kommen. Zudem habe ich auch einen Albatross gesehen, der am späten Abend noch seine Kreise gezogen hat. Trotzdem würde ich gerne noch zum Albatross Center, da dort die Kolonie angesiedelt ist und die “Küken” noch immer in den Nestern hocken. Dazu muss ich aber erst noch den richtigen Gast finden und überzeugen ;)

Aus einer Woche werden ein paar Tage mehr. Dunedin hatte bei mir einen echt schweren Start, aber langsam fange ich an die Stadt wirklich zu mögen. Es gibt etliche Secondhand Läden, ob nun für Klamotten oder Bücher, die man durchstöbern kann.
Ich habe heute die steilste Straße der Welt besucht, aber ich muss sagen, dass sie ziemlich langweilig ist. Da finde ich den Botanischen garten um einiges schöner.
Die Otago Peninsula habe ich immer noch nicht gesehen. Dort gibt es Seelöwen, Robben und die einzige Albatrosskolonie, die auf dem Festland brütet. Dummerweise fährt keiner der Busse bis zum Ende der Halbinsel, sodass man entweder auf eine überteuerte Touritour angewiesen ist, oder auf ein eigenes Auto. Aber irgendwer im Hostel will wohl auch nochmal Albatrosse sehen und hat dann auch ein Auto. Man muss nur Geduld haben und immer schön nachfragen.

Am Freitag werde ich dann aber wirklich die Stadt verlassen und wieder in die Natur. Die Catlins stehen auf dem Plan und somit der südlichste Punkt Neuseelands. Für diese Region nehme ich mir dann bis Ende Februar Zeit, glaube ich. Anfang März geht es dann arbeiten in einem Obst-Packhaus. Das wird ein Spaß… aber es bringt Geld, das Städtchen in dem ich arbeiten werde ist so klein, dass ich keine Möglichkeithaben werde das Geld auszugeben und das Hostel ist günstig. Jetzt müssen nur noch die Leute passen mit denen ich dann ein paar Wochen zusammen verbringen und arbeiten werden und einer guten Zeit steht nichts im Wege!