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10.39 Uhr:  Wir sind wieder da! Einige Falschparker haben die Fahrt auf den Parkplatz erschwert. Nach einer Menge Rangierarbeit parkt Bus 2 aber am Solebad ein. Die anderen Busse folgen, erst dann dürfen alle Schüler aussteigen.

10.12 Uhr: Eine Sechstklässlerinn erkennt „unseren IKEA“. Aus den Boxen schallt Helenes „Atemlos“ und der ganze Bus singt mit. Ein bisschen Gänsepelle habe ich.

9.58 Uhr: Alle Busse sind da. Jetzt geht es weiter nach Werne! Die letzten 26 Kilometer brechen an.

9.19 Uhr: Der letzte Parkplatz ist erreicht. Bis 9.45 Uhr wird hier eine Pause eingelegt. Dann sind es noch etwas mehr als 20 Minuten. Wenn alle Busse pünktlich sind, könnte es also vor 10.45 Uhr etwas werden.

8.41 Uhr: Die Ankunft am Solebad ist laut Veranstalter für 10.45 Uhr geplant. Auf dem Parkplatz „Lüner Grund“ werden sich die Busse noch einmal sammeln und das letzte Stück gemeinsam bestreiten – womöglich wieder mit Polizei-Eskorte.

7.31 Uhr: Rund 150 Kilometer vor Werne legt der AFG-Tross eine letzte Pause ein. Mit ein wenig Schlaf zwischendurch ging die Zeit für mich jetzt wirklich schnell vorbei. Und die 6d ist sehr nett zu mir gewesen. Einige Kinder haben laut eigener Aussage 13 Stunden geschlafen, da kann ich nicht mithalten. Aber es war angenehm ruhig.

In gut drei Stunden ist Schluss mit lustig! Für mich ist es deshalb an der Zeit, Danke zu sagen. An das AFG und im Speziellen an Schulleiter Heinz-Joachim Auferoth dafür, dass ich an der Reise teilnehmen durfte und der Umgang vor Ort stets unkompliziert war. An die Schüler und Eltern, die den Stoff für meine Geschichten geliefert haben.

An Klaus Brüggemann, der mich losgeschickt und mit vielen Freiheiten ausgestattet hat. Ein besonderer Dank gilt Foto-Papst Isabel Schütte, die mich nicht nur mit ihren Bildern versorgt, sondern mir auch eine Menge Arbeit abgenommen hat. Danke auch an die vier Oberstufenschüler Johanna Gesenhoff, Catharina Bülhoff, Annika Brochtrup und Jan Heidenreich, die den Blog mit Tagebucheinträgen bereichert haben.

Zu guter Letzt auch ein großes Dankeschön an Sie, liebe Leser. Fürs Klicken und Kommentieren. Das hat mich immer wieder aufs Neue angespornt.

3.49 Uhr: Nach einer Mütze Schlaf betreten wir bei einer Pause kurz hinter Nürnberg erstmals wieder deutschen Boden. Uns empfängt ein Restaurant mit eigener Metzgerei direkt neben der Autobahn. Die Deutschen…

Rund 400 Kilometer sind es noch bis zum Ziel der gemeinsamen Reise. Bisher läuft alles nach Plan, von Stau sind wir weiterhin verschont geblieben.

22.35 Uhr: Die österreichische Grenze ist passiert, kurz danach legen die AFG-Busse einen gemeinsamen Stopp ein. Auf dem Rastplatz empfängt uns das Logo einer Fastfood-Kette. Und es geschieht das schier Unbegreifliche: Der Laden hat noch geöffnet. Viele der Werner Gymnasiasten schlagen kurz vor der Nachtruhe nochmal ordentlich zu, den Reisenden aus Bus 9 steht das Pippi in den Augen. Dass sie das noch erleben dürfen!

21.02: Ein kurzerhand durchgeführtes Misstrauensvotum lässt auch die zweite DVD vorzeitig aus dem Player springen. Nur eine Lehrerin hofft noch immer darauf, dass sich die beiden Gesangstalente irgendwann küssen. Stattdessen wird mein Ruf erhört, es folgt „Ziemlich beste Freunde“. Derweil hat sich die Nacht über den Norden Italiens gelegt. Noch 876 Kilometer bis Werne!

19.57 Uhr: Rund 150 Kilometer vor der Grenze endet die Singerei auf der Mattscheibe plötzlich – kollektives Durchatmen bei Eltern und Lehrern. Das war aber leider nur ein Missverständnis: Eine Lehrerin forderte das Ende, rudert jetzt aber zurück: „War nur ein Scherz.“ Schade drum. Vorher kommentierte eben diese Paukerin mit den Worten „Das ist ja grottig gespielt“ und „Oh Gott. Jetzt fängt der Typ auch noch an zu singen.“ Nun läuft der zweite Teil des Blockbusters.

18.25 Uhr: Auf den Wegweisern steht jetzt immerhin schon „Brennero“. Im Bord-Fernsehen läuft dafür „Highschool Musical“. Hatte ich nicht etwas von „Ziemlich beste Freunde“ gehört? Also so, liebe 6d, wird das nichts mehr mit uns. Die Schüler aber scheinen den Film zu mögen, mit Beginn ist es mucksmäuschenstill geworden. In etwa drei Stunden sollten wir die italienisch-österreichische Grenzen erreichen. Forza Lothar! (Ja, so heißt der Mann am Steuer.)

16.26 Uhr: Der Ausblick während der letzten Kilometer ist atemberaubend. Imposante Gebirgsformationen reihen sich aneinander, grüne Hänge und viele Flüsse runden das Bild ab. Und das ist auch gut so, denn die Gesprächsthemen sind nicht so meins.

Da geht es um Pranks (zu deutsch: Streiche) mit Schaum von „BibisBeautyPalace“ und an der Raststätte werden kurzerhand Kuscheltiere gekauft, die beängstigend große Augen und den passenden Namen „Glubschis“ haben. Die possierlichen Tierchen gibt es beispielsweise als Einhorn, mich erinnert ihr Antlitz jedoch an einen deutschen Fußball-Nationalspieler.

Bus 2 befindet sich mittlerweile übrigens bei Bologna, die ersten gut 370 Kilometer sind geschafft. Von Stau bislang keine Spur – das darf so bleiben.

13.02 Uhr: Die Lehrerin fordert laut:“Hinsetzen!“ Sie will damit aber nicht etwa eine Humba starten, sondern reagiert auf die Drohung des Busfahrers, der sein Fahrzeug stoppen will, wenn nochmal Schüler durch den Gang laufen. Die ersten hundert Kilometer sind währenddessen geschafft. Nur noch 1.386…

11.43 Uhr: Ab geht die wilde Fahrt! Ich habe den Bus mit der 6d erwischt und die empfängt mich nahezu euphorisch. Ein Junge sagt: „Wer bist du denn?“ Ein Mädchen kündigt breit grinsend an: „Du wirst bis Werne keine ruhige Minute haben.“ Im Bord-Kino soll später „Ziemlich beste Freunde“ laufen – vielleicht werden die 6d und ich das in den kommenden 22 Stunden ja auch noch.

11.06 Uhr: Ja, auch ich habe mich zum Kauf einer schokoladigen Sünde hinreißen lassen. Es war um mich geschehen, als ein Oberstufenschüler zu seinem Kumpel treffend sagte: „Ey, wir kommen erst morgen an. Was ein Horror!“ Dann wurde ich kurzfristig auch noch in einen Bus mit den Jüngsten gesteckt – also musste ich mich wappnen.

Zu meiner Verteidigung kann ich anführen, dass ich diesen Schoko-Riegel in deutschen Regalen noch nie gesehen habe. Und: Der Hersteller ist offizieller Sponsor der italienischen Olympia-Mannschaft. Die ist, wie   eine Suchmaschine mit zwei O im Namen weiß, immerhin auf Platz neun des Medaillenspiegels gelandet. Die Leckerei muss also verdammt gesund sein.

9.55 Uhr: Da war ich wohl etwas zu voreilig. Mittlerweile scheint über der Bungalow-Anlage wieder die Sonne, während die Schüler ihre letzte Mahlzeit vor den Toren Roms beenden. Die Geräusche von Rollkoffern auf Stein nehmen stetig zu,  erste Kinder machen sich auf den Weg Richtung Ausgang. Ab 10.30 Uhr nehmen die ersten Busfahrer das Gepäck entgegen. Der „Supermarket“ kurz vor der Rezeption lädt zu einem letzten Bummel ein – noch ist das Taschengeld also nicht gesichert, vor allem wenn man die horrenden Preise für deutsche Schokolade bedenkt.

8.27 Uhr: Ein satter Regenguss am Morgen macht den Wecker überflüssig und erleichtert den Abschied von der ewigen Stadt. Für die Lunch-Pakete sind tatsächlich Frikadellen bereit gestellt. Ein Junge aus der Unterstufe verwechselt die Fleischspeise mit Schokoküssen und versucht trotz des Einsatzes von beiden Händen vergeblich, das Brötchen zusammen zu drücken. Es ist ja auch noch früh – gefühlt zumindest.

Pfannkuchen gab es nach meinem Lob am ersten Tag übrigens nicht mehr. Ich hatte darauf gesetzt, dass der Veranstalter uns zum Abschluss nochmal damit erfreut. Pustekuchen! Stattdessen zaubert mir eine Gewohnheit der Schüler ein Lächeln aufs Gesicht: Wann immer jemand eine Sitzbank der Bierzeltgarnitur umwirft, quittieren die übrigen AFGler das mit lautem Applaus. Herrlich!


Über die Autorin/den Autor:  Michael Schlösser ist Online-Redaktion beim Westfälischen Anzeiger. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: