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22.55 Uhr: Neben vielen neuen Eindrücken aus einer mir zuvor unbekannten Stadt nehme ich eins mit: Mückenstiche. Und zwar ohne Ende davon. Einmal das Fenster ohne Schutzgitter geöffnet, einmal draußen auf der Veranda gesessen, einmal zu oft abends die kurze Hose getragen. Das läppert sich. Resultat: Beine und Arme jucken ordentlich – vor allem, wenn man drüber schreibt.

Ich bin damit aber keinesfalls alleine, auch viele Schüler sind sichtbar gezeichnet. Ein Junge will gar 21.000 Mückenstiche gezählt haben. Ich weiß zwar nicht, wer sein Mathelehrer ist, aber die Zahl kommt mir doch etwas unrealistisch vor. Genug gekratzt jetzt! Das übernimmt in der Nacht ohnehin die Wolldecke, die abends wirklich notwendig ist. Ein letztes Mal sage ich „buonanotte“ aus Rom.

21.24 Uhr: Der offizielle Teil von Tag 6 ist beendet. Viele Schüler haben das Amphitheater nach der Ansprache verlassen und sich auf den Weg in ihre Bungalows gemacht. Noch einmal wollen sie die Vorteile einer eigenen Bude ausnutzen, bevor morgen das lästige Putzen ansteht. Bis 10 Uhr müssen die Hütten geräumt werden, anschließend können ab 11 Uhr die Busse beladen werden.

Vor allem die jüngeren AFGler sind in Gedanken aber noch längst nicht so weit, sie tanzen im Amphitheater zu feinen Ballermann-Hits wie „Heut ist so ein schöner Tag. Lalalalala“. Vielen Dank an den DJ: Diesen Ohrwurm werde ich heute nicht mehr los. Wahrscheinlich hat sich das Thema erst morgen erledigt, wenn die Q2, in deren Bus ich wie auf der Hinfahrt sitzen werde, Lorenz Büffels „Johnny Däpp“ anstimmt.

19.56 Uhr: Hans Höffmann schnappt sich am Abschlussabend noch einmal das Mikro. Um 12 Uhr soll morgen die Reise in die Heimat beginnen. Der Firmengründer und Geschäftsführer rät dazu, eine Frikadelle im Brötchen mitzunehmen. Ob sich darüber auch die Busfahrer freuen? Wir werden es erleben. Unter tosendem Applaus wird auch noch die Küchenchefin Irmgard Meyer auf die Bühne gerufen. Sie kassiert stellvertretend für ihr Team das Lob der Gruppe.

18.14 Uhr: Jetzt steht noch das letzte Abendessen auf dem Programm. Frikadellen, Ketchup und Kartoffeln sollen wohl schonmal einem möglichen Kulturschock vorbeugen. Das sehe ich nicht ein! Heute gibt es Pizza. Basta!

Um 19.30 Uhr ist wieder Info-Abend, dann wird auch bekannt gegeben, wann es morgen gen Heimat geht. Danach gibt es noch eine kleine Abschiedsfeier samt DJ. Auch die Jüngsten dürfen heute etwas länger – bis halb Zwölf – wachbleiben. Die Lehrer tun alles für eine ruhige Rückfahrt.

15.13 Uhr: Langsam aber sicher heißt es Abschied nehmen. Am Pool tippe ich den Text für die morgige Printausgabe, währenddessen toben die Schüler aller Altersklassen durchs Wasser. Die Oberstufe grätscht sich gegenseitig auf der Rutsche über den Haufen, einige Schüler versuchen ihre Freunde mit einem Plastikball abzuwerfen. Stufenleiter Marius Gregg schaut sich das Treiben aus der Ferne an und sagt lächelnd: „In wenigen Monaten werden die ihre Hochschulreife erlangen. Wenn man das auf der Rutsche sieht, ist es kaum zu glauben.“ Er wird sie vermissen – so viel steht fest.

13.02: Auch wenn der Papstbesuch einen passenden Schlusspunkt gesetzt hätte, war es das noch nicht. Klasse 6 nimmt auf dem Rückweg noch die Basilika St. Paul mit. Hier ist der Namensgeber begraben worden, und im Inneren der Kirche sind alle Päpste abgebildet. Der aktuelle, den wir gerade noch in natura gesehen haben, ist angeleuchtet.

Vor der Tür besteht die womöglich letzte Chance, ein geschmackvolles Souvenir zu ergattern. Ein Schüler entdeckt ein Kissen in Form eines lachenden Haufens und zieht verzückt die Brieftasche: Gekauft! Für nur acht Euro.

10.53 Uhr: Nach der lateinischen Version des Vater Unser ist die Audienz beendet. Schulleiter Heinz-Joachim Auferoth zeigt sich rundum zufrieden: „Das war ein sehr spezieller Moment.“ Amen!

10.13 Uhr: Der Heilige Vater erwähnt das AFG tatsächlich namentlich, nachdem ein österreichischer Bischof verkündet hat, welche Gruppen aus dem deutschsprachigen Raum der Audienz beiwohnen. Auf „Anne-Frank-Gymnasium di Werne“ antworten 750 Leute, indem sie aufstehen und „Viva il Papa“ rufen. Das Training an den Abenden zuvor hat sich gelohnt.

9.30 Uhr: Papst Franziskus ist auf dem Petersplatz angekommen und grüßt die Pilger aus seinem Papa-Mobil. Die AFG-Schüler stellen sich auf ihre Stühle, um einen Blick auf den Papst zu erhaschen, der nur wenige Meter an uns vorbei fährt. Großer Jubel brandet bei den Werner Gymnasiasten auf, als ein deutscher Bischof mitteilt, dass das AFG anwesend ist. Das war aber nur die Generalprobe, später soll der Papst selbst noch die 750 Gäste aus der Lippestadt begrüßen. Dann wird es laut.

9.11 Uhr: Die ersten Bischöfe drehen ihre Runden und begrüßen die wartenden Pilger. Der morgendliche Kaffee meldet sich, stilecht erleichtere ich mich auf einem Dixie-Klo. Das hätte ich mir irgendwie prunkvoller vorgestellt. Der Petersplatz füllt sich immer weiter, sieht aus als wäre die Veranstaltung heute „ausverkauft“.

8.14 Uhr: Der Busfahrer fährt von der letzten Startreihe noch auf die Pole Position. Hut ab! Als erste Gruppe erreicht Bus 11 die Engelsburg, von dort geht es zu Fuß weiter – oder um in den Worten von Frau Berendes zu bleiben: per pedes. Es reicht für den zweiten Block, von dort werde ich den Papst gut sehen können.

Die AFG-Schüler nehmen auf Stühlen Platz, so lässt sich die Stunde, bis der Heilige Vater erstmals mit seinem Papa-Mobil durch die Reihen fährt, gut überstehen. Viele AFGler kramen ihre Handys raus, machen erste Fotos oder lassen sich von vermutlich sakraler Musik wecken. Die Audienz ist übrigens live zu sehen unter http://k-tv.org.

6.51 Uhr: Isabel und ich steuern auf dem Parkplatz zielsicher den am besten besetzten Bus an. Der wird ja sicher auch als erstes losfahren. Doch kurz vor der Abfahrt fällt zwei Schülerinnen von Bus 11 ein, dass sie ihren Ausweis vergessen haben. Und der ist für den Besuch des Kolosseums, der nach der Audienz ansteht, nötig. Also eilen die beiden zurück zum Bungalow, als sie zurückkehren ist der Parkplatz bereits leer – bis auf unseren Bus. Die Lehrer empfangen ihre Schützlinge trotzdem mit einem euphorischen „Viva!“

6.01 Uhr: Über der Bungalow-Anlage liegt noch die Nacht, es ist dunkel und frisch als ich aufstehe. Auf dem Weg zum Frühstück laufen mir viele dick eingepackte Schüler und ein Igel über den Weg. Klare Anzeichen dafür, dass hier etwas nicht stimmt. Ein Kaffee weckt so langsam meine Lebensgeister, im Essenszelt herrscht viel Betrieb. Lunch-Pakete sind heute noch wichtiger als sonst, am Brötchen-Tisch bilden sich erste Schlangen. Pech, wenn man hinter einem jüngeren Schüler steht, der das mit dem Schneiden erst noch lernt.

Vom Frühstückstisch – in dieser Woche eine Bierzeltgarnitur – geht es direkt zur Rezeption. Dort versammeln sich die Gruppen für die Abfahrt. Ich bin gespannt, wie voll die Straßen so früh am Morgen wohl sind. Tausende Pilger machen sich schließlich auf den Weg zu Papst Franziskus, der mit bürgerlichem Namen Jorge Mario Bergoglio heißt und aus Argentinien kommt. Der Name klingt, als wenn er auch ein begnadeter Fußballer hätte werden können. Jetzt aber genug der wirren Gedanken. Auf geht’s!

PS: Isabel Schütte hatte heute leider kein Foto für mich, dabei habe ich mir vor dem Spiegel noch alle Mühe gegeben. Eine Bildergalerie gibt es erst etwas später. Aber dann auch mit Bildern ihrer Heiligkeit – und ich meine nicht Frau Schütte.


Über die Autorin/den Autor:  Michael Schlösser ist Online-Redaktion beim Westfälischen Anzeiger. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: