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22.01 Uhr: Heute geht das Licht mal zeitig aus, denn morgen steht die Papst-Audienz auf dem Plan. Und das bedeutet, dass die Busse bereits um 6.30 Uhr die Bungalow-Anlage verlassen. Die Antwort auf den Gruß des Heiligen Vaters – diese Rolle besetzte Schulleiter Heinz-Joachim Auferoth heute erneut glänzend  – ist einstudiert und kommt beim letzten Versuch wie aus der Pistole geschossen. Acht Sekunden bleiben morgen auf dem Petersplatz Zeit für eine Reaktion des AFG. Mir bleiben jetzt noch gut sieben Stunden bis der Wecker klingelt. In diesem Sinne: Buona notte aus Roma.

18.42 Uhr: Wenn um kurz vor 18 Uhr der Chef aus Werne anruft, dann kann das nichts Gutes bedeuten. Ganz so schlimm ist es aber nicht, es müssen nur noch ein paar Fotos über den Brenner geschickt werden. Just im Moment des Anrufs macht der Akku des Laptops natürlich zum ersten Mal während der Reise schlapp. Jetzt ist guter Rat teuer.

Das W-Lan funktioniert nur an Pool oder Restaurant, dort gibt es aber keine Steckdose. Also rein ins Waschhaus, das nebenan liegt. Die drei Jungs, die gerade ihre Duschkabinen betreten, gucken nicht schlecht als ich den Laptop zwischen zwei Waschbecken aufbaue und mit Strom füttere. Egal, die Fotos gehen dafür im Schneckentempo – ein Strich Empfang – auf virtuellem Weg rüber nach Werne. Und der Chef ist glücklich – pünktlich um Sechs.

16.33 Uhr: Ich habe nicht zu viel versprochen. Nach anfänglicher Zurückhaltung schlagen die Schüler dann doch noch ordentlich zu. Zwei Jungs haben sich mit neuen Bomberjacken eingedeckt, ich sehe außerdem ein Trikot des AC Mailand, Cappies und Shirts mit Roma-Schriftzug. Mein persönlicher Favorit sind aber die drei Wackelköpfe, mit der ein Siebtklässler seine Familie erfreuen wird.

Shoppen macht hungrig- na klar. Und wenn man schon mal in Italien ist, was läge dann näher als ein Besuch des goldenen Ms? Ich kenne das ja von früher. Ein Junge macht mit Händen und Füßen verständlich, dass er Chicken Nuggets und einen Fischburger will. Als die Bestellung unfallfrei abgegeben ist, atmet er durch: „Das ist echt eine Herausforderung hier.“

Auf dem Weg zurück zum Bus werden noch schnell ein paar Pokémon gefangen. Ein Jubelschrei verrät, dass ein Junge wohl ein ganz seltenes Exemplar gefangen hat. Neben den virtuellen Monstern sammeln wir auf dem Rückweg auch noch eine Fünfergruppe ein, die sich in den engen Straßen der ewigen Stadt kurzzeitig verirrt hat. Passiert! Der Bus fährt trotzdem pünktlich Richtung Bungalow-Anlage ab.

13.19 Uhr: Die Siebtklässler, mit denen ich heute zum zweiten Mal den Bus teile, hatten bisher, abgesehen von den I-love-Roma-Shirts noch keine echte Möglichkeit, ihr Taschengeld sinnvoll zu investieren. So geht das natürlich nicht! Deshalb bringt uns der Bus jetzt in die Innenstadt. Die Spanische Treppe ist das Ziel, anschließend können die Gymnasiasten mal auf den Putz hauen und geschmackvolle Geschenke für ihre Eltern, Geschwister, Freunde und Großeltern shoppen. Ich bin gespannt, was alles so im Einkaufswagen bzw. Rucksack landet. Auf der Rückfahrt werde ich dann von der Ausbeute berichten.

12.23 Uhr: Wieder meint es der Wettergott fast zu gut mit uns. Ostia Antica aber ist der perfekte Ort für prallen Sonnenschein, weil der Hafen von einst, „das ehemalige Herz Roms“, wie eine Lehrerin erklärt, immer wieder Schattenplätze bietet. Im Gegensatz zu vielen bislang besuchten Sehenswürdigkeiten ist die imposante und weitläufige Ruinenstadt zudem nicht von Touristen überlaufen.

Im Amphitheater, in dem einst Männer die Frauenrollen besetzten, – denn in Rom galt: selbst ist der Mann – führen die AFG-Schüler heute zum Teil Wasserspiele auf. Beim aktuellen Wetter ist das eher Service als Ärgernis.

10.47 Uhr: „Stadtauswärts sollte es schneller gehen. Die Autofahrer wollen ja ins Zentrum und nicht raus“, lautet die Vermutung vor der Abfahrt. Klingt logisch, stimmt aber nicht. Auch auf dem Weg nach Ostia Antica herrscht das alltägliche Verkehrschaos. Doch unser  Busfahrer behält bei diesen Verhältnissen einen kühlen Kopf. Drängelversuche kleinerer Autos wehrt er souverän ab. Im Formel-1-Jargon würde man sagen: Er macht innen zu.

9.24 Uhr: Die Oberstufenschüler sind bereits um 8 Uhr zu entlegenen Zielen wie Pompeji, Herkulaneum oder Castel Gandolfo aufgebrochen. Ich habe den Tag etwas gemütlicher begonnen und werde mich gleich mit Mittel- und Unterstufe auf den Weg nach Ostia Antica machen. Der geplante Strandbesuch samt „Strand-Olympiade“ fällt leider aus, da der Strand zum Teil bereits geschlossen und zudem sehr dreckig sein soll.

Mein Start in Tag 5 der Rom-Fahrt brachte wie üblich am Buffet die erste Herausforderung mit sich. Nachdem Brötchen und Rührei mit Speck auf meinem Teller gelandet waren, kämpfte ich mich – wie viele andere AFGler – am Käse ab. Der wird gekühlt gelagert, das erleichtert die Trennung der Scheiben nicht gerade. Dementsprechend sieht die Käseplatte nach wenigen Minuten immer aus: hier fehlt ein Stück, dort ist ein Drittel abgerissen. Eine Mutter gibt es auf und nimmt einfach mehrere Scheiben.

Gestärkt setze ich mich für den ersten Blog-Eintrag des Tages in die Nähe des Restaurants, wo es freies W-Lan gibt – zumindest gegen Preisgabe meiner Facebook-Daten. Von Ruhe ist aber auch hier keine Spur. Eine Katze wagt kurzerhand den Sprung auf meinen Schoß und will partout nicht einsehen, dass ich so nicht tippen kann. Ein beherzter Griff und ich komme wieder an die Tastatur.

PS: Wie üblich hat „Foto-Papst“ Isabel Schütte – ich muss mich ja steigern – mir ihre brillanten Fotos vom gestrigen Tag auf einen Stick gezogen. Viel Spaß beim Durchschauen!


Über die Autorin/den Autor:  Michael Schlösser ist Online-Redaktion beim Westfälischen Anzeiger. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: