23.42 Uhr: Pünktlich um 23 Uhr kehrten die Oberstufenschüler auf die Anlage zurück, die Jüngeren hatten die Fahrt zu den beleuchteten Bauten schon früher beendet. Ich wechsel morgen den Bus und nehme am Programm der 7. bis 9. Klasse teil – klassischer Fall von Pappengeblieben. Einziger Nachteil: das Programm beginnt schon um 9.30 Uhr mit der Abfahrt. Aber ich habe es mir ja so ausgesucht… In diesem Sinne: Arrivederci!

20.09 Uhr: Bei der allabendlichen Infoveranstaltung, die heute stilecht im Amphitheater auf der Bungalow-Anlage stattfindet, spricht Veranstalter Hans Höffmann nochmal eben Schulleiter Heinz-Joachim Auferoth heilig. Als für die Papst-Audienz am Mittwoch geübt werden soll, muss es schließlich einen Heiligen Vater geben. „Euer Schulleiter ist der Papst“, sagt Höffmann trocken und sorgt für schallendes Gelächter. Die Übung klappt trotzdem.

17.01 Uhr: Alle Schäfchen sind wieder im Trockenen! Um kurz vor Fünf heißt es noch: „Es fehlen sieben Schüler. Das ist zu viel.“ Dann tauchen auch die Nachzügler auf, die stellvertretende Schulleiterin Elisabeth Greber lobt: „Sehr schön, ihr seid pünktlich.“ Ein Neuankömmling guckt verdutzt, dieses Lob hört er wohl zum ersten Mal – wenige Monate vor dem Abi wohlgemerkt.

Zurück auf der Bungalow-Anlage gibt es sofort Abendessen, später steht für die Jüngeren noch eine Lichterfahrt an. Die Älteren unternehmen einen Ausflug ins Künstlerviertel Trastevere.

14.57 Uhr: Die spanische Treppe ist der letzte Programmpunkt des Stadtrundgangs, dann entlassen die Lehrkräfte ihre Schützlinge in die Freiheit. Etwas mehr als zwei Stunden kann jeder Schüler verbringen wie ihm lieb ist. Eine Mädelsgruppe fragt umgehend nach der großen Einkaufsstraße Via del Corso – Klischee erfüllt.

Ich lasse mich erst einmal auf der Treppe nieder und greife zur Salami-Stulle. Sofort eilt ein Polizist auf mich zu und teilt mir in Englisch, aber mit herrlichem Akzent mit: „Eh, it is forbidden to eat here.“ Wieder was gelernt.

Die Stulle verschiebe ich also auf später und mache mich erstmal auf den Weg zum Aussichtspunkt Piazza del Popolo. Von dort habe ich einen tollen Blick über die Stadt und muss feststellen: Über dem Vatikan ziehen dunkle Wolken auf. Wollen wir hoffen, dass das aufs Wetter beschränkt ist.

13.28 Uhr: Nach Verkostung von drei der 150 Eissorten – ich habe mich nach hartem inneren Kampf für Raffaello, Erdbeere und Zitrone entschieden – geht es weiter zum Trevi-Brunnen. Daria, Marie, Lea (von links, siehe Galerie) gehörten zum Erkundungsteam, das bereits vor einem Jahr in Rom war und deshalb als Expertengruppe gilt. Sie sind geradezu erleichtert, dass mal wieder Schüler des AFG auftauchen. In drei Stunden zuvor fanden ganze zwei Gruppen den Weg zum berühmten Geldgrab.

Versenkt man hier nämlich mit der rechten Hand über die linke Schulter eine Münze, kehrt man sicher nach Rom zurück. Auch hier gilt: viel hilft viel. Bei zwei Münzen verliebt man sich in eine Person aus Rom, für drei Münzen steht die Hochzeit vor der Tür – für Risiken und Nebenwirkungen wird natürlich keine Haftung übernommen. Wie viele Münzen das Experten-Trio bereits versenkt hat, ist nicht übermittelt. Aber keine Angst, liebe Eltern! Von einem Ehemann war noch nichts zu sehen.

12.23 Uhr: Auf dem Piazza della Rotonda referieren Pascal, Laurent und Mick (von links, siehe Galerie) zum Pantheon. Dort konnten kleine Hausgötter wie der Gott der Tür – ja, den gab es offensichtlich wirklich – angebetet werden. Hier ist die dritte Station der Stadtführung angesiedelt. Das monumentale Bauwerk fiel einst einem Blitz zum Opfer, die beeindruckende Kuppel misst noch heute 43,5 Meter. Anschließend geht es in eine Gelateria (zu deutsch: Eisdiele), die 150 verschiedene Sorten anbietet.

10.53 Uhr: Gut 40 Minuten haben wir für die etwa 16 Kilometer bis ins Zentrum gebraucht und das an einem Sonntag, an dem vergleichsweise wenig Verkehr ist. Morgen wird die gleiche Strecke wohl wesentlich länger dauern. Der Busfahrer plaudert noch etwas aus dem Nahkästchen: 112 € an Steuern werden für die Genehmigung fällig, mit dem Bus bis ins Zentrum zu fahren. Fast wie ein Schnäppchen kommt der „billigste Parkplatz“ daher: 72 € kostet der pro Stunde.

10.13 Uhr: Oberstufenleiter Marius Gregg versucht wie schon an Tag eins, das Steuer von Bus 9 zu übernehmen. Zu seinem Pech zieht er im Duell mit dem Busfahrer erneut den Kürzeren. Die weiteren Insassen atmen durch und lösen die Anschnallgurte wieder.

9.07 Uhr: Guten Morgen aus Rom! Bei leichter Bewölkung und Sonne starten die Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums in den ersten vollen Tag der Jubiläumsfahrt. Zur Stärkung steht ein Frühstücksbuffet mit großer Auswahl parat: Brötchen, Pfannkuchen, Müsli, Obst, Rührei und Speck sind in den frühen Morgenstunden vom Küchen-Team vorbereitet worden. Pfannkuchen mit Nuss-Nougat-Creme liegt bei den Fünftklässlern auf Rang eins – und da muss ich den jüngsten Teilnehmern zustimmen.

Etwas verschlafen wirken einige der AFG-Neulinge während der ersten Mahlzeit. Kein Wunder, denn in den späten Abendstunden ging ein ordentlich Regenguss über der Bungalow-Anlage runter. Dank der flachen Dächer wiegte dieses Geräusch den ein oder anderen in den Schlaf, andere aber störte das penetrante Trommeln.

Auf dem Programm steht heute ab 10 Uhr eine Stadtführung. Die 15 Busse bringen ihre Insassen – so nah es angesichts der sonntäglichen Audienz bei Papst Franziskus geht – ins Zentrum der Metropole. Anschließend erkunden die AFGler folgende Sehenswürdigkeiten: Via della Conciliazione, Engelsburg, Engelsbrücke, Piazza Navona, Pantheon und Trevi-Brunnen. An allen Stationen stehen Schüler bereit, die in einem kleinen Vortrag die wichtigsten Informationen aufbereiten. Wir sind ja nicht nur zum Spaß hier! Gerüchten zufolge soll dabei aber ausnahmsweise keine strenge Bewertung erfolgen. Wir sind hier ja nicht in der Schule!

Jetzt muss ich aber los. Da es erst am späten Nachmittag wieder etwas zu essen gibt, muss ich mir noch ein paar Stullen schmieren – auch wenn das wenig nach Dolce Vita klingt. Vielleicht wird es auch ein Pfannkuchen mit dem Besten aus Nuss und Milch. PS: In der Bildergalerie sind noch ein paar brillante Schnappschüsse von gestern zu finden. Mein Dank dafür geht an „Foto-Gott“ Isabell Schütte.


Über die Autorin/den Autor:  Michael Schlösser ist Online-Redaktion beim Westfälischen Anzeiger. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: