Am Freitag brach das Anne-Frank-Gymnasium anlässlich des 50-jährigen Jubiläums mit der gesamten Schulgemeinde und insgesamt 744 Personen in Richtung Rom auf. Jonas Austermann berichtet für den WA von der Anreise in die italienische Hauptstadt.

21.18 Uhr: Der erste Tag in Rom neigt sich dem Ende entgegen. Mit vollem Bauch – kinderfreundlich gab es Nudeln und Gulasch – machten sich die meisten Schüler unmittelbar nach der Begrüßung durch Hans Höffmann, Gründer und Geschäftsführer des gleichnamigen Reiseunternehmens, auf den Weg in ihre Bungalows. Noch einmal herauslocken kann sie wohl nur der „Nachtsnack“, der kinderfreundlich schon um 21.30 serviert wird. Es gibt Pizza – na klar. Spätestens um 22 Uhr ist für die Jüngsten dann aber Nachtruhe angesagt, die Älteren haben noch eine Stunde mehr Zeit, um sich intensiv auf die Sehenswürdigkeiten der ewigen Stadt vorzubereiten – vielleicht ja mit einem Quartett.

Höffmann hieß die rund 750-köpfige Gruppe in einer launigen Ansprache auf der Anlage vor den Toren Roms willkommen und mahnte sogleich, sich nicht von den vielen Versuchungen der Stadt – die sollen von Laserpointer bis hin zu Drogen aller Art reichen – verleiten zu lassen. „Und wenn du mal ein Problem hast, und sei es mitten in der Nacht, dann kannst du zu mir kommen“, sagte er. „Ich wohne gleich in der ersten Hütte neben dem Speisesaal.“ Höhepunkt der Info-Veranstaltung war das Geburtstagständchen auf Italienisch („Tanti auguri a te“), das der große Chor für vier Geburtstagskinder, unter anderem Lehrerin Sabine Hellhammer, brachte.

Schulleiter Heinz-Joachim Auferoth erklärte seinerseits müde, aber zufrieden: „Ich kann nach der Hinfahrt ein blendendes Fazit ziehen. Es war ein hervorragendes Gefühl, als alle Schüler gesund aus den Bussen gestiegen sind und sich  auf die Suche nach ihren Bungalows gemacht haben.“ Die Matratzen hier ähneln von ihrer Widerstandsfähigkeit zwar in etwa niederländischem Vollkornbrot, doch auch ich verabschiede mich an dieser Stelle fürs Erste und sage dank Suchmaschinen-Hilfe: „Buonanotte.“

16.02 Uhr: Die letzten Nachzügler treffen nach gut 26 Stunden auf den Autobahnen Deutschlands, Österreichs und Italiens in der ewigen Stadt ein. Schlusslicht ist ausgerechnet ein Bus mit Fünftklässlern. Zwei Väter aus eben jenem Fahrzeug kommen völlig ausgelaugt und verschwitzt an Bungalow L118 an, dieser ist für die nächsten Tage unser Zuhause.

Ich habe derweil schon meine ersten Bahnen im Pool gezogen, die Wassertemperatur erinnerte mich eher an die Nordsee als an mediterrane Gefilde. Die Sonne hat sich mittlerweile hinter  Wolken versteckt, der Stimmung bei den Schülern tut das aber keinen Abbruch. Für die Jüngsten ist es nach wenigen Wochen auf dem AFG ein erstes Highlight, die Oberstufe hingegen tauscht die sonst übliche LK-Fahrt gegen den Trip nach Rom ein. Überall auf dem weitläufigen Platz kommen mir Werner Gymnasiasten entgegen, viele sind am so genannten „Loserpass“ zu erkennen, der für den Fall, dass ein Jugendlicher abhanden kommt, Anweisungen in Italienisch bereit hält.

13.40 Uhr: Nach knapp 24 Stunden ist es endlich vollbracht: Die ersten Busse des Anne-Frank-Gymnasiums haben die Bungalow-Anlage in Rom erreicht. Bus 9 liegt dabei – zu meinem Glück – weit vorne. Die anderen Fahrzeuge sind zum Teil mit einigem Rückstand unterwegs.

Nachdem der Bus von Müll befreit wurde, dürfen die Oberstufenschüler ihre Bungalows beziehen. Anschließend bietet der Veranstalter einen kleinen Snack an, um 18 Uhr findet dann das erste gemeinsame Abendessen statt. Zwischendurch ist Zeit, um die Spuren der anstrengenden, weil langen Fahrt zu beseitigen. Auf den letzten Kilometern vor der Ankunft wurde auch der Ruf nach dem Pool zunehmend lauter, denn das Wetter empfängt das AFG angemessen. Die Sonne scheint in der italienischen Hauptstadt, das Thermometer zeigt 28 Grad an.

9.12 Uhr: Die Sonne und die Wegweiser mit Aufschrift „Roma“ haben auch die letzten Schlafmützen geweckt. Kurz hinter Florenz legen alle 16 Busse nochmal einen Stopp ein. Hier besprechen sich die Reiseleiter abschließend, bevor die restlichen 240 Kilometer in Angriff genommen werden. Die Pechsträhne der Schüler aus Bus 9 hält an: Das goldene M öffnet hier erst um 11 Uhr, Croissants und Kaffee vom benachbarten Restaurant liegen deshalb hoch im Kurs.

Samstag, 6.26 Uhr: Während einer rund 20-minütigen Unterbrechung betreten wir erstmals italienischen Boden. Die Grenzüberquerungen in der Nacht verliefen problemlos, die Beamten wunken den Bus ohne Kontrolle durch. Aktuell halten wir kurz vor der norditalienischen Stadt Modena nahe dem Fluss mit dem formschönen Namen „Po“. Etwa 450 Kilometer sind es noch bis nach Rom. Die Schüler werden langsam wieder wach, erste Gespräche drehen sich bereits um die Frühstücksplanung.

23.05 Uhr: Die Busse 1 und 9 steuern eine Raststätte mit Fastfood-Restaurant an, dieses hat jedoch soeben die Pforten geschlossen und verpasst einen möglichen Rekordumsatz zu später Stunde – selbst Schuld. Bessere Nachrichten erreichen mich von weiter hinten aus dem AFG-Konvoi: Bus 3 und 4 hatten mehr Glück und haben eine Burgerbraterei im Handumdrehen eingenommen. Kurz vor der möglichen Nachtruhe bekommen die Schüler also noch etwas Warmes zu essen, die Eltern in der Heimat werden beruhigt sein und können endlich schlafen gehen. Die Bus-Parade hat für den WA übrigens eine Drohne eingefangen, die beeindruckenden Bilder gibt es in folgendem Video:

 

20.50 Uhr: Auch die zweite Auszeit liegt mittlerweile hinter uns. Kurz nach dem letzten Eintrag kam – wie sollte es anders sein – der erste Stau. Es folgten weitere. Die Stimmung an Bord von Bus 9 ist aber weiterhin gut, nachmittags beschäftigten sich die Schüler vor allem mit Kartenspielen. Mittlerweile haben es sich alle gemütlich gemacht und verfolgen „Star Wars 7“. Oberstufenschüler Jan Heidenreich nutzte die Zeit auf der Autobahn, um ein kurzes Video über die Stimmung vor der Abfahrt in Werne zu schneiden:

16.34 Uhr: Kurz vor Wetzlar bittet der Busfahrer zur ersten Pause. Auf der Raststätte Katzenfurt bevölkert die Besetzung von drei Bussen Restaurant und Parkplatz. Nach rund zweieinhalb Stunden haben die Busse 8,9 und 10 etwa 170 Kilometer geschafft – bislang ohne längeren Stau. So kann es weitergehen!

14.15 Uhr: Die ersten Busse erreichen die Autobahn und verteilen sich aus Sicherheitsgründen unmittelbar. Jeweils zwei Fahrer steuern die Fahrzeuge gen Rom. Die stellvertretende Schulleiterin Elisabeth Greber genießt den Moment und schwelgt in Erinnerungen: „Vor eineinhalb Jahren ist die Idee für diese Fahrt entstanden.“ Jetzt geht es tatsächlich richtig los. Ich melde mich wieder, wenn die erste Pause ansteht.

14.03 Uhr: Die Busse setzen sich nahezu pünktlich in Bewegung. Zahlreiche Eltern und Großeltern sind geblieben, bilden ein Spalier und winken während die Fahrzeuge den Parkplatz langsam verlassen. Die Polizei hat die erste Kreuzung an der Münsterstraße gesperrt und sorgt für eine problemlose Abfahrt.

13.40 Uhr: Die Lehrer und Betreuer in den Bussen bitten zum Einsteigen und überprüfen anschließend, ob alle angemeldeten Schüler auf ihren Plätzen sitzen. Bus 9, in dem ich sitze, ist vollständig und bereit für die Abfahrt. Aus dem Fenster ist zu sehen, wie vor allem die jüngeren Schüler letzte Abschiedstränen verdrücken.


Über die Autorin/den Autor:  Michael Schlösser ist Online-Redaktion beim Westfälischen Anzeiger. Alle Beiträge der Autorin/des Autors: